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# Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Das Rheingold - Richard Wagner, IOCO Kritik, 30.05.2019
- URL: https://www.ioco.de/gelsenkrichen-musiktheater-im-revier-das-rheingold-richard-wagner-ioco-kritik-30-05-2019/
- Published: 2019-05-29T17:00:28.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:55:20.000Z
- Author: Viktor Jarosch
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Premiere, Orchester, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Gelsenkirchen

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[Musiktheater im Revier Gelsenkirchen](http://www.musiktheater-im-revier.de/?ref=ioco.de)

![Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/06/mir-aussenansicht-41c-mir-1-1024x716neu.jpg)

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

# ***Das Rheingold* – Richard Wagner**

## **\- Raub und Verschwörung - Im Rheingold-Express und Untertage -**

von **Viktor Jarosch**

**Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried,** ***Die Götterdämmerung*** bilden ein zeit- und grenzenloses Gesamtkunstwerk der Menschheit: **Der Ring des Nibelungen**, von seinem Schöpfer **Richard Wagner** als „*Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend“* beschrieben. Zwist und Streit, in welche Götter, Riesen, Naturwesen oder Zwerge in dem Vorabend, in ***Rheingold,*** nach wenigen Takten verfallen, begleiten ***Rheingold*** *auch "auf Erden":* So vollzog **Ludwig II** die Uraufführung des ***Rheingold*** 1869 im **Königlichen Hof- und Nationaltheater** in München*.* Gegen den Wunsch **Richard Wagners,** der weit entfernt in der Schweiz wohnte und nicht anwesend war. In bitteren Versen zeichnet **Wagner** 1869 seinen Frust über diese, allein von **Ludwig II** betriebene Uraufführung des ***Rheingold:***

## ***Das Rheingold – Richard Wagner***

## ***Spielt nur, ihr Nebelzwerge, mit dem Ringe,*** ***wohl dien‘ es euch zu eurer Torheit Sold;*** ***doch habet ach; euch wird der Reif zur Schlinge;*** ***ihr kennt den Fluch; seht, ob er Schächern hold!*** ***……..*** ***doch euer ängstlich Spiel mit Leim und Pappe*** ***bedeckt gar bald des Niblungs Nebelkappe!***

**Richard Wagners** wahre, seine Uraufführung des ***Rheingold*** fand in Bayreuth, am 13\. August 1876 statt: zur Eröffnung der ersten **Bayreuther Festspiele,** als Vorabend des Bühnenfestspiel ***Der Ring des Nibelungen*,** hier erstmals zyklisch aufgeführt.

So schwebt seither über jeder **Rheingold** Inszenierung auch der Geist des Regisseurs: inszeniert er **Rheingold** als Teil des **Ring** oder das Einzelkunstwerk. Zwar tauchen in **Rheingold** erstmals die großen Leitmotive auf, welche das Beziehungsgeflecht in **Wagners** *Bühnenfestspiel* symbolisieren, doch die Leitmotivik in ***Rheingold*** ist noch spielerisch, nicht dicht geflochten. ***Rheingold*** kann so auch Satyrspiel empfunden werden, in welchem, in musikalischem Konversationston, Götter, naive Naturwesen, Riesen, Zwerge, Rheintöchter oder, wie im **MiR**, verschlagene, brutale, liebevolle oder zickige Menschen handeln und kommunizieren.

Im **Musiktheater im Revier** wird ***Rheingold*** nicht als **MiR-Ring,** nicht als zyklische Parabel inszeniert. **Michael Schulz,** Wagner-erfahrener Regisseur und Intendant des **MiR** beschließt mit seinem **Rheingold** eine Reihe von Inszenierungen, welche sich mit Irdischem, dem Ruhrgebiet, dem Bergbau, mit dem Thema *„Arbeit“* auseinandersetzen. So zuvor bereits in[ ***Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny***](https://ioco.de/2019/02/02/gelsenkirchen-musiktheater-im-revier-aufstieg-und-fall-der-stadt-mahagonny-bertolt-brecht-kurt-weill-ioco-kritik-02-02-2019/?ref=ioco.de). Mythos oder Götter schweben in seiner Inszenierung von **Rheingold** kaum spürbar mit, dafür aber Bergbau, Maloche, Grubenlampen, Loren und ein Zug.

**Das Rheingold - Richard Wagner**youtube Trailer Musiktheater im Revier **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Projektionen begleiten im **MiR** das vier-minütige ***Rheingold-*** Vorspiel: sonnendurchflutete lichte Gewässer schimmern auf dem Prospekt des Theaters, deuten Mythisches an. Doch aller Mythos wird verdrängt, alles wird sehr irdisch, wenn sich zum ersten Bild der Vorhang hebt und das Innere eines langgezogenen Speisewagen mit Abteilen und Speisetheke (Bühnenbild: **Heike Scheele**) zeigt. Der Speisewagen im ***Rheingold-Express*** dominiert, irdisch wie profan, den langen ersten und zweiten Auftritt der Inszenierung; macht alle, Götter, Zwerge, Rheintöchter und Riesen zu menschlichen Wesen, liebende, grobe, tanzende wie hinterhältige. Das Diktum von Regisseur **Schulz** wird im ersten Bild brutal deutlich: Das Ruhrgebiet ist sichtbar nah; alles ist menschlich in dieser Inszenierung! *Götter sind auch nur Menschen!*

So lümmelt sich denn ***Alberich,*** in altbackener Kleidung und mit Pudelmütze (Kostüme **Renée Listerdal**) auf einer Sitzbank des Zuges. Die ***Rheintöchter*** tauchen nicht aus dem Rhein auf, sondern in knappem sexy Outfit hinter der Theke hervor: *„Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege! Waglaweia!“* Ein Tabledance, von ***Woglinde*** lasziv an einer **X-Pole-Stange** vollzogen und mehr sollen den aus seinem Zugabteil herüber gekommenen ***Alberich*** (*„He, he! Ihr Nicker! Wie seid ihr niedlich, neidliches Volk“*) verführen; alle verschwinden sie dann durch die Zugfenster, erscheinen wieder durch die Waggontüren. Zum Finale des 1\. Auftritts, zum Raub des Goldes und den Klagen der **Rheintöchter**, „*Haltet den Räuber! Rettet das Gold“,* verfärben sich die projizierten lichten Gewässer im Hintergrund, werden trübe, verschmutzt; deuten den Mythos an, den Untergang von Göttern, Zwergen und Riesen.

![Musiktheater im Revier / Das Rheingold - hier : die Rheintöchter im Zug umgarnen Alberich © Forster / MiR](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/rheintoechter-und-alberich-268neu.jpg)

Musiktheater im Revier / Das Rheingold - hier : die Rheintöchter im Zug umgarnen Alberich © Forster / MiR

So erscheint dann auch **Wotan**, männlich menschlich in elegantem Anzug mit Krawatte, im **Rheingold-Express,** ***Walhall*** besingend (*„Der Wonne seligen Saal bewache mit Tür und Tor …“)*.. um dann, ein gelungener Regieeinfall, mit den Riesen **Fasolt** und ***Fafner*** (*„Sanft schloß schlaf dein Auge..“*) zunächst *"aus dem Off"* zu kommunizieren. Dann erscheinen die Riesen als irdische muskelbepackte Riesen auf den Bühne, um ihren Lohn für den Bau von **Walhall** einzufordern. Die sich zickig sträubende ***Freia*** wird mit Grubenhelm versehen in einen Grubenaufzug gepresst.

Mit dem 3\. Auftritt, **Loge** führt ***Wotan*** in das Halbdunkel des unterweltlichen **Nibelheim.** Der **Rheingold** \- Mythos, **Richard Wagners** wunderbare Komposition scheinen nun ein wenig auf. werden vom Bühnenbild gestützt; auch wenn **Mime** dort mit einem Putzeimer herum läuft und auf seinem Plakat ***„Gold macht Lust***“ irdische Genüsse propagiert. ***Wotan*** fährt in einer Lore in das Halbdunkel von ***Walhall*** ein, wo (das ***MiR*** \- Thema „Arbeit“, Ruhrgebiet), stöhnende Erdlinge schuften, frühindustrielle Stahlproduktion andeuten. Kinder weihen ***Walhall*** fröhlich ein, irdisch Friedensfahnen winkend: **Loges** düstere Prophezeiungen kontrastierend. So bleibt ***Rheingold*** im **MiR** beständig irdisch, gutmenschlich wie böse: wenn dann **Wotan** den an Händen gefesselten ***Alberich*** mit einem Dolch ersticht, wenn ***Fasolt*** ***Fafner*** mit eine Knüppel erschlägt, wenn ***Erda*** \- in schickem Kostüm ganz Partylike - **Wotan** vor „*. des Ringes Fluch .*.“ warnt. Nicht mehr so irdisch verwebt sich das Bühnenbild in Projektionen, wenn zu **Wagners** wunderbar romantischer Dichtung „*Abendlich strahlt der Sonne Auge; in prächt´ger Glut prangt glänzend die Burg..*“ im Bühnenhintergrund ***Walhall*** in vielschichtiger Farbenglut andeuten und **Wotan** und ***Fricka,*** nun doch ein wenig göttlich, dort friedlich einziehen.

![Musiktheater im Revier / Das Rheingold - hier : Wotan und Fricka, mit Donner, Froh und Freia © Forster / MiR](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/wotan-9185-349neu.jpg)

Musiktheater im Revier / Das Rheingold - hier : Wotan und Fricka, mit Donner, Froh und Freia © Forster / MiR

Trotz Speisewagen, Loren, Ruhrgebiets-Realität und anderem Irdischen auf der Bühne: **Richard Wagner** verzaubernde Dichtung, seine Komposition brachte das Ensemble mit stimmlicher Vielfalt wie Pracht und gut lesbaren Übertexten zum Leuchten; **Bastiaan Evering,** von Beginn an ein bleibend souveräner ***Wotan***, ist mit souverän wohltimbrierten Bass-Bariton und eleganter Erscheinung ein sympathischer Mensch. ***Wotan*** im **MiR** ist kein Göttervater, der widerwillig auf den Ring verzichtet; er möchte seiner Ehefrau **Fricka** mit der neuen Wohnung in **Walhall** gefallen. **Cornel Frey** festigt als ***Loge*** in seiner großen Partie das Irdische der Inszenierung: mit darstellerischem Facettenreichtum und wohlverständlichem Charaktertenor ist **Frey** als ***Loge*** steuerndes, gestaltendes Element der Inszenierung. **Urban Malmberg** ist als ***Alberich*** in profane Kleidung mit Pudelmütze ein herzlos kleingeistiger Kapitalist, beständig und laut schimpfend. Während sich **Khanyiso Gwenxane** mit elegantem Belcanto als **Froh** und **Piotr Prochera** als stimmlich gut aufgelegtem **Donner** (immer mit schwerem Hammer bewehrt) wunderbar ergänzen. **Petra Schmidt** ist die zickige ***Freia,*** Lohn für die körperlich breit ausstaffierten und stimmlich ebenso sicheren Riesen Fasolt (Joachim Gabriel Maaß und Fafner (Michael Heine). Stark, bewundernswert **Almuth Herbst** mit sicherem Mezzo in ihren Partien als ***Fricka*** und ***Erda:*** mit wohltimbrierter Gelassenheit, Persönlichkeit eigenen Charakter verleihend.

**Giuliano Betta** und die **Neue Philharmonie Westfalen** lassen **Richard Wagners** klangliche Momente des **Rheingold** lyrisch leben. Die wagnersche Dichtung, seine packenden Konversationspassagen kommen durch das sensible Dirigat und ein gut eingestelltes Ensemble wohltuend zur Geltung. So könnte man ein wenig glauben, daß im **MiR** das Irdische der Inszenierung und der Weltgeist der Komposition verschmitzt miteinander kokettieren.

*Das Gelsenkirchener Publikum des *MiR,* in der Mitte des Ruhrgebiets gelegen, feierte diese Sicht des *Rheingold,* ihren *Rheingold-Express,* ihr Ensemble, ihren Regisseur.*

***Das Rheingold*** am **Musiktheater im Revier;** die weiteren Vorstellungen: 30.5.; 2.6.; 9.6.; 20.6.; 30.6.2019

\---| IOCO Kritik Musiktheater im Revier |---