> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Gabriel Fauré - The Secret Fauré II, IOCO CD - Rezension, 15.10.2019
- URL: https://www.ioco.de/gabriel-faure-the-secret-faure-ii-ioco-cd-rezension-15-10-2019/
- Published: 2019-10-15T07:00:40.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:59:00.000Z
- Author: Julian Fuehrer
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Premiere, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken

![The Secret of Fauré © Sony Classical](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/10/faure-cd-cover-neu.jpg)

The Secret of Fauré © Sony Classical

# **Gabriel Fauré - The Secret Fauré II – Sony Music 9005523**

 **Orchestral and Concertante Music: Axel Schacher - Violine, Antoine Lederlin - Cello. Oliver Schnyder - Klavier, Sinfonieorchester Basel, Leitung Ivor Bolton** 

**CD - Rezension - Julian Führer**

**Gabriel Fauré** (1845-1924) ist in Frankreich heute bekannter als in deutschsprachigen Ländern. **Faurés** Werk, wenn auch nicht völlig verschwunden, ist dort nur selten im Konzertsaal zu hören. Am bekanntesten ist sicherlich sein ***Requiem*** Opus 48 von 1887\. Seine ***Pavane*** Opus 50 wurde auf *YouTube* in verschiedenen Versionen bereits etwa zehn Millionen Mal angeklickt (Stand September 2019). Die Gesamteinspielung seiner Werke (**Brillant Classics**) umfasst allerdings 19 CDs mit vielen Werken, die auch passionierten Musikhörern unbekannt sein dürften. Umso verdienstvoller ist es, dass das **Sinfonieorchester Basel** es sich zum Ziel gesetzt hat, ***The Secret Fauré*** etwas bekannter zu machen. Die neue und auf kritischer Durchsicht der Quellen basierende Ausgabe der Werke **Faurés** bei Bärenreiter erlaubt nun einen musikwissenschaftlich abgesicherten Blick auf dieses vielgestaltige Werk.

Auf der ersten CD waren Pretiosen wie die Konzertversion für Frauenchor und Orchester von ***Caligula***, Orchesterlieder für Sopran und andere Stücke zu entdecken. Das erste Werk des vorliegenden zweiten Teils ist die ***Berceuse für Violine und Orchester*** Opus 16, ein anmutiges Stück für Flöte, Klarinette, Solovioline und Streicher. Die Flöte und die Klarinette liefern (nicht allein aufnahmebedingt) nur etwas Hintergrund für die schwungvoll aussingende Linie der Violine. Ein schönes Salonstück mit klarer Struktur, das **Fauré** selbst für kleines Orchester neu arrangierte. Der Mittelteil ist in der Solopartie etwas tastender, bevor nach reichlich zwei Minuten bereits die Reprise folgt.

Die ***Romanze für Violine und Orchester*** op. 28 ist in der vorliegenden Fassung nicht gänzlich **Fauré** zu verdanken. Die Orchestrierung ging zu seinen Lebzeiten verloren und wurde dann von **Philippe Gaubert** wiederhergestellt. Das *Andantino molto moderato* ist etwas anspruchsvoller strukturiert. Bei aller Zartheit kommen mehr Instrumente zum Einsatz als in der ***Berceuse***, ohne dass es jedoch je laut würde. Zur Violine (auch hier mit sicherer Intonation und schönem Ton von **Axel Schacher** gespielt) tritt die Harfe, bevor im unruhigeren Mittelteil das Soloinstrument vor allem mit dem tiefen Holz in Beziehung tritt. Als die Flöte hinzukommt, spielt **Fauré** mit dem Sehnsuchtsmotiv aus **Wagners** ***Tristan und Isolde*** (immerhin komponiert er eine Romanze). Diese Passage wiederholt **Fauré**, bis das Stück mit seinem sehr hohen und langen Ton der Violine und einem *Harfenarpeggio* endet.

Für die ***Ballade für Klavier und Orchester*** Opus 19 wählt der Pianist **Oliver Schnyder** einen individuellen Zugang. Das **Camille Saint-Saëns** gewidmete Stück beginnt *Andante cantabile* in Fis-Dur. Beim Wechsel von Triolen zu Sechzehnteln wählt der Pianist den freien Vortrag. Halsbrecherische Partien gibt es in diesem Stück nicht, doch muss der Pianist dennoch über eine gute Technik verfügen, um interpretatorisch der Bandbreite des Stückes gerecht zu werden. Am Schluss des vierzehnminütigen Stückes hält er das Pedal, obwohl die Partitur deutliche Pausen markiert – hört sich schön an, ist aber eigentlich wohl anders gemeint. Doch Musik ist nicht nur Mathematik. Kleine Temporückungen und genau dosierte Abstufungen der Dynamik beim Dialog mit Einzelinstrumenten zeugen von einem organischen Musizieren von Solist und Orchester. Zu loben ist auch die Aufnahmetechnik, die das Soloinstrument voll zur Geltung kommen lässt, gleichzeitig aber beim Orchester volle Durchhörbarkeit gewährleistet; dazu braucht es nicht nur einen fähigen Dirigenten, sondern auch einen guten Tonmeister (hier **Jakob Händel**).

Die als viertes Stück auf der CD folgende ***Elegie für Cello und Orchester*** op. 24 ist ein gattungsbedingt getragen vorgetragenes Stück. **Antoine Lederlin** bewegt sich am Cello eher in den tieferen Registern des Instruments. Ostinati und düsteres c-Moll lassen eher an eine Trauermusik wie von **Beethoven** oder **Chopin** als an eine eigentliche Elegie denken. Im Mittelteil hellt sich die Stimmung dank Oboe und Klarinette etwas auf, das Soloinstrument reagiert auf Tuttieinsätze des Orchesters mit schnellen Figuren, bevor es zu einer langen klagenden Phrase ansetzt und die Musik nach sieben Minuten verdämmert.

Die folgenden Stücke haben miteinander gemeinsam, dass **Fauré** sich bei Kompositionsformen der Renaissance inspirieren ließ, um mit einem eher kleinen Orchester Stücke mit klarer rhythmischer Struktur zu schreiben. ***Masques et Bergamasques*** komponierte **Fauré** sehr viel später als die bisher präsentierten Stücke. Die Orchestersuite daraus Opus 112 beginnt in der Ouvertüre freundlich, ja munter mit einem Thema, das fast von **Haydn** stammen könnte, während das zarte zweite Thema deutlich der Romantik verhaftet ist. Das ***Menuet*** hat wieder etwas gewollt Altväterliches und spielt mit den Konventionen eines längst nicht mehr gepflegten Genres, wie es auch **Sergej Prokofiew** in der ***Symphonie classique*** tat. Auch die ***Gavotte*** im charakteristischen 2/2-Takt und mit ihren dem Tanzcharakter der Gattung geschuldeten Wiederholungen kommt etwas gespreizt daher, doch fügt **Fauré** hier wie auch sonst immer noch etwas hinzu, was das Stück auch um 1900 (und heute) hörenswert macht, hier eine Weiterentwicklung des motivischen Materials mit einem Wandel des Takts, bevor der Tanz abschließend noch einmal gegeben wird. Die am Schluss der Suite stehende ***Pastorale*** setzt auf ganz andere kompositorische Mittel und fällt stilistisch etwas heraus – sie wurde tatsächlich auch erst viel später komponiert als die anderen Stücke. Wie es sich für ein Schäferstück gehört, kommt eine Harfe dazu, aber sie formt keine Akkorde, sondern Tonleitern aus Einzeltönen. Ein Werk mit ganz eigener Färbung, das tatsächlich bekannter werden sollte.

Die ***Pavane*** Opus 50 gehört eigentlich wirklich nicht zu **The Secret Fauré*,* sondern ist eines seiner bekanntesten Werke. Wenn sie dennoch ihren berechtigten Platz auf dieser CD hat, so wegen der stilistischen Verwandtschaft mit den archaisierenden Stücken aus ***Masques et Bergamasques***. Zu hören ist die Orchesterfassung (es gibt auch eine Version mit Chor). Eine Pavane ist eigentlich ein vor allem im 16\. Jahrhundert bei Hofe verbreiteter langsamer Tanz. **Fauré** geht von diesem langsamen Tanzschritt aus, spinnt aber sein musikalisches Material weiter, während der Rhythmus beibehalten und (leise) markiert wird. Anders als bei einem Tanz scheint die Musik sich hier zum Schluss hin zu entfernen, verhallt und endet in einem traurigen fis-Moll-Akkord.

Das letzte Stück auf der CD ist das *Allegro* aus der ***Symphonie in F-Dur*** (Orchestersuite) Opus 20\. Dass hiervon eine Orchesterfassung erhalten ist, war längere Zeit nicht bekannt; 1873 hatte **Fauré** selbst gemeinsam mit **Camille Saint-Saëns** eine Fassung für zwei Klaviere präsentiert. Dieser Satz mit einer Länge von 13 Minuten auf der vorliegenden Einspielung hat eine weniger eingängige thematische Struktur als die anderen dieses Tonträgers. Anders als sonst klingt das Orchester hier auch etwas lauter, vordergründiger als sonst – das Problem kann bei der Aufnahmetechnik liegen oder an **Fauré** selbst, sollte er hier stellenweise zu ‚dick‘ instrumentiert haben. Am **Sinfonieorchester Basel** liegt es jedenfalls nicht, das bis dahin bei allen anderen Kostbarkeiten gezeigt hat, über welchen transparenten, leichten Klang es unter **Ivor Bolton** am Pult verfügt. Die CD zeigt, dass es sich lohnt, bei **Fauré** auch weiter nach Unbekanntem zu suchen.

\---| IOCO CD-Rezension |---