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# Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Arabella von Strauss - Lebensnah und Aktuell, IOCO Kritik, 22.09.2015
- URL: https://www.ioco.de/duesseldorf-deutsche-oper-am-rhein-arabella-von-strauss-lebensnah-und-aktuell-ioco-kritik-22-09-2015/
- Published: 2015-09-23T10:47:50.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:28:18.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Kritiken, Karten, Deutsche Oper am Rhein, Oper & Operette, Düsseldorf

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[Deutsche Oper am Rhein](http://www.rheinoper.de/?ref=ioco.de)

![Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/05/operamrheinfueralle_opernhaus_01_foto_hansjoergmichel.jpg "Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de")

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

# ***Arabella* in lebensnaher, frischer Aktualität**

**Hugo von Hofmannsthal** (1874 – 1929), großer deutscher Dichter und Dramatiker, schuf mit **Richard Strauss** (1864 – 1945), von 1906 bis 1929 eine „Serie“ von Opern-Welterfolgen mit eigener, einzigartiger Faszination. ***Arabella,*** ihr letztes gemeinsames Werk, wurde 1933, lange nach **Hofmannsthals** Tod (1929) uraufgeführt. Zuvor hatten die Opern **Elektra** (1906), ***Rosenkavalier*** (1911), ***Ariadne auf Naxos*** (1912), **Die Frau ohne Schatten** (1919), **Die ägyptische Helena** (1928) eine konfliktreiche Künstlerfreundschaft gefestigt. 1929 starb **Hofmannsthal**, erschüttert von dem unerwarteten Selbstmord seines Sohnes **Franz** (26), an einen tödlichen Schlaganfall. **Hofmannsthals** Libretto aus 1929 vertonte **Strauss** Jahre später ohne jede Änderung.

![Deutsche Oper am Rhein / Jacquelyn Wagner als Arabella © Hans Jörg Michel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/09/arabella_01_foto_hans-joerg-michel_kl2.jpg "Deutsche Oper am Rhein / Jacquelyn Wagner als Arabella © Hans Jörg Michel")

Deutsche Oper am Rhein / Jacquelyn Wagner als Arabella © Hans Jörg Michel

Seine Ideen zu **Arabella** beschrieb **Strauss** 1927 an **Hofmannsthal** 1927: „*…hab nichts mehr zum arbeiten… dichten Sie…darf ein zweiter *Rosenkavalier* sein*“. So ist in **Arabella** durch Wien und Walzer die Nähe zum **Rosenkavalier** gelegentlich spürbar. Jedoch: Während Musik und Handlung des **Rosenkavalier** einen zarten Kunstraum wiedergeben, herrschen in der Komödie **Arabella** praktische, profane wie feine lebensnahe Realitäten der **K.u.K.-Monarchie**. Handlungs- und Sprachvielfalt wie der von **Strauss** geschaffene kompositorische Reichtum, quer durch den tonalen und atonalen Quintenzirkel, dazu Handlung und Personen mit zahlreiche Leitmotive beschreibend, geben guten Regisseuren und Dirigenten faszinierende Möglichkeiten spannendes Musiktheater auf die Bühne zu bringen. Die komplizierte Handlung um das verarmte Wiener Ehepaar **Waldner,** welches mit allen Mitteln und ihrer schönen Tochter **Arabella** auf einen Faschingsfest letztlich zu Vermögen kommen möchte, wird in Düsseldorf frisch und lebensnah produziert.

![Deutsche Oper am Rhein / Regieteam um Tatjana Guerbaca © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/09/regieteam-um-tatjana-guerbaca_2-foto-ioco.jpg "Deutsche Oper am Rhein / Regieteam um Tatjana Guerbaca © IOCO")

Deutsche Oper am Rhein / Regieteam um Tatjana Guerbaca © IOCO

Die Regisseurin **Tatjana Gürbaca** und ihr Team bringen eine lebendig moderne **Arabella-**Inszenierung auf die Bühne der **Rheinoper.** Tiefsinn und Humor von **Arabella** erhalten durch packende Komik, modern wie sprühend auftretende Darsteller/-innen und gut verständlichen Gesang einen attraktiven Zeitgeist. **Gürbacas *Arabella*** hat nur noch entfernte Bezüge zum gestelzten, gepuderten **K.u.K.** des 19\. Jh.. Ihre spannende Inszenierung lebt lyrisch mitreißend im Alltag des 21\. Jh.; Ein sparsames Bühnenbild (**Henrik Ahr**), moderne, beschreibende Kostüme und ein darstellerisch prächtig eingestelltes Ensemble (Dramaturgie **Anne do Paco**). Zwei weiß-lackierte, den Rückraum der Bühne abdeckende Drehtüren bilden so wirbelndes Hotelleben ebenso ab wie die darin verarmt lebenden **Waldners*.* Das sehr sparsame Bühnenbild zwingt geradezu den Fokus des Besuchers auf Darstellung und Gesang der handelnden Akteure.

![Deutsche Oper am Rhein / Arabella Ensemble © Hans Jörg Michel](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/09/D%C3%BCsseldorf-Arabella-Ensemble_Hans-Joerg-Michel1.jpg "Deutsche Oper am Rhein / Arabella Ensemble © Hans Jörg Michel")

Deutsche Oper am Rhein / Arabella Ensemble © Hans Jörg Michel

Das Ensemble spielt so gut sichtbar auf der vorderen Bühne und singt, ein wohl eher unerwarteter Regie-Effekt der großen, lackierten Drehtüren, mit auffällig perfekter Akustik. **Strauss´** expressive Musik und **Hofmannsthals**´ duftig fragile Sprache wirken in dieser Inszenierung selten rein und frisch. Dort, im vorderen Bühnenabschnitt, wird zudem mitreißend gespielt, gesungen, belauscht, gehandelt. Und Spannung zeigt sich so schon mit Beginn der Oper und der Frage der ***Kartenaufschlägerin* (Romana Noack)** „ *Wie sind unsere Karten?“.*

![Deutsche Oper am Rhein / Arabella und Zdenka © Hans Jörg Michel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/09/rheinoper-arabella2-_2hans-joerg-michel.jpg "Deutsche Oper am Rhein / Arabella und Zdenka © Hans Jörg Michel")

Deutsche Oper am Rhein / Arabella und Zdenka © Hans Jörg Michel

Dirigent **Lukas Beikircher** führt die **Düsseldorfer Symphoniker** und Ensemble gewohnt präzise und lebendig. Die besondere Akustik dieser Inszenierung lässt jedoch gelegentlich die für **Strauss** so wesentliche instrumentale Feinfühligkeit – noch etwas - vermissen. Dafür jedoch glänzt das gesamte Ensemble mit kraftvoll lyrischen Stimmen und gutem Parlando: Die junge Amerikanerin **Jacquelyn Wagner** überzeugt in ihrem Debut als ernsthafte, distanzierte ***Arabella*** mit sicherem, jugendlich kraftvollem Sopran. Doch auch ihre Partner überzeugen ohne Ausnahme: **Anja-Nina Bahrmann** beherrscht ihre Partie als burschikoser Bruder alias Schwester **Zdenka** mit lyrisch differenzierender Stimme. **Simon Neal** als stets präsenter ***Mandryka***, **Corby Welsh** als verliebter wie leidender **Matteo** oder **Thorsten Grümbel** als intrigierender und profaner ***Theodor Graf Waldner*** leben ihre Partien mit Darstellungskraft und sicheren, wohltimbrierten Stimmen. Die drei, sich stets um **Arabella** bemühenden Grafen (**Jussi Myllys, Dmtri Vargin, Günes Gürle**) zeichnen in Reiteroutfits wiederum darstellerisch wie stimmlich großartig ein flaches Bild leichtlebigen Lebenswandels.

Die lebensnahe Sprache **Hofmannsthals** und die differenzierende Komposition **Strauss´** treffen ihrer stimmigen Gesamtheit von Inszenierung über Darstellung wie Gesang den modernen Zeitgeschmack: Anteilnahme, Betroffenheit, Mitgefühl werden beim Besucher angesprochen. Mit dieser **Arabella**\-Inszenierung besitzt die **Rheinoper** in Düsseldorf eine lebensnahe wie frische Produktion, welche in ihrer Modernität und Lebensfreude noch viele Besucher anziehen und begeistern wird.

***IOCO /*** Jarosch / 22.09.2015

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