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# Frankfurt, Oper Frankfurt, Der Sandmann - Andrea Lorenzo Scartazzini, IOCO Kritik, 27.09.2016
- URL: https://www.ioco.de/frankfurt-oper-frankfurt-der-sandmann-von-andrea-lorenzo-scartazzini-ioco-kritik-27-09-2016/
- Published: 2016-09-27T14:00:30.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:34:20.000Z
- Author: Ljerka Oreskovic Herrmann
- Tags: Kritiken, Oper & Operette, Frankfurt

![logo_oper_ffm.gif](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/logo_oper_ffm.gif "Oper Frankfurt")

[Oper Frankfurt](http://www.oper-frankfurt.de/?ref=ioco.de)

**Der Sandmann:** "Die neue Opernsaison an der Oper Frankfurt beginnt mit einer Übernahme der Baseler Uraufführungsproduktion des *Sandmann* von Andrea Lorenzo Scartazzini, in der Regie von Christof Loy. ." Von Ljerka Oreskovic Herrmann"

![Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/02/oper-frankfurt-inmitten-des-finanzzentrums-2c-ioco2.jpg "Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO")

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

# Der Sandmann - Andrea Lorenzo Scartazzini

# *"ALLES EINE FRAGE DER PROGRAMMIERUNG"*

Von **Ljerka Oreskovic Herrmann**

Die neue Opernsaison an der **Oper Frankfurt** beginnt mit einer Übernahme der Baseler Uraufführungsproduktion des ***Sandmann*** von **Andrea Lorenzo Scartazzini,** in der Regie von **Christof Loy.**

![Oper Frankfurt / Der Sandmann - Mitte Daniel Schmutzhard als Nathanael © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/09/3001_dersandmann03_grossneu.jpg "Oper Frankfurt / Der Sandmann - Mitte Daniel Schmutzhard als Nathanael © Monika Rittershaus")

Oper Frankfurt / Der Sandmann - Mitte Daniel Schmutzhard als Nathanael © Monika Rittershaus

**E.T.A. Hoffmanns *Sandmann***\-Erzählung erschien erstmals 1816\. Zweihundert Jahre später ist in der **Oper Frankfurt** die deutsche Erstaufführung von **Andrea Lorenzo Scartazzinis** 2012 entstandener gleichnamiger Oper zu sehen. Das Unheimliche, zentrales Motiv bei **E.T.A. Hoffmann,** ist auch in den zehn Bildern der **Sandmann**\-Oper spürbar, und doch ist es auch eine (Librettio: **Thomas Jonigk**) Beziehungsgeschichte von heute: Ein Mann und eine Frau, mit unterschiedlichen Zielen und Wünschen, die nicht kompatibel sind. Das Unheimliche ist nicht das Schauermärchen, das Kindern den Schlaf raubt, es ist wie es **Nathanaels** Vater prägnant formuliert: das Trauma, die Traumata, die wir im Elternhaus erleben und ein Leben lang nicht mehr abschütteln können.

![Oper Frankfurt / Der Sandmann - Daniel Schmutzhard als Nathanael © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/09/daniel-schmutzhard-nathanael-neu.jpg "Oper Frankfurt / Der Sandmann - Daniel Schmutzhard als Nathanael © Monika Rittershaus")

Oper Frankfurt / Der Sandmann - Daniel Schmutzhard als Nathanael © Monika Rittershaus

Die Rahmen-Handlung findet durch einen Licht-Rahmen (Bühnenbild: **Barbara Pral,** Licht: **Stefan Bolliger**), der die fast vollständig schwarze rechteckige Bühne umfasst, ihre Entsprechung. Für die Liebenden gibt es daraus keinen gemeinsamen Ausgang, nur die „Gespenster“ passieren die beiden Welten mühelos. Auf mehreren Ebenen wird die Geschichte erzählt.

Da ist **Nathanael,** der sich im Wahnsinn verfängt und als großer Schriftsteller wähnt, gepeinigt von den nur für ihn sichtbaren Toten – sein Vater und **Coppelius.** Diese beiden sind die Spielmacher, fast möchte man sie Conferenciers nennen, weil sie auch den Kommentar zur Handlung liefern. Komisch und wunderbar grotesk ist das von **Loy** inszeniert, wohlwissend, dass der Abgrund zu tief wäre; lieber lässt er uns darüber lachen.

Und dann gibt es noch **Clara,** im weißen Kleid der Lichtpunkt, die immer verzweifelter angesichts des sich im Wahn verlierenden **Nathanael** wird. Zumal ebendieser mittlerweile **Clarissa** – bei **Hoffmann** ein Puppenautomat, bei **Jonigk** und **Scartazzini** ein Android, der allerdings immer neu programmiert werden muss – in ihrem roten Kleid anziehender findet. Eine Männer-Vision, die kaum zufällig an den 1975 entstandenen Film Die Frauen von Stepford erinnert, wo echte (Ehe-)-Frauen von Androiden ersetzt werden. Sie sehen gut aus, sind immer freundlich, für den Mann immer da und verfügbar. Am Ende tragen alle Chor-damen rote Kleider wie **Clarissa** – unentscheidbar identisch sollen sie aussehen, jegliche Individualität verlierend, ist dies zugleich ein geschickt verpackter Hinweis auf die heutige Gleichförmigkeit und Gleichmacherei. Das Orchester dagegen entwickelt (nicht nur) für die Liebenden eigene Klangfarben: das Akkordeon ist der zärtliche Begleiter. Die Streicher können stattdessen fast bedrohlich scharf klingen. Der weibliche Computermensch verfügt über einen begrenzten Sprach- und Tonvorrat, auf den der rot gewandete Damenchor (Kostüme: **Ursula Renzenbrink**) aufspringt um ihn musikalisch wie sprachlich zu sprengen und Nathanael vollends in den Wahnsinn zu treiben.

![Oper Frankfurt / Der Sandmann -Ensemble © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/09/3007_dersandmann12_ensembleneu.jpg "Oper Frankfurt / Der Sandmann -Ensemble © Monika Rittershaus")

Oper Frankfurt / Der Sandmann -Ensemble © Monika Rittershaus

**Hartmut Keil** leitet das gut einstudierte Orchester sehr souverän durch den Abend, klar und transparent gelingt ihm der musikalische Bogen. Die Sänger, allen voran **Daniel Schmutzhard** als ***Nathanael,* Thomas Piffka** (Vater) und **Hans-Jürgen Schöpflin** (**Coppelius**) sowie **Daniel Miroslaw** (***Lothar***) sind musikalisch und darstellerisch sehr überzeugend. Ebenso wie der in jeder Hinsicht gut geführte Chor. **Clara/Clarissa,** hervorragend **Agneta Eichenholz,** bleibt wie schon bei **Hoffmann** zurück. Die Entfremdung zwischen ihr und den in ihren Augen Möchtegern-Autor **Nathanael** ist unüberbrückbar. **Nathanael** phantasiert von einer toten **Clara**, mit der er intim werden möchte, ihr Entsetzen darüber und die Erlösung am Ende als er stirbt, gehören zusammen: Auf die Frage ihres Bruders beim Begräbnis, wie sie sich fühle, antwortet sie mit einem unverhohlenen *„besser“.* Dieses leise verhauchte *„besser*“ könnte ein vager Hoffnungsschimmer für eine bessere Zukunft sein. Mit diesem Trost, keineswegs aber sicherer Gewissheit, und wie bei **Loy** gewohnt gut durchdachten Inszenierung, entlässt uns der rundum geglückte Saisonstart der **Oper Frankfurt** nachdenklich nach Hause.   **IOCO** / **Ljerka Oreskovic Herrmann** / 25.09.2016

**Oper Frankfurt - *Der Sandmann*** *,* weitere Vorstellungen: 30.9.2016, 03.10.2016, 08.10.2016, 13.10.2016, 23.10.2016

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