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# Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Theaterkrisen und Zuschussgier, IOCO-Aktuell, 11.05.2012
- URL: https://www.ioco.de/dusseldorf-deutsche-oper-am-rhein-opernkrisen-und-zuschussgier-ioco-bericht/
- Published: 2012-05-11T15:00:49.000Z
- Updated: 2023-09-06T11:57:53.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Karten, Deutsche Oper am Rhein, Düsseldorf

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2009/01/ioco.png)

**aktuell**

**Die Piratenpartei, wüster Umgang mit öffentlichen Mittel** ****oder: Die Zuschussgier kommunaler Kulturmanager** 

Die **Piratenpartei**, politisch noch nicht wirklich da, agiert in Berlin mit radikalen Ideen: Eines der drei Berliner Opernhäuser, die[ **Deutsche Oper Berlin**](https://ioco.de/2012/04/25/berlin-deutsche-oper-berlin-groses-haus-neuer-intendant-moderner-auftritt/?ref=ioco.de), soll geschlossen werden. Die jährlich frei werdenden Mittel von €39 Millionen sollen der freien Kulturszene zugute kommen. Die Forderung ist nicht mehrheitsfähig. Aber nachvollziehbar, angesichts des grotesken Gegensatzes in der Förderung öffentlicher und frei finanzierter Theater. Sie artikuliert das tiefe Unbehagen über die willkürlich wirkende Vergabe riesiger Zuschüsse an öffentlich betriebene Theater.

![Schiller Theater - Spielstätte der Staatsoper © IOCO](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2012/05/Schiller-Theater-Spielst%C3%A4tte-der-Staatsoper-c-Jarosch.jpg "Schiller Theater - Spielstätte der Staatsoper © IOCO")

Schiller Theater - Spielstätte der Staatsoper © IOCO

![Deutsche Oper Berlin © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2012/05/deutsche-oper-berlin-c-ioco.jpg "Deutsche Oper Berlin © IOCO")

Deutsche Oper Berlin © IOCO

![Staatsoper Unter den Linden eingeschält 2 4 2012 © IOCO](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2012/05/Staatsoper-Unter-den-Linden-eingesch%C3%A4lt-2-4-2012-c-IOCO.jpg "Staatsoper Unter den Linden eingeschält 2 4 2012 © IOCO")

Staatsoper Unter den Linden eingeschält 2 4 2012 © IOCO

**25% Zuschuss**, maximal, erhalten in Deutschland privat geführte Theater zu ihrem Etat. Schlecht bezahlte Leiter der freien Theaterszene kämpfen täglich sorgenvoll um ihr wirtschaftliches wie künstlerisches Überleben.

**80 - 90% Zuschuss** seines Etat erhält dagegen ein durchschnittliches öffentliches Musiktheater. Über € 2 Milliarden Zuschüsse kosten die Opernhäuser jedes Jahr den deutschen Steuerzahler. 84 bezuschusste Opernhäuser, geliebte Relikte deutscher Kleinstaaterei, spielen in Deutschland. Zuschüsse von € 40 Mio für große öffentliche Musiktheater sind deutsche Normalität. Mit durchschnittlich € 100 werden Eintrittkarten solcher Musiktheaters derzeit bezuschusst.

Kommunale Kulturmanager leiden keine wirtschaftliche Not: Sie leben **Bertold Brecht**: "*Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm*". Langjährige und wohldotierte Verträge dokumentieren politische Rückendeckung, nicht objektivierte Leistung: [**Barenboim** bis 2022,](https://ioco.de/2011/07/07/berlin-staatsoper-unter-den-linden-daniel-barenboim-verlangert-vertrag-als-generalmusikdirektor-der-staatsoper-unter-den-linden-juli-2011/?ref=ioco.de) **Rattle** 2018, **Bachler** 2018, **Meyer** Düsseldorf 2019**, Loebe** 2019 und so weiter. Auslastung, Einnahmen, Effizienz der von ihnen geleiteten Theater verkommen bei den Vertragsverhandlungen zu Nebenwerten. **Barenboim** begleitete   **Netrebko**\-Auftritte stellen populäre und teure Highlights kommunaler Kulturpolitik dar, besonders in Berlin. Viele große wie kleine Besucher mißachtende Produktionen vor leeren Rängen sind jedoch deutsche Theaterrealität. Denn Leistungsvorgaben, in der freien Theaterszene selbstverständlich, fehlen für öffentliche Häusern weitgehend. Pervertierte Zuschussmentalität lebt festgezimmert in den Köpfen föderaler Kulturmanager. Öffentliche Kunst besitzt wirtschaftliche Exterritorialität!

[Die **Berliner Staatsoper** wird bis 2014](https://ioco.de/2012/04/23/berlin-staatsoper-berlin-saison-201213-groses-theater-in-kleinem-provisorium/?ref=ioco.de) für mindestens € 253 Mio saniert. Der aufwendige Staatsopernbetrieb mitsamt Kultur-Leitung **Flimm** (71) und **Barenboim** (70) überlebt fast unverändert, wohlversorgt und hoch bezuschusst, vier Jahre lang im lütten, für €25 Mio mal eben "interimsanierten", **Schillertheater**. Eine Schließung der **Staatsoper** für vier Jahre hätte dem kulturell überfluteten Berlin viele Millionen erspart und, vielleicht, die durch moderne Inszenierungen notorisch schlecht besuchte[ **Komische Oper Berlin** ](https://ioco.de/2010/01/15/berlin-berliner-musiktheater-im-wandel-mit-neuen-intendanten/?ref=ioco.de)etwas gefüllt. Köln saniert problemlos für € 250 Mio ihre Oper und Theater. Eine marginale, lang schwelende kleine Etatschieflage von € 2 Mio der **Oper Köln** löst dagegen öffentliches Getöse und teure Umwälzungen aus. Die kürzliche Vorstellung der Jahresplanung 2012/13 der [**Oper Köln** endete hierdurch in einem Debakel.](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/2012/04/24/koln-oper-koln-das-chaos-ein-spielplan-und-die-jahrespressekonferenz-ioco-aktuell/?ref=ioco.de) Nun gerät auch die seit Jahren unauffällig dahin dümpelnde **Rheinoper**, Opernehe von Duisburg (Auslastung schlimme 60%) und Düsseldorf, in Gefahr: Drastische Sparvorgaben des Duisburger Stadtrats werden am 25\. Juli 2012 verabschiedet. Die Kulturdezernenten der Städte **Janssen** (Duisburg) und **Lohe** (Düsseldorf) verkünden offiziell, die **Rheinoper** erhalten zu wollen. Parallel dazu dröhnt **Lohes** Chef, Düsseldorfs OB [**Dirk Elbers**](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/2012/05/01/dusseldorf-duisburg-deutsche-oper-am-rhein-die-oper-duisburg-retten/?ref=ioco.de) laut über Möglichkeiten einer Opernehe Köln-Düsseldorf. Krönung des öffentlichen Kultur - Mißmanagements ist die von geplanten €77 Mio auf über € 500 Mio angewachsene Bauruine der **Hamburger Elbphilharmonie** (Arbeit eingestellt): "*Das schönste Steuergrab der Welt*", schreibt **Cicero** dazu. Dem Intendant der **Elbphiharmonie**, **Christoph Lieben-Seutter**, fällt, zynisch klingend, nur ein: "Dann muß die Qualität aber stimmen". Das **Schweriner Theater**, das **Landestheater Schleswig-Holstein** und viele andere kommunale Theater Deutschlands wanken, trotz extremer Zuschüsse. Das deutsche System, *"Föderal betriebene Theater"*, liegt auf der Intensivstation.

![Düsseldorf Opernhaus © IOCO](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2012/05/D%C3%BCsseldorf-Opernhaus-c-IOCO.jpg "Düsseldorf Opernhaus © IOCO")

Düsseldorf Opernhaus © IOCO

![Mecklenburgisches Staatstheater Außenansicht © Silke Winkler](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2012/05/Mecklenburgisches-Staatstheater-Au%C3%9Fenansicht-cSilke-Winkler.jpg "Mecklenburgisches Staatstheater Außenansicht © Silke Winkler")

Mecklenburgisches Staatstheater Außenansicht © Silke Winkler

![Oper Köln © IOCO](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2012/05/K%C3%B6ln-Oper-K%C3%B6ln-c-IOCO.jpg "Oper Köln © IOCO")

Oper Köln © IOCO

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Die politisch beeinflusste Steuerung des öffentlichen Kulturbetrieb und dessen stark ausgeprägter Förderalismus sind Teil deutscher Landesverfassungen. So schreibt die Landesverfassung für NRW in *Art. 18 Abs 1* : *„Kultur, Kunst und Wissenschaft sind durch Land und Gemeinden zu fördern.“*

Die verfassungsgemäßen Kulturparameter fordern nicht, daß Musiktheater zu über 80% bezuschusst werden, daß wirtschaftliche Effizienz im deutschen Kulturbetrieb ein Schattenleben führen, daß viele Intendanten sich wirtschaftlichen Vorgaben verschliessen. Ein stärkeres Gleichgewicht von öffentlicher zu freier Theaterszene ist dringlich, wenn Musiktheater nicht den Geschmack verordneter Kunst erhalten wollen. Der deutsche Kulturföderalismus und seine ökonomischen Eckpunkte sind reparaturbedürftig. Die **Berliner Piratenpartei** rüttelt zu Recht an fetten föderalen Latifundien.

**IOCO** / Viktor Jarosch / 10.05.2012

\---| IOCO Aktuell Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |---