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# Hagen, Theater Hagen,  Otello - Verdi und Shakespeare - Musikdrama Pur, IOCO Kritik, 07.06.2014
- URL: https://www.ioco.de/hagen-theater-hagen-premiere-otello-verdi-und-shakespeare-musikdrama-total-ioco-kritik-07062014/
- Published: 2014-06-09T16:00:10.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:21:23.000Z
- Author: Viktor Jarosch
- Tags: Kritiken, Karten, Nabucco, Hagen

![theaterhagen_seit1911_2](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/10/theaterhagen_seit1911_2.jpg)

[Theater Hagen](http://www.theaterhagen.de/?ref=ioco.de)

![Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/theater-hagen-bei-nacht-3c-stefan-kuehle.jpg "Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle")

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Otello im Theater Hagen: Großes Musikdrama 

**Kompliment** dem **Theater Hagen: Verdis** große Oper ***Otello*** stark produziert mit eigenem Orchester, Ensemble und Chören. **Otello** besitzt in der Musikgeschichte eine Sonderstellung, **Otello** ist mehr als eine gelungene Komposition.

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**Giuseppe Verdi, 1813 - 1901,** wurde als Sohn eines Krämers und Schankwirts geboren, Anfang 1901 starb er in Mailand. Er hatte bestimmt, dass sein Begräbnis bescheiden sei. Man folgte **Verdis** Wunsch: Wenige Menschen, wenige Blumen, ohne Musik. Doch **Verdi** konnte nicht verhindern, dass der Tag seiner Überführung in die Kapelle des Altersheimes **Casa di Riposo,** der 26.2.1901, zum Staatstrauertag erklärt wurde. 900 Sänger/innen unter **Arturo Toscanini** sangen **Nabucco´s**: „*Va pensiero, sull´ali dorate“*. 300.000 Menschen begleiteten seinen letzten Gang. **Giuseppe Verdi,** *Komponist des Menschlichen,* war endgültig zu Italiens verehrten **Nationalheiligen** geworden.

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![Theater Hagen / Veronika Haller (Desdemona), Ricardo Tamura (Otello) © Klaus Lefebvre](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/06/otello1353-retusche_150.jpg "Theater Hagen / Veronika Haller (Desdemona), Ricardo Tamura (Otello) © Klaus Lefebvre")

Theater Hagen / Veronika Haller (Desdemona), Ricardo Tamura (Otello) © Klaus Lefebvre

**Verdis** Oper **Otello** wurde 1887 in Mailand mit triumphalem Erfolg nach langer Schaffenspause uraufgeführt. Nach seinem **Aida**\-Erfolg in 1871 hatte sich **Verdi** entschlossen, nicht mehr zu komponieren. Der *Menschenfreund* war pöbelnden Kritiken, wie jener von **Richard Strauss,** "*Indianermusik",* nicht gewachsen. Die Verwaltung seines Landgutes wurde zum neuen Mittelpunkt seines Lebens. Doch 1879 stellte der Verleger **Guilio Ricord**i Kontakt zu **Arrigo Boito** und dessen ***Otello***\-Operntext her. **Verdi** war von Text und Thema begeistert. Weiter entwickeltes Musikverständnis führten Ende 1886 zu einem neuen "**Verdi":** In **Otello** verzichtet **Verdi** auf Ouvertüre und Vorspiele, nähert Rezitativ den Arien an. Melodisch-rhythmische Harmonik und Sensibilität besitzen in **Otello** Vorrang vor dramatischer Gewichtung oder Massivität, bilden einen „italienischen“ Ausdruck. Als durchkomponiertes Musikdrama voll menschlicher Züge wirkt **Otello** revolutionär zu früheren Opern **Verdis**. **Verdis** *V*ertonung transponiert **Shakespeares** **Otello* \- Drama* auf eine neue, künstlerisch höhere Ebene.

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![Theater Hagen / (v.l.n.r.) Keija Xiong (Cassio), Raymond Ayers (Jago), Richard van Gemert (Roderigo) © Klaus Lefebvre](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/06/otello1165_klein_150.jpg "Theater Hagen / (v.l.n.r.) Keija Xiong (Cassio), Raymond Ayers (Jago), Richard van Gemert (Roderigo) © Klaus Lefebvre")

Theater Hagen / (v.l.n.r.) Keija Xiong (Cassio), Raymond Ayers (Jago), Richard van Gemert (Roderigo) © Klaus Lefebvre

Mit großem italienischen **Verdi**\-Verständnis brachte das **Theater Hagen** **Otello** auf die Bühne. Die komplexe **Shakespeare-**Tragödie, Konflikte und emotionale Zustände werden in Musik und Personenführung sensibel abgebildet. Regisseurin **Annette Wolf** und **Jan Bammes** nutzen für das Bühnenbild spartanische, zeitlich neutrale Requisiten: Dunkel gehaltene Bühne, gleißende Seitenvorhänge, Projektionen, Montagegerüste. Der Fokus der Inszenierung liegt in der Führung des riesigen Ensemble, in der Musik. Der subtil intrigierende **Jago** (**Raymond Ayers**) agiert ruhelos zwischen Soldaten in Kampfuniformen, mustert, bewertet mit einem Hauch des Bösen. Der Verrat ist zwar gegenwärtig;doch verharmlost das optisch Unauffällige des **Jago** ein wenig die Perfidität seines Handelns. **Otello** **(Ricardo Tamura)** wandelt sich unter **Jagos** Intrigen vom kraftvollen Befehlshaber zum unkritisch hilflosen Mörder der unschuldig agierenden ***Desdemona*** **(Veronika Haller)**. Die Katastrophe wird unvermeidlich: **Otello** tötet **Desdemona,** richtet sich anschließend selbst, **Jago** flieht. Mimik, Gestik und Choreographie geben dem Spannungsbogen mitreißende Dramatik.

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![Theater Hagen / (v.l.n.r.) Ricardo Tamura (Otello), Raymond Ayers (Jago) © Klaus Lefebvre](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/06/otello1617_klein_150.jpg "Theater Hagen / (v.l.n.r.) Ricardo Tamura (Otello), Raymond Ayers (Jago) © Klaus Lefebvre")

Theater Hagen / (v.l.n.r.) Ricardo Tamura (Otello), Raymond Ayers (Jago) © Klaus Lefebvre

**Verdi**\-Experte **Florian Ludwig** und sein gut disponiertes **Philharmonisches Orchester** präsentierten einen spürbar „italienisch“ strukturierten **Otello**. Fein, doch immer präzise konturieren sie **Otello** in dramatischem Aufriss, mit sprunghafter Direktheit der Emotionen. Heftig blitzt nach der kürzesten aller Ouvertüren ein greller Tuttiakkord. Man spürt den Sturm in zuckenden Tonfluten und einer lodernden a-moll-Apokalypse. Großartig, wie Dirigent, Orchester und Ensemble im plakativen *Trinklied* gemeisam mit dem zunehmend betrunkenen **Cassio** **(Kejia Xiong)** kompositorisch gefordert den „Takt verlieren“, wie**Verdi-**gerecht in der Huldigungsarie der **Desdemona** Mandolinen erklingen. Sensibel lyrisch nehmen **Ludwig** und Orchester den Besucher gefangen, bannen bis zur verloren tragischen Schlussmelodie des **Otello.**

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**Weitere Vorstellungen** **Otello** von **Giuseppe Verdi** **Theater Hagen:** 10\. Juni 2014, 20.6.; 25.6.; 27.6.; 2\. Juli 2014.

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![Otello im Theater Hagen, Premierenaplaus &amp;copy; IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/06/otello-im-theater-hagen-premierenaplaus_foto-ioco.jpg "Otello im Theater Hagen, Premierenaplaus &amp;copy; IOCO")

Otello im Theater Hagen, Premierenaplaus © IOCO

Der Brasilianer **Ricardo Tamura,** (einziger Gast, MET, Verona) formt, mit bestechend melodiösem wie kraftvoll ausgestattetem italienischem Timbre, die große Tenor-Partie eines zunächst selbstbewußten, aber zunehmend verunsicherten **Otello** mitreißend; schönstimmig. Ohne stimmliche Müdigkeit und, danke, nicht als tumber Schwarzer plakatiert. Der abgründige Gegenspieler **Jago**, **Raymond Ayers,** dominiert das Geschehen in seinem Rollendebut mit erstaunlich sicherem, lyrisch beweglichem Bariton. Er strahlt dabei als glatter Manipulator denn als Kämpfer des Bösen. Seine zentrale Arie „*Credo in un Dio crudel“ (Ich glaube an einen grausamen Gott..*) singt **Ayers** mit großer Dämonie und bannender sprachlicher Prägnanz. **Otello** ist jedoch insgesamt ein Stimmfest, und eine zarte **Veronika Haller** als unschuldige ***Desdemona*** verzaubert in ihrem Rollendebut besonders nach der Pause mit üppiger Mittellage, zartem Legato und Höhenpiani. Ihr demütiges *"Lied von der Weide"* und "*Ave Maria"*  zum Ende des dritten Aktes ließ nur hart gesottene Zuhörer unberührt. Der junge Chinese **Kejia Xiong** zeigt mit hellem Tenor, einen stimmlich wie darstellerisch präsenten **Cassio**. **Marylin Bennett** als ***Emilia,*** **Richard van Gemert** als ***Rodrigo***, **Rainer Zaun** als **Lodovico** und **Orlando Mason** als ***Montano,*** alles Gefangene im Netz von Zerrissenheit und Bösem, runden eine glanzvolle Ensembleleistung des **Theater Hagen** stimmlich und darstellerisch ab.

Eine höchst anspruchsvolles Musikdrama, ein riesiges, gut disponiertes Ensemble, ein sensibles, **Verdi**\-affines Orchester: Herz, was willst Du mehr? Das Publikum im ausverkauften **Theater Hagen** war begeistert von diesem **Otello**. Der Vorhang fiel nach vielen Bravos, Premiere-Feiernde diskutierten lang den Erfolg ihres **Theater Hagen.**

**IOCO** / Viktor Jarosch / 7\. Juni 2014

\---| IOCO Kritik Theater Hagen |---