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# Frankfurt, Oper Frankfurt, The Medium - Satyricon, IOCO Kritik, 27.07.2019
- URL: https://www.ioco.de/frankfurt-oper-frankfurt-the-medium-satyricon-ioco-kritik-27-07-2019/
- Published: 2019-07-27T07:00:34.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:56:46.000Z
- Author: Ljerka Oreskovic Herrmann
- Tags: Oper & Operette, Spielplan, Premieren, Premiere, Strauss, Salome, Kritiken, Frankfurt

![logo_oper_ffm.gif](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/logo_oper_ffm.gif "Oper Frankfurt")

[Oper Frankfurt](http://www.oper-frankfurt.de/?ref=ioco.de)

![Bockenheimer Depot © Staedtische Buehnen Frankfurt / PMG](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/07/bockenheimer-depot-foto-staedtische_buehnen_frankfurt_neu.jpg)

Bockenheimer Depot © Staedtische Buehnen Frankfurt / PMG

# ***The Medium -* Gian Carlo Menotti : *Satyricon* \- Bruno Maderna**

 ***\- Erstaufführungen der Oper Frankfurt im Bockenheimer Depot -***

von **Ljerka Oreskovic Herrmann**

Ein Ort, der Theatergeschichte geschrieben hat, bietet den passenden Raum für zwei jeweils gut einstündige Opernwerke: ***The Medium*** von **Gian Carlo Menotti** und ***Satyricon*** von **Bruno Maderna** sind erstmals zusammen zu hören und zugleich auch Frankfurter Erstaufführungen. **Menotti** (1911-2007) und **Maderna** (1920-1973) waren Zeitgenossen und doch unterscheiden sich ihre Kompositionsweisen und Werke erheblich. Auch in der Thematik gehen diese beiden Komponisten mit italienischen Wurzeln getrennte Wege.

![ Oper Frankfurt / The Medium - hier : Meredith Arwady als Madame Flora © Barbara Aumueller](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/07/4052_medium001_grossneu-1.jpg)

Oper Frankfurt / The Medium - hier : Meredith Arwady als Madame Flora © Barbara Aumueller

Das **Bockenheimer Depot** verfügt über den kleinen, keineswegs weniger bedeutenden, dafür aber intimen Rahmen. Das Depot, das im Frankfurter Stadtteil **Bockenheim** liegt, ist ein Relikt aus vergangenen Tagen: ein Betriebshof und Hauptwerkstatt der Straßenbahn Frankfurt. Entstanden ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude 1900, um die elektrifizierten Straßenbahnen beherbergen zu können, doch 1966 war damit Schluss. Nach diversen Nutzungen – so auch von **Zirkus Roncalli** 1986 – musste nach dem Opernbrand von 1987 das Schauspielhaus, das seine Bühne der Oper zur Verfügung stellte, ins Bockenheimer Depot ausweichen. Der Umbau in ein Theater mit etwa 400 Sitzplätzen rechnete sich langfristig, denn von 1985 bis 2004 residierte dort das legendäre ***Theater am Turm*** – kurz **TAT.** Dieses musste seinen angestammten Platz am Eschenheimer Turm, der ihm auch den Namen eintrug, verlassen – und mit ihm ging auch ein Stück Frankfurter und deutsche Theatergeschichte verloren. Bis heute nutzen sowohl das Schauspiel- als auch das Opernhaus der Städtischen Bühnen diesen ungewöhnlichen Theaterraum. Und ein weiterer Großer der Frankfurter Theatergeschichte gehört dazu: **William Forsythe,** der dem **Ballett Frankfurt** zunächst als künstlerischer Direktor und dann als Intendant zwei Jahrzehnte bis 2004 vorstand, gab bis 2015 mit seiner **Forsythe Company** dort regelmäßig Ballettvorstellungen Die Nachfolgekompanie gastiert noch heute im **Bockenheimer Depot.**

![Oper Frankfurt / The Medium - hier : v.l. Louise Alder als Monica, Meredith Arwady als Madame Flora, Marek Löcker als Toby © Barbara Aumueller ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/07/4048_medium004_grossneu.jpg)

Oper Frankfurt / The Medium - hier : v.l. Louise Alder als Monica, Meredith Arwady als Madame Flora, Marek Löcker als Toby © Barbara Aumueller

In ***The* *Medium*** sehen wir einen dunklen Raum, rechts mit einer Treppe zu einer Tür nach oben führend. Links steht der Tisch für anstehende spiritistische Sitzung bereit. Es ist ein klaustrophobischer Ort, es gibt zwar Türen links und oben, aber sie bieten keinen Ausweg – zumindest nicht für die Bewohner, wie sich später zeigen wird, stattdessen wird alles noch düsterer werden. Die *Séance* verspricht den Besuchern Kontakt zu ihren zu früh Verstorbenen herzustellen. Da sind das ***Ehepaar Gobineau,*** das über den Tod ihres kleinen Sohnes nach all den Jahren nicht hinwegkommen ist, und ***Mrs. Nolan,*** die eine fast schon erwachsene Tochter verloren hat. Aber auch die Bewohner dieses okkulten Ortes tragen ihre Päckchen: **Madame Flora –** **Meredith Arwady -** ist eine Wucht und die zentrale Figur dieser Oper – trinkt, ist unbeherrscht und kann brutal werden; wie sie das darstellt und mit allen Facetten ihrer Stimme operiert – von beinahe nicht geglaubter Sanftheit bis zu scharfen Tönen – ist sie der Höhepunkt des Abends. Insbesondere gegen ihren stummen „Ziehsohn“ ***Toby*** richtet sich ihre Wut und auch hier gilt: großartig gespielt von **Marek Löcker**. ***Monica,*** die Tochter und von **Louise Alder** als liebenswürdige Antifigur zu ihrer Bühnenmutter dargestellt, versucht den Ausgleich zwischen beiden. Sie mag ***Toby,*** und sie gibt ihm die Wärme, die er sucht, aber sie wird ihn nicht retten können. Ihre Figur und ihre berührende glockenklare Stimme sind nicht nur dramaturgisch, sondern auch musikalisch der Kontrast zu ***Madame Flora*** und ihrem schroffen Wesen.

Während die ***Gobineaus*** schon erfahrene Teilnehmer sind, ist ***Mrs. Nolan*** unsicher, ob der Kontakt zu ihrer toten Tochter gelingen kann und ihr Frieden bringen wird. Die Sitzung beginnt wie immer: Der Kontakt zum kleinen Sohn der Gobineaus erfolgt sofort, und auch **Mrs. Nolan**, skeptisch und etwas irritiert über die Aussagen ihrer Tochter, scheint überzeugt. Bis Madame Flora vermeintlich von einer unsichtbaren Hand berührt wird. Jetzt kippt alles. Die Séance-Teilnehmer werden nach Hause geschickt, ***Toby*** für die mysteriöse Hand verantwortlich gemacht. Wie eine Furie wütet diese Frau, die doch alles im Griff zu haben schien, und tappt in ihre eigene Falle. Als sie erneut kommen, will sie ihnen vorführen, dass das alles nur Tricks waren: ***Monica*** ist über einen Spiegel als die tote Tochter ***Mrs. Nolans*** erschienen, auch die Gobineaus habe sie nur betrogen. Doch sie glauben ihr die Wahrheit nicht. Sie trinkt, hetzt gegen Toby, am Ende ist ihre Wut sein Tod: Er erhängt sich und baumelt vom angedeuteten Dachboden, wohin er sich immer vor ihr geflüchtet hat, herunter. Ein ausgezeichnetes Sängerensemble, das fein aufeinander abgestimmt ist: **Barbara Zechmeister** und **Dietrich Volle** sind ein bewährtes Team, das die Eltern eines toten Kindes bis in jedes Detail sehr gut spielen und singen. **Kelsey Lauritano** beeindruckt mit schöner Stimme und ebenso versiertem Spiel. **Louise Alder** ist der Halt bzw. der optimistische Teil, der Hoffnung aufzeigt, so dass man geneigt wäre zu glauben, es wird noch eine Wendung zum guten Ende geben. **Marek Löckers** Rolle ist zwar stumm, aber seine Präsenz ist so grandios, dass er allen ein ebenbürtiger Partner ist. Und natürlich die alles umwerfende **Meredith Arwady,:** wie wenige andere ist sie in der Lage von Zärtlichkeit – in Stimme und Haltung – zu Wut und Aggression zu wechseln.

**Hans Walter Richter** zeigt ein stimmiges Kammerspiel, indem sich das Drama langsam abzeichnet und am Ende fürchterlich kulminiert. Ihm zur Seite stehen: der Bühnenbildner **Kaspar Glarner**, die Kostümbildnerin **Cornelia Schmidt** und **Jan Hartmann,** der für das entsprechende Licht sorgte. Ein rundes, gelungenes Werk zu dem das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der souveränen Leitung von Kapellmeister Nikolai Petersen hervorragend beiträgt. Belohnt wurde nicht nur das Regieteam, sondern auch das Sängerensemble mit großem Applaus; Meredith Arwady ist die überragende Sängerin des Abends, die vom Publikum dafür begeistert gefeiert wurde.

![Oper Frankfurt / Satyricon - hier : Peter Marsh als Trimalchio und Ensemble © Barbara Aumueller](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/07/4051_satyricon001_grossneu.jpg)

Oper Frankfurt / Satyricon - hier : Peter Marsh als Trimalchio und Ensemble © Barbara Aumueller

Der Raum ist bei ***Satyricon*** geweitet, alles ist offen und scheinbar heiter, heller, ein wahres optisches Kontrastprogramm zu ***The Medium*.** Auch musikalisch – die Leitung hat **Simone di Felice** übernommen – bietet es eine andere Klangwelt. Es ist eine musikalische Collage, die kräftig aus der Musikliteratur zitiert – von **Tschaikowski** bis **Wagner,** ebenso Tango und Jazz. Aber, wie **Simone di Felice** im Gespräch mit der Regisseurin **Nelly Danker** im Programmheft erläutert: „*In ihren vielen kleinen Fragmenten ist die Musik absolut als eine italienische erkennbar. Für Maderna sind Instrumente wie Stimmen in einem Dialog, sie sprechen und streiten miteinander, wie Personen.*“

Tatsächlich findet ein ständiger „Dialog“ nicht nur der Instrumente, sondern auch der Protagonisten statt, den nachzuvollziehen aufgrund des überbordenden Bühnengeschehens und der gleichzeitigen Aktionen nicht unbedingt erleichtert wird. Bei ***Satyricon*** handelt es sich um ein Werk, das in unterschiedlicher Fassung bzw. Folge der sechzehn verschiedenen Szenen aufgeführt werden kann und soll. In fünf Sprachen wird das ***Gastmahl des Trimalchio*** gefeiert, eine Episode aus dem in Latein verfassten Romanfragment ***Satyricon*** von **Petronius Arbiter** aus dem 1\. Jahrhundert zu Zeiten **Kaiser Neros. *Trimalchio,*** ein ehemaliger Sklave, ist zur Reichtum gekommen und gibt wieder eine Party, allerdings soll auf dieser seine eigene Beerdigung und sein letzter Wille verkündet und gefeiert werden. Natürlich kann das nur schrill und überzogen sein, und so lässt die Regisseurin **Nelly Danker** ein Laufband hinter der rechts stehenden Halbtreppe ständig neue Präsente auffahren, die kaum alle sinnvoll genutzt werden können – außer den Protz des Gastgebers zu demonstrieren. So wie auch die links freistehende Badewanne eher Lustspielen als ihrem eigentlichen Zweck dient. Überhaupt ist die Akrobatik ein nicht unwesentlicher Bestandteil dieser Inszenierung: ***Scintillas*** Gesang ist ebenso artistisch wie ihre körperlichen Verrenkungen, einer Trapezkünstlerin gleich hängt sie im und am weißen von der Decke baumelnden Tuch. Die weiteren Gäste dieser makabren Feier sind ***Habinnas,*** ihr Gatte, sowie ***Criside*** und ***Eumolpus.*** Auch die Sklaven **Niceros, Philargyros** und ***Cairo*** sind nur Staffage, einzig da, ihren Herren zufrieden zu stellen und dabei auch die Attacken seiner ***Frau Fortunata*** abzumildern. Da es kein richtig oder falsch bei diesem Werk gibt, ist Flexibilität von Musikern und Mitwirkenden gefordert. **Simone di Felice,** seit 2017/18 Kapellmeister an der **Oper Frankfurt**, bringt es präzise auf den Punkt: *„Das ist wie beim Festessen einer italienischen Familie. Drei Stunden lang sprechen alle laut durcheinander, und keiner hört zu. Es gibt eigentlich keinen Dialog, sondern viele Monologe gleichzeitig und trotzdem haben am Ende alle eine gute Zeit – meistens.“* Leider hat das die Regisseurin allzu sehr beherzigt, so dass das Stück eher disparat wirkt und im optischen Overkill untergeht. Mehr Schein als Sein hat sie ihren Figuren – insbesondere dem Gastgeber Trimalchio bescheinigt –, so dass alles nur Oberfläche bleibt, von der von ihr beschriebenen *„bissigen Gesellschaftssatire“* **Bruno Madernas** ist wenig zu spüren. Schade, denn sie hätte durch eine stringentere Erzählweise genau das zeigen können.

![Oper Frankfurt / Satyricon - hier : Ensemble © Barbara Aumueller](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/07/4047_satyricon004_barbara-aumuellerneu.jpg)

Oper Frankfurt / Satyricon - hier : Ensemble © Barbara Aumueller

Die Leistung aller Mitwirkenden kann gar nicht genug gelobt werden, das Publikum sah es ähnlich und belohnte die Mitwirkenden mit großem Applaus. Allen voran **Peter Marsh** als ***Trimalchio,*** der nicht nur mit den verschiedenen Sprachen hantieren muss, sondern musikalisch als ein mit Halbwissen um sich werfender in Gold gekleideter Gockel auftritt – mit großen Witz stattet er diesen über alle Epochen und Zeiten immer wiederkehrenden Zeitgenossen aus. **Susanne Gritschneders** eher geerdete oder berechnende ***Fortunata*** bildet einen schönen Kontrast dazu. **Ambur Braid** ist ***Scintilla,*** ihr zynisch angehauchter Mann ***Habinnas*** wird von **Theo Lebow** verkörpert. **Criside,** von **Karen Vuong,** und ***Eumolpus,*** von **Mikolai Trabka,** sind das andere Gästeehepaar. Die drei Sklaven werden von **Kamil Mrozowski, Michael Gross** und **Manuel Gaubatz** dargestellt. Unter **Simone di Felice** spielt ein fabelhaft aufgelegtes **Frankfurter Opern- und Museumsorchester.** Für Bühnenbild zeichnet **Kaspar Glarner,** für Kostüme **Cornelia Schmidt**, für Licht **Jan Hartmann** und für Video **Sami Bill** verantwortlich.

Die Verschränkung der Stücke wirkt durchaus interessant, am Ende jedoch kann man sich nicht erwehren, nach der Sinnhaftigkeit der Verknüpfung zu fragen. Nichts verbindet sie, weder musikalisch noch inhaltlich – am ehesten noch, dass sie ein jeweils spezifisches gesellschaftliches Miteinander porträtieren und musikalisch erklingen lassen. Vielleicht hätte man beide Werke einer einzigen regieführenden Person überlassen sollen, so zerbröselte der Abend nach dem packenden ersten Teil zwar etwas, entwickelt aber insgesamt eine spannende, inspirierende Nachwirkung.

**The Medium - Satyricon**: weitere Aufführungen im **Bockenheimer Depot** zur Zeit nicht auf dem Spielplan der **Oper Frankfurt**

\---| IOCO Kritik Oper Frankfurt |---