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# Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, A Midsummer Night´s Dream - Benjamin Britten, IOCO Kritik, 15.01.2016
- URL: https://www.ioco.de/gelsenkirchen-musiktheater-im-revier-a-midsummer-nights-dream-von-benjamin-britten-ioco-kritik-15-01-2016/
- Published: 2016-01-18T15:12:52.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:29:49.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Kritiken, Karten, Oper & Operette, Gelsenkirchen

![oper_gelsenkirchen.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/oper_gelsenkirchen.jpg "Musiktheater im Revier Gelsenkirchen")

[Musiktheater im Revier Gelsenkirchen](http://www.musiktheater-im-revier.de/?ref=ioco.de)

![Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/02/MiR-Au%C3%9Fenansicht-41c-MiR-1-1024x716neu.jpg "Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier")

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

# **Träume ich? Wache ich? Wer bin ich?**

# ***A Midsummer Night´s Dream***

**Bejamin Britten** (1913 – 1976), ein großer Komponist der Neuzeit, durchlebte unendliche Konflikte. Nähe zum Klassizismus, zum englischen Barockkomponisten **Henry Purcell,** zur französischen Musikästhetik bestimmen seine Werke. **Brittens** Oper, **A Midsummer Night´s Dream,** basiert auf **Shakespeares** Komödie mit Musik und entstand vor über 400 Jahren, etwa 1595. **Britten** übernahm **Shakespeares** komplexe Handlung und Text in voller Dichte und schuf daraus 1960 ein phantasievoll stilisierendes Musikwerk. Reale Menschenwelten changieren dort sanft und sensibel mit den Traumwelten von Elfen und Feen. Im Traum ist alles möglich, wie in der Wirklichkeit. Wo sind wir wirklich, in diesem Augenblick? Träumen wir oder umgibt uns reales Leben? Alles verfließt immer, der Traum in die Wirklichkeit, die Wirklichkeit in den Wachtraum. So auch in der packenden **MiR**\- Inszenierung in Gelsenkirchen.

![MiR Gelsenkirchen / Oberon und Bottom © Karl + Monika Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/01/ioco-oberon-und-bottom_150.jpg "MiR Gelsenkirchen / Oberon und Bottom © Karl + Monika Forster")

MiR Gelsenkirchen / Oberon und Bottom © Karl + Monika Forster

![MiR Gerlsenkirchen / Die Handwerker © Karl+Monika Forster ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/01/mir-die-handwerker-c_karlmonikaforster_04.jpg "MiR Gerlsenkirchen / Die Handwerker © Karl+Monika Forster ")

MiR Gerlsenkirchen / Die Handwerker © Karl+Monika Forster

**Brittens** **A Midsummer Night‘s Dream** füllt durch Klangzauber und Bezüge zu alter englischer Musik die Operhäuser weltweit. Schon in der Bezeichnung von **Shakespeares** Komödie wird die Vielschichtigkeit der Stückes offenbar: Sie beginnt und endet mit einer Hochzeitsfeier und verwebt dabei drei eigenständige Geschichten: ***Theseus***, Herrscher von Athen, feiert Hochzeit und Friedensfest mit der im Kampf besiegten Amazonenkönigin ***Hippolyta.*** Zu der Hochzeit kommt ***Oberon***, König der Elfen, und Feenkönigin ***Tytania*** wie die Liebespaare Hermia und Lysander wie Helena und Demetrius. Eine Handwerkertruppe wiederum möchte zu Ehren des ***Theseus*** das Schauspiel ***Pyramus und Thisbe*** aufführen (ein den ***Metamorphosen*** **Ovids** entnommenes Liebespaar, Buch 4). Doch **Oberon** streitet mit ***Tytania***, auch die beiden Liebspaare. Zur Lösung der Streite tröpfelt ***Oberon*** den Zaubersaft einer Blume in die Augen von ***Tytania;*** seinen ***Elfen Puck*** bittet er, den Zaubersaft ***Helena*** und ***Demetrius*** einzuflössen. Doch ***Puck*** träufelt den Saft in falsche Augen und alles Liebesleben nimmt in der folgenden Nacht unerwartete, ungewollte Wendungen. Menschen paaren sich Elfen, ***Tytania*** verfällt einem Esel; alle fallen erschöpft in tiefe Traumwelten. Derweil übt die Schauspieltruppe an ihrem Stück. Das Erwachen aller am Folgetag bringt Gästen und Elfen ungläubige Verwirrung wie Versöhnung. Doch schon beginnt die Hochzeit des Theseus, alle eilen dorthin. ***Theseus*** geleitet ***Hippolyta*** zur Feier, den wieder vereinten Liebespaaren wird die Hochzeit versprochen. Die tragische Komödie ***Pyramus und Thisbe*** wird aufgeführt. Die nun wieder herrschenden Elfen versöhnen in der folgenden Nacht Natur und Mensch mit ihrem Segen.

![MiR Gelsenkirchen / Die Liebespaare © Karl+Monika Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/01/2mir_msnd_c_karlmonikaforster_03_150.jpg "MiR Gelsenkirchen / Die Liebespaare © Karl+Monika Forster")

MiR Gelsenkirchen / Die Liebespaare © Karl+Monika Forster

***A Midsummer Night´s Dream*** in Gelsenkirchen wird von 484 Quadratmeter weißem Tuch (Inszenierung **Michael Schulz,** Bühne **Mathrin-Susann Bros**e) dominiert. An neun Seilen senkt sich das riesige Tuch aus dem Schnürboden herab, breitet sich über die Bühne aus, um dort, in weiche wie abrupte Farben (Licht **Patrick Fuchs**) gehüllt und wechselnden Formationen Berge, Welle, Träume oder Wolken zu symbolisieren. Menschen- und Elfenwelten verschwimmen, wie die Grenzen zwischen Traum und Realität. Das Unbewusste, das Unterbewusste nimmt sich seinen Raum.

Phantasie, Verwirrung und pausbackene Derbheit der Laienschauspieler werden auf dem Wolkengrund ausgebreitet: In farbenfrohen Kostümen, martialisch oder mit *Selfie* **(Renée Listerdal**) und präziser Personenführung (**Stephan Steinmetz**). Der Besucher begleitet die verwirrende Handlung des **Sommernachtstraumes** mit eigenen Zwiespälten: Haben die Liebespaare im Traum oder in Wirklichkeit gestritten? Haben die wahren Paare in der Verwirrung wieder zueinander gefunden? Das Traumerwachen auf der Bühne bietet dem Besucher keine Hilfe: Die Liebespaare verlassen, sich wechselnd die Hände haltend, die Bühne.

![MiR Gelsenkirchen / A Midsummer Night´s Dream © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/01/mir-ein-sommernachtstraum-ioco_150.jpg "MiR Gelsenkirchen / A Midsummer Night´s Dream © IOCO")

MiR Gelsenkirchen / A Midsummer Night´s Dream © IOCO

Die englische Dirigentin **Julia Jones** wurde zu einem Star des Abends: Mit der **Neuen Philharmonie Westfalen** findet sie filigranen Zugang zu **Benjamin Brittens** modern-klassischer Klangkomposition. **Jones** schuf besondere Hörerlebnisse, wenn helle Piccolo-Flöten, Vibrafon oder Triangel den Klangwelten sphärischer Elfen, unglücklich Liebender oder dilletierender Schauspieler musikalischen Charakter und Glanz verleiht. Das kleine Orchester klingt in vielen Soli transparent und akkurat, an dramatischen Stellen wiederum entwickelt es dissonante Bissigkeit. Das Ensemble rundet die überzeugende Inszenierung auf der Bühne stimmlich und darstellerisch ab: Countertenor **Matthias Rexroth** gibt der zentralen Partie des ***Oberon*** Präsenz und Kraft. ***„Tytania“* Bele Kumberger** phrasiert mit sinnlichem und hellen Sopran, während ***„Puck“* Klaus Brantzen** die Liebespaare in einer komplexen wie starken Artisten- und Sprechpartie als abgelebter Halbweltler verführt. Doch auch die verführten Liebespaare und das Sextett der Handwerker (besonders gestaltend **Urban Malmberg** als ***Bottom***), ein wohltimbrierter Tenor **Dong-Won Seo** als **Theseus** und **Almuth Herbst** als ***Hippolyta*** tragen die mitreißende Gesamtleistung des Abends.

Die Produktion des **Midsummer Night´s Dream** begeisterte das Publikum des bis auf den letzten Platz ausverkaufte große Haus des **MiR.** Inszenierung, Orchester, Dirigat und Ensembleleistung boten eine **Sommernachtstraum,**  welcher den kalten, dunklen Winterabend verzauberte, die Besucher zum Träumen und, zum Ende, zu lautem, anhaltendem Beifall verführte.   ***IOCO* / Viktor Jarosch** / 15.01.2016

**Weitere MiR - Vorstellungen:** 7\. Februar 2016, 14\. Februar 2016

\---| IOCO Kritik Musiktheater im Revier |---