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# Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Igor Levit - 32 Beethoven Sonaten, IOCO Kritik, 03.11.2015
- URL: https://www.ioco.de/duesseldorf-tonhalle-duesseldorf-igor-levit-spielt-32-beethoven-sonaten-ioco-kritik-03-11-2015/
- Published: 2015-11-11T21:19:09.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:28:57.000Z
- Author: Viktor Jarosch
- Tags: Kritiken, Karten, Düsseldorf

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[Tonhalle Düsseldorf](http://www.tonhalle-duesseldorf.de/?ref=ioco.de)

![Tonhalle Düsseldorf © Diesner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/07/tonhalle_duesseldorf_588_inn.jpg "Tonhalle Düsseldorf © Diesner")

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

# **Igor Levit - Zyklus aller Beethoven Sonaten**

# **Zyklus Divinus**

![Bonn / Beethoven-Denkmal © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/11/bonn-beethoven-denkmal_foto-ioco2.jpg "Bonn / Beethoven-Denkmal © IOCO")

Bonn / Beethoven-Denkmal © IOCO

Die Gefahren eines **Zyklus**: Die **Berliner Philharmoniker** und noch-Chefdirigent **Rattle** hatten keine göttliche Eingebung als sie im Oktober 2015 ihren **Beethoven-Zyklus,** alle neun Sinfonien, an fünf aufeinander folgenden Tagen spielten. Es wurde ein ***Zyklus Infernalis:*** Eigene Klangkultur war nicht erkennbar, gute Technik kandidelte mit musikalischen Extremen. Die **Eroica** teilweise erstarrt, zu schnell; die **Fünfte**, die **Schicksalssinfonie**, oft zu fetzig, sportlich; die ***Siebte*** extrem rythmisch. Der scheidende Chefdirigent **Rattle** und die **Philharmoniker** suchten olympisch wirkendes Ego. **Beethovens Genius** degenerierte dabei zur nützlichen, medienwirksamen Attrappe.

![Wien / Beethoven-Haus © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/11/beethoven-haus-in-wien-neu-c-ioco.jpg "Wien / Beethoven-Haus © IOCO")

Wien / Beethoven-Haus © IOCO

Die **Tonhalle Düsseldorf** gestaltete nun mit dem **Pianisten** einen **Beethoven-Sonaten-Zyklus. Ludwig van Beethoven** (1770 – 1827) schrieb seine epochalen 32 Sonaten für Klavier über 27 Jahre, von 1795 bis 1822, in Wien. Große Künstler formten die Grundlagen seines Genius: **Joseph Haydn** ab November 1792, aber auch **Antonio Salieri, Georg Albrechtsberger, Johann Baptist Schenk.** Der Tod des Vaters und der Einmarsch französischer Truppen in Bonn brachen im Dezember 1792 **Beethovens** Bande zu seiner Heimatstadt. Wien wurde neue Heimat; seine Brüder Karl und Johann folgten bald nach. Virtuosität als Pianist und Orgelspieler halfen **Beethoven** schnell, in Wien Fuß zu fassen. Insbesondere die Begeisterung von Fürst **Karl Lichnowsky,** welcher **Beethoven** ab 1800 sogar eine Jahresrente zahlte, sorgte zumindest bis 1806 für ein sicheres Auskommen in Wien

Im ersten Wiener Lebensabschnitt **Beethovens,** von 1795 bis 1805, entstanden so 23 seiner 32 Sonaten, in den folgenden 17 Jahren bis 1822 waren es nur noch 9 Sonaten. **Beethoven** kämpfte inzwischen auch in Sinfonien, Opern, Messen, Kantaten um neue Kompositionsformen. Der Ausdruck seiner 32 Sonaten wurde so durch unendliche Größe, Weite und Tiefe lebendiges Erbe aller lebenden Pianisten.

![Dr Sommer-Sorgente interviewt Igor Levit © Tonhalle / Susanne Diesner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/11/dr-sommer-sorgente-und-igor-levit2.jpg " ")

Dr Sommer-Sorgente Interview mit Igor Levit © Tonhalle / Susanne Diesner

Die **Tonhalle Düsseldorf** entwickelte nun mit dem in Hannover lebenden jungen russischen Pianist **Igor Levit** (\*1987 im damaligen **Gorki,** heute **Nishni Nowgorod**) einen **Beethoven- Zyklus,** welcher die 32 Klaviersonaten **Ludwig van Beethovens** umfasst**.** In großen zeitlichen Abständen (Programm unten), werden sie vom 3.11.2015 bis 17\. Juni 2016, an acht Abenden gespielt. **Levit** gehört trotz seiner Jugend bereits zu den etablierten Pianisten. Sein Repertoire ist spektakulär; seine Aufnahmen von **Bachs *Goldberg-Variationen*** oder **Beethovens *Diabelli-Variationen*** sind international anerkannte pianistische Höhenflüge. Er spielt ohne Sucht nach Expressivität oder Tempi.

![Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit im Konzert © Tonhalle / Foto Susanne Diesner](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/11/igor-levit-konzert-1-c-tonhalle-foto-susanne-diesner.jpg "Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit im Konzert © Tonhalle / Foto Susanne Diesner")

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit im Konzert © Tonhalle / Foto Susanne Diesner

An jedem Konzertabend seines **Beethoven** Sonaten erklärt **Levit** dem Publikum per Interview sympathisch wie direkt Aufbau und Struktur seiner Zyklus-Dramaturgie. So auch am 3.11.2015: „*Keine Sonate gleicht der anderen, jede ist ein Unikat. *Beethoven* ist das Leben nicht das Monumentale; bei der Interpretation muss das eigene Ich im Vordergrund stehen, mit den Zutaten des Weinens, Lachens..“*. Die Dramaturgie „seines“ **Beethoven-Zyklus** geht vom Ende aus, der 1822 entstandenen Schluss-Sonate; Gipfelwerke standen in Fokus. So begann der Abend mit **Beethovens** 1795 entstandenen und **Joseph Haydn** gewidmeten **Sonate Nr. 1 f-Moll**. Er endete mit der in orchestraler Klangfülle überbordenden **Waldsteinsonate Nr. 21 C-Dur** aus 1804.

**Levit** gelingt in seinem Spiel auf wunderbare Weise, bereits oft gehörtes neu entstehen zu lassen. Man findet sich in einer lichten Welt die einhüllt, in der es perlt und rieselt, doch immer notengetreu. Und so unterscheidet sich **Levit** wohltuend von vielen Pianisten, die sich dem Ziel von Neuinterpretationen verschrieben haben. Der in Klavierstunden reichlich ausgeschlachteten **f-Moll Sonate Nr. 1** gibt **Levit** mit sensibler Präzision ein klares Bild. Wenn in **Sonate Nr. 12** der 3\. Satz mit seinem **Trauermarsch** erklingt wartet man emotional ergriffen mit verhaltenem Atem eine ungewohnte Pause aus; man muss heimlich eine Träne abwischen. Klänge wie aus fernem Tal herüber schwebend, federleicht, tröstend. Auch dem Gipfelwerk des Abends, der **Waldsteinsonate,** verleiht **Levit** durchgängig durch konsequente pianistische Geradlinigkeit ehrliche Freude und Euphorie. Der junge **Igor Levit** läßt durch Treue zur Komposition den Geist **Ludwig van Beethovens** sprechen. Er verstellt nicht mit fremden Tempi oder krachenden Mezzo forte, er wirkt authentisch ehrlich. Wir sind erschüttert und gestärkt.

Die ausverkaufte **Tonhalle Düsseldorf** feierte **Igor Levit** für den wunderbaren Auftakt in die Sonatenwelt **Ludwig van Beethovens**: Kündigt sich gar ein **Zyklus Divinus** an?

**Die nächsten Levit Sonaten - Konzertabende sind am:** 1.12.2015; 22.12.2015; 25.01.2016; 24.03.2016; 05.04.2016; 16.06.2016; 16.06.2017

**IOCO** / Viktor Jarosch / 06.11.2015

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