> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Tristan und Isolde - Ekstase wider Stille, IOCO Kritik,
- URL: https://www.ioco.de/gelsenkirchen-musiktheater-im-revier-tristan-und-isolde-ekstase-und-stille-ioco-kritik/
- Published: 2017-03-08T08:00:18.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:37:12.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, richard wagner, tristan und isolde, Wagner, Gelsenkirchen

![oper_gelsenkirchen.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/oper_gelsenkirchen.jpg "Musiktheater im Revier Gelsenkirchen")

[Musiktheater im Revier Gelsenkirchen](http://www.musiktheater-im-revier.de/?ref=ioco.de)

![Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/02/MiR-Au%C3%9Fenansicht-41c-MiR-1-1024x716neu.jpg "Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier")

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

# ***Komplexer Mythos in "gerader Erzählweise"***

***Tristan und Isolde* von Richard Wagner**

Von **Viktor Jarosch**

Intendant **Michael *„Furchtlos“* Schulz** und Opernstar **Torsten Kerl** als „Matchmaker“ - er hat eine besondere Beziehung zu Gelsenkirchen - bringen mit **Tristan und Isolde** eine höchst komplexe Produktion ins Revier. Mit kleinem Etat schafft das **MiR** ein künstlerisches Mammutprojekt, vor dem große Theater mit vielfachem Etat zurückschrecken. Der Lohn: Eine starke ***Tristan***\-Inszenierung, eine begeisternde Premiere, ausverkauftes Haus für die kommende Vorstellungen und eine Ausstrahlung, welche weit über die Grenzen des Ruhrgebiets wirkt. 

![Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Kerl, Foster, Malmberg, Herbst, Herrenchor © Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/02/mir_tristan_kerl_foster_malmberg_herbst_herrenchor_c_forster.jpg "Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Kerl, Foster, Malmberg, Herbst, Herrenchor © Forster")

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Kerl, Foster, Malmberg, Herbst, Herrenchor © Forster

Der uralte Mythos um **Tristan und Isolde** kennt keine Verfasser. Seine Macht bezieht der Mythos aus kollektiver Wahrnehmung, aus Archetypen, nicht aus individuell ästhetisch gestalteten Kunstwerken. Im 5\. Jahrhundert fanden fragmentarische Versionen der Legende um **Tristan und Isolde** ihren Weg in die Literatur der Länder Europas; 1210 veröffentlichte in Deutschland erstmals **Gottfried von Straßburg** den Versroman **Tristan;** Adaptionen folgten. Der Zauber des Mythos **Tristan** ergriff auch den Mythen-getriebenen **Richard Wagner** schon um 1840.Von der mittelalterlichen Sage blieb in der Oper **Wagners** nur der Name und ein wenig äußerer Rahmen: **Wagner** machte so **Morold** zu ***Isoldes*** getötetem Verlobten; in der Sage dagegen ist **Morold** ein irischer Riese, welcher aus Cornwall junge Mädchen und Jungen holt. **Wagners** unerfüllbare Liebesleidenschaft zu der verheirateten **Mathilde Wesendonck** wie die Philosophie **Schopenhauers** waren ihm Schmerz wie Inspiration: Seine **Tristan**\-Komposition wird von Sehnsucht nach unbedingtem Tod, von schrankenloser Leidenschaften ohne Rücksicht auf Riten und Gesetzen der Welt getrieben**;** von Gedanken, welche damals wie heute psychopathische Züge haben, welche als krankhaft im sozialen, als Todsünde im religiösen Sinne gelten. 

![Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Malmberg, Kerl, Foster, Herbst, Herrenchor © Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/02/mir_tristan_malmberg_kerl_foster_herbst_herrenchor_c_forster.jpg "Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Malmberg, Kerl, Foster, Herbst, Herrenchor © Forster")

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Malmberg, Kerl, Foster, Herbst, Herrenchor © Forster

**Richard Wagner** begann 1857 mit dem Werk ***Tristan und Isolde*:** Die Komposition des **Nibelungenringes** war in eine Schaffenskrise geglitten. Doch auch die Schöpfung von **Tristan und Isolde** sollte von Krisen begleitet werden: Erst im Juni 1865 sollte die Uraufführung in München stattfinden. Die Dichtung zu **Tristan** hatte Wagner 1857 in wenigen Monaten geschrieben, die Partitur dagegen dauerte Jahre: Das Mystische ist Mittelpunkt der Komposition; dies auszudrücken öffnet **Wagner** zu romatischer Musik auch das Tor zur Atonalität. Bereits in den ersten sieben Takten des Vorspiels werden alle zwölf Töne der Halbtonleiter verwendet: Mystisches - Auflösung, Verschwimmen, Verdämmern – zeigend. **Wagner** komponiert in ***Tristan und Isolde*** neue, bis dahin unbekannte Klangwelten mit verzehrender Expressivität, ein Gleichgewicht zwischen Ekstase und Stille. Regisseur **Michael Schulz** bringt eine wohltuend klassische Inszenierung, in „gerader Erzählweise“ (Dramaturgie **Gabriele Wiesmüller**), mit griffiger Personenregie, blendender Besetzung und neutralen Kostümen (**Renée Listerdal**) auf die Bühne des **MiR.** Fokus sind Psyche, Mystik und **Wagners** komplexe Partitur. **Schulz** meidet angestrengte abstrakte Interpretationen auf der Bühne sondern lenkt Blick und Gedanken der Besucher mit konkreter Einfachheit der Bühnenbilder unabgelenkt auf die in Musik und Dichtung deutlich werdende Zerrissenheit der handelnden Charaktere. Im ersten Aufzug: Eine höhengeteilte Bühne (**Kathrin-Susann Brose**) bildet im Halbdunkel des Unterdecks eine klagende **Isolde** und ***Brangäne*** ab, während über ihnen, auf dem Oberdeck, vor schwarzem Mast (***Tristan*** lehnt wie in Trance an ihm) und hohen weißen Segeln, freudige Seemänner die kommende Ankunft in Cornwall besingen. Sanfte Lichteffekte (**Patrick Fuchs**) verwischen Bewußtes mit Unbewußtem, stärken das unvergängliche Phänomen der Tristan-Partitur. 

![ Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Torsten Kerl im dritten Aufzug © Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/02/mir_tristan_kerl_c_forster.jpg " Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Torsten Kerl im dritten Aufzug © Forster")

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Torsten Kerl im dritten Aufzug © Forster

Akribisch getragene Eleganz zeichnen Vorspiel wie die folgenden Aufzüge der **Neuen Philharmonie Westfalen** unter **Rasmus Baumann.** Sanft wie einfühlsam spielte das Orchester, zumindest zu Beginn der fünf Stunden–Oper, ohne Myterienmalerei. ***Tristan*** ist keine leise Oper, die Erfahrungen am **MiR** waren begrenzt. Und doch gelingt es Dirigent und Orchester die Partitur der so handlungsarmen Oper schon in der Premiere sehr expressiv auszumusizieren, **Wagners** Werk tonmalerisch zu interpretieren. Ein klagender ***Junger Seemann*** (**Ibrahim Yesilay**) eröffnet das anspruchsvolle Psychodrama im **MiR**, unsichtbar in lyrisch reiner Unschuld „*Westwärts schweift der Blick, ostwärts streicht das Schiff“* **.** Wut, Enttäuschung und Verzweiflung bringt die Bayreuth-erfahrene **Catherine Foster** als ***Isolde*** schon im ersten Aufzug der Premiere, sicher in hochdramatischer aber kontrollierter Diktion, von *„Wer wagt mich zu höhnen!“* über das berühmte Liebesduett des zweiten Aufzugs und das *„O sink hermieder, Nacht der Liebe“* bis zum gemeinsamen Liebestod und ihrem *„Isolde ruft: Isolde kam, mit Tristan treu zu sterben“*. **Torsten Kerl,** weltweit gesuchter Wagner-Sänger, beherrscht seine schwere Partie des ***Tristan*** souverän; bei aller Dramatik strahlt auch immer wieder tenoraler Charme in wunderbarem Timbre. Die riesige Partie bewältigt **Torsten Kerl** kraftvoll wie auffällig textsicher, speziell im besonders fordernden dritten Aufzug, als er mit fiebrigen Visionen, von ***Melot*** verletzt, am Boden liegt. Doch auch die **MiR** Ensemblemitglieder **Urban Malmberg** als ***Kurwenal*** und **Almuth Herbst** als **Brangäne** beherrschten in ihren Debüts ihre großen Partien und rundeten mit einem stimmlich sicheren wenn auch etwas salbungsvoll braven **Phillip Ens** als **König Marke** die ungewöhnliche Premiere **Tristan und Isolde** im **MiR** ab.

![ Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Der liebestod im dritten Aufzug © Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/02/mir_tristan_kerlfoster3_c_forster.jpg " Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Der liebestod im dritten Aufzug © Forster")

Musiktheater im Revier / Tristan und Isolde - Der Liebestod im dritten Aufzug © Forster

Stürmischer Applaus, viele Bravos, Bravas, Bravi des voll besetzten Hauses belohnten Intendant **Michael Schulz** wie Initiator **Torsten Kerl** für ihr gewagtes wie erfolgreiches Experiment ***Tristan und Isolde*** inmitten des Reviers. Doch auch die **Neue Philharmonie Westfalen** unter **Rasmus Baumann** wie die hoch geforderten Ensemblemitglieder des ***MiR*** wurden für ihre gelungene Beiträge hörbar belohnt.

***Tristan und Isolde* im MiR, Gelsenkirchen: Termine : Premiere** 04\. Mär. 2017 17:00-22.00 Uhr, 12\. Mär. 2017 16:00-21:00 Uhr, 19\. Mär. 2017 16:00-21:00 Uhr, 26\. Mär. 2017 16:00-21:00 Uhr, 08\. Apr. 2017 17:00-22:00 Uhr, 07\. Mai. 2017 16:00-21:00 Uhr, 13\. Mai. 2017 17:00-22:00 Uhr, 04\. Juni. 2017 16:00-21:00 Uhr

\---| IOCO Kritik Musiktheater im Revier |---