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# Hagen, Theater Hagen, Der Graf von Luxemburg - Franz Lehár, IOCO Kritik, 01.11.2019
- URL: https://www.ioco.de/hagen-theater-hagen-der-graf-von-luxemburg-franz-lehar-ioco-kritik-01-11-2019/
- Published: 2019-11-01T17:00:53.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:59:16.000Z
- Author: Viktor Jarosch
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Puccini, giacomo puccini, staatsoper hannover, Hagen

![theaterhagen_seit1911_2](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/10/theaterhagen_seit1911_2.jpg)

[Theater Hagen](http://www.theaterhagen.de/?ref=ioco.de)

![Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/theater-hagen-bei-nacht-3c-stefan-kuehle.jpg)

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

# ***Der Graf von Luxemburg* \- Franz Lehár**

## ***\- in Pariser Bohème-Milieu - Oligarch kauft "Heiratsgraf" -***

von **Viktor Jarosch**

***1905 - Die lustige Witwe, 1909 - Der Graf von Luxemburg:*** mit frühen Kompositionen begründete **Franz Lehár** (1870-1948) seinen bleibenden Ruf als großer Operettenkomponist. Mit **Victor Léon, Emmerich Kalman, Leo Fall, Ralph Benatzky, Oscar Strauss** ist **Léhar** auch Mitbegründer der *„silbernen Operettenära“*, welche zahllose auch heute noch populäre wie lebensfrohe Werke schuf.

![Franz Lehár, Stadtpark Wien © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/franz-lehar-stadtpark-wien-foto-ioconeu2017.jpg)

Franz Lehár, Stadtpark Wien © IOCO

Und doch schwebt beständig ein Hauch von Wehmut über den Frohsinn verbreitenden Werken der "*silbernen Operettenära".* Viele Komponisten dieser Epoche, so **Kalman, Benatzky, Victor Léon** mussten im Dritten Reich wegen jüdischer Wurzeln in die USA flüchten; viele, wie beide Brüder von **Leo Fall** oder **Paul Morgan,** wurden in Konzentrationslagern ermordet. **Robert Stolz,** 1909 Dirigent der Uraufführung des ***Graf von Luxemburg,*** durch über 60 Operetten fast ebenso berühmt wie **Lehár,**musste ebenso flüchten; 1938 emigrierte er über Paris in die USA. **Franz Lehárs** Rolle im Dritten Reich ist vielschichtig wie undurchsichtig. Hitler und Goebbels liebten seine Werke; **Lehár** blieb in der NAZI-Zeit in Deutschland und weitgehend „unbehelligt“.

***Der Graf von Luxemburg*** wurde von **Franz Lehár** schnell, quasi mal eben, komponiert, in nur vier Wochen. An einen Erfolg seines Werks glaubte er wohl nicht; er übergab das fertige Werk dem Intendanten des **Theater an der Wien** im Juni 1909 mit den Worten: *„Der Schmarrn ist fertig und wenn es keinen Erfolg haben wird, habt ihr es euch selbst zuzuschreiben!“.* **Lehár** und andere irrten: allein über 300 Mal wurde das Stück nach der Uraufführung im **Theater an der Wien** gespielt; in den folgenden Jahrzehnten wurde es vielfach überarbeitet und blieb bis heute ein „Gassenhauer“ auf den Bühnen der Welt.

![Theater Hagen / Der Graf von Luxemburg - hier : zu ersten Takten Kenneth Mattice als weltverlorenes Wesen © Klaus Lefebvre](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/10/mpxp5lga__neu.jpg)

Theater Hagen / Der Graf von Luxemburg - hier : zu ersten Takten Kenneth Mattice als weltverlorenes Wesen © Klaus Lefebvre

Von seinem Charme, seiner Popularität hat ***Der Graf von Luxemburg*** seit 1909 nichts verloren, in kitschig anrührenden Filmen, in zahllosen Produktionen großer wie kleiner Theater und nun auch im **Theater Hagen** wird die Geschichte um den russischen ***Fürsten Basil Basilowitsch*** inszeniert, welcher seine große Liebe, die bürgerliche Sängerin ***Angèle Didier,*** nicht heiraten kann da sie keine Adelige ist; und nun, trickreich und vermeintlich clever, den verarmten ***Graf Réne von Luxemburg*** bittet, für eine halbe Million Francs ***Angèle*** für drei Monate zu heiraten, um in dieser Art Scheinehe in den Adelstand erhoben zu werden, um sich dann wieder scheiden zu lassen, um dann den reichen ***Fürsten Basil Basilowitsch*** zu heiraten. Doch es ist eine Operette; und so bilden zu bunten Liedern und beschwingter Musik schräge wie lebensnahe Verwechslungen, Humor und Verdrehungen einen Potpourri der Lebensfreude, natürlich mit glücklichem Ende. So auch im **Theater Hagen;** einem Theater mit bescheidenen Mittel und einem kleinen Ensemble, welches immer wieder mit beeindruckenden Produktion aufwartet.

***Der Graf von Luxemburg* \- Franz Lehár** youtube Trailer des Theater Hagen **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Regisseur **Roland Hüve** kennt das **Theater Hagen: *Kiss me, Kate*** und **Die Blues Brothers** inszenierte **Hüve** in Hagen und erntete großen Publikumszuspruch. Der Graf von Luxemburg im Theater Hagen spielt authentisch im Milieu der Jahrhundertwende, ist lebendig, bunt wie humoresk angelegt: keine Variante auf den modernen Zeitgeist. Die Handlung hat **Hüve** im Kern unverändert gelassen doch durch eigene Texte, durch Anleihen bei **Paul Lincke,** **Tosca** oder **Shakespeares** *„Sein oder Nichtsein“,* choreographische Umdeutungen und Kürzungen dem Stück in Hagen Behäbiges genommen und in klassischem Ambiente doch die Moderne geführt. Dazu geben vielschichtig originelle Bühnenbilder und farbige Kostüme (**Siegfried E. Mayer**) und eine filigrane Choreographie (**Eric Rentmeister)** der Inszenierung frohsinnige Lebendigkeit anregt.

Der Besucher wird mit dem ersten Bild gebannt: wenn, zu den ersten Takten der Operette, **René,* *Graf von Luxemburg** etwas trunken träumend auf einer goldgelben Mondsichel sitzend sinniert. Im Hintergrund ein sternenreicher Pariser Nachthimmel und ein Gemälde des Eiffelturms. Eine Karnevalsgemeinde in frohen Kostümen umtanzt den Grafen ihn singend: *„Karneval, Du allerschönste Zeit..“* und musikalischen Anleihen umtanzt. Dann, unvermittelt, senkt sich aus dem Bühnenhimmel ein riesiger Rahmen auf die Bühne und verändert die Traumwelt des ***Grafen*** in das Atelier des Malers **Armand Brissard** und seiner stets zickigen Freundin **Juliette Vermont**. Erstes Staunen und Sonderbeifall waren damit schon gegeben.

![ Theater Hagen / Der Graf von Luxemburg - hier : Kenneth Mattice als Graf und Angela Davis als Angèle heiraten ohne sich ansehen zu können © Klaus Lefebvre](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/10/sjte5ffa__neu.jpg)

Theater Hagen / Der Graf von Luxemburg - hier : Kenneth Mattice als Graf und Angela Davis als Angèle heiraten ohne sich ansehen zu können © Klaus Lefebvre

Spannend, schräg und lebendig setzt sich die Handlung fort, wenn dann in diesem Maleratelier **Fürst Basil Basilowitsch*,* hier ganz russischer Oligarch in klassischem Zweireiher mit zwielichtigen Kumpanen und dem -herrlich- verwirrt agierenden Standesbeamten **Pélégrin** **(Dirk Achille**) erscheint. Diese bieten dem **Graf von Luxemburg** 500.000 Franc, (mit eigenen Texten, hier: „zu zahlen auf eine amerikanische oder deutsche oder englische – vor oder nach dem Brexit – Bank“, Lied:   *„Bare 500.000 Francs“*) damit er die Sängerin **Angèle Didier,** Freundin des **Fürsten Basil,** zu deren Erlangung des Adelsstandes, kurz, für drei Monate, heiratet. Dies alles geschieht ohne Blickkontakt; die baldige Scheidung ist in den Vertrag mit eingeschlossen. Das Gemälde des Eiffelturm (Foto oben) dient bei der Heirat des **Grafen von Luxemburg** mit **Angèle** als Sichtschutz. Operettenseligkeit beginnt Raum zu nehmen mit dem wunderbar gesungen Duett:   *„Sie geht links, er geht rechts"*

Bühne und Akteure der Operette wandeln sich beständig; am auffälligsten wandelt sich ***Fürst Basil Basilowitsch*,** welcher vom trockenen russischen Oligarchen im dunklen Zweireiher im 1\. Bild, zum tanzenden Operettenfürsten in festlicher Ballkleidung im 3\. Bild mutiert; der dann sogar, auf Befehl des *Zaren* die alte **Gräfin Stasa Kokozowa** heiraten muss: welche in elegantem Abendkleid erscheint um Whisky darum bittet, „*zunächst alles in Ruhe zu genießen.“* Das **Ballett Hagen** belebt das Bühnengeschehen immer wieder mit ansprechenden choreographischen Einlagen.

**Rodrigo Tomillo** und das **Philharmonische Orchester Hagen** stützten sängerfreundlich und mit "feinen Händen" den Geist **Lehárs** und seiner Komposition, welche in humoriger Unernstigkeit die Lebensfreude befeuern soll.

![Theater Hagen / Der Graf von Luxemburg - hier : das Ensemble © Klaus Lefebvre](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/10/41nhfbhgneu.jpg)

Theater Hagen / Der Graf von Luxemburg - hier : das Ensemble © Klaus Lefebvre

***IOCO*** bewundert oft die mitreißende künstlerische Vielfalt, welche kleinere deutsche Theater mit begrenzten Mitteln auf ihren Bühnen zeigen**. *Der Graf von Luxemburg*** ist hierzu Beispiel: seine vielschichtige stimmlichen wie darstellerischen Herausforderungen werden durch das weitgehend eigene Ensemble des **Theater Hagen** wunderbar auf die Bühne gebracht: Dies allein verdient schon ein großes Kompliment für alle Beteiligten; die sichtbaren auf und die unsichtbaren hinter der Bühne.

**Kenneth Mattice** ist in dem wuseligen „Operettenspiel“ ein nachdenklicher, geradezu seriöser **René, Graf von Luxemburg*,* welcher mit dem ersten Bild mit sanftem Timbre Menschlichkeit und Verletzlichkeit in all seinen Facetten ausdrückt. **Oliver Weidinger** stellt als **Fürst Basil Basilowitsch** hierzu einen stimmlich wie optisch gelungenen Kontrapunkt zum Grafen, dessen Wandlung vom rauhen Oligarchen zum tänzelnden Operettenkönig fasziniert. Tenor **Richard van Gemert** als **Maler Armand** und, mit feinem hellen Sopran, **Christina Piccardi,** als Freundin **Juliette Vermont,** faszinieren durch ihre filigrane **Angela Davis** ist als **Angèle Didier** die dominante Operettendiva dieser Produktion; bestens disponiert, mit lebendiger Präsenz und mit auch in Höhen sehr sicherem Sopran (herrlich ihre ***Tosca*\-**Anleihe). Doch zum starken Abschluss des Premierenabends trägt in ihrer kürzerer Partie auch das langjährige Ensemblemitglied **Marilyn Bennett** als **Gräfin Stasa Kokozowa** massgeblich bei, wenn sie, in langem Abendkleid, mit sicherem Mezzo und einem Whisky in der Hand, große Bühnenpräsenz ausstrahlt und ihrem zukünftigen Gatten, **Fürst Basil Basilowitsch** aufträgt: *„Alles mit Ruhe genießen"!*

*Das Publikum im *Theater Hagen* war überzeugt: Ungeteilten Beifall und Bravos gab es für alle Beteiligten; für das stimmige und gut umgesetzte Regiekonzept um *Roland Hüve* wie für alle Darsteller auf der Bühne.* 

[**Der Graf von Luxemburg** im ](https://www.theaterhagen.de/?ref=ioco.de)**Theater Hagen;** die kommenden Vorstellungen 31.10.; 3.11.; 8.11.; 15.11.; 23.11.; 4.12.; 14.12.; 18.12.; 31.12.2019 (Silvester - um 15.00 und 19.30); auch in 2020 weitee Vorstellungen

\---| IOCO Kritik Theater Hagen |---