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# Dresden, Semperoper, Saisoneröffnung mit Mahler Jugendorchester, IOCO Kritik, 31.08.2020
- URL: https://www.ioco.de/dresden-semperoper-saisoneroeffnung-mit-mahler-jugendorchester-ioco-kritik-31-08-2020/
- Published: 2020-08-31T15:00:02.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:04:24.000Z
- Author: Thomas Thielemann
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Deutsche Oper am Rhein, Pressemeldungen & Nachrichten, Premiere, Dresden

![Semperoper in Dresden © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/08/semperoper-daemmerung-matthias-creuriger.jpg)

Semperoper in Dresden © Matthias Creutziger

# **Gustav Mahler Jugendorchester - Othmar Schoeck, Franz Schubert**

von **Thomas Thielemann**

Ungeachtet der erheblichen Einschränkungen des Kulturlebens, wurde die Dresdner Gepflogenheit, die **Saison** in der**[ Dresdner Semperoper](https://www.semperoper.de/?ref=ioco.de)** mit dem [**Gustav Mahler Jugendorchester** ](https://www.staatskapelle-dresden.de/partner/gustav-mahler-jugendorchester/?ref=ioco.de)zu eröffnen, auch für die Spielzeit 2020/21 beibehalten. Begreiflicherweise waren erhebliche Programm- und Besetzungsänderungen erforderlich, um trotzdem ein niveauvolles Konzert zu bieten. In erster Linie waren die Kooperationsbeziehungen zur [**Sächsischen Staatskapelle** ](https://www.staatskapelle-dresden.de/?ref=ioco.de)mit dem Einsatz von 26 Kapellmitgliedern und Akademisten zu konkretisierten. Auch gelang es, für die Begleitung der Darbietung von **Othmar Schoecks** Liederfolge ***Elegie,*** den durch frühere Zusammenarbeit dem Jugendorchester den verbundenen Bariton **Christian Gerhaher** zu gewinnen.

Der Schweizer Komponist und Dirigent [**Othmar Schoeck** ](https://en.wikipedia.org/wiki/Othmar%5FSchoeck?ref=ioco.de)(1886-1957) ist unter anderem bei Max Reger in Leipzig ausgebildet worden. In Dresden brachte er seine wichtigsten Bühnenwerke **Penthesilea** 1927 und **Massimilla Doni** 1937 zur Uraufführung.

![ Semperoper Dresden / hier Dirigent Duncan Ward und Christian Gerhaher © Oliver Killig](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/08/mini_ward_gehaher_2_c_oliver_killigneu.jpg)

Semperoper Dresden / hier Dirigent Duncan Ward und Christian Gerhaher © Oliver Killig

**Schoeck** wird vor allem als einer der bedeutendsten Liedkomponisten des 20\. Jahrhunderts geschätzt. Sein 1923 geschaffenes Opus 36 ***Elegie*** entstand in einer Zeit seines tiefen Liebeskummers zunächst mit Texten von[ **Nikolaus Lenau**](https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus%5FLenau?ref=ioco.de) (1802-1850). Den düsteren **Lenau**\-Liedern fügte er später Kompositionen nach Gedichten von **[Joseph von Eichendorff](https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph%5Fvon%5FEichendorff?ref=ioco.de)** (1788-1857) zu, um den Zyklus etwas „aufzuhellen“. Mit der Naturverbundenheit und Melancholie fühlte sich der Komponist auf das innigste verbunden. Mit der durchdachten Instrumentierung und dem Einsatz der Stimme erzeugt Schoeck beim Publikum bewegende Stimmungen, vorausgesetzt die Zuhörer lassen sich auf das Fehlen spektakulärer Momente ein. **Schoeck** zwingt den Sänger geradezu zur Bescheidenheit und fordert vom Auditorium einen gewissen intellektuellen Einsatz, so dass sich die **Elegie** den meisten Konzertbesuchern bei der ersten Begegnung wohl kaum erschlossen hat. Deshalb empfand ich die Wahl des fast einstündigen Werkes für ein Jugendorchester-Konzertes etwas gewagt.

![ Semperoper Dresden / hier : Christian Gerhaher © Oliver Killig](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/08/mini_gerhaher_c_oliver_killig1-neu.jpg)

Semperoper Dresden / hier : Christian Gerhaher © Oliver Killig

So einfühlsam, fantasieintensiv und zugleich energievoll wie von **Christian Gerhaher,** hört man die Lieder selten. Mit betont heller Stimmführung vermied er das Deklamierende und sang nuancenreich und fantasievoll. Die begrenzte Orchesterbegleitung, Flöte, Englischhorn, zwei Klarinetten, Horn, Schlagzeug, Klavier und Streicher, erlaubte ihm, die Melancholie der Komposition voll zur Geltung zu bringen. Das Verträumte, die Innenschau und ruhige Trauer liegt **Gerhaher**, wobei er durchaus auch dramatisch mit strahlender Stimme auffahren kann. Obwohl die Gedichte von **Lenau** und **Eichendorff** nicht unmittelbar zusammenhängen, gelang es dem Dirigenten **Duncan Ward** mit dem Kammerensemble, eine wirklich konkrete Abfolge der psychischen Zustände des Erzählenden zu schaffen.

Sanft, mit **Eichendorffs** *„Wehmut“* eröffnet, folgt **Nikolaus Lenaus** deprimierender *„Liebesfrühling“.* Mit *„Stille Sicherheit“* und „*Frage nicht“* taucht mehrfach auf, warum die Liebe zerbrochen sei. Dazu treten mit *„Warnung und Wunsch“* Gedanken auf ein mögliches Handeln zum Retten der Beziehung auf, flackern mit **Lenaus** „*Waldgang“* und *„An den Wind“* Hoffnungen. Ein ständiger Wechsel zwischen Rückbesinnungen, Niedergeschlagenheiten, angedachten Aktivitäten und Hoffnungen bis sich der Protagonist sich im „*Der Einsame“* (nach **Eichendorffs**  „*Der Einsiedler)* in sein Schicksal fügt.

Der britische Dirigent **Duncan Ward** (geboren 1989) wollte ursprünglich sein Debüt bei der Staatskapelle im März diesen Jahres geben. Nun konnte er den Dresdnern zeigen, wie exponiert und brillant er mit einem reduzierten Orchester prachtvolle Wirkungen erreichen kann.

![Semperoper Drseden / hier : Gustav Mahler Jugendorchester und Dirigent Duncan Ward © Oliver Killig](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/08/mini_gmjo_ssd_ward_2_c_oliver_killigneu.jpg)

Semperoper Drseden / hier : Gustav Mahler Jugendorchester und Dirigent Duncan Ward © Oliver Killig

Auch mit **Schuberts** **5\. Symphonie** bot **Ward** im zweiten Konzert-Teil feine Nuancen und Transparenz. **Franz Schubert** (1797-1828) komponierte die *D-Dur-Symphonie* im Herbst des Jahres 1816, nach dem etwas missglückten Versuch, sich mit einer c-Moll-Symphonie Beethoven zu nähern. Der 19-jährige **Schubert** begriff offenbar selbst, dass er mit seiner Vierten statt einer tragischen, eine pathetische Komposition geschaffen hatte. Mit seiner Fünften schuf er mit einem ganz eigenen Tonfall und ihrer unbeschwerten Melodik sein bekanntestes kleines Orchesterwerk. Jugendliche Unbekümmertheit kombiniert mit künstlerischer Reife lassen das Werk gleichberechtigt zwischen **Mozart, Haydn** und **Mendelssohn** stehen. **Duncan Ward** gewinnt mit der sparsamen Orchesterbesetzung einen beeindruckenden Klangreichtum, bewegliche Transparenz sowie feine Nuancen und gibt damit dieser Musik ihre Jugendlichkeit zurück. Besonders gefiel, wie Ward mit seinem körperbetonten Dirigat das Menuetto zur Geltung bringen konnte.

Ich hätte für den Programmgestalter keinen Vorschlag, welche Musik er der hochemotionalen Elegie-Interpretation **Christian Gerherhars** ohne Pause hätte folgen lassen können, ohne deren Wirkung zu beeinträchtigen. Für mich war der Wechsel von der Nachwirkung der **Elegie** ohne Pause zu **Schuberts** fröhlicher Musik äußerst problematisch und ich habe in meinen Empfindungen den Hauptanteil des **Schubertschen** Allegro noch bei **Schoeck** zugebracht.

\---| IOCO Kritik Semperoper Dresden |---