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# Eine Alpensinfonie - von Richard Strauss vertonte Künstlertragödie, IOCO erinnert, 18.03.2020
- URL: https://www.ioco.de/eine-alpensinfonie-von-richard-strauss-vertonte-kuenstlertragoedie-ioco-erinnert-18-03-2020/
- Published: 2020-03-18T11:00:19.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:02:18.000Z
- Author: Thomas Thielemann
- Tags: Spielplan, Pressemeldungen & Nachrichten

![saechs_staatskapelle.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/saechs_staatskapelle.jpg "Sächsische Staatskapelle Dresden")

![Semperoper im tiefen Winter © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/03/semperoper-ioco-neu2020.jpg)

Semperoper im tiefen Winter © IOCO

[Sächsische Staatskapelle Dresden](http://www.staatskapelle-dresden.de/?ref=ioco.de)

[Semperoper](https://www.semperoper.de/?ref=ioco.de)

# ***Eine Alpensinfonie* \- Ein Werk mit Fragezeichen**

## ***\- oder die Künstlertragödie des Porträtmalers Karl Stauffer -***

von **Thomas Thielemann**

Das etwas unfreiwillige Sozialexperiment der „Corona-Krise“ gibt uns Gelegenheit, Liegengebliebenes aufzuarbeiten, aus Zeitgründen wenig gehörte Musik-Konserven herauszukramen und auch ältere Konzerterlebnisse noch einmal zu überdenken.

****Eine Alpensinfonie - Richard Strauss - Sächsische Staatskapelle**youtube Trailer Naxos Music **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Zu Letzterem gehört für mich die Konzerte der **Staatskapelle Dresden** zum 100\. Jahrestag der Uraufführung von ***Eine Alpensinfonie*** von **Richard Strauss** unter der Leitung **Giuseppe Sinopoli** im Dezember 2015 und **Christian Thielemann** im Oktober 2015 in der **Semperoper** von Dresden.

Ein Zitat, aus einem Beitrag *„Alpenidylle oder Antichrist“* einer Orchester-Flötistin , die unter „*emmelygreen“* zur Entstehung der Komposition schrieb: “*Doch jetzt mal realistisch: als vielgefragter und –beschäftigter Komponist verschwendet man doch nicht vier Jahre seines Lebens, um einen Ausflug in die Alpen zu beschreiben - Da steckt doch mehr dahinter*“, hatte mich nachdenklich gemacht.

![Richard Strauss in Walhalla- Donaustauf © IOCO / HGallee](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/03/richard-strauss-walhalla-foto-hgallee-neu.jpg)

Richard Strauss in Walhalla - Donaustauf © IOCO / HGallee

Da ich das Unbehagen teilte, ergab sich damals im inzwischen liquidierten „Forum Festspiele“ ein Gedankenaustausch mit dem Professor **Gerhard Widmann,** ohne dass wir zu einer gemeinsamen Meinung gekommen wären. Auch ein nunmehriges Anhören der hervorragenden Einspielung **Christian Thielemanns** der ***Alpensinfonie*** von 2001 mit den **Wiener Philharmonikern** bringt mich nicht weiter. Ist doch bekannt geworden, dass **Strauss** die Künstlertragödie des Porträtmalers **Karl Stauffer** (1857-1891) offenbar beschäftigt hatte und er bereits um 1900 zum Gegenstand einer Komposition machen wollte. Zwischen 1909 und 1911 waren bereits vier Skizzen entstanden, die aber zunächst die Begeisterung **Stauffers** für das Bergwandern thematisierten.

Der aus der Schweiz stammende **Karl Stauffer,** genannt **Stauffer-Bern,** machte sich in einem Berliner Atelier einen Namen als erfolgreicher Porträtmaler, Radierer und Kupferstecher. Dabei war er sich aber bewusst, dass er nicht wirklich ein großer Maler war und begann sich 1886 mit der Bildhauerei zu beschäftigen.

Auch unterstützte er seinen Schulfreund **Friedrich Emil Welti** (1825-1899) und dessen Frau **Lydia Welti-Escher** (1858-1891) beim Aufbau einer Sammlung moderner Kunstwerke. **Lydia** war nämlich die Alleinerbin des einflussreichen Schweizer Politikers und Eisenbahnpioniers **Alfred Escher** und damit zu dieser Zeit die reichste Frau des Landes.

****Eine Alpensinfonie *\-* *Auf dem Gipfel -* Wiener Philharmoniker**youtube Trailer Universal Music Group **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Dank der finanziellen Unterstützung durch das Ehepaar **Welti-Escher** konnte **Stauffer** 1887 nach Florenz und Rom gehen, um unter anderem auch bei **Paul Klinger** die Bildhauerei zu erlernen. Im Oktober 1889 übersiedelten auch die **Welti-Eschers** nach Florenz. Das kunstsinnige Paar wirkte als Mäzen des Malers und wollte ihm eine breite künstlerische Arbeit in Italien ermöglichen. Aus geschäftlichen Gründen reiste **Emil Welti** bereits nach kurzer Zeit in die Schweiz zurück und ließ seine ohnehin etwas vernachlässigte Gattin in der Obhut **Stauffers** zurück.

**Karl Stauffer** war damals 32 Jahre alt, während **Lydia** das 31 Lebensjahr erreicht hatte. Die Begeisterung für **Stauffer** und seine künstlerischen Projekte rissen **Lydia** regelrecht aus dem tristen Ehealltag. Beide wurden ein Paar. Frau **Welti-Escher** wollte sich scheiden lassen und **Stauffer** heiraten. Das Paar floh nach Rom. Nun ließ der mächtige Bundesrat **Emil Welti** und Vater des noch Ehemanns seine Beziehungen zugunsten des Sohnes spielen und sicherte sich die Hilfe der Schweizer Gesandtschaft in Rom.

**Lydia Welti-Escher** wurde mit der Diagnose des „systematisierten Wahnsinns“ in einem römischen Irrenhaus interniert. **Karl Stauffer** wurde verhaftet, zunächst der Entführung und des Diebstahls, später noch der Vergewaltigung einer Irrsinnigen beschuldigt. Nach Entlassung auf Kaution, wieder Einkerkerung und Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt, unternahm **Stauffer** im Juni 1890 einen Selbstmordversuch.

![Eine Alpensinfonie _ ein Stimmungsbild © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/03/alpensinfonie-neu.jpg)

Eine Alpensinfonie \_ ein Stimmungsbild © IOCO

**Lydia Welti-Escher** wurde nach einem viermonatigen Aufenthalt im Irrenhaus vom *„Ehegatten“* nach Zürich gebracht, wo sie als Preis einer Scheidung der Entschädigungszahlung an Welti in Höhe von1, 2 Mio. Franken zustimmte. Von der Züricher Gesellschaft geächtet, bezog **Lydia** in die Nähe von Genf ein Haus und nutzte ihr noch immer beträchtliches Vermögen dem Aufbau der *„Gottfried-Keller-Stiftung“*, die „*des Selbstständigmachens des weiblichen Geschlechts-wenigstens auf dem Gebiet des Kunstgewerbes, dienen sollte“*.

Am 28\. Januar 1891 gelang dann **Karl Stauffer** der Suizid. Er starb an einer Schlafmittel-Überdosis. **Lydia Escher** beendete am 12\. Dezember 1891 ihr Leben durch einen Gasvergiftungs-Suizid. Über die Gründe, warum die Beiden vorher nicht wieder zueinandergefunden hatten und stattdessen den Freitod wählten, gibt es nur Vermutungen.

Bereits im Jahre 1900, dem Todesjahr **Nietzsches** plante **Richard Strauss** eine sinfonische Dichtung über das Schicksal **Karl Stauffers.** Nun wäre es doch unwahrscheinlich gewesen, wenn der Komponist die tragische Liebe **Stauffers** zu **Lydia** Escher dabei unbeachtet gelassen hätte. Möglicherweise hatte er auch in der Zeit um 1902 bereits Aspekte des Beziehungsdramas skizziert.

 **Eine Alpensinfonie - *Nacht* \- Wiener Philharmoniker**youtube Trailer Universal Music Group **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Ich könnte ich mir vorstellen, dass Strauss aber zu der Erkenntnis kam, dass die Tragödie **Lydia - Karl** wohl eher ein Opernstoff wäre, und dann mehr für Komponisten vom Schlage Puccinis oder dAlberts, um einige zu nennen.

Folglich wurde nur noch von *„Einer Künstlertragödie“* gesprochen und die Komposition an der Bergwanderbegeisterung von **Karl Stauffer** festgemacht. Aber lassen nicht zahlreiche Motive selbst unter der Bezeichnung *„einer Alpensinfonie“* Assoziationen einer leidenschaftlichen Beziehung zu. Vor allem in *„Gewitter und Sturm“* erkenne ich doch die römischen Ereignisse der Katastrophe des Paares.

**Gerhard Widmann** hatte zu Recht ausgeführt, dass **Strauss** den Tod kaum jemals eindrucksvoller dargestellt hat, wie im letzten Teil der ***Alpensinfonie***. Das aber passt wohl kaum zu einer glücklichen, wenn auch erschöpften, Rückkehr aus den Bergen. Es ist doch auch überliefert, dass **Strauss** mit dem mehrfach unterbrochenen Fortgang der Kompositionsarbeit die Figur **Karl Stauffers** mit der Person **Nietzsches** und dessen Philosophie zunehmend verquickt hat, was auch letztlich zum Arbeitstitel? „**Antichrist*“* und dann zu *“*Der Antichrist- eine Alpensinfonie*“* geführt hatte.

Der Königlich Preußische Generalmusikdirektor **Richard Strauss** konnte schon aus religiösen Gründen diesen Titel nicht aufrecht halten und so ist die Musikwelt in der Partitur-Reinschrift mit ***Eine Alpensinfonie*** beglückt worden.

Das Werk, beginnend mit dem Aufstieg und endend mit dem Abstieg, sollte als ein Leben mit allen seinen Freuden und Strapazen interpretiert werden.

\---| IOCO Besprechung |---