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# Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere Eugen Onegin von Peter Tschaikowski, IOCO Kritik, 04.12.2016
- URL: https://www.ioco.de/frankfurt-oper-frankfurt-premiere-eugen-onegin-von-peter-tschaikowski-ioco-kritik-4-12-2016/
- Published: 2016-12-05T16:00:35.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:35:30.000Z
- Author: Ljerka Oreskovic Herrmann
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Frankfurt

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[Oper Frankfurt](http://www.oper-frankfurt.de/?ref=ioco.de)

![Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/12/3114_eugenonegin08_grossneu.jpg "Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller")

Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

# ***EUGEN ONEGIN* von PETER I. TSCHAIKOWSKI**

***„Wir werden gehen, uns küssen, altern.....*“**

**Premiere Eugen Onegin war am 20.11.2016, weitere Vorstellungen:** 3., 11., 15., 23., 25\. (18.00 Uhr), 30\. Dezember 2016, 1\. (18.00 Uhr) Januar 2017

Nach über 15 Jahren ist nun der russische Klassiker **Eugen Onegin** wieder in der **Oper Frankfurt** zu sehen. Überhaupt scheint das Werk gerade „in“ zu sein, denn auch in Wiesbaden und Darmstadt steht es auf dem Spielplan. **Alexander Puschkin** schuf einen Versroman (1830), der weit über Russland hinaus wirkte und eine aus heutiger Sicht untergegangene Welt einfing. Auch **Tschaikowskis** Musik (1879 in Moskau uraufgeführt) nimmt die musikalischen Strömungen seiner Epoche auf – ob es das leitmotivische Begleiten seiner Protagonistin **Tatjana** oder die damals erwünschte Besinnung auf das russische Volksliedgut ist.

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Frankfurt / Oper Frankfurt\_Eugen Onegin\_Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

Ein riesiges Mural – an Sowjetzeiten erinnernd – teilt die Bühne (**Katja Haß**) in ein davor und dahinter (Haus, Garten der Larins, Ballsaal in St. Petersburg), die Kostüme sind grau, postsowjetisches Russland, in dem der orthodoxe Pope wieder selbstverständlicher Teil der Gesellschaft ist. Die beiden ersten Akte bilden eine zeitliche Einheit auf dem Landgut der Familie Larin, in die ***Eugen Onegin*** sich arrogant gebend hineingerät. Der dritte Akt, Jahre später im Ballsaal des **Fürsten Gremin** in St. Petersburg, zeigt ihn als einen Zuspätgekommenen, was fast **Gorbatschows** Satz evoziert: *„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben*“. So jedenfalls legt es die Konzeption von **Jim Lucassen** nahe, der krankheitsbedingt nicht weitermachen konnte. Seine Assistentin **Dorothea Kirschbaum** führte die Regiearbeit fort und zeigt uns **Eugen Onegin** als einen Außenstehenden, nie dazugehörend und doch präsent, während **Tatiana** musikalisch und dramaturgisch die zentrale Figur bleibt.

*„Wir werden gehen, uns küssen, altern...*“, steht in kyrillischer Schrift über dem Bühnenportal – doch auf das *„Wie“* kommt es an! In dieser Hinsicht ist **Tatiana,** inzwischen Fürstin, **Onegin** voraus. Sie weist ihn nicht allein aus Pflichtgefühl zurück, sondern auch weil sie weiß, dass man aufrichtige Gefühle nicht mit Füßen tritt, ihr Mann eben solche für sie empfindet und dafür Respekt verdient. **Onegin** dagegen hat zweimal *„wahres Lieben“* zerstört: Bei seinem Freund **Lenski,** der sich vielleicht in die falsche, da flatterhafte **Olga** ernsthaft verliebt, als er diesen grundlos – mit **Olga** flirtend – provoziert und letztendlich im Duell grundlos tötet. Und bei **Tatiana,** die von seiner kalten Zurückweisung in ihrem Innersten für immer erschüttert zurückgelassen wird. **Onegin** hat keinen Sinn für die Gefühle der anderen, er erkennt zwar Tatianas Größe, nicht aber die Größe ihres Herzens. Am Ende, wenn sich das Gitter – das sich im ersten Bild öffnet – wieder schließt, bleibt er räumlich wie emotional außen vor.

![Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Mario Chang als Lenski © Barbara Aumüller](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/12/3119_eugenonegin03_grossneu.jpg "Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Mario Chang als Lenski © Barbara Aumüller")

Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Mario Chang als Lenski © Barbara Aumüller

**Tatiana** ist auch die Figur, der sich der russische Komponist am meisten verbunden fühlte. Ihr hat er die schönste Musik geschrieben, wie die berühmte Briefszene, in der sie sich zu ihrer Liebe für **Onegin** bekennt. Wohl auch deshalb hat **Tschaikowski** sein Werk mit *„Lyrische Szenen*“ überschrieben. Die intimen Momente kontrastiert er mit großem Chor wie bei der Namenstagfeier zu Ehren **Tatianas** und im Ballsaal des **Fürsten Gremin.** Der Wechsel von innerlichen zu großen Gefühlsausbrüchen – besonders prägnant kurz vor dem Streit und Duell von **Lenski** und **Onegin** – gelingt dem Orchester unter der Leitung von GMD **Sebastian Weigle** mühelos, insbesondere auch, weil er all zu viel Pathos meidet. Der ausdrucksstarke Chor (Leitung: **Tilman Michael**) ist nicht bloß „russische Masse“, sondern Agent und Zuschauer gleichermaßen.

![Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Ensemble und Chor © Barbara Aumüller](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/12/3101_eugenonegin21_grossneu.jpg "Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Ensemble und Chor © Barbara Aumüller")

Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Ensemble und Chor © Barbara Aumüller

Die wichtigste Leistung und damit Anerkennung gebührt aber dem Sängerensemble (bis auf zwei Gastsänger alles Mitglieder der **Oper Frankfurt**), weil es den Regie-Wechsel tragen konnte und dafür vom Publikum mit großem Applaus bedacht wurde: **Barbara Zechmeister** (***Larina,*** Gutsbesitzerin), **Sara Jakubiak** (***Tatiana,*** Larinas Tochter), **Judita Nagyová** (**Olga,** Larinas Tochter), **Elena Zilio** (***Filipjewna,*** Amme), **Daniel Schmutzhard** (**Eugen Onegin**) **Mario Chang** (***Lenski***), **Robert Pomakov** (***Fürst Gremin***), **Dietrich Volle** (***Saretzki***), **Daniel Miroslaw** (**Hauptmann**) und **Peter Marsh** (***Triquet,*** ein Franzose) sowie die beiden Tänzer **Sandra Stuy** und **Olaf Reinecke.**  Von **Ljerka Oreskovic Herrmann**

**Premiere *Eugen Onegin* am 20.11\. 2016,** *Weitere Vorstellungen:* 3., 11., 15., 23., 25\. (18.00 Uhr), 30\. Dezember 2016, 1\. (18.00 Uhr) Januar 2017

\---| IOCO Kritik Oper Frankfurt |---