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# Hagen, Theater Hagen, Pariser Leben - Jacques Offenbach, IOCO Kritik, 01.11.2018
- URL: https://www.ioco.de/hagen-theater-hagen-pariser-leben-jacques-offenbach-ioco-kritik-01-11-2018/
- Published: 2018-11-02T08:00:27.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:49:56.000Z
- Author: Viktor Jarosch
- Tags: Konzert & Liederabend, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Hagen

![theaterhagen_seit1911_2](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/10/theaterhagen_seit1911_2.jpg)

[Theater Hagen](http://www.theaterhagen.de/?ref=ioco.de)

![Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/theater-hagen-bei-nacht-3c-stefan-kuehle.jpg)

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

# ***PARISER LEBEN* \- Jacques Offenbach**

 **Karl Lagerfeld: *"Man muss nicht in Paris geboren sein, um eine echte Pariserin zu sein."*** 

Von **Viktor Jarosch**

![Jacques Offenbach © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/03/jacques-offenbach-ioconeu2017.jpg)

Jacques Offenbach © IOCO

**Jacques Offenbach** (1819 – 1880) ging früh, 1833, nach Paris um Musik zu studieren. 1855, als **Offenbach** anlässlich der ersten **Pariser Weltausstellung 1855** sein eigenes kleines Theater, ***Theatre des Bouffes-Parisiennes,*** eröffnete, war er in Paris bereits ein Star; als Pianist und Komponist. Der Erfolg seiner Werke, so 1858 ***Orpheus in der Unterwelt,*** machten **Offenbach** in ganz Europa so populär, dass er 1865 den Auftrag erhielt, ein passendes Werk für die zweite **Pariser Weltausstellung 1867** zu komponieren. Gemeinsam mit den Librettisten **Henri Meilhac** und **Ludevic Halévy** schuf er ***La vie Parisienne,*** ***Pariser Leben,*** eine frivole Komödie, dessen Uraufführung trotz zahlloser „*schlüpfriger Unter-töne“* keinen Skandal auslöste sondern ein weiterer grandioser Erfolg für **Jacques Offenbach** wurde und bis heute blieb.

***Pariser Leben*** in Hagen, einer Großstadt mit 175.000 Einwohnern; vieldeutig als „*Tor zum Sauerland*“ tituliert. Dies kann zur Steilvorlage für zugereiste Humoristen und Satiriker werden. Erst recht, wenn zuvor in einer lokalen Anzeige zu lesen war, dass Regisseur **Holger Potocki** für seine Inszenierung von ***Pariser Leben*** *„einen ausgeprägt muskulösen Statisten (Typ Bodybuilder) zwischen 18 und 50 Jahren“* suchte.

![Theater Hagen / Pariser Leben - hier : vor der Silhouette des Louvre © Klaus Lefebvre](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/11/mg_0041-neu.jpg)

Theater Hagen / Pariser Leben - hier : vor der Silhouette des Louvre © Klaus Lefebvre

Doch **Potocki** möchte in seiner Inszenierung von ***Pariser Leben*** im **Theater Hagen** eben nicht mit exquisitem Flair der **Champs-Élysées** oder des **Boulevard Haussmann** konkurrieren. Die Drehbühne (Bühne **Lena Brexendorff**) zeigt in vielen humorigen Bildern Menschliches, Lebensalltag. Leben wie Lebensfreude pulsiert – so **Potocki** \- überall; in Berlin wie Hagen; in Zentren wie Vorstädten; auch in den so schlecht beleumundeten *Banlieues* von Paris. **Holger Potockis *Pariser Leben*** spielt im Heute, lebensfroh wie mitreißend im Halbdunkel einer rauen, verlorenen Vorstadt, einem *Banlieue* von Paris (**Choreographie Andrea Danae Kingston**). Dorthin verirren sich zufällig zu Beginn die schwedischen Touristen, ***Baron*** und ***Baronin von Gondremarck.*** Sie steigen eine Station zu früh aus dem Zug; treffen auf dem düsteren, nebelverhangenen Bahnhofsvorplatz auf die Pariser Halbwelt; werden um Geld und Handy beraubt und von herbei kommenden Polizisten belehrt: „*Außer Mord ist hier alles Bagatelle!“. *Raoul de Gardefeu,** von eigenen Träumen getrieben, verwickelt ***Baron*** und ***Baronin von Gondremarck*** und andere in eine schräge Verwechslunskomödie.

![Theater Hagen / Pariser Leben - hier: Maria Klier, Kenneth Mattice, Anja Frank-Engelhaupt © Klaus Lefebvre](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/11/mg_0382-neu.jpg)

Theater Hagen / Pariser Leben - hier: Maria Klier, Kenneth Mattice, Anja Frank-Engelhaupt © Klaus Lefebvre

**Holger Potocki** ergänzt die Komposition **Jacques Offenbachs;** bildet von Beginn an mit auffälliger Choreographie und skurrilen wie schrägen Dialogen („*die schwedische Botschaft, nicht die schwäbische Botschaft“, „Ihr Name klingt wie Nougat Creme! – Nutella? – Nein*, Metella*!“*), Klamauk und Bühnenbild die verschrobene Pariser Halbwelt modern lebendig ab. ***Asterix*** fehlt ebenso wenig wie der in engem Anzug beständig Fächer wedelnde, die Kleidung der Anderen *„richtende“* Modedesigner ***Karl Lagerfeld,*** oder der ***Glöckner von Notre Dame***, welchen ***Gonzo*** mit Buckel und Kopfbinde abbildet: ***„*** *Er jobbt in Notre Dame; er ist taub!“.* Ein gigantisches **Croissant,** welches mit Zigarette in der Hand immer wieder die Bühne durchquert und um Feuer bittet; man fragt auf der Bühne „*Wer ist das?“* – Die Antwort: „*Ein Croissant*!“.** **Potockis** Produktion wird so zu einer modernen wie schrill-schrägen Halbwelt-Kontrast-Show zu klassischen ***Pariser Leben*** Inszenierungen wird.

***Wieviel Paris steckt in Ihnen?  Wenn Sie "Pigalle" hören, denken Sie an...Moulin Rouge, Nachtleben, Vergnügungen ohne Ende oder an ... die Metrolinien 2 und 12?***

Die Feier des 2\. Bildes, in heutiger Sprache eine ***Fake-Party,*** in der ***Bobinet*** mit vermeintlichen Gästen den ***Baron von Gondremarck*** bespasst, ist mit zahllosen kuriosen Facetten versetzt ein Höhepunkt der Produktion; wenn Champagner aus einem Eimer serviert wird, eine Transvestiten-Band mit Mikro in knappen braunen Corsagen sanft „*Midnight in Paris“* singt, wenn auf einem Trimm-Fahrrad eine E-gitarre gespielt wird…..

Faszinierend, wie prall, froh und sicher bringt das riesige Ensemble des **Theater Hagen** so ein überquellendes Füllhorn von Stimmung, Stimmen, Gags und Choreographie auf die Bühne. **Richard van Gemert**, als ***Raoul de Gardefeu,*** von ***Metella*** fortwährend als „*Du Lurch“* betitelt, beeindruckt meist in Schirmmütze, zur Super-Party in grünem Pluderkleid, oder „*zufälligerweise habe ich Sekt kalt gestellt“* – zum Chanson „*Je t´aime“* – wenn er auch die ***Baronin*** mit unbeholfenen Powacklern gewinnen möchte. **Kenneth Mattice** ist jener von sicherem Bariton und schlüpfrigen Abwegen inspirierte ***Baron von Gondremarck;* Veronika Haller** ist Gattin ***Baronin Christine*** mit wohl timbriertem Sopran**. Kristina Larissa Funkhauser** als „*Männer inspirierende*“ ***Metalla*** fasziniert ebenso mit kräftigem Mezzo und Sticheleien, zum schwedischen **Baron von Gondremarck:** „*Hier ticken die Uhen anders als in *Bullerbü*“,* während **Marilyn Bennett** als ältliche ***Mme. Quimper-Karadec*** stimmlich wie durch erotische Bondage Corsage, *„Crime-Scene“,* für Aufregung im männlichen Publikum sorgte. **Boris Leisenheimer** reißt als philosophierender ***Clochard*** ebenso mit wie als reicher ***Brasilianer.* Stephen Boving** die komplexe Partie des ***Bobinet*** mit sicherer Präsenz und wohl timbrierter Stimme.

![Theater Hagen / Pariser Leben - hier : man macht ein Selfie © Klaus Lefebvre](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/11/mg_9298-machen-selfie-neu.jpg)

Theater Hagen / Pariser Leben - hier : man macht ein Selfie © Klaus Lefebvre

Die **Hagener Philharmoniker** unter **Rodrigo Tomillo** musste man lieben: Nicht nur beherrschten sie **Offenbachs** aus Märschen, Cancan und Walzern bestehendeKomposition mit lebendigem wie filigranem Schwung. Auch das choreographisch reiche aber höchst diffizile neue Ornament zu **Offenbachs** Komposition aus neuen Dialogen, E-Gitarre und Chansons integrierten die **Hagener Philharmoniker** und **Tomillo**  reizvoll und schmissig.

Das begeisterte Publikum mitsamt Oberbürgermeister **Erik O. Schulz** dankte einhellig **Holger Potocki** zu seiner modern vielschichtigen Produktion von ***Pariser Leben*** und dem großen Ensemble und Chören des **Theater Hagen** wie den **Hagener Philharmonikern** zur gelungenen Umsetzung auf die Bühne und im Orchestergraben.

***Pariser Leben*** am **Theater Hagen;** die weiteren Vorstellungen 2.11.; 7.11.; 16.11.; 24.11.; 5.12.; 27.12.; 31.12.2018

\---| IOCO Kritik Theater Hagen |---