> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Mozart oder Die Leiden eines Kritikers, IOCO Aktuell, 29.02.2016
- URL: https://www.ioco.de/duesseldorf-tonhalle-duesseldorf-mozart-oder-die-leiden-eines-kritikers-ioco-aktuell-29-02-2016/
- Published: 2016-03-01T12:01:03.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:30:32.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Sonstiges, Düsseldorf

![Mozart im Sonnenglanz - Von Engel nicht Kritikern umgeben © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/02/wolfgang_a_mozart_neu.jpg "Mozart im Sonnenglanz - Von Engel nicht Kritikern umgeben © IOCO")

Mozart im Sonnenglanz - Von Engel nicht Kritikern umgeben © IOCO

# **Stilblüten einer würzig süß-sauren KritikGenie-Teenie-Pianist Jan Lisiecki und Mozart**

Konzerte, Opern oder Sprechstücke rezensieren ist hohe Kunst. Die Sprache der Kritiker kann stilvoll reich sein, sachlich streng aber auch filigran detailliert; sie mag karg an Emotionen sein oder überschäumend prall von Stück und Künstler berichten. **IOCO**  beklagt regelmäßig die sprachliche Selbstverliebtheit von Rezensenten, welche mit chiquem Wortnebel das dem Leser Nützliche so gern verbergen. Die wortgewaltige Kritik einer **rheinischen Zeitschrift** zum Konzert des kanadischen Pianisten **Jan Lisiecki** in **Düsseldorf** verblüffte ***IOCO***\-Rezensent ***Pasquill.*** *Lesen Sie die Empfindungen von* ***Pasquill:***

**Zeitschrift:** 

**Jan Lisiecki** aber ist gerade einmal 20 Jahre alt. ….... **Lisiecki** zählt zu den großen Hoffnungen der jüngsten Pianisten-Generation. **Lisiecki** frappiert vom ersten Einsatz an: mit traumwandlerischer Sicherheit in größter Freiheit und einem natürlich pulsierenden Duktus, der das Rhetorische ohne Rechthaberei formuliert, dramatisch-ruppige Akzente setzt, ohne sich aufzuplustern, und mit schmerzlichen Wendungen trauert, ohne zu jammern. Den berühmten zweiten Andante-Satz, oft als süß-saure Sentimentalität vergoren in Streicher-Zuckerwatte serviert, spielt **Lisiecki** flüssig und leuchtend, schlicht wie ein Lied und doch ergreifend in seinen hoch empfindsamen Nuancen. Gleiches gilt für den zweiten Satz im düsteren Schwesterwerk in d-moll von 1785, das **Lisiecki** insgesamt noch zupackender, entschiedener angeht. Die schnellen Ecksätze bringen ihn selbst bei grenzwertig schnellen Tempi nie in Verlegenheit, die haarigen Läufe aber wollen gar nicht "perlen", denn **Lisiecki** baut Akzente und rhetorische Widerhaken ein.

**Pasquill:** 

Zu nebulösem Sprachgeklingel wird die obige Rezension spätestens als sie sich über einen natürlich *„pulsierenden Duktus“* zu verbreiten beginnt, über einen, der mit *„traumwandlerischer Sicherheit in größter Freiheit",* das *„Rhetorische ohne Rechthaberei formuliert*“. Damit nicht genug. Setzt doch besagter Duktus *„dramatisch-ruppige Akzente* *ohne Aufplusterei"* und *„trauert ferner, ohne zu jammern, in schmerzlichen Wendungen“.*

Eine solch geschraubte Diktion wird nur gewieften Kennern zu einer Vorstellung verhelfen, wie **Jan Lisieckis** Klavierspiel **Mozarts *Konzert KV467*** exekutiert haben könnte.

Den zweiten Satz, welche die Rezensent/n zuvor oft als *"süß-sauer vergorene Sentimentalität in Streicherzuckerwatte"* vorgesetzt bekam, spielt der Pianist gleichwohl *"als flüssig leuchtendes schlichtes Lied*". Von dieses Satzes *„hoch empfindsamen Nuancen“* ist der Rezensent/n ergriffen. Gleiches gilt für **KV 466,** dessen ebenfalls *"unvergorene, streicherzuckerwattenfreie Romance*" vom Künstler *"entschiedener, zupackender"* angegangen wird, wobei er allerdings *„rhetorische Widerhaken“* einbaut, sodass die *"haarigen Läufe"* gar nicht erst zu *“perlen“* anfangen. *"Haarige, nicht perlende Läufe voller rhetorischer Widerhaken*": Welche Ohren braucht es, um derart Einmaliges zu hören?

Ob der in obiger Rezension enthaltenen "*Akzente und rhetorischen Widerhaken eines* *aufgeladenen Duktus"* und "*süß-sauer vergorener traumwandlerische Sicherheit"* flüchtet sich manch Alltags- wie Schnellleser in unverständige aber tiefe Ergriffentheit.

**IOCO** / **Pasquill** / 29.02.2016

\---| IOCO Aktuell Tonhalle Düsseldorf |---