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# Dresden, Semperoper, Saisoneröffnung - Große Emotionen bei reduziertem Programm, IOCO Kritik, 31.08.2020
- URL: https://www.ioco.de/dresden-semperoper-saisoneroeffnung-grosse-emotionen-bei-reduziertem-programm-ioco-kritik-31-08-2020/
- Published: 2020-08-31T16:00:47.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:04:24.000Z
- Author: Thomas Thielemann
- Tags: Liederabend, Kritiken, SemperOper, Konzert & Liederabend, Dresden

![Semperoper in Dresden © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/08/semperoper_dresen_bei-daemmerung-c-semperoper-creuzinger.jpg)

Semperoper in Dresden © Matthias Creutziger

# **Saisoneröffnung - Sächsische Staatskapelle,** **Christian Thielemann, Anja Kampe**

**Große Emotionen mit reduziertem Programm** 

von **Thomas Thielemann**

Für das erste *„Variations-Symphoniekonzert“* der **Sächsischen Staatskapelle Dresden** der Saison 2020/21 ist die Thüringerin **Anja Kampe** in jene Stadt gekommen, in der sie den größeren Teil ihres Gesangsstudiums absolvierte, um unter der musikalischen Leitung von **Christian Thielemann** die **Wesendonck-Lieder** von **Richard Wagner** zu singen.

Nun ist die etwas verquirlte Geschichte um die Vertonung der Gedichte von **Mathilde Wesendonck** hinreichend publiziert worden, so dass ich mich auf die Konzerteindrücke konzentrieren möchte. Ursprünglich als eine Art Studie für eine Frauenstimme und Klavier komponiert, hatte der Wagner-Bewunderer **Felix Mottl** eine Fassung für großes Orchester geschaffen. Trotz der gegenüber einer *„Tristan-Aufführung“* auf 54 Musiker reduzierten Orchesterbesetzung, gelingt es **Christian Thielemann,** musikalische Höhepunkte zu schaffen und endlich wieder einmal einen kompakten Eindruck von **Wagner** ins Haus zu zaubern. Auch wirken die Gedichte der **Mathilde Wesendonck** ohnehin, als seien sie aus den Texten der Musikdramen des Komponisten extrahiert. Dank der Orchesterbearbeitung Mottls gewannen die Lieder Struktur, und so konnte **Anja Kampe** mit ihrem von *„Tristan-Harmonien“* ahnungsvoll durchzogenem Gesang die Zuhörer berühren und die Begabung und Leuchtkraft ihrer Stimme zur Geltung zu bringen. Ohne Forcieren und mit unaufdringlichem Charisma konnte sie ihre reichen **Isolde-**Erfahrungen einsetzen.

![ Semperoper / Sächsische Staatskapelle mit Christian Thielemann © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/08/mini_0881a_thielemannneu.jpg)

Semperoper / Sächsische Staatskapelle mit Christian Thielemann © Matthias Creutziger

Mit „*Der Engel“* beginnen der einfühlsame Dirigent und die Sängerin den Zyklus zunächst geradlinig, schlicht, lassen Orchestermusik und Stimme lyrisch-sanft fließen. Mit dem *„Stehe still“* durfte dann das Brausen der Zeit wilder aufrauschen, ohne dass sich der Gleichklang von Solistin und Orchester verlieren. Die als Studie für den **Tristan** ausgewiesene Komposition *„Im Treibhaus“* vermittelte bereits mit leisen ahnungsvollen Tönen das hypnotisch, schwebende des Vorspiels zum dritten Akt des Musikdramas. Mit *„Schmerzen“* ließen die Interpreten den Sonnenauf- und –untergang, die Beziehung von Leben und Tod aufklingen, während mit *„Träume“* noch einmal die Visionen des **Tristan** herauf beschworen wurden.

Die emotional beeindrucken Wagner-Orchesterliederwurden, gewissermaßen als Auftakt des **Richard-Strauss-Zyklus** der **Staatskapelle,** von dessen Werken ein gerahmt. Zur Einstimmung hörten wir aus der **Strauss**\-Oper ***Ariadne auf Naxos*** die Ouvertüre und eine für kleines Orchester bearbeitete Tanzszene, die bereits den Eindruck vermitteln, dass es für seine Musik nicht unbedingt der großen Orchesterbesetzung bedarf, um emotionale Wirkungen zu erzielen.

![ Semperoper / Sächsische Staatskapelle mit dem Klarinettisten Wolfram Große (l) und dem Fagotistten Philipp Zeller, sowie Christian Thielemann © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/08/mini_7225_grosse_thielemann_zellerneu.jpg)

Semperoper / Sächsische Staatskapelle mit dem Klarinettisten Wolfram Große (l) und dem Fagotistten Philipp Zeller, sowie Christian Thielemann © Matthias Creutziger

Dem **Ariadne-**Auftakt folgte das *„Duett Concertino für Klavier und Fagott“* mit Streichorchester und Harfe F-Dur Trenner-Verzeichnis 293; von **Richard Strauss** in den Jahren 1946 und 1947 geschrieben. Die Komposition ist **Hugo Burghauser** (1896-1982) gewidmet, der von 1919 bis 1938 Erster-Fagottist und ab 1932 etwas umstrittener gewählter Orchestervorstand der **Wiener Philharmoniker** war. **Burghauser** hatte sich zwar 1938 von seiner jüdischen Frau getrennt, verließ aber Österreich wegen seiner Nähe zum Austro-Faschismus. Mit **Strauss** war er befreundet, hatte gute Verbindungen zu **Toscanini** und galt als umgänglicher etwas brummiger Mensch.

Mit diesem letzten, im Dezember 1947 fertiggestellten Instrumentalwerk, schickte uns Strauss auf eine kurzweilige Reise in eine reine Welt von Märchenschönheiten, die der Altmeister mit musikalischem Augenzwinkern garnierte: ein Bär, das Fagott, umwirbt eine Prinzessin, nämlich die Klarinette. Zunächst vergeblich, aber erst als die Prinzessin mit dem Bären auch tanzt, verwandelt sich dieser in einen Prinzen. *„Am Ende wirst auch du ein Prinz und lebst glücklich bis ans Ende…*“ schrieb **Strauss** dem Widmungsträger.

![Semperoper / Sächsische Staatskapelle mit Anja Kampe, Christian Thielemann © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/08/mini_7328_kampe_thielemann-1neu.jpg)

Semperoper / Sächsische Staatskapelle mit Anja Kampe, Christian Thielemann © Matthias Creutziger

Die virtuosen Solisten **Wolfram Große,** seit 1999 Soloklarinettist der **Staatskapelle** und **Philipp Zeller**, seit 2015 Solofagottist des Orchesters, packten mit herzhaftem Zugriff und betörendem Schmelz die Partitur und schufen, unterstützt von einem großartigen Orchester, eine schwelgerische Klangmalerei. Nicht zuletzt ihre Lust an technischen Spielereien machte die Darbietung des dreisätzigen Werkes zum besonderen Erlebnis.

Dem Lieder-Block schloss sich mit den *„Metamorphosen für 23 Solostreicher“* aus dem Jahre 1945 ein weiteres Alterswerk des Komponisten an. **Richard Strauss** sah diese Arbeit als traurige Elegie für die Zerstörung der deutschen Kultur im Zweiten Weltkrieg. *„Mein schönes Dresden-Weimar-München, alles dahin“* klagte der 81-jährige.

Vom Beginn der Metamorphosen an wurden wir von der spätromantischen üppigen Melodiensprache des **Richard Strauss** erfasst und von der intimen Interpretation eingefangen. **Christian Thielemann** führte den Bogen der Komposition nahtlos von der düsteren Eröffnung zu einem majestätischen Gipfel und wieder zurück. Die vielschichtigen Überlagerungen der Stimmen zauberten einen faszinierend-suggestiven dichten Klangteppich in den Raum, der Resignation und Niedergeschlagenheit eigentlich nicht aufkommen ließ. Präzise präsentierten sich die hervorragenden 23 Streicher, von denen sich jeder in einen Solopart zu bewähren hatte. Wieder einmal führte **Christian Thielemann** vor, über welches Potential hervorragender Streicher die **Sächsische Staatskapelle** verfügt.

**Der heftige und langandauernde Applaus ließ fast vergessen, dass im Haus nur ein mäßiger Teil der Plätze besetzt war**

\---| IOCO Kritik Semperoper Dresden |---