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# Eutin, Eutiner Festspiele, EIN KÄFIG VOLLER NARREN - Musical, IOCO Kritik, 26.08.2022
- URL: https://www.ioco.de/eutin-eutiner-festspiele-ein-kafig-voller-narren-musical-ioco-kritik-26-08-2022/
- Published: 2022-08-26T07:51:46.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:11:05.000Z
- Author: Wolfgang Schmitt
- Tags: Kritiken, Musicalwelten & Bühnenzauber, Eutin

![Eutiner Seebühne © Eutiner Festspiele / C Becker](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/07/eutiner-seebuehne-foto-c-becker-_-neu.jpg)

Eutiner Seebühne © Eutiner Festspiele / C Becker

Eutiner Festspiele 2021

## ***EIN KÄFIG VOLLER NARREN* \- Jerry Hermann**

#### *Zaza - Star des Nachtclubs - Uwe Kröger - reißt auch das Publikum mit*

von **Wolfgang Schmitt**

**Jerry Herman** (1931 – 2019) ist der erfolgreichste amerikanische Musical-Komponist, insgesamt zwölf Musicals schrieb er für den Broadway. Sein berühmtestes Werk war **Hello Dolly** mit über 2.800 Aufführungen, gefolgt von **La Cage aux Folles** mit mehr als 1.700, und schließlich das in Deutschland und Europa weniger bekannt gewordene Musical „Mame“ mit etwa 1.500 Aufführungen. Verfilmt wurden **Hello Dolly,** höchst erfolgreich mit **Barbra Streisand** und **Louis Armstrong**, sowie **Mame** mit **Angela Lansbury** in der Titelpartie.

**EIN KÄFIG VOLLER NARREN - Eutiner Festspiele 2022** youtube **EUTINER Festspiele \[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Nach dem letztjährigen Erfolg von **Cabaret** entschieden sich die **Eutiner Festspiele** in diesem Sommer für **Jerry Hermans** **Ein Käfig voller Narren** und legten diese Produktion wieder in die bewährten Hände von Regisseur **Tobias Materna**, der mit viel Tempo und Temperament ein grandioses Feuerwerk aus herrlichem Gesang, sprühendem Witz und teilweiser Tragikomik, erotischen Revue-Einlagen und gekonnter, nicht allzu aufgesetzt wirkender Travestie auf die Naturbühne zauberte. **Jörg Brombacher** entwarf das imposante Bühnenbild, bestehend aus einer golden umrahmten Showbühne mit silbrigem Vorhang, goldenen Stufen, sowie links eine Wendeltreppe, die hinauf führt in Zazas Garderobe.

**Zaza** bzw. **Albin** steht natürlich im Mittelpunkt dieser turbulenten Handlung. **Zaza** ist der Star des Nachtclubs von **Georges, Albins** Lebenspartner. Gemeinsam haben sie **G*eorges'*** Sohn aufgezogen – **Georges'** Hetero-„Fehltritt“ mit einer Tänzerin vor langer Zeit im Lido in Paris – der sich nun in ein Mädchen namens Anne verliebt hat und diese heiraten will. **Annes** Vater, Monsieur **Dindon,** ist ein sehr konservativer und auch noch homophober Politiker und Moralapostel, der es sich zum Ziel gesetzt hat, sämtliche Etablissements an der französischen Riviera zu schließen, und damit sind die Probleme und Verwicklungen schon vorprogrammiert. Doch auch Monsieur **Dindon** hat keine wirklich *„weiße Weste“,* und so kommt es schließlich zum Happy End und alle sind zufrieden.

Musikalisch war diese Vorstellung ein absoluter Volltreffer. Unter der bewährten Leitung von **Christoph Bönecker** spielten die Musiker der **Kammerphilharmonie Lübeck** hoch engagiert und schwungvoll, boten einen poppigen, herrlich swingenden Sound, geleiteten die Solisten vortrefflich durch die Songs, Duette und Ensembles, und blühten nochmals so richtig auf im großartigen Finale.

![Eutiner Festspiele / EIN KÄFIG VOLLER NARREN © Eutiner Festspiele](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/08/cage16neu.jpg)

Eutiner Festspiele / EIN KÄFIG VOLLER NARREN © Eutiner Festspiele

Strahlender Mittelpunkt dieser Inszenierung ist natürlich **Uwe Kröger**, er war einfach sensationell in seiner Doppelpartie als **Albin / Zaza.** Der berühmteste Song des Stückes, *„Ich bin was ich bin“* war natürlich ein Showstopper, aber auch den Mascara-Song und *„Die schönste Zeit*“ sang **Uwe Kröger** wunderbar augenzwinkernd und ausdrucksstark. Seine zahlreichen Kostüme, durchaus geschmackvoll und nicht allzu übertrieben schrill – von **Gisa Kuhn** entworfen – trugen ein übriges zu seiner Ausstrahlung als Showstar bei. Ihm gelang es perfekt, die Balance der Figur zwischen Komik und Tragik wunderbar selbstironisch auszuloten. Einerseits spielt er den glamourösen Nachtclub-Star, andererseits ist er ein weichlicher Mann, der Probleme mit dem Älterwerden hat und sich von seinem Partner vernachlässigt und missverstanden fühlt.

![Eutiner Festspiele / EIN KÄFIG VOLLER NARREN © Wolfgang Schmitt](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2022/08/cage-14ws-neu.jpg)

Eutiner Festspiele / EIN KÄFIG VOLLER NARREN © Wolfgang Schmitt

**Livio Cecini** ist dieser Lebenspartner **Georges,** ein nobler Nachtclubbesitzer und charmanter Conferencier in glitzerndem Smoking. Er gibt sich männlich, pragmatisch und bodenständig, hat Lösungen parat, wenn die Lage brenzlig wird. Seinen Kavaliersbariton bringt er gut zur Geltung im Strandlied wie auch in dem gefühlvollen Song *„Sieh mal dorthin“*, und natürlich in seinem Duett mit Albin „*Wir sind wie wir sind“*. Sein Sohn **Jean Michel** – **Julian Culemann** mit ansprechendem lyrischen Tenor glänzte in seiner Solo-Nummer „*Mit Anne im Arm“ –* will sich mit Anne Dindon verloben – dargestellt von **Jasmin Eberl**, der großartigen **Sally Bowles** im letzten Sommer –, ihre Eltern werden erwartet, der Vater ist ausgerechnet ein stockkonservativer Sittenwächter, also muß Albin an diesem Abend verschwinden und die Wohnung muß umgeräumt und auch noch mit einem großen Kruzifix ausgestattet werden. Doch wie zu erwarten läßt **Albin** sich die liebevolle Mutterrolle nicht nehmen und behält auf dieser Feier als brave Ehefrau die Fäden in der Hand.

**Mariano Skroce** und **Karin Westfal** gaben darstellerisch und gesanglich ihr Bestes in ihren kleinen Auftritten als Monsieur und Madame Dindon. **Marc Chardon** sang und spielte seine Rolle als Zofe **Jacob** mit Witz und Charme, und **Yvonne Disqué** absolvierte charmant ihre Partie als Restaurantbesitzerin **Jacqueline.**

Stellvertretend für die Stars des Nachtclubs ***La Cage aux Folles*** sei hier **Laurent N'Diaye** als **Chantal** erwähnt, der/die durchdringend eine Passage aus **Lucia di Lammermoor** schmetterte In der Choreographie von **Vanni Viscusi** präsentierten sich die langbeinigen Damen und Herren – vorwiegend Herren – des Balletts, ausdrucksvoll, charmant, sinnlich, und prickelnd erotisch.

***Der Wettergott meinte es an diesem Sonntag nicht ganz so gut und ließ es im zweiten Teil regnen, allerdings nicht so arg, daß diese fabelhafte Vorstellung hätte vorzeitig beendet werden müssen, ein Glück für das begeisterte Publikum, das am Ende nicht mit Ovationen für alle Mitwirkenden sparte.***

\---| IOCO Kritik Eutiner Festspiele |---