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# Frankfurt am Main, Alte Oper, DIE GROSSE RICHARD WAGNER GALA – Richard Wagner, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/frankfurt-am-main-alte-oper-die-grosse-richard-wagner-gala-richard-wagner-ioco/
- Published: 2024-11-26T18:32:07.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:43:33.000Z
- Description: Es sind die Minuten von Andreas Schager vor der Pause. Er gilt als einer der besten Siegfried-Tenöre weltweit und Siegfrieds Schmiedelied ist ein Bravourstück von ihm, hochgeschätzt.
- Author: Ingrid Freiberg
- Tags: Konzert & Liederabend

Die große Richard Wagner Gala von Richard Wagner, Alte Oper, Frankfurt am Main, 13\. April 1845.

von Ingrid Freiberg

***„Dem Wahren Schoenen Guten“***

Seit 2004 präsentiert und inszeniert der **Intendant** von ***Opera Classica Europa***, **Michael Vaccaro**, mit großem Erfolg Opernproduktionen und Konzerte in mehr als 24 Ländern. Dabei liegen ihm eine historische Aufführungspraxis, das Wissen um künstlerische Gestaltungsmittel und Kostüme der jeweiligen Zeit besonders am Herzen. Getreu der Inschrift am Fries der **Alten Oper Frankfurt am Main** *„Dem Wahren Schoenen Guten“*liebt er Oper in ihrer reinsten Form. Hierzu gehört auch die Wahl geeigneter Aufführungsorte. Vom Publikum begeistert aufgenommen werden Open-Air-Aufführungen im Rahmen berühmter deutscher Schlösser. Auch die Auswahl der Künstler, das besondere Programm und die Moderation der ***Großen Richard Wagner Gala*** sind von dieser Ästhetik, dem Wunsch, weniger eingängige Musik dem Publikum näherzubringen, geprägt. Mit Charme, behutsam und informativ führt **Claudia Grundmann** durch den Abend. Es gelingt ihr, selbst bekennenden *Wagnerianern* Wissenswertes zu vermitteln, wie die Erläuterung der ***Zahl 13***, die im Leben von **Richard Wagner** eine fast magische Bedeutung hat: Er wurde 1813 geboren. Der Name, der ins Taufbuch eingetragen wurde, besteht aus 13 Buchstaben. Die Quersumme seines Geburtsjahres ergibt wieder 13\. Am 13\. April 1845 vollendete **Wagner** die Instrumentation seines ***Tannhäusers***, der am 13\. März 1861 in Paris nach insgesamt 164 Ensemble-Proben! mit einem Heidenspektakel durchfiel. Als im selben Jahr bei einem Bankett des **Tonkünstlerfestes** auf der **Altenburg**von**Weimar** 13 geladene Gäste gezählt wurden und einer rasch verschwinden wollte, entschied der Meister apodiktisch: *„Dageblieben! Keiner soll verschwinden! Lasst mich der Dreizehnte sein!“* **Richard Wagner** starb am 13\. Februar 1883 …

***Ausgezeichnete Wahl der Interpreten***

Nach der selten gespielten **Ouvertüre** zur Oper ***Rienzi, der letzte der Tribunen***, mit der der junge **Wagner** in seiner vierten Oper mit großem Nachdruck versuchte, die Prunkentfaltung eines **Spontini** oder **Meyerbeer** zu übertreffen, bittet **Andreas Schager** als **Rienzi** Gott um Beistand *„Allmächt’ger Vater blick herab …“.* Bereits hier zeigt sich die ausgezeichnete Wahl der Interpreten des Abends: **Schager**, derzeit einer der führenden Heldentenöre, besticht durch seine prachtvolle Stimme, seine Intensität und Aussprache. Mühelos gelingen ihm die leisen, flehenden Töne. Sehr gespannt durfte man auch auf **Albert Dohmen** sein, der bereits auf eine langjährige internationale Karriere zurückblickt und als einer der führenden ***Wotan*\-Interpreten** seiner Generation gilt. Als **Holländer**, der dazu verdammt ist, in alle Ewigkeit auf dem Meer herumzuirren, und nur alle sieben Jahre an Land darf, berührt er mit ausgezeichneter Diktion, souverän, mit feinem Gefühl für Nuancen, differenziert, ausgereift mit *„Die Frist ist um …“* 

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Albert Dohmen, Bass-Bariton © Albert Dohmen

**Lohengrin**, *Vorspiel 1\. Akt*, das **Franz Liszt** als *„eine Art Zauberformel“* bezeichnete, öffnet ein hochromantisches Gemälde, in dem die musikalischen Themen fein verwoben sind. So ist in **Lohengrins* Motiv* nicht nur das Motiv ***Elsas***, sondern dialektisch auch die Sphäre **Ortruds** enthalten. Hier wird anfangs zu kraftvoll musiziert. Erst langsam, im Vorspiel zum 3\. Akt, kommt das Orchester zu einem klangrednerisch geschärften Stil, zu soghaft wirkendem Musizieren voller Intensität und Empfindung. Mit der Gralserzählung *„In fernem Land …“* beschreibt **Andreas Schager** ***(Lohengrin)***, dass er der Sohn ***Parsifals*** ist und zum Gral zurückmüsse, da ein Gralsritter nur unerkannt die Kraft besitze, für das Recht zu streiten. Diese heldischen Passagen sind selten so klangschön zu hören**. Schagers** Stimme und seine Ausstrahlung vereinigen alle Parameter zur idealen Gestaltung des *Gralsritters*.Sein tragfähiger, klarer Tenor und seine Phrasierungskunst beglücken. Es sind die Minuten von **Andreas Schager** vor der Pause. Er gilt als einer der besten **Siegfried-Tenöre** weltweit und das Schmiedelied *„Hoho! Hoho! Hahei! Hahei! Blase, Balg, blase die Glut!“* ist ein Bravourstück von ihm, hochgeschätzt. Mit kindlicher Freude schmiedet er ***Notung*** auf einem historischen Amboss, der extra für diesen Zweck von ***Opera Classica Europa*** ersteigert wurde. Es ist ein Konzerterlebnis der besonderen Art, das alles Pralle, Sinnliche, Pulsierende, Prickelnde, bunt Lebendige anspricht, ein **Schager**, der Extraklasse!

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Andreas Schager, Tenor © Andreas Schager

Klangrednerisch geschärft agiert die ***Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach*** mit Intensität und Empfindung, durchsetzt von dramatischen Akzenten bei der ***Ouvertüre*** zu ***Tannhäuser***. **Prof. Helge Dorsch** fängt formale Brüche auf, mit organischen Tempofreiheiten lässt er die Abschnitte ineinander münden. Zugewandt, unglaublich sensibel, überzeugt **Albert Dohmen** mit seiner warmen, biegsamen Stimme, seinem Stimmschmelz als **Wolfram von Eschenbach** mit „O du, mein holder Abendstern“ …Mit seiner Stimme über mindestens drei Oktaven präsentiert **Andreas Schager** feinstimmig timbrierten Gesang in bestens differenzierter Kombination von kernig maskulinen Qualitäten. Zunächst verhalten, sich allmählich steigernd, ohne konditionelle Einbußen, interpretiert er in eindrucksvoller Disposition „Ein Schwert verhieß mir der Vater …“ aus **Die Walküre**. Wer sich alle Aufnahmen dieser Arie angehört hat, weiß, dass **Lauritz** **Melchior** bisher unschlagbar ist: Er hielt die Wälserufe (Ges und G) 17 Sekunden lang! **Schager** muss einen Vergleich allerdings nicht scheuen … „*Leb wohl, du kühnes, herrliches Kind*! Du meines Herzens heiligster Stolz! Leb wohl! Leb wohl! Leb wohl!“ (Wotans Abschied) gelingt **Albert Dohmen** wunderbar eindringlich. Mit fließender Geläufigkeit und Virtuosität tönt sein dramatisch timbrierter Bassbariton.Unterstützt durch sein suggestives Spiel entsteht selbst im Konzert ergreifendes Musiktheater. Genaue Artikulation, die große Tragfähigkeit seiner Stimme in allen Lagen und eine deutliche Differenzierung sind das Fundament von **Andreas Schagers** phänomenaler Gesamtleistung, was er auch bei seiner letzten Arie „*Winterstürme wichen dem Wonnemond …“ unter Beweis stellt.* Zusammenfassend gelingt es den Holzbläsern der **Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach** unter der Leitung von **Prof. Helge Dorsch** sich über die flirrend hohen Streicher hinwegzuheben. Das Schlagwerk setzt Akzente, vielfarbige Paukensoli schaffen Konturen im vibrierenden Klangflächenzauber, gestützt von Streicherglissandi und zitternden Tremoli. Die Blechbläser liefern sensible Einwürfe. Melodisches wird angedeutet, Spannung gebende Dissonanzen bleiben als Klangteppich bestehen und werden als angenehm erlebt. Als weniger angenehm ist bisweilen der Sinn fürs Begleiten der Sänger, deren harmonische Unterstützung wahrzunehmen. *Der Schlussapplaus ist euphorisch, was dazu führt, dass der *Walkürenritt*, eine von* **Wagners** *bekanntesten Melodien, als Zugabe gegeben wird.*

### Mehr bei IOCO

[„Abonnementkonzert Iii“, Berlin](https://www.ioco.de/berlin-staatsoper-unter-den-linden-abonnementkonzert-iii-richard-wagner-ioco/) · [„DER FLIEGENDE HOLLÄNDER konzertant“, Paris](https://www.ioco.de/paris-theatre-des-champs-elysees-der-fliegende-hollander-konzertant-richard-wagner-ioco-kritik-24-05-2023/) · [„Tannhäuser“, Schwerin](https://www.ioco.de/schwerin-mecklenburgisches-staatstheater-tannhauser-richard-wagner-ioco-kritik-25-11-2022/)

## Wie überzeugt Andreas Schager als Heldentenor bei dieser Wagner-Gala?

Schager begeistert mit prachtvoller, tragfähiger Stimme, phänomenaler Phrasierungskunst und idealer Gestaltung der Heldenpartien als Tenor der Extraklasse.