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# Frankfurt, Oper Frankfurt, HERCULES - Georg Friedrich Händel, IOCO Kritik, 11.05.2023
- URL: https://www.ioco.de/frankfurt-oper-frankfurt-hercules-georg-friedrich-handel-ioco-kritik-11-05-2023/
- Published: 2023-05-11T09:00:31.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:43:39.000Z
- Author: Ljerka Oreskovic Herrmann
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Frankfurt

Hercules von Georg Friedrich Händel, Oper Frankfurt, Frankfurt, 11.05.2023.

![logo_oper_ffm.gif](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/logo_oper_ffm.gif "Oper Frankfurt")

[Oper Frankfurt](http://www.oper-frankfurt.de/?ref=ioco.de)

![Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/02/oper-frankfurt-inmitten-des-finanzzentrums-2c-ioco2.jpg "Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO")

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

## ***HERCULES* \-** Georg Friedrich Händel

#### ***1745 am King’s Theatre am Haymarket in London uraufgeführt***

von **Ljerka Oreskovic Herrmann**

![Georg Friedrich Händel in Westminster Abbey © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2021/10/georg-friedrich-haendelneuneu.jpg)

Georg Friedrich Händel - Grab in Westminster Abbey © IOCO

Erstmalig wird an der **Oper Frankfurt** das „*new musical drama“,* wie **Georg Friedrich Händel** sein 1745 am **King’s Theatre** am Haymarket uraufgeführtes Werk nannte, gegeben. Es handelt sich um ***Hercules*,** dem Libretto von **Thomas Brougthon** liegen wiederum **Sophokles**’ ***Die Trachinierinnen*** und Auszüge aus **Ovids** *Metamorphosen* zugrunde. Das Drama fiel aber beim Londoner Publikum durch, ***Belshazzar*** parallel entstanden, ebenso; es war ein künstlerischer Tiefpunkt für **Händel,** der zu einem Nervenzusammenbruch führte und die zweite gesundheitliche Krise nach 1737 bei ihm auslöste. Von Anfang an stand ***Hercules*** unter keinem guten Stern: die berühmte und von **Händel** verehrte **Mrs Cibber** (als ***Lichas***) erkrankte zur Premiere, die Ersatzlösung stellte keine adäquate Entsprechung dar, das Interesse an mythologischen Figuren in der Oper hatte zudem nachgelassen und die Konkurrenz durch die italienische Oper, inzwischen im New Theatre ansässig, war wohl zu groß. Als **Susannah Maria Cibber,** wie die Sängerin und Schauspielerin mit vollem Namen hieß, wieder einsatzfähig war, gelang es dennoch nicht, das Stück dauerhaft im Repertoire zu verankern.

 **Trailer *HERCULES* \- Oper Frankfurt**youtube Oper Frankfurt **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

In den vergangenen zwanzig Jahren erfährt es (zumindest in Deutschland) eine Renaissance – **Luc Bondy** führte das Werk 2004 in Paris auf, ein Jahr später wurde es von den Wiener Festwochen übernommen; in der Folge nehmen sich immer mehr Opernhäuser des Werkes an. Für **Barrie Kosky** stand, wie dem Programmheft zu entnehmen ist, **Händels *Hercules*** auf seiner „Wunschliste“, und seine erstmalige Inszenierung erzielte, um es gleich vorweg zu nehmen, einen grandiosen Erfolg!

Das Bühnenbild von **Katrin Lea Tag,** erhöht, steil und eine Art rechtwinkliges Dreieck und einen Graben zwischen hinterer Bühnenwand und Spielfläche bildend, ist nur mit einem fliederfarbenen Sofa bestückt, auf dem eine verhüllte Gestalt und ein steinerner nachdenklich blickender **Hercules** sitzen. Der echte Held wird noch sehnsüchtig erwartet. Dass erfahren wir von ***Lichas;*** **Kelsey Lauritano** gibt die sympathische jüngere Schwester von ***Hercules***, und zugleich erfährt ihre Rolle die einzige Änderung, die das Regieteam vornimmt – bei **Händel** war es noch ein Diener, nun aber wird alles, was sich in diesem Haushalt abspielen wird, zu einem familiären Drama. ***Dejanira,*** die sich hinter dem Tuch verbirgt, hat die Hoffnung verloren, ihren Mann wiederzusehen – aller Aufmunterung zum Trotz. Nur langsam löst sie sich aus ihrem Versteck, eine Frau aus gutbürgerlichem Haus, in schwarzen Midi-Rock und schwarz-weiß gestreifter Bluse, wirkt gestresst. Ihr späterer Wahnsinn deutet sich hier schon an, immer wieder greift sie sich an den Kopf, immer wieder plagen sie Zweifel, musikalisch dominiert Moll. ***Hyllus*, Michael Porter** überzeugt als treusorgender Sohn, vermag ebenfalls keine Stimmungsänderung herbei zu führen, der Chor dagegen wird großen Anteil an den Wechseln der Gefühlswelten besitzen. 1Und dieser ist eine Wucht, jedes Chormitglied verdiente es namentlich genannt zu werden, sie sorgen dafür, dass ihr Ensemble zum siebten und entscheidenden Protagonisten avanciert! Stellvertretend ist das Chorsolo (Nr. 25) von **Tiina Lönnmark** und **Pere Llompart** zu nennen. Individuell gekleidet – **Katrin Lea Tag** zeichnet auch für die gelungenen Kostüme verantwortlich –, erleben wir einzelne Personen, die gemeinsam agierend und stimmgewaltig wahlweise zum kommentierenden oder handelnden Chor werden. Als Mob jagen sie die von ***Hercules*** in Oechalia erbeutete Königstochter ***Iole*** wie bei einem Blindekuh-Spiel über die Bühne, die nur durch ***Hercules’*** Intervention Schlimmerem entgeht, später werden sie das Gift der Eifersucht in jede Pore von **Dejanira** einflößen, begleitet von den pochenden Ausrufen: „*Jealousy!*“ Dafür lässt ihr **Kosky** diesen Chor regelrecht auf die Pelle rücken, wie sie körperlich leidet und sich windet, aber diesen 37 Individuen nicht ausweichen kann, ist eine der beeindruckendsten Szenen überhaupt. Zuvor werden sie **Hercules’** Ankunft (von Fanfaren begleitet) und am Ende mit einem Loblied den erzeugten Frieden zwischen *Oecchalier* und *Trachier* und die Freiheit feiern.

![Oper Frankfurt / HERCULES hier Paula Murrihy als Dejanira und Ensemble © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/05/5052-hercules03-paula-murrihy-als-dejanira-neu.jpg)

Oper Frankfurt / HERCULES hier Paula Murrihy als Dejanira und Ensemble © Monika Rittershaus

***Iole,*** jung, unschuldig und im Brautkleid, löst bei ***Hyllus*** Zuneigung, ja Liebe, bei seiner Mutter nur Eifersucht und Misstrauen aus – diese Gefühle werden alles überschatten. Die Freude über die Heimkehr ihres Mannes, inzwischen trägt ***Dejanira*** ein farbenfrohes, langes Kleid mit Hippie-Anmutung, währt nur kurz, ihr Inneres lässt eheliches Glück nicht mehr zu. Die Da-Capo-Arien werden besonders sinnfällig, wenn es zum Konflikt zwischen **Hercules** und ***Dejanira*** kommt. Immer wieder trägt er den Wunsch vor, sich gewissermaßen aufs Altenteil zurückzuziehen, dem Krieg und Heldengepolter abzuschwören, was sie nur höhnisch (lachend) abweist; es ist wie in einer (durchaus zeitgenössischen) Ehe eben, jeder oder jede trägt angestrengt dieselben Argumente vor, ohne dass sie dadurch wahrer oder überzeugender werden, unfähig den Standpunkt des Gegenüber zu begreifen und darauf einzugehen. Wie **Händel** diesen Ehedisput musikalisch auslotet und vorantreibt, die psychologisch-menschlichen Defizite erklingen lässt, hier sind nicht mythologische Gestalten, sondern echte Menschen am Werk, die uns heute noch ansprechen, zeugt von einem Meisterwerk.

![Oper Frankfurt / HERCULES hier aula Murrihy als Dejanira_ Anthony Robin Schneider als Hercules © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/05/5051-hercules02-paula-murrihy-alsdejanira-anthony-robin-schneider-als-herculesneu1.jpg)

Oper Frankfurt / HERCULES hier Paula Murrihy als Dejanira, Anthony Robin Schneider als Hercules © Monika Rittershaus

**Anthony Robin Schneiders *Hercules*** wird gegen seine Frau, trotz männlichen Gebaren und Stimmgewalt, keine Chance haben. Denn ***Dejanira*** hat sich verrannt, nichts und niemand wird sie umstimmen können, schon gar nicht die wunderbare **Elena Villalón** als ***Iole,*** die den Verlust von Vater und Heimat betrauert, zugleich aber Mitgefühl für **Dejanira** empfindet und vor der Eifersucht warnt, die alles zerstört: *„Adieu to peace, adieu to love.“* Der innere Frieden ist längst perdu, die Liebe der Eifersucht und dem Hass gewichen. Dafür geht ***Dejanira*** ihrer vermeintlichen Nebenbuhlerin tatsächlich an die Gurgel, um im letzten Moment von ihr abzulassen und ihr die Freiheit zu gewähren. Das vermeintlich magische Hemd, ***Lichas*** wird es dem Bruder reichen, hat sie als letzten verzweifelten Liebes-Rettungsversuch unternommen, aber es ist ein teuflisches Geschenk von ***Nessos.*** Dieser hatte es ***Dejanira*** noch im Tode – **Hercules** hatte den Kentauren tödlich verwundet – gegeben, um erloschene Liebe neu zu entfachen. Doch es entflammt keine Liebe, sondern tötet den Träger – und ist die späte Rache **Nessos’. Hercules** stürzt, vom inneren Feuer zerfressen, in den hinteren Graben, **Lichas** ist verzweifelt über das Blut an ihren Händen und der Mitschuld am Tod des Bruders, ***Hyllus*** dagegen nicht zuletzt auch über die Abweisung **Ioles** untröstlich. Doch für den Helden öffnet sich die Wand und gibt ein Stück vom Himmel frei: Jupiters Priester – **Erik van Heyningen** erscheint beinahe als jugendlichen Wiedergänger von **Hercules** – verkündet von dessen Aufnahme in den Kreis der Götter. ***Hercules*** ist nun endgültig zu einer in Stein gemeißelten Figur geworden, die auf das Publikum und das weitere Geschehen den Blick richtet. Aber nicht er, sondern ***Dejanira*** steht im Zentrum des Geschehens, sie allein ist für den tragischen Ausgang verantwortlich. Das allmähliche Abgleiten in den Wahn findet seinen Kulminationspunkt, als sie sich von Furien bedrängt glaubt, ihre Wahnsinnsarie singt. **Paula Murrihy** beglaubigt stimmlich jeden einzelnen Augenblick, dieser ihrer eigenen mentalen Kontrolle entgleitenden Frau, und nicht nur das: auch darstellerisch ist die aus Irland stammende **Murrihy** ein Ereignis.

![Oper Frankfurt / HERCULES hier Anthony Robin Schneider als Hercules © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/05/5057-hercules08-anthony-robin-schneider-hercules-ensembleneu.jpg)

Oper Frankfurt / HERCULES hier Anthony Robin Schneider als Hercules © Monika Rittershaus

**Händel** verleiht insbesondere den Frauenpartien ihre jeweils eigene musikalische Sprache, die **Koskys** Regie kongenial übersetzt. Er wird zu Recht mit dem gesamten Regieteam vom Publikum gefeiert. Dazu gehört das Licht von Joachim Klein, der mal grell die helle Bühne auslotet, mal mit Farbakzenten beim Chor andere Stimmungen erweckt oder unterstreicht. Dem Chor unter der Leitung von **Tilman Michael** wird selbstverständlich frenetisch applaudiert. Insgesamt ist die Leistung aller (mehr als drei Stunden) auf dieser ziemlich steilen Bühne gar nicht genug zu würdigen, denn sie fordert Kondition: stimmlich wie darstellerisch. Aber auch die Mitwirkenden im Orchestergraben verdienen besondere Erwähnung, sie sorgen für den besonderen (barocken) Klang: das Continuo von **Felice Venanzoni** (Cembalo), **Johannes Oesterlee** (Violoncello), **Thomas Boysen** (Laute) und **Jürgen Banholzer** (Orgel).

Und nicht zuletzt gebühren dem Dirigenten und dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester ebenso großes Lob für diese Opernproduktion, denn sie haben entscheidenden Anteil am Erfolg. Die Mitglieder spielen „weitestgehend auf historischen Instrumenten“, ihr satter Klang verströmt trotz Drama und Tod Zuversicht, wie meistens bei **Händel.** Wohl nicht zu Unrecht gilt dieses Werk, was an diesem Abend das Orchester nachdrücklich beweist, als die größte aller englischen Opern; mit Laurence Cummings, er gibt sein Debüt an der **Oper Frankfurt,** steht ein ausgewiesener Händel-Kenner am Pult, der als Cembalist und Dirigent mit historischer Aufführungspraxis bestens vertraut ist. **Händels** Musik klingt nie antiquiert, im Gegenteil, sie wirkt frisch und selbst den unerwarteten Happy-End-Schluss – ***Hyllus*** und ***Iole*** werden, Jupiters Befehl gehorchend, doch noch ein Paar und damit den Frieden zwischen den beiden Völkern besiegeln – vermag sie glaubhaft erscheinen zu lassen. Ein hin- und mitreißender Abend.

#### [***HERCULES* \- Oper Frankfurt - alle Termine, Karten - Link HIER!**](https://oper-frankfurt.eventim-inhouse.de/webshop/webticket/seatmap?eventId=12259&languages=de&ref=ioco.de)

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## Wie fällt das Urteil zu Barrie Koskys Inszenierung von Händels Hercules aus?

Barrie Koskys erstmalige Inszenierung von Händels Hercules erzielt an der Oper Frankfurt einen grandiosen Erfolg, getragen besonders vom als siebten Protagonisten agierenden Chor.