> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Düsseldorf, Felix Mendelssohn überwältigt in der Matthäikirche, IOCO Aktuell, 29.04.2016
- URL: https://www.ioco.de/duesseldorf-felix-mendelssohn-ueberwaeltigt-in-der-matthaeikirche-ioco-aktuell-29-04-2016/
- Published: 2016-04-30T09:00:46.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:31:27.000Z
- Author: Albrecht Schneider
- Tags: Sonstiges, Düsseldorf

![Düsseldorf / Matthäikirche © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/04/matthaei6_c_ioco.jpg "Düsseldorf / Matthäikirche © IOCO")

Düsseldorf / Matthäikirche © IOCO

## **"ALLES WAS ODEM HAT, LOBE DEN HERRN"**

#### **Felix Mendelssohn Bartholdy - Matthäikirche zu Düsseldorf**

**Symphonie Kantate B-Dur op. 52   *Lobgesang*** für Soli, Chor, Orchester und Orgel und **95\. Psalm op.46** für Soli, Chor, Orchester und Orgel

Eine denkbare journalistische Pflichtverletzung in Kauf nehmend, soll, ehe von dem angesagten Konzert die Rede ist, ein Lobgesang angestimmt werden auf ungezählte Musikaufführungen, die in unserer Republik sich außerhalb ihrer großen wie kleineren Konzertsäle und prächtigen wie weniger prächtigeren Opernhäuser in Kirchen und säkularen Räumlichkeiten ereignen. Hier leisten die Kantoren, Chorleiter, berufene wie private Musiker eine Arbeit, die man oft nicht ihrem Wert gemäß honoriert und kaum vernehmbar genug ausschellt. Dass die **Hlg.Cäcilie** wahrscheinlich deswegen hierzulande einen ihrer Ferienwohnsitze genommen hat, weil sie die ringsum florierende Musiklandschaft besonders anspricht, ist nicht zuletzt eine Folge jener Pflege, die ihr überall und jederzeit gerade die Diener der Frau Musica mit den kleineren Namen angedeihen lassen. Von **Albrecht Schneider**.

![Düsseldorf / Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/04/mendelsohn-bartholdy-neu-foto-ioco.jpg "Düsseldorf / Felix Mendelsohn-Bartholdy © IOCO")

Düsseldorf / Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Was nun diese stilleren Dienste an der Kunst betrifft, haben Chor, Orchester, Solisten und Dirigent mit ihrem Konzert in der **Matthäikirche** besondere Ehre eingelegt. Würde man den Bericht darüber in eine Sprache fassen, die der Zeit der Entstehung beider Werke gemäß wäre, ließe sich hier lesen, dass der Kantorei gesungen und das Orchester musiziert habe, als seien die himmlischen Heerscharen am Werk gewesen, und die zwei Soprane wie der Tenor hätten gegrollt, gemahnt und gejubelt gleich den Cherubimen des Paradieses.

Nein, in nüchterner Schreibmanier soll das Konzert am späten Sonntagnachmittag, den 24\. April 2016, protokolliert werden. Der **Psalm 95*,* Hymnus auf und Mahnung vor Gott zugleich, ist eines der vielen Stücke geistlicher Natur, die der Komponist nicht unbedingt bloß für den Kirchenraum gedacht hatte. **Felix Mendelssohn-Bartholdy** war ein gläubiger Protestant, der von der Ausbildung her sich der im Laufe des 18\. Jahrhunderts verblassten Figur des Thomaskantors **J.S. Bach** verwandt fühlte, und der nicht allein die ***Matthäuspassion*** dem Vergessen entriss und wieder aufführte, sondern gleichsam als dessen Geisteskind – ihn keineswegs kopierend - Texte des Alten und Neuen Testaments in Musik setzte und somit verlebendigte, damit sie sich desto berührender den Menschen offenbaren würden..

Nichts Anderes intendiert sein **Lobgesang.** Der Komponist ist keiner, der die Abgründe der Hölle malt und ihr Grauen beschwört, eher preist er das Blau des Himmels und die ihm immanente Herrlichkeit des Schöpfers. Gewiss verkörpert er auch keinen, um einen recht fadenscheinigen Topos zu benutzen, *\>dem Schicksal in den Rachen greifenden Titanen<* , als der einstmals der Kollege **Beethoven** gehandelt wurde, oder gar einen *\>vom Himmel durch die Welt zur Hölle<* schreitenden Feuerkopf gleich **Hector Berlioz**. Sein Auftritt ist der eines romantisch-klassizistischen Traditionalisten mit bisweilen biedermeierlichem Habitus, wovon seine Chorgesänge und Lieder zeugen, aber nicht weniger am Ende seines Lebens auch der eines fast Unzeitgemäßen, indem er das **Brahms** nahe ***f-moll Streichquartett op. 80*** der Welt hinterlässt.

Wie immer man ihn sehen will, bedeutet das nicht, ihm mangele die Fähigkeit, sich zwar nicht unbedingt musikalisch auszurasen, doch zumindest, sofern vom Wort her intendiert, dem Ausdruck zuliebe die Form zu zerbrechen. Letzteres erlaubt er sich nicht, gleichwohl versteht er durchaus in dieser ***Symphonie Kantate*** die Dialektik von Nacht und Tag, von Finsternis und Licht zu schildern. Mit den ersten zehn Noten des von zwei Tenorposaunen und einer Bassposaune intonierten, nahezu heroischen, auf den Hörer eindringenden Motivs ***Alles was Odem hat, lobe den Herrn*** ist die Idee des Werkes deutlich ausgesprochen. Um das markante Thema gestalten sich die ersten drei sinfonischen Sätze - das **op. 52** insgesamt ist der *Neunten Sinfonie* **Beethovens** verpflichtet -, die anders als dort allein auf den Höhepunkt, das Chorfinale, abzielen. Solche Absicht beglaubigt die Zeit: Sinfonia, Allegretto und Adagio als rein instrumentale Teile beanspruchen knapp dreißig Minuten, die Kantate für sich eine Dreiviertelstunde.

Dem **Lobgesang**, der aus Anlass der vierten Zentenarfeier derErfindung des Buchdrucks entstand, liegen Bibeltexte sowie die Verse des Chorals **Nun danket alle Gott** zugrunde. Mendelssohn selbst hat sie eingerichtet. Ihrer Aussage gemäß wurden sie jeweils leidenschaftlich, abgeklärt und mit allen Tönungen dazwischen von der Kantorei an Matthäi dargeboten. Das gleichnamige Symphonieorchester ist kein ad hoc zusammengestellter Klangkörper, vielmehr ein wohlgestimmtes, eingespieltes Instrument von Qualität, mit dem **Karlfried Haas**, stets eindrucksvoll gelassen dirigierend, alle Farben, Schattierungen, Linien und Ballungen der Partitur zum Klingen brachte,

Die drei Solisten, die Soprane **Alexandra von der Weth** und **Gudrun Welker** gemeinsam mit dem Tenor **Markus Brutscher**, die oben bereits gewürdigt wurden, blieben ihren Partien nichts schuldig, wobei der Organist **Jens-Martin Ludwig** mit hervorgehoben werden soll; sie alle trugen ihr Teil bei zu dem großen Ganzen, das an diesem Nachmittag aus der Kunst und Hingabe der Mitwirkenden erwuchs, und das den wachen und willigen Hörer zu überwältigen vermochte.

**IOCO / Albrecht Schneider /** 29.4.2016

\---| IOCO Aktuell Kirchenkonzerte |---