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# Düsseldorf, Düsseldorfer Schauspielhaus, IDENTITTI - von Mithu Sanyal, IOCO Kritik, 19.11.2021
- URL: https://www.ioco.de/dusseldorf-dusseldorfer-schauspielhaus-identitti-von-mithu-sanyal-ioco-kritik-19-11-2021/
- Published: 2021-11-18T16:00:08.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:08:27.000Z
- Author: Rainer Maaß
- Tags: Kritiken, Oper & Operette, Düsseldorf

![Düsseldorfer Schauspielhaus © ingenhoven architects / HGEsch](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2021/09/duesseldorfer-schauspielhaus-foto-ingenhoven-architects-hgeschneu.jpg)

Düsseldorfer Schauspielhaus © ingenhoven architects / HGEsch

**[Düsseldorfer Schauspielhaus](https://www.dhaus.de/programm/spielplan/?ref=ioco.de)**

# ***IDENTITTI* – von Mithu Sanyal - Uraufführung**

***\- Wer bin ich? Was bin ich? Und warum überhaupt? -***

von **Rainer Maaß**

*„Was für eine gnadenlos witzige Identitätssuche, die nichts und niemanden schont...“*, so feierte eine Kritikerin **Identitti.**  Den ersten Roman aus der Feder der Journalistin und Kulturwissenschaftlerin **Mithu Sanyal.** Das erfolgreiche Buch stand auf der Shortlist der nominierten Titel für den deutschen Buchpreis 2021\. Bemerkenswert, dass dieser Stoff schon im selben Jahr auf die Bühne kommt. Wie schön, dass das in Düsseldorf geschieht. Denn verschiedene Theater hatten sich um die Uraufführung beworben.

Worum es geht: Für die Studentin **Nivedita Anand** bricht gerade eine Welt zusammen. Ihr Idol, die renommierte Professorin für ‚*Postkoloniale Theorie*’ **Saraswati** heißt in Wahrheit **Sarah Vera Tielmann**. Sie hat keine indischen Wurzeln und ist eine weiße Frau. **Nivedita** hat sich bei allen Debatten über Identität und Rassismus immer auf die charismatische **Saraswati** berufen. Die Lüge ihrer Ikone trifft sie im Innersten. **Cennit Rüya Voss** lässt uns intensiv miterleben wie sehr **Nivedita** leidet. Ohne Pause und voller Vitalität sucht sie nach der eigenen, nach der wahren Identität. Was bedeutet Herkunft für die eigene Identität? Darf ich meine Identität selbst bestimmen? Ist es ein Nachteil weiß zu sein? Welche Rolle spielen dabei Feminismus, Rassismus, Sex? Was zählt mehr: Assimilierung oder Stolz auf die eigenen Wurzeln?

![Düsseldorfer Schauspielhaus / Identitti hier Leila Abdullah, Friederike Wagner, Cennet Rüya Voß © Sandra Then](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2021/11/identitti-1-neu.jpg)

Düsseldorfer Schauspielhaus / Identitti hier Leila Abdullah, Friederike Wagner, Cennet Rüya Voß © Sandra Then

Regisseur **Kiran Joel** hat das Ringen um die richtige Antwort in lustvollem Tempo inszeniert.

Ab und an garniert mit einem Augenzwinkern. So stellt er der leidenden **Nivedita** die **Göttin Kali** als Beraterin und Trösterin zur Seite. Kali sorgt für die Erdung der aufgewühlten Studentin. Das erste Solo von **Serkan Kaya** als **Kali** ganz in blauer Kluft mit vier Armen als göttliche Stimmungskanone bekommt verdienten Szenenapplaus. Immer wieder schafft er/sie es, die Ernsthaftigkeit nicht zu ernst werden zu lassen. Für Sachlichkeit in dieser Inszenierung ist **Saraswati** bei ihrem Auftritt höchst selbst zuständig. Die Professorin erscheint in Gestalt von zwei gleichgekleideten Darstellerinnen (**Leila Abullah / Friederike Wagner**), die ihren Standpunkt teils nacheinander, teils simultan begründen. Ein Regieeinfall, der die Zwiespältigkeit ihrer Argumentation visuell unterstreicht.

![Düsseldorfer Schauspielhaus / Identitti hier Cennet Rüya Voß, Fnot Taddese, Leila Abdullah, Friederike Wagner © Sandra Then](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2021/11/identitti-2-neu.jpg)

Düsseldorfer Schauspielhaus / Identitti hier Cennet Rüya Voß, Fnot Taddese, Leila Abdullah, Friederike Wagner © Sandra Then

**Kiran Joel** hat es bei seiner Inszenierung nicht bei den Möglichkeiten der traditionellen Theater-Totale belassen. Die Video-Kamera spielte immer mit. Nahaufnahmen schaffen es, wichtige Szenen noch intensiver zu erleben. Diese Technik verleiht der Inszenierung eine Modernität, die dem Stück gut tut. Wer allerdings erwartet hätte, nach zwei kurzweiligen Theater-Stunden mit einer patenten Antwort nach Hause zu gehen, könnte enttäuscht sein.

Vielleicht reicht ja die Erkenntnis, dass in unserer Multi-Kulti Gesellschaft die Frage der Identität immer mehr zur Alltagsfrage wird.

**Die vielen jungen Zuschauer haben das sicher so verstanden. Der lange und herzliche Beifall deutet darauf hin**

[**Identitti** am **Düsseldorfer Schauspielhaus;**](https://www.dhaus.de/programm/spielplan/identitti/5436/?ref=ioco.de) die weiteren Termine 21.11.; 1.12.; 18.12.; 25.12.2021; 8.1.2022

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