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# Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Premiere Der Rosenkavalier, IOCO Kritik, 02.06.2013
- URL: https://www.ioco.de/gelsenkirchen-musiktheater-im-revier-premiere-der-rosenkavalier-ioco-kritik/
- Published: 2013-06-05T17:00:26.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:09:46.000Z
- Author: Viktor Jarosch
- Tags: Kritiken, Karten, Rosenkavalier, Richard Strauss, Gelsenkirchen

![oper_gelsenkirchen.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/oper_gelsenkirchen.jpg "Musiktheater im Revier Gelsenkirchen")

[Musiktheater im Revier Gelsenkirchen](http://www.musiktheater-im-revier.de/?ref=ioco.de)

![Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/02/MiR-Au%C3%9Fenansicht-41c-MiR-1-1024x716neu.jpg "Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier")

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Der Rosenkavalier: Starkes Ensemble, Grosse Lyrik

Am 26\. Januar 1911 fand die Uraufführung des *Rosenkavaliers,* einer Komödie für Musik von **Hugo von Hofmannsthal** und **Richard Strauss** im **Königlichen Opernhaus** in Dresden statt. Die Oper war ein ungewöhnlicher Erfolg. Ausgebuchte Sonderzüge brachten Besucher aus weit entfernten Gegenden.   **Ernst von Schuch**, Dirigent der Uraufführung, sagt über die ersten Aufführungen: „*Nach dem ersten Akt ist jetzt jedes Mal ein beispielloser Jubel im Theater, ich glaube, wir alle sind mit solcher Liebe und Begeisterung dabei, …..*.“ Bereits einen Tag darauf wird die Premiere in Nürnberg gefeiert, bald danach in Basel, Hamburg, Bremen, Frankfurt, Mailand, ……. Berlin, Rom und Den Haag – ein Welterfolg wurde geboren.

***Max Reinhardt*: Der fast vergessene "Mitkomponist"**

Dabei schmeckte es vor der Uraufführung eher nach einem Flop. Der bodenständige Dresdner Hausregisseur **Georg Tosser** verweigerte dem Stück seinen *Wiener Geist*. Heimlich holte der verzweifelte **Richard Strauss** vom **Theater an der Wien** den jungen populären Bühnenreformer, **Max Reinhardt** **,** nach Dresden. Erst **Reinhardt** präzisierte Klang und Sprache des Stückes, verlieh ihm Modernität und seinen speziellen *Wiener Geist*. Geprobt wurde nachts in Hotelzimmern, denn der erboste Dresdner Intendant **Nikolaus Graf von Seebach** hatte **Max Reinhardt** Hausverbot für die **Oper erteilt**. Vieles dieser großartigen Oper wäre heute anders; sächsisch wäre seine Sprache, hätten **Strauss** und **von Hofmannsthal** sich nicht durchgesetzt und gemeinsam mit **Max Reinhardt** ihr originäres Aufführungsmuster geschaffen (die Wiener Walzer, Sprachfinessen, die Buffonerie der Festszenen, die silberne Rose), ohne die heutige *Rosenkavalier* Inszenierungen unvorstellbar sind. Und doch geht **Max Reinhardt** in modernen *Rosenkavalier*\-Reflexionen gern unter.

![MiR / Rosenkavalier - Marschallin P. Schmidt, Ochs M. Tews, Octavian N. Stefanoff © Karl Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/06/mir-gelsenkirchen-rosenkavalier-marschallin-p.-schmidt-ochs-m.-tews-octavian-a.-sieloff-c-karl-forster.jpg "MiR / Rosenkavalier - Marschallin P. Schmidt, Ochs M. Tews, Octavian N. Stefanoff © Karl Forster")

MiR / Rosenkavalier - Marschallin P. Schmidt, Ochs M. Tews, Octavian N. Stefanoff © Karl Forster

Das **Musiktheater im Revier** (**MiR**) und der junge Wiener Gastregisseur **Philipp Harnoncourt,** Sohn des prominenten Dirigenten **Nikolaus Harnoncourt,** brauchen wenig Bühnenrequisiten, um einen packend konventionellen *Rosenkavalier* zu produzieren. Nicht verschnörkelte Luxus-Ambiente sondern zeitlose *Bühne auf der Bühne* heißt das einfache aber passende Kernrequisit dieser Inszenierung: Eine 8 x 6 Meter große Fläche, drehbar, auf der großen Bühne platziert. Wände und Vorhänge dieser *Bühne auf der Bühne* wechseln wenig aufwendig mit den Stimmungen und Handlungen, gut angepasst. Dazu unaufgeregt differenzierende Kostüme und austarierte Personenführung. Die Inszenierung konzentriert sich auf **von Hofmannsthal´s** komplexes Komödienlibretto wie auf **Strauss\`**  musikalisch virtuosen Konversationsstil.

Die Kostüme (**Andreas Donhauser)** differenzieren meist klassisch neutral, gelegentlich pfiffig (drei Faktoten) und selten schrill wie passend lasziv bei *Marianderl*. Allein das Kostüm der *Sophie* (**Alfia Kamalova**) mit Kniestrümpfen, Schärpe und Faltenrock zeichnet ein arg naives Schulmädchenkolorit. **Michael Tews** lebt den prahlerischen *Baron Ochs auf Lerchenau* als polternder, spießig-selbstsüchtigen Lebemann, allerdings etwas jugendlich wirkend; einige Gesichtsfalten mehr und **Tews** ist die perfekte Besetzung. Das meist neutrale Bühnenbild nötigt die Protagonisten,den spezifischen Charakter ihren Partien durch Ausdrucks- und Darstellungskraft auf die Bühne zu bringen; das allerdings gelingt allen vorzüglich. Im ersten Aufzug auf dieser *Bühne auf der Bühne:* Weißes Doppelbett, unauffällige Wände, ein kleiner Schrank. Auch im zweiten und dritten Aufzug findet die Handlung überwiegend auf der *Bühne auf der Bühne* statt; veränderte Wandelemente und Accessoires stützen den weiteren Handlungsstrang.

 **MiR - Eigenes Ensemble macht großes Musiktheater** 

Das **MiR** ist auch bei relativ kleinem Etat ein höchst leistungsfähiges Musiktheater. *Der* *Rosenkavalier* wird in den zentralen Partien mit Sängern aus dem eigenen **MiR**\-Ensemble blendend besetzt, Kompliment, auch wenn der für diese Oper wichtige österreichische Dialekt noch etwas vermisst wird. Die reife *Marschallin* (**Petra Schmid**t) und ihr jungerLiebhaber *Octavian* (**Nadja Stefanoff**) verströmen bereits mit ihrem Erwachen im ersten Aufzug ergreifende Poesie. **Petra Schmidt** beseelt und berückt als *Marschallin* in Ton und Ausdruck. Sängerische Souveränität, Klangfarben wie differenzierte Deklamation nutzt **Schmidt** zur Charakterisierung einer reifen Frau, welche weder der Dekadenz des Zeitgeistes folgen möchte, noch der Liebe mit ihrem jugendlichen Liebhaber bleibenden Bestand einräumt: “*Heute oder morgen oder den übernächsten Tag*“ kommt der Augenblick des Abschieds singt **Schmidt** mit ergreifender Wehmut, mit silbrigem Retrosopranzauber.

![MiR / Rosenkavalier- Octavian Nadja Stefanoff © Karl Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/06/rosenkavalier-mir-octavian-a.-sieloff-c-karl-forster.jpg "MiR / Rosenkavalier- Octavian Nadja Stefanoff © Karl Forster")

MiR / Rosenkavalier- Octavian Nadja Stefanoff © Karl Forster

**Nadja Stefanoff**imponiert in der Partie als sensibler *Octavian*: Mit Menjoubärtchen, schwarzem Anzug und dazu wohltimbriertem, oft bewegend zartem Mezzosopran harmoniert ihre Stimme überaus gut mit der der *Marschallin.* Ingeniös im dritten Aufzug “*Es is ja eh als eins*”, herzzerreißend karikierend gesungen. **Alfia Kamalova** singt die hoch steigenden Linien der *Sophie* zunächst etwas angestrengt aber bald danach mit großer Präzision und leuchtender Wärme. Darstellerisch köstlich, wenn nötig mit „*Haut und Haaren*“, aber immer mit tiefem, breitem Bass ist **Michael Tews** als *Ochs auf Lerchenau*. Kurzweiliger Höhepunkt dieser *Rosenkavalier*\-Inszenierung wird sein Degen-Duell mit *Octavian* und der folgende Jammer über sein Schicksal im dritten Aufzug: **Tews** meistert seine gewaltige Partie textsicher und mit bruchloser, kräftiger Stimmführung**.**

Doch auch die anderen Partien sind gut besetzt: **Hongjae Lim** glänzt als*Sänger* mit unglaublich strahlender Höhensicherheit, **Tomas Möwes** imponiert als*Faninal*.Erfrischend beweglich wurde der riesige Chor von **Christian Jeub** einstudiert. Die **Neue Philharmonie Westfalen** unter **Rasmus Baumann** klingt vom ersten Ton an frisch, filigran wie schwungvoll walzerselig, ohne verzuckert oder verkitscht zu wirken. Transparent rauschen die **Philharmoniker** mit organischen fein geführten Tempi. Details wie das *Silberrosenmotiv* oder anachronistische Walzerklänge erklangen kristallklar, aber in der **Strauss-**eigenen Tonspracheund seiner gewollten Nähe zur Musikkomödie.

![MiR / Premierenfeier Rosenkavalier - Ensemble mit Intendant Michael Schulz © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/06/premierenfeier-rosenkavalier-ensemble-mit-intendant-michael-schulz.jpg "MiR / Premierenfeier Rosenkavalier - Ensemble mit Intendant Michael Schulz © IOCO")

MiR / Premierenfeier Rosenkavalier - Ensemble mit Intendant Michael Schulz © IOCO

Der *Rosenkavalier* des **MiR:** Die gelungene Inszenierung einer musikalisch wie darstellerisch ungemein anspruchsvollen Oper; den von **Strauss** und **von Hoffmansthal** gesuchten vielschichtigen aber zumeist frohsinnigem Geist sensibel vermittelnd. Bunter Humor changiert sanft mit reifen Lebensweisheiten, von der **Neuen Philharmonie Westfalen** mitreißend interpretiert.So sind die Magie des Orchesters und klangschön verschmelzende Stimmen inmitten einer lebendig humorigen Inszenierung gute Gründe, diesen *Rosenkavalier* am **MiR** in Gelsenkirchen zu besuchen.

***IOCO* / Viktor Jarosch / 4\. Juni 2013**

**Weitere Vorstellungen: 8\. Juni 19.00 Uhr, 16\. Juni 18.00 Uhr, 21\. Juni 19.00 Uhr, 4\. Juli 2013 19.00 Uhr**

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