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# Dresden, Semperoper, Die Meistersinger von Nürnberg - Richard Wagner, IOCO Kritik, 30.01.2020
- URL: https://www.ioco.de/dresden-semperoper-die-meistersinger-von-nuernberg-richard-wagner-ioco-kritik-30-01-2020/
- Published: 2020-01-30T15:00:33.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:01:10.000Z
- Author: Thomas Thielemann
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Premiere, Dresden

![saechs_staatskapelle.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/saechs_staatskapelle.jpg "Sächsische Staatskapelle Dresden")

[Sächsische Staatskapelle Dresden](http://www.staatskapelle-dresden.de/?ref=ioco.de)

[Semperoper](https://www.semperoper.de/?ref=ioco.de)

![Semperoper © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/05/140_semperoper_matthias-creutzigerneu.jpg)

Semperoper © Matthias Creutziger

# ***Die Meistersinger von Nürnberg* \- Richard Wagner**

## ***Von den Salzburger Osterfestspielen nach Dresden - Regie Jens-Daniel Herzog***

von **Thomas Thielemann**

Nach der Vollendung der Partitur seiner Oper ***Tannhäuser*** stieg am 3\. Juli 1845 der Dresdner Hofkapellmeister **Richard Wagner** mit Frau, Hund, Papagei und jeder Menge Lektüre über die deutsche Literaturgeschichte in der Pension *„Zum Kleeblatt“* im böhmischen Marienbad zum Zwecke eines längeren Kuraufenthalts ab. Ob es nun die Leere nach Abschluss der Komposition war, jedenfalls fand Wagner in den Badewannen und bei den Liegekuren keine Ruhe. Er erinnerte sich eines unklaren ***Lohengrin-***Konzepts seiner Pariser Jahre und der Beschäftigung in Onkel Adolfs Bibliothek mit der Meistersinger-Tradition der Nürnberger Handwerker-Gilden. Neben einer ***Lohengrin-***Dichtung entstanden in Marienbad drei Akte eines heiteren Satyrspiels über die **Meistersinger von Nürnberg** als eine gewisse Kompensation zur Arbeit am mystischen Tannhäuser. Dieser erste Entwurf basierte auf Wagners Begeisterung für die altdeutsche Art und Kunst. Auch begrenzte er seine Aussage auf eine ironische Betrachtung des Formalen im Künstlerischen und ließ das Stück mit einer Prügelei abschließen.

****Meistersinger - Dirigent Christian Thielemann führt ein**youtube Trailer Semperoper **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Der Stoff blieb dann liegen, weil **Wagner** weiter am Lohengrin arbeitete, sowie 1846 Skizzen zu einem Barbarossa-Drama und einem Drama über Alexander dem Großen erarbeitete. Aus dem Alexander-Stoff sei dann, weil die Ermordung eines Getreuen des Albaners ihn an die Nibelungengen-Sage erinnerte, ***Siegfrieds Tod*** und damit später der **Ring des Nibelungen** abgeleitet worden.

Erst im Oktober 1861, also mitten in den *„Tristan-Kalamitäten“,* begann **Richard Wagner** während eines Aufenthaltes in Wien, den ***Meistersinger***\-Stoff wieder aufzunehmen. Als Gegenentwurf zur Dresdner Satire war der Verzichtsaspekt zum zentralen Thema geworden. Bereits im Dezember 1861 konnte er den Prosaentwurf vorlegen. Die Komposition erfolgte ab 1862, auch wegen der wechselnden Lebensumstände, ziemlich unsystematisch und regelrecht wie die Herstellung eines Flickenteppich. Trotzdem war 1866 der erste Aufzug, wenn auch lückenhaft vollendet. Erst in der Tribschen-Zeit arbeitete **Wagner** intensiver an der Fertigstellung der Komposition, so dass er am 24\. Oktober 1869 die Partitur abgeschlossen vorlegen konnte.

In seiner **Meistersinger-**Inszenierung der **Osterfestspiele 2019** in Salzburg baute **Jens-Daniel Herzog** das Portal der **Semperoper** auf der Bühne des **Festspielhauses** auf und präsentierte die Wagner-Oper als "***Theater auf dem Theater".*** Dabei bezieht er neben der Heimat der **Dresdner Staatskapelle** auch Anklänge an sein Nürnberger Haus ein.

![Semperoper Dresden / Die Meistersinger von Nürnberg - hier : Georg Zeppenfeld als Hans Sachs, Klaus Florian Vogt als Walther von Stolzing © Semperoper Dresden / Ludwig Olah](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/meistersinger_0600neu.jpg)

Semperoper Dresden / Die Meistersinger von Nürnberg - hier : Georg Zeppenfeld als Hans Sachs, Klaus Florian Vogt als Walther von Stolzing © Semperoper Dresden / Ludwig Olah

Dieses Prinzip behielt **Herzog** auch bei seiner Adaption der Osterfestspiel-Arbeit in die **Semperoper** bei, bot somit Regietheater im eigenen Saft. ***Hans Sachs,*** bzw. sein „Darsteller“, firmiert dabei im Wechsel als Intendant, Regisseur, Beleuchter, aber hin und wieder als Schuster oder ***Meistersinger.*** Ich glaube, sogar Rückgriffe **Herzogs** auf frühere Dresdner **Meistersinger**\-Inszenierungen erkannt zu haben.

Da der Regisseur sich in seinem Metier befunden hat, fiel es ihm leicht, ein lockeres Kammerspiel auf die Bühne zu bringen. So können die Agierenden mal in historischen Kostümen, mal in Alltagskleidung auftreten. Selbst in der grenzwertigen Festwiese habe ich die Stimmung selbst erlebter Dorffeste im Nordhessischen wieder gefunden. Nahezu unpolitisch bringt die Regie den hochpolitischen Text auf die Bühne.

Statt des Welttheaters wurde aber musikalisches Weltklasse-Theater geboten, so dass **Jens-Daniel Herzog** dem eher konservativen Dresdner Operngängern und ihren Stammgästen doch weitgehend entgegen gekommen war. Das musikalische Gerüst boten die hervorragenden Musiker der Staatskapelle mit einem konzentrierten sängerfreundlichen Dirigat **Christian Thielemanns.** Eine wunderbare Klangbalance, Esprit, Vitalität und die Buchstabierung der schönsten Stellen bestimmten die musikalische Dramaturgie der Premiere. Dabei wurden die Streicher gelegentlich bis an die Grenze der Hörbarkeit zurück genommen.

![Semperoper Dresden / Die Meistersinger von Nürnberg - hier : Ensemble © Semperoper Dresden / Ludwig Olah](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/t-4-neu.jpg)

Semperoper Dresden / Die Meistersinger von Nürnberg - hier : Ensemble © Semperoper Dresden / Ludwig Olah

Die hervorragende Riege der Gesangssolisten führte **Georg Zeppenfeld** als ein eher intellektueller **Hans Sachs** an. Zwar von allen geachtet und geschätzt, zeigte er sich innerlich zerrissen auf der Suche nach Größerem. Seine Spielfreude, der unangestrengte Glanz seiner Stimme und die hervorragende Wortverständlichkeit machten jeden Moment seiner Auftritte zur Freude. Unvergessen wird sein Fliedermonolog bleiben. Seinen Gegenspieler, den Stadtschreiber **Sixtus Beckmesser,** demütigt er nicht und verzichtet berührend auf eine Werbung um die Tochter Eva seines Freundes **Veit Pogner.**

Den **Walther von Stolzing**  sang und spielte **Klaus Florian Vogt** mit heller, samtig leuchtender Stimme, guter Textverständlichkeit und jugendlich schnöseligem Auftreten. **Camilla Nylund** bot eine selbstbewusste großartig-stimmschöne ***Eva,*** die damit die Rolle aus ihrer Passivität herausholte und eine liebenswerte Persönlichkeit gestaltete**. Adrian Eröd** war ein nobler **Sixtus Beckmesser,** fern jeder Judenkarikatur, mit leichtem schönem Bariton ausgestattet.

Eine besondere Pracht waren die übrigen ***Meistersinger-***Besetzungen. Großartig war der Goldschmied **Veit Pogner** von **Vitalij Kowaljow,** der mit seinem dunklen Bass die notwendige Autorität ausstrahlte. **Markus Miesenberger, Iurie Ciobanu, Patrik Vogel** und **Beomjin Kim** verkörperten mit sicheren Tenorstimmen den Zinngießer **Balthasar Zorn,** den Kürschner **Kunz Vogelsang,** den Würzkrämer **Ulrich Eißlinger** sowie den Schneider **August Moser.** Des Weiteren verkörperten **Günter Haumer** den Spengler ***Konrad Nachtigall,* Oliver Zwarg** den Bäcker ***Fritz Kortner,* Rupert Grössinger** den Seifensieder **Hermann Ortel** und **Christian Hübner** den Strumpfwirker **Hans Schwarz.**

****Meistersinger - Georg Zeppenfeld führt ein**youtube Trailer Semperoper **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Hinter dieser opulenten Sängerriege müssen sich der souveräne **Sebastian Kohlhepp** mit seinem leicht abgedunkelten Tenor als **David,** die zuverlässige **Christa Mayer** mit ihrer in der Höhe brillanten und in der Tiefe angenehmen Stimme als **Magdalena** sowie der Bassist **Alexander Kiechle** als **Nachtwächter** auf keinen Fall verstecken. Vital und feurig agierte der **Staatsopern-Chor** auf der Festwiese und mit dem „*Wach auf“.*

Eine Bemerkung noch zum Vergleich mit der Vorstellung im **Salzburger Festspielhaus:** Die **Staatskapelle** mit dem Dirigat von **Christian Thielemann** hört sich im **Semperbau** eleganter und kompakter als im gewöhnungsbedürftigen Salzburger Festspielhaus an. Es bleibt doch deutlich, dass ihr *„Dresdner Klang“* sich aus den akustischen Bedingungen des Hauses entwickelt hat. Auch der Eindruck des Gesangs erscheint unmittelbarer. Deshalb wäre eine Verpflanzung der Osterfestspiele der Staatskapelle nach Dresden ab 2023 zumindest für den Klang der Opernaufführungen ein ästhetischer Gewinn.

\---| IOCO Kritik Semperoper Dresden |---