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# Dresden, Semperoper, Staatskapelle Dresden würdigt George Enescu, IOCO Kritik, 04.09.2019
- URL: https://www.ioco.de/dresden-semperoper-staatskapelle-dresden-wuerdigt-george-enescu-ioco-kritik-04-09-2019/
- Published: 2019-09-04T07:00:28.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:57:59.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Pressemeldungen & Nachrichten, Premiere, Dresden

![semperoper_neu_2.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/semperoper_neu_2.jpg "Semperoper Dresden")

[Semperoper](https://www.semperoper.de/?ref=ioco.de)

![Semperoper © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/05/140_semperoper_matthias-creutzigerneu.jpg)

Semperoper © Matthias Creutziger

# **Staatskapelle Dresden würdigt George Enescu**

## **Laura Aikin singt *„Sept Chansons de Marot“***

von **Thomas Thielemann**

Die **Staatskapelle Dresden** ist für den 9\. September 2019 mit einem Konzert unter der Leitung seines Ersten Gastdirigenten **Myung-Whun Chung** zum ***Enescu-Festival*** in Bukarest eingeladen. Die amerikanische Sopranistin **Laura Aikin** wird dort **Georges Enescu**s *„Sept Chansons de Clément Marot“* op. 15 für Singstimme und Kammerensemble“ vortragen.

Gewissermaßen als Generalprobe für das Rumänische Gastspiel hat man am **2.9.2019** in der **Semperoper** im zweiten Abendkonzert der Saisoneröffnung das Rachmaninow-Klavierkonzert durch den **Enescu-**Liederzyklus und die Ouvertüre zum ***Freischütz*** ersetzt.

![Semperoper Dresden / Sächsische Staatskapelle © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/saechsische_staatskapelle_dresden_-_c__matthias_creutzigerneu.jpg)

Semperoper Dresden / Sächsische Staatskapelle © Matthias Creutziger

Für viele Musikinteressierte gilt **George Enescu** (1881-1955) als der bedeutendste rumänische Komponist. Er war aber vor allem ein gefragter Geiger und Dirigent. Sein eher kleines kompositorisches Schaffen ist vor allem einem impressionistischen und folkloristisch geprägten Neoklassizismus zuzuordnen, nachdem seine frühen Kompositionen von **Richard Wagner** und Franzosen seiner Zeit beeinflusst waren.

Aus dem reichen Schaffen des französischen Lyrikers **Clément Marot** (1496-1544) wählte Enescu 1908 sieben Gedichte in altfranzösischer Sprache aus, die das Liebesverlangen und die unerfüllte Liebe thematisierten. Der vom reformistischen Gedankengut **Martin Luthers** beeinflusste **Marot** lebte über längere Zeit am französischen Hofe, war aber ob seiner spöttischen Zunge und einem recht lockeren Lebenswandel mehrfach in die Mühlen der Justiz geraten. Das offenbar 1526 entstandene *„Ein Geschenk für Anne“* bezieht sich auf seine Verliebtheit in **Anne d´Alencon,** einer Nichte des damals bereits verstorbenen **Herzogs von Alencon.** Im zweiten Chanson *„Du machst mich weg“ singt er: „mehr zu sterben als mein Denken zu ändern“.* Das dritte Chanson *„An die Damen, die zu faul sind an ihre Freier zu schreiben“* zitiert: „*wenn du so rebellisch bist, Viel Glück, gute Nacht*“. Die weiteren ausgewählten Dichtungen „*Das Geschenk der Rose“, „Ein weißes Geschenk“, „Wechseln wir das Thema, es ist genug Liebesgesang“* und zur siebten „*Der Mann des Leidens“.*

**Enescu** fühlte sich **Marot** geistesverwandt, weil beide von unterschiedlichen Kulturen beeinflusst waren. Während **Enescu** von Einflüssen seiner Heimat Rumänien, von Wien und Paris geprägt war, inspirierten **Marot** italienische und französische Dichtungen seiner Zeit

![Staatskapelle Dresden / Myung-Whun Chung und die Staatskapelle © Matthias Creutziger ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/09/9789_chungneu.jpg)

Staatskapelle Dresden / Myung-Whun Chung und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Die musikalischen Umsetzungen der Gedichte reichen vom einfachen bis zum aufrichtig impressionistischen Stil. Sie präsentieren die Entwicklung der Geschmacks- und Stilvaribilität Enescus in seinen späten Jugendjahren. Es wird vermutet, dass **Enescu** jede der Vertonungen einem Künstler oder einer Künstlerin seines Umgangs gewidmet habe. So sei „*Ein weißes Geschenk“* der Sängerin **Maggie Teyte** von der Opera Comique, mit der Enescu 1906 eine Affäre hatte, zugedacht. Der mit einigem hintergründigen Humor bepackte Liederzyklus wurde 1908 in Paris uraufgeführt.

Mit ihrer anmutigen und beweglichen Sopranstimme bewegte sich **Laura Aikin** sicher durch die vielfältig strukturierten Texturen der doch unterschiedlichen Chanson-Vertonungen. Von rein und luftig reichten ihre Modulationen zu hart und kantig, aber immer mit klarem hellen Timbre. Fast mühelos meisterte Sie die Probleme des schwierigen Alt-Französisch. Ihre Interpretationen vereinigten Spritzigkeit mit Schwere und Reife. Sensibel und Eindrucksvoll wird der Gesang der Frau **Aikin** von einem Kammerensemble der Staatskapelle Dresden unter dem engagiert dirigierenden **Myung-Whun Chung** begleitet und unterstützt.

![Staatskapelle Dresden / Laura Aikin und die Staatskapelle © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/09/9593_lauro-aikin-matthias-creutziger-neu.jpg)

Staatskapelle Dresden / Laura Aikin und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Die nicht häufig im Konzertsaal zu hörenden Chansons wurden trotz der hervorragenden Leistungen der Interpreten vom Abonnenten-Publikum nur mit freundlichem Beifall bedacht. Offenbar war das Werk nur wenigen Besuchern bekannt gewesen. Auch war im Saal eine Vielzahl von Plätzen frei geblieben

Eingerahmt wurden die sieben Chansons nach Clément Marot von **Carl Maria von Webers** Ouvertüre zur Oper ***Der Freischütz*** und der zweiten Symphonie D-Dur op. 13 von **Johannes Brahms.**

Auch der Brahms-Symphonie folgte nur ein begrenzter Applaus. Rechte Begeisterung regte bei den Konzertbesuchern erst ein ***Ungarischer Tanz*** als Zugabe des Orchesters.

\---| IOCO Kritik Sächsische Staatskapelle Dresden |---