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# Genf, Grand Théâtre, DIDO AND AENEAS  - H. Purcell, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/genf-grand-theatre-dido-and-aeneas-h-purcell-ioco/
- Published: 2025-03-01T16:07:44.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:43:54.000Z
- Description: GRAND THÉÂTRE DE GENÈVE, Genf - Henry Purcell: DIDO AND AENEAS (1689), Opéra mit einem Prolog und drei Akten. Libretto von Nahum Tate nach seiner Tragödie. - Brutus of Alba, or the Enchanted Lovers nach dem IV. Buch der Eneide von Virgil.
- Author: Peter Michael Peters
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Genf

Dido and Aeneas von Henry Purcell, Grand Théâtre de Genève, Genf, 20.2.2025.

**20.2.2025 - GRAND THÉÂTRE DE GENÈVE, Genf - Henry Purcell: DIDO AND AENEAS (1689)**, Opéra mit einem Prolog und drei Akten. Libretto von **Nahum Tate** nach seiner Tragödie. ***\- Brutus of Alba, or the Enchanted Lovers*** nach dem ***IV. Buch der Eneide*** von **Virgil**.

 von **Peter Michael Peters**

## ***EIN HÖHEPUNKT DER WESTLICHEN KULTUR…***

***To Death I’ll fly***

***If longer you delay;***

***Away, away!...***

***But Death, alas! Cannot shun;***

***Death must come***

***When he is gone.***

***Thy hand, Belinda, darkness***

***Shades me,***

***On they bosom let me rest.***

***More I would,***

***But Death invades me;***

***Death is now a welcome guest.***

***When I am laid in earth,***

***May my wrongs create***

***No trouble in thy breast;***

***Remember me, bur ah!***

***Forget my fate.*** (Arie der ***Dido*** / 3\. Akt / 3\. Szene)

## ***Wir nennen sie Dido...***

Ihr richtiger Name war ***Élissa***! Der lateinische Historiker **Marcus Junianus Justinus**  oder **Justin** (3\. Jahrhundert v. JC), der dafür bekannt ist, die ***Universalgeschichte des romanisierten Galliens Trogue Pompeius*** (?) zusammengefasst zu haben, bestätigte, dass **Dido** im Dialekt des Volkes von Numidien „*Wandern“* bedeutete, dieses Gebiet, wohin ihre Flucht sie geführt hatte. *„In ihren Fußstapfen wandern“* wird **Hector Berlioz** (1803-1869) einige Jahrhunderte später, zweifellos aus reiner Intuition wieder aufnehmen und ***Dido*** die Essenz dessen in den Mund legen, was sie vor der karthagischen Episode war, vor dem katastrophalen Abenteuer, das sie zu einer Figur für die Ewigkeit machen sollte.

****DIDO UND AENEAS** youtube Grand Théatre de Genève

***Ursprünglich ein Verbrechen…***

***Élissa*** war die Tochter des ***Königs von Tyrus Mutto*** \- manchmal auch als ***Belus*** bekannt -, die Schwester von ***Pygmalion*** und die Frau von ***Acherbas***, manchmal ***Sicharbes*** oder ***Sychee*** bekannt. Die Geschichte macht uns leider nicht sehr klar, warum ***Pygmalion*** es für angebracht hielt, den Ehemann seiner Schwester zu ermorden – hatte er, der jünger war als seine Schwester, einfach nur Angst, dass dieser den Platz des Königs einnehmen würde, den er aber mit Recht anstrebte? Oder wollte er nur ihre Schätze eher prosaisch stehlen? -, aber es war dieses Familien-Verbrechen, das über das Schicksal der jungen Prinzessin entscheiden sollte, die gezwungen war, aus ihrer Heimat zu fliehen, um ein neues Königreich zu gründen, dessen Königin sie sein würde, bevor sie wie wissen, ihre prächtige Reise auf dem Scheiterhaufen beendete. **Élissa** war dazu bestimmt , eine *„Wanderin“* zu sein, aber weil **Virgil** oder **Publius** **Vergilius Maro** (70-19 v.J.C.) sie so nennt, ist es der menschliche und leidenschaftliche Charakter, der er dem Leser vorschlägt, das verliebte und betrogene junge Mädchen, mit einem Wort: Die Frau des Herzens! Nachdem sie sich auf einem Stück Land niedergelassen hatte, das ihr ***Iarbas***, der Herr des Landes geschenkt hatte, indem sie mit ihrer Familie Zuflucht gesucht hatte: Wird sie für die Nachwelt ***Dido*** werden! ***Dido*** oder auch wenn die junge Frau sich selbst zur Königin krönt! Und die Königin widmete sich fortan der Keuschheit, war eine unantastbare Witwe und ganz im Andenken an ihren verstorbenen Ehemann, wie die indische Witwe, die auf dem Scheiterhaufen der Abwesenden geopfert wurde. Treu und aufrichtig wird ***Dido*** sein wollen und diesen Brauch auch manifestieren, der die Witwe in der Welt zu einer Gefangenen macht, die es nicht mehr gibt: Nur in einer Erinnerung! Es wird gesagt, dass ***Iarbas*** sie zwingen wollte, ihn zu heiraten. Aber getreu der Erinnerung an ihren Mann ***Sychee*** zog sie es vor, sich selbst auf einem Scheiterhaufen zu töten.

***Zwei „Wanderer“ von Angesicht zu Angesicht…***

Die Geschichte, die **Virgil** der gesamten westlichen Tradition überlässt, ist romantischer und zugleich bedeutungsreicher. In der Tat sieht man in der ***Eneide***, einer Überlieferung folgend, die vom ersten lateinischen **Homer**, **Cnaeus** **Naevius** (271-202 v. J.C.) begründet wurde, ***Aeneas*** an der karthagischen Küste landet und sich einige Zeit lang in der Stadt von **Dido** niederlässt, ihr von den Unglücksfällen Trojas erzählt und dadurch wie gegen seinen Willen die makellose Königin verführt. *„Smanie* *implacabili“*, die Arie der ***Dorabella*** aus ***Cosi fan tutte*** (1790) von **Wolfgang Amadeus Mozart** (1756-1791) wird die tragische Maske annehmen, um an dieses strenge Gesetzt der ehelichen Treue zu erinnern, das paradoxerweise im Witwentum noch unantastbarer ist. Aber hier treffen zwei Vertriebene aufeinander, zwei entwurzelte Seelen finden ein sensibles Echo auf ihr eigenes *„wanderndes“* Unbehagen. ***Aeneas*** musste aus Troja fliehen, das von rachsüchtigen Griechen bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurde, verhärtet durch zehnjährige Kämpfe, die durch die Meinungs-Verschiedenheiten der Götter selbst wirkungslos wurden, bevor sich dann schließlich doch das göttliche Recht durchsetzte. Aber Troja sollte wiedergeboren werden, dazu bestimmt: Wieder in einem westlicheren Land zu existieren, noch schöner und noch mächtiger. Und es fiel **Aeneas** zu, die schwierige Aufgabe zu übernehmen , die Seele und Kultur seines Heimatlandes in ein fremdes Land zu übertragen, in das: Was bald Rom werden sollte! Von Troja nach Rom musste der Weg über Karthago führen, ein notwendiger, wenn auch schmerzhafter Schritt, eine Episode, in der sich zwei parallele Schicksale kreuzen und glauben, dass sie in der Begegnung mit ihrem *alter ego* im engeren Sinne des Wortes die Vollendung ihrer eigenen Fülle finden können.

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DIDO und AENEAS - hier Tänzer-Schauspieler der Truppe Peeping Tom © Carole Parodi

Wie können wir hier nicht die Rede des **Aristophanes** (445-385 v. J.C.) erkennen, ein wesentliches Element von **Platons** (428-348 v. J.C.) ***Symposium*** (380 v. J.C.), das viele Dinge erklärt, die unseren modernen Augen heute verborgen bleiben: Zwei Hälften desselben Wesens werden endlich wieder vereint, nach dem ursprünglichen Bruch, den die Götter den Menschen zufügten, um sie für ihre Sünden – die Griechen sagen nicht Sünden, aber ist die Realität anders? – des ursprünglichen Stolzes zu bestrafen. ***Dido*** ist eine unfreiwillige Verbannte, dessen Schicksal von den ***Parzen*** wie eine Sternschnuppe erfüllt werden sollte, ein verwaistes Stück Erde, dessen Haare gerade in dem Moment hell erleuchten, als ihr Ende naht. Zwei Schicksale, die sich treffen mussten, um ein noch höheres Ziel zu erreichen, das einer Zivilisation. ***Aeneas*** ist ein Spielzeug in den Händen des höheren Willens, hier materialisiert durch ***Juno*** und ***Jupiter***. Er hätte seinen Kurs in Karthago nicht beenden können: Sein Schicksal rief ihn zu einer höheren Aufgabe auf. Aber er musste hier aufhören und sich in die Betrachtung dieses Schicksals verlieren, das seinem eigenen so ähnlich war und sich diesem hohlen Spiegel seiner selbst gegenübersehen, den **Dido** für ihn darstellte. Fehlendes Bindeglied in der *Tradition* im rein etymologischen Sinne des Begriffs, diese spirituelle und physische Weitergabe eines Erbes, das verloren gehen würde, wenn es unbeweglich bliebe und das er letztendlich seine Erlösung in seinem scheinbar unmittelbaren Verlust finden würde. Troja hatte seinen Lauf beendet, so wie Tyrus seinen Lauf beendet hatte. Troja sollte als Keim für die gesamte Geschichte Roms dienen? So wie Tyrus durch die Vermittlung von Karthago bei der Übergabe des Transplantats dienen sollte. Die einfache Tatsache, dass ***Dido*** sich nach ***Aeneas*** Weggang selbst opferte, bedeutet vielleicht nicht, dass sie einer Existenz ein Ende setzen wollte, die für immer durch irgendeinen Fehler gegenüber ***Sychee*** getrübt war, sondern vielmehr dass sie genau diese Stadt verließ, die er verließ, um sie auf lateinischen Boden besser wieder aufzubauen. Ähnlich wie dieses Troja, das das Feuer gewissermaßen für die rein machte, so dass es anderswo wiedergeboren werden konnte, vollendete ***Dido*** seine Entelechie, vernichtete sich freiwillig als ein Element der Vergangenheit, sicherlich notwendig, aber von nun an im Sinne der Geschichte, wie sie geschrieben werden musste: Nutzlos im Sinne der Tradition!

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DIDO UND AENAS - hier Atushi Sakai (Cellist und Komponist), Jarrett Ott (Aeneas) und Tänzer-Schauspieler der Truppe Peeping Tom © Carole Parodi

***Ganz im Sinne der Tradition…***

Von **Francesco** **Petrarca** (1304-1374) bis zu **Dante** **Alighier**i (1265-1321) verlor sich die Tradition nicht im Schwebezustand der Barbarei. Der erste versucht, die Figur zu rehabilitieren, sie wieder an die ursprüngliche Tradition anzuknüpfen und sie zu einem Symbol für Reinheit und Treue zu machen. Wir wissen auch das ***Dido*** nach ihrem Tod in Karthago unter dem Namen ***Tanit*** als ***Virgo Caelestis***, himmlische Jungfrau und Schutzgöttin der Stadt geehrt werden sollte. Für **Dante** hingegen teilte sie den Aufenthalt einer Luxuriösen in der Hölle! Merkwürdiges Schicksal! ***Aeneas*** wird noch lange als Protagonist gelten, während ***Dido*** nur ein Bindeglied in einer Geschichte ist, die alles in allem über sie hinausgeht. Am Ende des Mittelalters kam es jedoch zu einer Entwicklung! Von dem kosmischen Drama, um das es hier geht, konzentrierte sich die Renaissance tatsächlich fast ausschließlich auf das menschliche Drama, was ***Dido*** plötzlich die Erleichterung verschaffte: Dass das gesamte Epos als Ganzes zu schwächeln drohte. Der Dramatiker **Etienne Jodelle** (1532-1573) bringt als erster die Königin wieder aus ihrem Schattendasein heraus mit seinem Drama ***Didon se sacrifiant*** (1555), das zu einem Meilenstein werden sollte! **Jodelle** nutzte den Rahmen dieser Geschichte, um die unterschiedlichsten Leidenschaften des menschlichen Herzens zu beschreiben: Wut, Zorn, freiwillige Demütigung, Erniedrigung, Ausbruch von Stolz, Liebe, Leidenschaft, Hass, Anziehung und Ablehnung… Zwanzig Jahre später war **Christopher Marlowe** (1564-1593) an der Reihe, offenbar in Zusammenarbeit mit **Thomas Nashe** (1567-1601) in seiner ***Tragedy of Dido*** (1587) bietet er eine menschliche Figur von bemerkenswerter Komplexität an, die **Alexander Hardy** (1570-1632) in seiner eigenen ***Didon se sacrifiant*** (1603) aufgreifen sollte. Eine **Charlotte Albertine Ernestine von Stein** (1742-1827), diese Freundin und Muse von **Johann Wolfgang von Goethe** (1749-1832), die die Figur der ***Iphigenie*** ***in Tauride*** (1779) im gleichnamigen Drama oder sogar die der ***Natalie*** in ***Wilhelm Meisters Lehrjahre*** (1795) inspirierte, wird in dieser Geschichte den Nährboden für ihr eigenes Prosa-Trauerspiel ***Dido*** (1761) finden, die tatsächlich ihren eigenen Bruch mit dem Meister aus Weimar umsetzt! Nur **Cristóbal de Virués** (1550-1614) und **François Le Métel de** **Boisrobert** (1592-1662) werden versuchen, die Geschichte in der primitiven Version ihrer Legende zu behandeln in der ***Dido*** gegenüber den Annäherungsversuchen von ***Iarbas*** unnachgiebig bleibt und sich durch die bloße Vorstellung besudelt fühlte, dass ihre Ehre als Witwe sogar absichtlich befleckt werden könnte. Erinnern wir uns: ***Caius Julius Caesars*** (100- 44 v. J.C.)Frau hätte nicht einmal verdächtig sein dürfen! Andere Zeiten!

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DIDO UND AENEAS - Tänzer-Schauspieler der Truppe Peeping Tom (© Carole Parodi

 Es ist seltsam, dass dieses menschliche Drama, das dem für die barocke Ästhetik spezifischen Pathos ein Betätigungsfeld höchsten Ranges bot – nicht einmal **Pietro Trapassi** **Metastasius** (1698-1782) selbst dort suchte nach Mitteln, der Ausarbeitung von Figuren, die die Bewegungen einer Seele veranschaulichen können, freien Lauf zu lassen -, hat am häufigsten Komponisten inspiriert, deren Musik eher zur Elegie und tragischen Klageliedern neigte als zu diesen Ausflüssen und sentimentalen Überflüssen, die man normalerweise an solchen Orten erwartet. Tatsächlich ist es **Henry Purcell** (1659-1695) und **Berlioz**, um nur die beiden größten Werke zu nennen, die aus der Erinnerung an ***Dido*** hervorgegangen sind, vor allem das lyrische Gefühl, das vorherrscht mit allem was dies an statischer Deklamation und Klage mit sich bringt. Die Majestät der Königin, ihr Adel, ihre Keuschheit, sogar ihre natürliche Erhabenheit und vor allem – wir sollten es sagen – in den Momenten, in denen die schlimmsten Rückschläge ihre Zurückhaltung überwinden könnten, sind es die, die den Komponisten ihre schönsten Seiten nahebringen wie z.B. diesen tragischen Tod von ***Dido*** bei **Purcell**, wo die Tragödie der absteigenden chromatischen Tonleiter zu **Berlioz** selbst gelangt, der seinerseits die zwölf Klänge der absteigenden Tonleiter wiederholen wird, bevor ***Dido*** den Scheiterhaufen erklimmt. Die Umstände der sehr besonderen Komposition ***Dido and Aeneas*** von **Purcell** erlaubten es seinem Librettisten **Nahum Tate** (1652-1715) nicht, diesen Scheiterhaufen zu behalten. Es wird lediglich suggeriert, dass die Heldin sterben wird, überwältigt von zu viel Trauer. ***Isolde*** aus ***Tristan und Isolde*** (1865) von **Richard Wagner** (1813-1883) wird auf die gleiche Weise sterben, ohne Gewalt, ohne anderen Schaden als den der Seele!

Es muss jedoch anerkannt werden, dass diese Art der Reinigung des tragischen Schicksals der Heldin nicht ohne Auswirkungen auf die Tragweite des Mythos bleibt. Sein Ursprung liegt mit Sicherheit in einer abgelegenen phönizischen Auswanderung, zu einer Zeit, als Tyr von schweren politischen Unruhen erschüttert wurde, die die abgesetzten Führer dazu zwangen, sich von der Metropole zu distanzieren. Aber ***Didos*** eigentlicher Charakter hätte, wie uns gesagt wird, einen beunruhigenderen Ursprung, von dem nur ein gewalttätiger und selbstmörderischer Charakter ausgehen kann. Wir wissen, dass die Karthager für ihre Menschenopfer bekannt waren, die oft sogar an kleinen Kindern ausgeführt wurden. Wir glauben jedoch, dass diese Opfer auf Selbstaufopferungen zurückzuführen sind, zu denen die phönizischen Könige unter heute schwer zu definierenden Umständen gezwungen wurden. ***Dido*** hätte daher die Pflicht gehabt, sich zu opfern, um den Wohlstand ihrer Stadt zu sichern. Seltsame Bedeutungsverschiebungen: Bei **Virgel** sichert ihre Opferung den Wohlstand der Stadt, die ***Aeneas*** erstgründen muss und ihr Opfer dient unter dem Deckmantel eines einfachen menschlichen Dramas als symbolische Grundlage für das kommende Rom. Ursprünglich war es nur dazu gedacht, den Wohlstand ihrer eigenen Stadt zu sichern und mit ihrem eigenen Opfern jene zu rechtfertigen, die viele Jahrhunderte später noch an ausgewählten jungen Menschen praktiziert wurden, um Glück zu bringen und die Stadt zu befruchten… 

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DIDO UND AENEAS- Marie-Claude Chappuis (Dido) und Tänzer-Schauspieler der Truppe Peeping Tom (© Carole Parodi)

## ***DIDO UND AENEAS - Grand Théâtre de Genève - 20\. Februar 2025*** 

***Hin- und hergerissen zwischen Phantasmagorie und Musik…***

**Purcells** Oper, wurde neu interpretiert von dem belgischen Tänzer, Choreografen und Regisseurs **Franck Chartier** mit seiner irren oft stolpernden verrückten Truppe **Peeping Tom**, wird ihre Pracht und ihre Irrwege live auf der Bühne wierdergeben.

Nennen wir die Show der **Peeping Tom**\-Kompanie einfach ***Dido***, weil es sich um eine Neuinszenierung des berühmten Werkes von **Purcell** handelt. Vergessen wir den Namen des englischen Komponisten von ***Dido and Aeneas***, denn bei diesem Originaltitel spielt sich eine überarbeitete Geschichte zwischen der zarten Musik von **Purcell** und den klanglichen Ergänzungen des japanischen Komponisten \[sic!\] **Atsushi Sakai** und **Chartier** ab. Das heißt, die Umwandlung in eine kollegiale Form verdoppelt die Zeit der üblichen Darstellung. Und reißt es völlig aus seinem erzählerischen Rahmen!

Was also finden wir auf der Bühne des **Grand Théâtre**, vier Jahre nach der Uraufführung dieser Produktion ohne Publikum, die aufgrund der Pandemie per **Streaming** übertragen wurde? Dasselbe Spektakel mit einer über das Übliche hinausgehenden ästhetischen und symbolischen Kraft, gezeichnet vom Lauf der Zeit und einer angenommenen Radikalität.

***Eine gemeinsame Sprache…***

Der Schock der letzten Bilder, zwischen morbiden rieselndem Sand und rauchigem rauen Blick auf eine Welt des Terrors, hat natürlich nichts von seiner Wirkung verloren. Auch nicht die komplizenhafte Zusammenarbeit zwischen der französischen Dirigentin **Emmanuelle Haïm** und dem Klangmacher **Sakai**, die vor den beeindruckenden Musikern des **Concert d’Astrée** abwechselnd den Taktstock übernehmen. Ihr Einverständnis verbindet auf natürliche Weise das antike Universum, das von der französischen Dirigentin zum Leben erweckt wird und die Klangatmosphären, die vom kreativen Cellisten und Komponisten hinzugefügt werden.

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****DIDO UND AENEAS** \- Francesca Aspromonte (Belinda), Marie-Claude Chappuis (Dido), Jarrett Ott (Aeneas), Yuliia Zasimova (Zweite Dame) und Eurudike De Beul (Didi) ® Carole Parodi

Das musikalische Vorhaben war allerdings nicht sehr offensichtlich. Seine Stärke liegt jedoch in der langjährigen Partnerschaft zwischen den beiden Mitbegründern von den **Concert d’Astrée** aus Lille. Ein Vierteljahrhundert gemeinsamer Arbeit schafft mehr als nur Bindungen: Es entsteht eine gemeinsame Sprache. Die flexible Aufteilung der Bühne ist hierfür ein perfektes Beispiel.

Und dann ist da noch das bedrückende Dekor der belgischen Szenografin **Justine Bougerol**. Den imposanten bürgerlichen Innenraum zieren Ahnenporträts! Der Raum, der im Innenhof von einem riesigen ungemachten Bett flankiert und von einem vom Chor besetzten Parlamentsgericht dominiert wird, fängt die Handlung und die Charaktere ein. Intim- und Sozialleben, Liebe und Macht verflechten sich schutzlos. In dieser erstickenden Welt durchziehen Dunkelheit und Katastrophe die Show auf dem sehr filmischen und beunruhigenden Soundtrack des japanischen Komponisten.

***Eine beeindruckende Szenografie…***

Schließlich ist da noch das Bühnenkonzept, das die Verlassenheit und den Tod ***Didos*** in einem Eintauchen in die Tiefen der Psyche der Protagonistin nachvollzieht. Mit welcher Kunstfertigkeit? Die Sänger sind in zwei Gruppen aufgeteilt und von Schauspieler-Tänzern umgeben. Alles organisiert in stark eingeschränkten Bewegungen und ruckartigen verzerrten Choreographien. Die Wirkung ist verblüffend, manchmal sogar komisch – der endlose Fluss des Tees in ***Aeneas‘*** überquellende Tasse. Aber wir verlieren uns oft im Labyrinth der Identitätsablenkungen!

Stellen wir uns vor: Eine reiche alte Frau und zugleich auch eine despotische Königin… ist besessen von **Purcells** Oper, die sie jeden Tag von einem Orchester spielen lässt. Schließlich identifiziert sie sich mit ***Didos*** Schicksal. Die ***„Didi“*** der belgischen Schauspielerin **Eurudike De Beul**, gewissermaßen das Double der ***Dido***, manipuliert ihr Gefolge von Bediensteten und erschafft imaginäre Charaktere, um ihre Fantasien, ihre Wut darüber, verlassen worden zu sein und ihren Schmerz über den Verlust eines Kindes zu befriedigen. Wer ist wer? Wofür? Wie? Der Verlust der Orientierung ist destabilisierend und die Flüssigkeit der Sprache gerät in Verwirrung!

Dennoch bleibt diese Neuinterpretation ein phantasmagorisches Schauspiel von wahnwitziger Intensität, das die schweizerische Mezzo-Sopranistin **Marie-Claude Chappuis** als verlorene ***Dido*** vermenschlicht und abschwächt, neben dem warm klingenden ***Aeneas*** des amerikanischen Bariton **Jarret Ott**, die italienische Sopranistin **Francesca Aspromonte** ist eine frische und klare ***Belinda***, zugleich ***Hofdame*** und **Zweite Hexe** und die ukrainische Sopranistin **Yuliia Zasimova**, eine sehr ausgeglichene ***Erste Hexe*** und ***Zweite Dame***. Letztlich widersteht **Purcell** der Schockbehandlung und beleuchtet und erhellt dieses Theater des Zusammenbruchs zeitweise… **(PMP/25.02.2025)**

## [**DIDI AND AENEAS - Grand Théâtre,Genf - alle Termine, Karten - link HIER**](https://www.gtg.ch/en/2024-2025-season/sacrifices/?ref=ioco.de)

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[„Dido and Aeneas“ in Osnabrück](https://www.ioco.de/osnabrueck-theater-am-domhof-dido-and-aeneas-henry-purcell/) · [„Dido and Aeneas“ in Bremerhaven](https://www.ioco.de/bremerhaven-stadttheater-bremerhaven-dido-and-aeneas-henry-purcell-ioco/) · [„Dido and Aeneas“ in Stralsund](https://www.ioco.de/stralsund-theater-vorpommern-dido-and-aeneas-henry-purcell-ioco-kritik-17-10-2020/)

## Wie bewertet die Kritik das Werk Dido and Aeneas von Purcell insgesamt?

Die Kritik würdigt Purcells Dido and Aeneas als einen Höhepunkt der westlichen Kultur und Dido als zeitlose Figur für die Ewigkeit.