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# Leipzig, Gewandhaus,  GEWANDHAUSORCHESTER - Pablo Heras-Casado, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/gewandhausorchester-leipzig-ioco/
- Published: 2024-11-10T11:39:10.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:43:59.000Z
- Description: GEWANDHAUSORCHESTER - Konzert: Der Vater Abraham Mendelssohn schreibt seiner Tochter Fanny zu ihrem dreiundzwanzigsten Geburtstag: „Du mußt Dich mehr zusammennehmen, mehr sammeln, Du mußt Dich ernster und emsiger zu deinem eigentlichen Beruf, zum einzigen Beruf eines Mädchens, zur Hausfrau bilden“.
- Author: IOCO
- Tags: Kritiken, Oper & Operette, Leipzig

Großes Konzert: Ouvertüre C-Dur (Fanny Hensel), Sinfonia concertante KV 364 (Mozart), Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36 (Beethoven), Gewandhaus, Leipzig, 7\. November 2024.

**Leipzig, 7\. November 2024 - Grosses Konzert - Gewandhausorchester Leipzig - Ouvertüre C-Dur von Fanny Hensel - Sinfonia concertante für Violine und Viola Es-Dur KV 364 (320d) - von Wolfgang Amadeus Mozart - Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36 von Ludwig van Beethoven**

 von **Bernd Runge**

*„Kräht ja doch kein Hahn danach und tanzt niemand nach meiner Pfeife“*. **(Fanny Hensel** 1838).

Der Vater **Abraham Mendelssohn** schreibt seiner Tochter **Fanny** zu ihrem dreiundzwanzigsten Geburtstag: „*Du mußt Dich mehr zusammennehmen, mehr sammeln, Du mußt Dich ernster und emsiger zu deinem eigentlichen Beruf, zum einzigen Beruf eines Mädchens, zur Hausfrau bilden“.*

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****MENDELSSOHN** Familiengrab mit ****Fanny Hensel** in Berlin @ wikimedia commons

Für den Vater steht fest, dem Sohn **Felix** kommt es zu, seine Berufung als Musiker auszuleben, während es **Fanny** ziemt, sich an den Erfolgen des Bruders zu erfreuen und ihn nach Kräften bei seiner Karriere zu unterstützen.

**Fanny Hensel** protestiert: *„Daß man seine elende Weibsnatur jeden Tag, auf jedem Schritt seines Lebens von den Herren der Schöpfung vorgerückt bekömmt, ist ein Punkt, der einen in Wuth und somit um die Weiblichkeit bringen könnte, wenn nicht dadurch das Uebel ärger würde“.*

**Fanny Mendelssohn**, geb. 1805,wird nach dem Umzug der Familie von Hamburg nach Berlin dort gemeinsam mit ihrem Bruder Felix hervorragend musikalisch ausgebildet. Sehr früh zeigt sich **Fannys** außergewöhnliche musikalische Begabung. Zunächst von der eng mit der Bach-Tradition verbundenen Mutter unterrichtet, wird einer ihrer Lehrer **Carl Friedrich Zelter,** Leiter der Berliner Singakademie. Sie komponiert und organisiert die *Sonntagsmusiken* im *Gartensaal* des elterlichen Anwesens an der Leipziger Straße für bis zu 300 geladene Gäste. Bald genießt **Fanny** in eingeweihten Kreisen den Ruf einer brillianten Pianistin und Dirigentin. Sie führt auch ihre eigenen Kompositionen auf. Fast alle berühmten Musiker, die Berlin in dieser Zeit besuchen, wie **Clara**und **Robert Schumann, Franz Liszt,** sind Zuhörer oder Mitwirkende dieser Veranstaltungen. Dennoch bleibt ihr Wirkungskreis, auch mit dem Einverständnis des Bruders, beschränkt auf das Private. Die Geschwister verbindet lebenslang eine innige Liebe und Vertrautheit.

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Dirigent **Pablo Heras-Casado**  Copyright: Jiyang Chen

Von **Fannys** mehr als 460 Kompositionen, darunter 250 Lieder, Chöre, Kammermusiken, ein Oratorium, Orchestermusiken und szenische Werke, sind bis heute nur wenige veröffentlicht, wenn, dann oft unter dem Namen des Bruders **Felix**. Erst **Wilhelm Hensel,** den sie 1829 heiratet, bestärkt sie darin, ihre Kompositionen unter ihrem Namen zu veröffentlichen. Erst 1846 beginnt sie ernsthaft damit - doch schon im Jahr darauf stirbt **Fanny** bei einer von ihr dirigierten Probe für eine der *Sonntagsmusiken*. **Charles Gounod,** der sie 1843 besucht, wird sich später erinnern: „**Madame Hensel* war eine außergewöhnliche Musikerin, eine bemerkenswerte Pianistin, eine Frau spritzigen Geistes … Sie war begabt mit seltenen Fähigkeiten als Komponistin*“. Seit 1980, fast 150 Jahre nach ihrem Tod, interessiert sich die Forschung endlich für das Vermächtnis dieser großartigen Musikerin.

**Fanny Hensel (1805-1847) Ouvertüre C-Dur,** vermutlich 1832 komponiert, wird von ihr anlässlich einer der *Sonntagsmusiken* 1834 aufgeführt. Sie beweist in ihrem Werk ihre umfassende Kenntnis vorausgegangener Epochen und führt die Tradition weiter in die Romantik. Die Ouvertüre findet man inzwischen häufiger in den Konzertprogrammen, beweist sie doch, dass **Fanny** ihrem Bruder **Felix** ebenbürtig ist. Eine langsame Einleitung, ein Seufzen der Streicher, auf das auch die Holzbläser keine Antwort finden, endet mit einem Septakkord, bevor dann das Thema noch einmal wiederholt wird. Jetzt kommen die Trompeten hinzu, und die Phrase stürzt über die Dominante in ein furioses *Allegro di molto*, das in ein *con fuoco* mündet, unterbrochen von einem kurzen lyrischen Einschub, dann wieder vorwärts getrieben durch die Blechbläser. Die Ouvertüre endet in glanzvollem C-Dur. **Fanny Hensels** Ouvertüre ist eine wunderbare Überleitung zu

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****MOZART Skulptur - aber nicht in Wien - sondern** in ****St. Petersburg** @ IOCO / Gallee

**Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Sinfonia concertante für Violine und Viola Es-Dur KV 364 (320d).**

Mit der Bezeichnung *Sinfonia concertante* nimmt **Mozart** die Tradition der Barockmusik wieder auf, hat er doch bei der für ihn ansonsten enttäuschend endenden Reise 1777-1779 nach Mannheim und Paris die dortige Vorliebe füreine Konzertform erfahren, bei der mehrere Solisten nicht nur mit einem Orchester, sondern auch untereinander musikalisch korrespondieren. **Mozart** nimmt diese Anregungen sofort auf und versucht noch in Mannheim, eine Concertante zu schreiben. Wie zwei weitere Anläufe für unterschiedliche solistische Besetzungen bleiben diese Versuche unvollendet. Erst nach seiner Rückkehr ins ungeliebte Salzburg gelingt **Mozart** mit der *Sinfonia concertante für Violine und Viola* der große Wurf. Die Komposition wird in ihrer Ausdruckstiefe zu einem Meisterwerk dieser Konzertform. Nicht nur der Dialog der beiden Solisten mit dem Orchester - die Viola wird einen Halbton höher gestimmt, um sie klanglich der Violine anzugleichen – sondern auch die kammermusikalisch feinsinnige Zwiesprache der Solisten untereinander, die Mozart auch auf das Orchester überträgt, machen das Konzert einzigartig. Vier Akkorde in Es-Dur eröffnen pathetisch ernst den ersten Satz *Allegro maestoso*. Aus einer weitgespannten sinfonischen Einleitung lösen sich die beiden Soli, zunächst unisono, dann in virtuosem Wechselspiel, nur wenige Male vom Orchester unterbrochen. Nach einer Kadenz für beide Solisten am Ende schließt der Satz mit einem kurzen Tutti. Der zweite Satz *Andante* steht in c-Moll. Er steigert sich nach einem tragisch schmerzlichen Anfang ins Dramatische. Auch hier hat **Mozart** vor dem Ende eine Kadenz für die Solisten eingefügt. Der Schlusssatz *Presto* kehrt zur Anfangstonart Es-Dur zurück. Das Hauptthema wird von den Soli aufgenommen und kunstvoll weitergeführt. Ein virtuoses Finale beschließt die Sinfonie.

Die Solisten sind **Isabelle Faust, Violine** und **Antoine Tamestit, Viola**.

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****Isabelle Faust** Copyright: Felix Broede

**Isabelle Faust** startet nach dem Gewinn des Internationalen Violinwettbewerbs **Leopold Mozart** 1987 und des ***Paganini-***Wettbewerbs 1994 den Beginn einer weltumspannnenden Karriere. Bis zu 120 Konzerte stehen in ihrem Jahresprogramm. Sie gastiert bei den renommierten Orchestern der Welt und arbeitet mit den namhaftesten Dirigenten zusammen. Ihr Repertoire umfasst die Barockmusik, gespielt auf Originalinstrumenten, die klassisch-romantische Konzertliteratur bis zur zeitgenössischen Musik. Die Kammermusik ist ein wesentlicher Teil ihrer Tätigkeit.

Auch **Antoine Tamestit** erhält bei zahlreichen internationalen Wettbewerben erste Preise. Seit 2005 gastiert er weltweit. Er spielt eine Reihe von Uraufführungen, *Sofia Gubaidulina* richtet für ihn ihr Bratschenkonzert von 1996 neu ein. Er konzertiert gemeinsam mit Künstlern wie **Gidon Kremer**, den Brüdern **Capuçon**und anderen. Tamestit ist ständiges Mitglied des vom Geiger **Frank-Peter Zimmermann**gegründeten *Trio Zimmermann.* 

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****Antoine Tamestit** Copyright: lenaka.net 

**Isabelle Faust** und **Antoine Tamestit** erweisen sich als ideale solistische Partner für die **Mozart-**Komposition. Wunderbar, wenn beide die Tutti des Orchesters mitspielen, wie sich beide dann solistisch aus dem Orchester herausheben, aufmerksam und sensibel in der musikalischen Zwiesprache, fein nuanciert in der klanglichen Abstimmung, perfekt im Zusammenspiel! So wird die *Sinfonia concertante* zu einem begeisternden Erlebnis. Das Publikum entlässt die Solisten erst nach Zugabe eines Stückes von Monsieur **Saint-de Colombe.**

**Ludwig van Beethoven (1770-1827) - Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36**

wird der grandiose Abschluss des Konzerts. Die Zweite ist wohl die am seltensten aufgeführte Sinfonie **Beethovens**. Während die erste Sinfonie ganz im Zeichen **Haydns** und **Mozart**s steht - sie bewegt sich noch im traditionellen Rahmen - versucht Beethoven in der zweiten Sinfonie neue Ausdrucksmittel. Das wiederum irritiert die Kritiker; auch wenn einige in ihr ein Werk *„voll neuer Ideen und großer Kraft“* sehen, dominieren doch die Vorbehalte. Noch durchbricht Beethoven die Tradition nicht. Erste Skizzen entstehen zwischen 1800 und 1802, in einer Zeit, in der sich **Beethoven** seiner zunehmenden Taubheit bewusst wird. Er verfasst sein *„Heiligenstädter Testament“* und schreibt 1801 an seinen Freund Wegeler das aufbegehrende „*ich will dem schicksaal in den rachen greifen, ganz niederbeugen soll es mich gewiss nicht“*. Doch von Niedergedrücktheit ist in der Sinfonie, die am 5\. April 1803 uraufgeführt wird, nichts zu spüren. Eine langsame, quasi improvisatorische Einleitung, aus der thematisches Material in das anschließende *Allegro con brio* übernommen wird, ist ein Hinweis auf Kommendes. Es folgt ein *Larghetto*, dessen strömender, wohlklingender kantabler Stil auch für **Beethoven** einzigartig ist. Statt des bisher üblichen Menuetts folgt jetzt ein *Scherzo (Allegro)*. Mit einem ausgelassenen Finale schließt die Sinfonie. Die beiden letzten Sätze scheinen wie ein letzter, selbstbewusster Gruß an **Haydn** und **Mozart.** Das ist noch nicht der endgültige Bruch mit bis dahin üblichen Kompositionsweisen, aber die 2\. Sinfonie ist bereits ungewohnt reich an poetischen Einfällen, interessanten Klangwirkungen und kühnen Kontrasten. Die thematische Verarbeitung lässt bereits die „***Eroica***“ ahnen. 

Das fast intime Konzertprogramm zeigt die nahtlose Weiterentwicklung einer musikalischen Tradition auf zeitlich engstem Raum: **Beethoven** übernimmt die Ideen **Mozarts** und führt sie weiter auf den Höhepunkt der Wiener Klassik. Fanny Hensel, aufbauend auf der umfassenden Kenntnis der Werke von **Bach** bis Beethoven, vollzieht in ihren Kompositionen den Schritt in die Epoche der Romantik.

Der spanische Dirigent **Pablo Heras-Casado**, international hoch geschätzt, leitet 2023 den „***Parsifal“*** bei den Bayreuther Festspielen, dirigiert an der Metropolitan Opera und der Oper in Madrid, ist Gast bei den bedeutendsten Orchestern Europas und den USA, arbeitet auch ständig sowohl mit dem Freiburger Barockorchester, als auch dem Ensemble Intercontemporain und Klangforum Wien zusammen.

**Heras-Casado** arbeitet die farblichen, agogischen und dynamischen Schattierungen der Werke fein heraus. Dabei beweist sich seine Vertrautheit mit der historischen Aufführungspraxis. 

***Seine Begeisterung und Freude am Spiel übertragen sich auf Orchester und Publikum, sichtbar und spürbar.***

## [ **GEWANDHAUSORCHESTER, Leipzig - alle Termine, Karten - link HIER**](https://www.gewandhausorchester.de/?ref=ioco.de)

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## Beweist Fanny Hensels Ouvertüre laut Kritik ihre musikalische Bedeutung?

Ja, die zunehmend gespielte Ouvertüre C-Dur beweist laut Kritik, dass Fanny Hensel ihrem Bruder Felix ebenbürtig ist.