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# Giuseppe Sinopoli und Dresden - Gedenkband, IOCO Buch-Rezension, 06.05.2021
- URL: https://www.ioco.de/giuseppe-sinopoli-und-dresden-gedenkband-ioco-buch-rezension-06-05-2021/
- Published: 2021-05-06T08:00:00.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:06:47.000Z
- Author: Michael Stange
- Tags: Konzert & Liederabend, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken

![Giuseppe Sinopoli und Dresden - Gedenkband Sax Verlag © Sax Verlag](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/05/sinopoli-und-dresden-copyright-sax-verlag-1neu.jpg)

Giuseppe Sinopoli und Dresden - Gedenkband Sax Verlag © Sax Verlag

# ***Giuseppe Sinopoli und Dresden*  \- Gedenkband - Sax Verlag Erinnerungen an den zwanzigsten Todestag von Maestro Sinopoli** 

**Sax Verlag - Bestell-Nr 29-264 - ISBN** **978-3-86729-264-1 - €19,80**

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von **Michael Stange**

**Giuseppe Sinopoli**, Dirigent, Ausnahmemusiker, Universalgenie und eine vielgeliebter Künstler verstarb am 21\. April 2001 tragisch und unerwartet mit 54 Jahren am Dirigentenpult während einer ***Aida* \-** Aufführung in **Berlin**. Geblieben sind Tonaufnahmen, Schriften und Erinnerungen. Sein Interpretationsansatz war sehr individuell. Von sanft über zupackend, forschend, tiefgründig, leuchtend und farbenreich lassen sich seine Interpretationen näherungsweise beschreiben. Ihm ging es weder in Konzert noch in der Oper um das runde Narrativ sondern die Entdeckung der Seele in und zwischen den Noten. Zumindest seine **Verdi** (***Nabucco, Macbeth***), **Puccini** (***Madame Butterfly, Manon Lescau*t**), **Bruckner-,** **Mahler**\-Aufnahmen sind auch heute noch beeindruckende Hörerlebnisse und gelten als Referenzaufnahmen.

Die ***Rienzi* Ouvertüre** im Festkonzert zum vierhundertfünfzigsten Bestehen der **Staatskapelle Dresden,** YouTube Video folgt hier, gibt einen Eindruck seines Interpretationsansatzes.

***Giuseppe Sinopoli und die Sächsische Staatskapelle spielen die RIENZI Ouvertüre*** **Youtube Trailer EuroArtsChannel** \[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]

Dirigenten werden seit **Hector Berlioz** und **Richard Wagner** als Garanten gelungener Aufführungen von Sinfonien und Opern wahrgenommen. Mythos Taktstock, Macht und Zauber des Dirigenten, Tyrannen mit Taktstock oder Magier, diese Begriffe und wie es großen Dirigenten gelingt, aus Orchestern wie Zauberer Beglückendes und Berührendes hervorheben sind Gegenstand unzähliger Betrachtungen. Einer dieser faszinierenden Maestri jüngerer Zeit war **Giuseppe Sinopoli**.

Der Sammelband des **Dresdner Sax Verlages** zum zwanzigsten Todestag von **Sinopoli,** Herausgeber **Matthias Herrmann,**, beleuchtet **Sinopolis Dresdner** Jahre. Beiträge des Konzertdramaturgen **Eberhard Steindorf**, damals auch persönlicher Referent **Sinopolis**, Interviews, Vorträge und die abgedruckten Reaktionen auf seinen Tod lassen ein lebendiges Portrait des Menschen und Interpreten **Giuseppe Sinopoli** in seiner Dresdener Zeit erstehen. Der hundertsechzigseitige kleine Band hebt den Schleier des Vergessend. Zugleich offenbart er **Sinopolis** Seelentiefe, die eine Erklärung seines glutvollen Musizierens war.

**Giuseppe Sinopoli** war der Weg zum gefeierten Pultstar nicht in die Wiege gelegt. Die Jugend in **Venedig** und **Sizilien**, ein Studium der **Medizin**, der **Komposition** und des **Dirigierens** bei **Hans Swarowsky** in Wien machten ihn zu einem **Odysseus*,* der durch viele Welten wanderte und in ihnen zu Hause war. Kurz vor seinem Tod gesellte sich dazu eine Promotion in **Archäologie**, für die er gleichfalls ein anerkannter Experte war.

## ***Giuseppe Sinopoli und Dresden*** \- **Sax Verlag - Bestell-Nr 29-264 - ISBN** **978-3-86729-264-1 - €19,80**

**Sinopoli** war nie unangefochten. Als Leiter des **Philharmonia Orchestra** in **London** wurde er vom Publikum gefeiert, aber von vielen Kritikern verrissen. In zwei Stationen in **Rom** bei der **Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia** und später **Teatro dell'** **Opera** **di** **Roma** zermahlten in die Mühlräder von Politik und Gewerkschaften. Er war kein Diktator mit Taktstock, sondern ein feinsinniger Künstler, der gemeinsam mit seinen Ensembles in Harmonie Musik machen und ihren Geheimnissen auf den Grund gehen wollte. Allein die Bösartigkeit, mit der **Norman Leberecht** in seinen Büchern **Der Mythos vom Maestro** und **Ausgespielt, Aufstieg und Fall der Klassikindustrie** den Stab über ihn bricht, lässt erahnen, welchen Anfeindungen er zeitlebend ausgesetzt war. Davon war er in **Dresden** frei. Hier konnte und wollte er nur Musizieren. Deshalb war er dort so glücklich.

Der Blick der Begleiter auf das Wesen **Sinopolis** und was ihn ausmachte, bezeugen Wegbegleiter und Selbstzeugnisse aus seiner glücklichsten Zeit, der **Dresdner** Perspektive.

Sein erstes Erscheinen in **Dresden 1987** bescherte ihm der Plattenvertrag mit der **Deutschen Grammophon**, für die er dort **Bruckners *4\. Sinfonie*** aufnahm. **Eberhard Steindorf** erinnert sich an diese Begegnungen. Sinopolis erste Wahrnehmung der **Staatskapelle Dresden** war, dass das Orchester zu diesem Zeitpunkt in sein Leben getreten sei, weil er in **Dresden** die Musik als verloren geglaubte Insel wahrnahm, die dort bewahrt werde. Verhandlungen, die seit **1988** geführt wurden kamen **1990** zum Abschluss. Auf einer Pressekonferenz in **München** gefragt, ob er mit diesem Schritt den Ausbau des Westgeschäftes sichern wolle entgegnete er, dass bei einem Orchester, das mit solcher Innigkeit spiele, Geld keine Rolle spiele. Er habe sein Herz dem Orchester gegeben, das Geld verdiene er dann eben in **München**.

Liebe und gegenseitige Bewunderung wuchsen über die Jahre. Enthalten in dem Band sind weitere Interviews, Einführungsvorträge **Sinopolis**, Schriften sowie Reden **Sinopolis** und die Reaktionen auf seinen frühen Tod. Eine chronologische Aufstellung sämtlicher Aufnahmen mit der **Staatskapelle Dresden** bei der **Deutschen Grammophon** und der **Profil Edition Günther Hänssler** am Ende des Buches erleichtern die Orientierung und laden zum Hören ein.

Ein besonderes Kapitel ist seine Verbeugung vor **Fritz Busch**. Die Liebe zu den Dirigenten der Vergangenheit, Mitgefühl und Schmerz über angetanes Unrecht, seine tiefe Seele, verströmen seine Ansprache über **Fritz Busch** und die von **Eberhard Steindorf** erzählte Vorgeschichte. Sie ist einer der berührendsten Teile des Buches und seine Ansprache ist im folgenden **YouTube Video** nachzuhören.

 ***Willkommen daheim! Fritz Busch": Giuseppe Sinopolis Dresdner "Kniefall"*** **Youtube Semperoper Edition** **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Biografisches, Momentaufnahmen wie die Freude darüber, als Musiker **1995** über die von ihm dirigierte **Elektra** sagten nun hätten sie die von **Böhm** dirigierten Schallplatten - Ikonen seiner Jugend - vergessen machen das Buch so kostbar. Künstlerisches und Menschliches zerfließen ineinander.

Den Besten stand er nahe als er starb, und doch war er kaum noch auf der Hälfte seiner Bahn. **Grillparzers** Satz auf **Schuberts** Grabstein gilt insbesondere auch für **Giuseppe Sinopoli**.

Er war ein Titan, ein Liebender aber auch Löwe und Kämpfer. Mit diesem Gedenkband, wurden wertvolle Erinnerungen verewigt, neue Betrachtungen angestellt und wichtige verstreute Dokumente vereint. Allein die enthaltenen Reaktionen auf seinen Tod zeigen, wer er war, wie er wahrgenommen wurde und welche Lücke er gerissen hat. Ein wichtiges Buch für Verehrer von Maestro **Sinopoli** und an den Geheimnissen der Interpretation interessierten Musikfreunden.

Überaus Lesenswert, eine große Leistung von Herausgeber, Autoren und Verlag was Inhalt, Auswahl und Zusammenstellung betrifft.

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