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# Düsseldorf, Tonhalle, Kult: Ehring geht ins Konzert, IOCO Kritik, 11.01.2015
- URL: https://www.ioco.de/duesseldorf-tonhalle-kult-ehring-geht-ins-konzert-ioco-kritik-11-01-2015/
- Published: 2015-01-14T17:00:41.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:26:32.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Kritiken, Klassik, Karten, Düsseldorf

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[Tonhalle Düsseldorf](http://www.tonhalle-duesseldorf.de/?ref=ioco.de)

![Tonhalle Düsseldorf © Diesner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/07/tonhalle_duesseldorf_588_inn.jpg "Tonhalle Düsseldorf © Diesner")

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

**Große Klassik: Serviert in sonntäglicher Leichtigkeit**

![Tonhalle Düsseldorf / Christian-Ehring moderiert in Tonhalle © Susanne Diesner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/01/christian-ehring_moderiert-in-tonhalle_foto_susanne-diesner.jpg "Tonhalle Düsseldorf / Christian-Ehring moderiert in Tonhalle © Susanne Diesner")

Tonhalle Düsseldorf / Christian-Ehring moderiert in Tonhalle © Susanne Diesner

Ausverkauft, Sonntag-nachmittag: Die **Tonhalle Düsseldorf,** das mit über 1.800 Plätzen architektonisch so ansprechende wie große Konzerthaus in Düsseldorf. **Michael Becker,** **Tonhallen-**Intendant, mit ungewöhnlichen Kinder- und Jugendprogrammen ohnehin sehr erfolgreich hatte 2011 mit dem klassisch ausgebildeten Kabarettisten **Christian Ehring** (1972) die Konzertreihe **Ehring geht ins Konzert** ins Leben gerufen **(Ehring:** „*Konzerte haben etwas komisch Sakrales, das war mir zu steif")*, um mit entkrampft humoriger Moderation den Klassik-Entwöhnten einen individuellen Zugang zu großen Werken der Klassik zu bieten. **Christian Ehring** 2011: *„Etwas mehr Oper würde unserem Leben gut tun*“! Inzwischen füllt **Ehring geht ins Konzert** die **Tonhalle Düsseldorf** bis auf den letzten Platz. Viele hatten vergeblich auf Karten gehofft.

![Tonhalle Düsseldorf / Düsseldorfer Symphoniker mit Martin Fratz und Franziska Früh © Susanne Diesner](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/01/D%C3%BCsys_Franziska_Fr%C3%BCh-Martin_Fratz_Foto_Susanne_Diesner.jpg "Tonhalle Düsseldorf / Düsseldorfer Symphoniker mit Martin Fratz und Franziska Früh © Susanne Diesner")

Tonhalle Düsseldorf / Düsseldorfer Symphoniker mit Martin Fratz und Franziska Früh © Susanne Diesner

Fünf Themen, 5 Werke bestimmten das Konzert am 11\. Januar 2015: **Mozart** und seine Hornkonzerte, **Bach** und die Instrumentierung seiner Kompositionen, **Bartok** und die Volksmusik, die Harfe und **Claude Debussy** sowie **Camille Saint-Saens** und seine Vielseitigkeit. **Christian Ehring,** Düsseldorfer, moderierte. **Martin Fratz** dirigierte die **Düsseldorfer Symphoniker**, intim **Düsys** genannt.. Alle Solisten des Tages kamen aus den Reihen der **Düsys**. Ein wahres Heimspiel, verkündete **Ehring** in Fußballerjargon: "*Die Besucher sind die Fans der Südtribüne*".

![Tonhalle Düsseldorf / Uwe Schrumpf erklaert das Horn © Susanne Diesner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/01/ehring_interviewt_hornist_schrumpf_foto_susanne_diesner.jpg "Tonhalle Düsseldorf / Uwe Schrumpf erklaert das Horn © Susanne Diesner")

Tonhalle Düsseldorf / Uwe Schrumpf erklaert das Horn © Susanne Diesner

Nach launiger Eröffnung mit mehr Fußballreferenzen und *„gemeinsamem Husten“* lernte man zu **Mozarts** vier Hornkonzerten Allgemeines von **Christian Ehring** wie Spezielles von Hornist **Uwe Schrumpf,** z.B. dass sich **Mozart** als freischaffender Künstler in seinen frühen Wiener Jahren mit solchen Konzerten den Lebensunterhalt verdiente. **Ehring:** *„Festanstellung, als Plattenvertrag des Künstlers, oder Schutz geistigen Eigentums waren damals unbekannt*“. Vier Hornkonzerte hatte **Mozart** für seinen Freund, den Hornisten **Ignaz Leitgeb,** zwischen 1771 und 1781 geschrieben; alle melodisch am Ausdruck der menschlichen Stimme angelehnt. So findet sich im Hornkonzert des Abends, ***Es-Dur KV 417,*** eine Melodie, die als Arie in der **Die Hochzeit des Figaro** wieder erscheint. **Uwe Schrumpf** brachte mit kleinen Soli das Horn, ältestes, aus dem Orient stammendes, Instrument der Menschheit der Südtribüne näher. **Schrumpf** erzählte von den Grundtönen der Naturhörner, von Ventilhorn, Stopftechnik und von den im dritten Satz versteckten kompositorische Finessen.

Und **Christian Ehring** bewahrte derweil mit derben, trötenden Ausflügen wie zur „*immer dazwischen hupenden CSU, Maut und Dobrindt*“ die entspannte Sonntagsstimmung im Publikum. **Martin Fratz,** die **Düsseldorfer Symphoniker** und **Uwe Schrumpf** überzeugten mit dem ersten Takt des Hornkonzertes: War es ihr sanft geführtes, einleitendes Allegro maestoso, waren es die erhabenen Piani im zweiten Satz, das volksmusikalische Rondo in dritten Satz oder die prächtig gelungenen Horn-Soli? Das Publikum war begeistert. Doch der Sonntag hielt noch weitere Überraschungen parat.

![Tonhalle Düsseldorf / Ehring und die Südtribüne © Susanne Diesner](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/01/Ehring_und_die_S%C3%BCdtrib%C3%BCne_Foto_Susanne_Diesner.jpg "Tonhalle Düsseldorf / Ehring und die Südtribüne © Susanne Diesner")

Tonhalle Düsseldorf / Ehring und die Südtribüne © Susanne Diesner

Das oft gespielte Konzert für Flöte und Orchester ***a-Moll BWV 1056*** von **Johann Sebastian Bach** eröffnete **Christian Ehring** mit der spannenden Frage: *„Für welches Solo-Instrument wurde dies Konzert ursprünglich geschrieben? Hat es Bach ursprünglich für Cembalo, Oboe oder Violine geschrieben?*“ Man weiß es nicht. **Bach** hatte in jedem Jahr bis zu 60 Kantaten, zahllose Auftragswerke, Fugen und Messen zu komponieren. Nur mittels *„Transkribieren“* war dies Pensum zu bewältigen. In der **Tonhalle,** so **Ehring:** *„Hören Sie nun ein Flötenkonzert, welches zuvor vielleicht ein Cembalokonzert war und davor ein Oboenkonzert“*. **Martin Fratz** spielte am Cembalo und leitete die virtuose **Flötistin Ruth Legelli** wie die **Düsseldorfer Symphoniker** mit barocker Zartheit.

![Tonhalle Düsseldorf / Fabiani Trani Harfe © Susanne Diesner](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/01/D%C3%BCsys_Fabiana_Trani_Foto_Susanne_Diesner.jpg "Tonhalle Düsseldorf / Fabiani Trani Harfe © Susanne Diesner")

Tonhalle Düsseldorf / Fabiani Trani Harfe © Susanne Diesner

**Bela Bartoks** systematische Suche und Erfassung originärer, unlackierter Volksmusik beschäftigten sodann **Ehring, Düsys** und ***Südtribüne.*** **Bartoks** Obsession, aus Volksmusik eigene Kompositionen zu schaffen verdeutlichten **Ehring** und **Düsys** an dessen ***Rumänischen Volkstänzen Sz56.*** Um sich danach der Harfe zuzuwenden: **Claude Debussy** und sein Konzert ***Zwei Tänze für Harfe und Streicher*** hatte man hierfür ausgewählt. „*Die Harfe“, so Ehring, „ein Instrument, welches in Deutschland keine Frauenquote benötigt*“, und unterstrich, dass „*90% der Harfenisten hier Harfenistinnen sind*“. Doch **Fabiana Trani,** seit 1985 Harfenistin bei den **Düsys,** überraschte mit der Feststellung, dass weibliche Dominanz an der Harfe ein deutsches Spezifikum sei: In England dominieren Männer an der Harfe, in Frankreich sei das Verhältnis ausgeglichen. Auch die Entwicklung der Harfe, dem ältesten Zupfinstrument der Welt, erklärte Frau **Trani** den Besuchern:

Von der früher üblichen, in Halbtonschritten gestimmten, chromatischen Harfe bis zur Doppelpedalharfe, bei der bis zu sieben Pedale die Halbtöne erzeugen. Und, dass zur Zeit **Debussys** ein Kampf unter Harfenexperten um „*die richte Harfentechnik*“ tobte. Eine auf chromatische Harfen spezialisierte Firma beauftragte **Claude Debussy** 1904, seine ***Zwei Tänze für Harfe und Streicher*** zu komponieren. **Düsys** und **Fabiana Trani** auf der Doppelpedalharfe gaben Anfang 2015 dem Stück im ersten „*heiligen Tanz“* weihevollen Glanz und Linie, wie dem folgenden *„profanen“* Tanz die derbe, kullernde Expressivität.

![Tonhalle Düsseldorf / Violinistin Franziska Früh © Susanne Diesner](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/01/Violinistin_Franziska_Fr%C3%BCh_Foto_Susanne_Diesner.jpg "Tonhalle Düsseldorf / Violinistin Franziska Früh © Susanne Diesner")

Tonhalle Düsseldorf / Violinistin Franziska Früh © Susanne Diesner

**Camille Saint-Saens** und sein ***Introduction et Rondo capriccioso a-moll op. 28*** schlossen das Event **Ehring geht ins Konzert:** **Saint-Saens,** zumeist durch seine auffällig deskriptive Komposition ***Karneval der Tiere*** und seine Oper ***Samson et Delila*** bekannt, war vielseitig interessiert. Philosophische Schriften beschäftigten ihn ebenso wie Pompejanische Fresken. Sein Werk hat **Saint-Saens** für den jungen, populären Violinisten **Pablo de Sarasate** geschrieben. *„Eine Beziehung“*, so **Ehring** die Moderation des Konzertes beschließend, *„über die man spekulieren kann. Muss man aber nicht“*. **Düsys** und **Violinistin Franziska Früh** zeigen große Affinität zu **Saint-Saens:** Romantik, Schwärmerei und Phantasie bringen sie unter **Martin Fratz** erneut virtuos zum Ausdruck.

**Ehring geht ins Konzert:** Reizvoller Stimmungsaufheller für dunkle Wintertage, ungestresster Einstieg in die Droge Klassik, was ich schon immer über KLassik wissen wollte. 1800 **Klassik-Einsteiger-Genießer-Heimkehrer** der überverkauften **Tonhalle** bejubelten **Christian Ehring,** die **Düsseldorfer Symphoniker, Solisten** und Dirigent **Martin Fratz.** 

***IOCO* /** Viktor Jarosch / 13.01.2015

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