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# Halle, Oper Halle, Anna Bolena von Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 06.11.2017
- URL: https://www.ioco.de/halle-oper-halle-anna-bolena-von-gaetano-donizetti-ioco-kritik-06-11-2017/
- Published: 2017-11-07T08:00:07.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:42:05.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Konzert & Liederabend, Verdi, giuseppe verdi, Halle

![halle.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/halle.jpg "Theater und Orchester Halle")

[Theater und Orchester Halle](http://buehnen-halle.de/?ref=ioco.de)

![Oper Halle © Falk Wenzel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/05/oper_halle_ffw3610_komp_foto_falk-wenzelneu.jpg "Oper Halle © Falk Wenzel")

Oper Halle © Falk Wenzel

# ***Anna Bolena* von Gaetano Donizetti**

**Opulentes konzertantes Sängerfest**

Von **Guido Müller**

Die 1830 in Mailand uraufgeführte *Tragedia lirica* um die historisch bekannte Geschichte der unglücklichen **Anna Bolena,** Ehefrau **König Heinrichs VIII.,** ihre Rivalin **Giovanna Seymour** (hier wird die italienische Schreibweise benutzt) und den ehemaligen Geliebten **Lord Riccardo Percy** von Gaetano Donizetti machte den italienischen Komponisten nach 34 Opern mit einem Schlag weit über sein Heimatland berühmt.

![Oper Halle / Anna Bolena in der Ulrichskirche in Halle © Falk Wenzel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/11/anna-bolena1-neu.jpg "Oper Halle / Anna Bolena in der Ulrichskirche in Halle © Falk Wenzel")

Oper Halle / Anna Bolena in der Ulrichskirche in Halle © Falk Wenzel

Die Titelrolle war der damaligen italienischen Primadonna assoluta **Giuditta Pasta** in die Stimme geschrieben, die für ihren ***Soprano sfogato,*** einen Sopran mit Mezzotimbre und profilierten tiefen Registern berühmt war. Nachdem die Oper zu den beliebtesten des 19\. Jahrhunderts gehörte, geriet sie Jahrzehnte bis 1957 in Vergessenheit, als **Maria Callas** in der Titelrolle in einer Inszenierung von **Luchino Visconti** an der **Mailänder Scala** das Werk wieder zum Leben erweckte. Durch diese beiden Interpretinnen war die Messlatte hoch gelegt und zum Beispiel die große Koloratursopranistin **Edita Gruberova** hat die Rolle später verkörpert. Ein Opernhaus kann nur wagen, diese hochdramatische Belcanto-Oper auf den Spielplan zu setzen, wenn ihr Ensemble über eine solche Sängerin verfügt, der nicht nur die Belcanto-Stimmtechnik sondern auch der hoch-dramatische expressive Ausdruck perfekt zu eigen ist.

Das **Opernhaus Halle** verfügt mit der vielfach ausgezeichneten Kammersängerin **Romelia Lichtenstein** über eine solche Ausnahmesopranistin, die an vielen **Händel-** un**d Mozart-**Rollen gereift ebenso das hochdramatische Fach **Puccinis** und des **Verismo** beherrscht. **Romelia Lichtenstein** steht wie der Sängerin der Uraufführung nicht nur die stupende Koloraturfähigkeit sondern ebenso bruchlos das warme Mezzoregister und sonore tiefe Stimmregister zur Verfügung. Damit glänzt sie in dieser konzertanten Aufführung der Oper in der Konzerthalle der **Ulrichskirche** mit ihrer heiklen Akustik und lässt das Publikum gebannt den Atem anhalten in ihren großen Szenen wie Ensembles.

![Oper Halle / Anna Bolena - hier Romelia Lichtenstein ist Anna Bolena © Falk Wenzel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/11/anna-bolena-frauneu.jpg "Oper Halle / Anna Bolena - hier Romelia Lichtenstein ist Anna Bolena © Falk Wenzel")

Oper Halle / Anna Bolena - hier Romelia Lichtenstein ist Anna Bolena © Falk Wenzel

Opulenz ist das Leitthema dieser zweiten Spielzeit der Intendanz von **Florian Lutz** und seinem Team am **Opernhaus Halle.** Und stimmliche wie orchestrale Opulenz der großen italienischen Belcanto-Oper unter der meisterhaften musikalischen Leitung des ersten Kapellmeisters **Michael Wendeberg,** der in der letzten Spielzeit in Halle bereits bravourös mit seinem Dirigat der [Uraufführungsoper ***Sacrifice*** ](https://ioco.de/2017/09/07/halle-oper-halle-rundum-mitmach-oper-fliegende-hollaender-sacrifice-ioco-kritik-06-09-2017/?ref=ioco.de)nachdrücklich hat aufhorchen lassen, bietet diese konzertante Aufführung wahrlich in verschwenderischer Fülle. Wendeberg entfesselte mit der glänzend disponierten **Staatskapelle Halle,** dem Chor der **Oper Halle** und den ausnahmslos auch in denkleinen Rollen herausragenden Solisten ein italienisches Opernfest der Spitzenklasse, wie ich es in Halle lange nicht erlebt habe.

Bereits im orchestralen Vorspiel lässt die Staatskapelle aufhorchen durch die präzisen dynamischen Steigerungen und Kantilenen der betörend klingenden Holzbläser wie später die Staunen erweckenden, überaus exquisit und tonsicher spielenden Hörner, die von **Birgit Kölbl** angeführt werden. Zugleich versteht **Wendeberg** es die Generalpausen auskostend effektvolle Spannungsbögen und Kontraste aufzubauen, indem ihm willig der vollendet singende Herrenchor und Damenchor folgen.

Fast alle Rollen sind mit Mitgliedern des Hauses besetzt. Lediglich den **Pagen Smeton** singt die junge Mezzosopranistin **Yulia Sokolik** als Gast, die sofort zu Beginn der Oper mit der harfenbegleiteten Romanze *"Deh! non voler costringere"* gefangen nimmt, die sie in einem äußerst edlen bernsteinfarbig timbriertem Legato gestaltet. Nach der von den duftig leicht spielenden Holzbläsern und vornehmen Hornsolo auf einem samtigen Streicherteppich eingeleiteten späteren Szene "*Tutto è deserto"* erhält **Yulia Sokolik** für ihre warme, perfekt ausdrucksstark und offen gesungene Kantilene spontanen Szenenapplaus des Publikums. Von dieser Mezzosopranistin werden wir sicher noch öfter hören.

Der zweite Gast im Ensemble ist **Konstantinos Latsos** als **Lord Riccardo Percy,** der nicht nur durch sein sympathisches Auftreten sondern vor allem gleich mit seinem geschmackvoll schlank und zugleich kraftvoll gesungenen Tenor für sich einnimmt, mit dem er auch die Spitzentöne seiner Partie und strahlende Strettas beherrscht. Zu einem Höhepunkt der Aufführung gestaltet er im zweiten Akt das zauberhafte Terzett *"Fin dall'età più tenera"* mit **Romelia Lichtenstein** und dem Bass **Ki-Hyun Park** als **Enrico VIII.**

**Ki-Hyun Park** überragt für mich an diesem Abend sowohl durch ausgefeilte Stimmkultur, packendste *Italianità,* Spielfreude in Mimik und Gestik wie seine große psychologisch ausgefeilte Charakterstudie des zerrissenen, zweifelnden und brutalen ***Königs Heinrich VIII***. alle anderen Darsteller. **Park** lässt keinen Moment die fehlende szenische Umsetzung vermissen. Daher erhält er am Ende verdiente Ovationen des Publikums.

![Oper Halle / Anna Bolena - hier links Ki Hyun Park als zweifelnder Heinrich VIII. und Du Wang als Signor Harvey © Falk Wenzel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/11/bolena-park-neu.jpg "Oper Halle / Anna Bolena - hier links Ki Hyun Park als zweifelnder Heinrich VIII. und Du Wang als Signor Harvey © Falk Wenzel")

Oper Halle / Anna Bolena - hier links Ki Hyun Park als zweifelnder Heinrich VIII. und Du Wang als Signor Harvey © Falk Wenzel

Die zweite Krone der darstellerischen und gesanglichen Verkörperung aus dem Ensemble der Oper Halle verdient an diesem Abend des Belcanto-Festes **SvitlanaSlyvia** für ihre vom König als Nachfolgerin **Anna Bolenas** erwählte Hofdame **Giovanna Seymour**. Ihr großes dramatisches Duett mit der Konkurrentin um die königliche Liebe **Romelia Lichtenstein** "*Dal mio cor punita io sono"* zu Beginn des zweiten Aktes war für mich die packendste und expressivste Szene des Abends mit der höchsten musikdramatischen Wahrheit. Perfekt harmonieren die kostbaren Stimmen mit Mezzofärbung. Ähnlich ideal abgestimmt harmoniert sie mit dem Enrico des **Ki-Hyun Park** im Duett.

Hier bewährt sich das warme tief empfundene Legato und die leicht ohne jede Schärfe und störendes Vibrato geführte Stimme der Ausnahme-sängerin und perfekten Belcanto-Darstellerin **Romelia Lichtenstein,** die zudem über eine beseelte Koloraturtechnik verfügt. Ihre Spitzentöne dienen ausschließlich der musikdramatischen Expression und nie hohler Stimmartistik. Ihre berühmte Wahnsinnsszenemit konzertierender Flöte und Oboe kurz vor dem Ende der Oper singt sie mit schwebender Höhe auf anrührendste Weise.

**Vladislav Solodyagin** gestaltet die wenig dankbare Rolle des ***Lord Rochefort*** stimmschön und ausdrucksstark. Das gilt auch für die kleine Rolle des ***Signor Harvey,*** der **Du Wang** als Gast ein stimmschönes Profil verleiht.

Alle Freunde großer italienischer Belcanto-Oper sollten auf keinen Fall die dritte Gelegenheit in Halle verpassen, diese hochdramatische Oper in dieser exquisiten Besetzung zu erleben. Die Leistung des Ensembles und der Staatskapelle verheißt bereits viel für die italienische Opernwoche am **Opernhaus Halle** im Frühjahr 2018 mit dem Höhepunkteiner neuen Inszenierung von **Giuseppe Verdis *Aida.***

*Das beglückte Publikum in Halle dankt am Ende den Musikern dieser zweiten Vorstellung mit zigfachen Bravorufen, Ovationen, Getrampel undStanding ovations.*

***Achtung:*  Nächste und letzte Vorstellung am 8.11.2017 in der Konzerthalle Ulrichskirche Halle (Saale)**

\---| IOCO Kritik Händel Halle |---