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# Dresden, Semperoper, Die Großherzogin von Gerolstein - Jacques Offenbach, IOCO Kritik, 03.03.2020
- URL: https://www.ioco.de/dresden-semperoper-die-grossherzogin-von-gerolstein-jacques-offenbach-ioco-kritik-03-03-2020/
- Published: 2020-03-03T08:00:32.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:01:57.000Z
- Author: Thomas Thielemann
- Tags: Oper & Operette, Orchester, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Dresden

![saechs_staatskapelle.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/saechs_staatskapelle.jpg "Sächsische Staatskapelle Dresden")

[Sächsische Staatskapelle Dresden](http://www.staatskapelle-dresden.de/?ref=ioco.de)

[Semperoper](https://www.semperoper.de/?ref=ioco.de)

![Semperoper © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/05/140_semperoper_matthias-creutzigerneu.jpg)

Semperoper © Matthias Creutziger

***Die Großherzogin von Gerolstein* \- Jacques Offenbach**

**Josef E. Köpplinger: Gerolstein ist überall**

von **Thomas Thielemann**

![Jacques Offenbach in Montmartre © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/12/paris-jacques-offenbach-grab-in-montmartre-c-ioconeuneu.jpg)

Jacques Offenbach in Montmartre © IOCO

**Isaac Juda Eberst** (1780-1850), Kantor, Komponist und Dichter aus Offenbach, war ein energischer Mann: als sein 1819 in Köln geborener Sohn **Jakob** musikalisches Talent zeigte, reiste er 1833 mit ihm nach Paris, bis der junge Mann am 30\. November 1833 in die Cello-Klasse des ***Conservatoire national de musique et de déclamation*** aufgenommen worden war. Offenbar befriedigte **Jakob** aber der Unterricht bei **Olive-Charlier Vaslin** (1794-1889) nicht; er verließ das Konservatorium ohne Abschluss, nannte sich fortan **Jacques Offenbach** und nahm Kompositionsunterricht bei **Jacques Fromental Halévy** (1799-1862). Etwas Geld verdiente er von 1835 bis 1837 als Orchestermusiker der Pariser **Opéra Comique** und spielte dabei massenhaft **Rossini-**Opern. Dabei hörte der Cellist von **Rossini** ab, was beim Publikum ankommt. So hat **Offenbach** im Orchestergraben auch ein wenig von **Rossini** das Komponieren erlernt. Daneben mischte er mit seinen Instrument die Pariser Salons auf, galt bald als der **Paganini des Cellos** und komponierte schon Romanzen, Walzer, Salonstücke und erste kleinere Bühnenwerke.

****Making of ... Die Großherzogin - Einführung von Josef Köpplinger**youtube Trailer Semperoper **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Parallel zur Pariser Weltausstellung 1855 mietete er ein eigenes ***Théatre des Bouffes-Parisiens***, in dem er mit großem Erfolg ***Die beiden Blinden*** aufführte, denen kurzfristig sieben weitere Uraufführungen folgten. Neben konzertanten Werken, Balletten und Opern hat **Offenbach** im Laufe der Jahre 102 Operetten komponiert. Anlässlich der Pariser Weltausstellung 1867 platzierte er an drei Pariser Theatern je eine neue Kompositionen. Darunter im **Théatre des Variétés** sein Erfolgsstück **La Grande-Duchesse de Gérolstein.**

Obwohl sich **Offenbach** politisch offenbar nie betätigte, sowie sich auch kaum über die Politik von **Napoleon III.** öffentlich geäußert hat, fielen ihm doch die militärischen Ambitionen seines Gastlandes auf. So nutzte er auch seinen Beitrag zur Weltausstellung zur Verspottung alles Militärischen. Würzte das mit einer Satire auf das Günstlingswesen, ergänzte es mit etwas Herz-Schmerz und packte eine gewaltige Menge Frivolität auf die „Großherzogin von Gerolstein“. Mit ihrem Schwung und ihrem Witz der Dialoge von **Henri Meilhac** (1831-1897) sowie **Ludovic Halévy** (1834-1908) hat die freche Komödie als Spiegelbild gesellschaftlicher Verhältnisse selbst in unserer Zeit ihre Aktualität nicht verloren.

![Semperoper Dresden / Die Großherzogin von Gerolstein © Ludwig Olah](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/03/mini_gerolstein_gp_001neu.jpg)

Semperoper Dresden / Die Großherzogin von Gerolstein © Ludwig Olah

Die **Semperoper** gewann für eine Inszenierung der Operette auf der Opernbühne einen Spezialisten für unterhaltsames Musiktheater **Josef E Köpplinger, Intendant**  des Münchner **Gärtnerplatztheater. Köpplinger** hatte wenig Skrupel, in den Texten aktualisierte Momente ein zu bauen und die Handlung mit neuen Personen und ergänzenden Handlungsfäden anzureichern. Er entfacht dabei ein abwechslungsreiches Spektakel und gibt die großen Ideale zwischen Liebe, Treue, und Staatsraison der Lächerlichkeit preis. Die musikalische Leitung übertrug die Intendanz dem seit seiner Iphigenien-Arbeit im vergangenen Jahr im Hause bestens eingeführten britischen Dirigenten **Jonathan Darlington.**

Den Musikern der **Staatskapelle** machte die Wiedergabe der prägnanten schmissigen Musik **Offenbachs** offenbar gewaltige Freude, so dass durchaus auch mal eine Abweichung vom weichen Dresdner Klang riskiert wurde. Darlington hatte die Kapelle im Graben etwas höher gesetzt, so dass deutlich mehr Direktschall in den Zuschauerraum drang. Schon damit war der gewohnte Klangrausch des Hauses „zerstört“ und es hörte sich doch etwas „operettisch“ an. Das Bühnenbild des **Johannes Leiacker**  beschränkte sich fast ausschließlich auf beeindruckende Rundhorizont-Malereien. Nur wenige Requisiten störten Spieler und Tänzer bei ihren quirligen Aktionen.

Die Wirtschaft im **Großherzogtum Gerolstein** befindet sich in einer tiefen Krise und wird eigentlich nur von einem fragilen Fremdenverkehr am Leben gehalten. Deshalb begann auch die Vorstellung mit einem Touristen-Werbefilm. Der Touristenbetreuer, gespielt von Josef Ellers, sichert das Bruttosozialprodukt des Landes. Deshalb lockerte er an den zum Teil „unpassendsten Stellen“ mit seinen Gästeführungen das Bühnengeschehen auf.

****Making of ... Die Großherzogin - Einführung von Anne Schwanewilms**youtube Trailer Semperoper **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Die Koalitionäre des Großherzogtums, der **Baron Grog,** die Haushofmeisteri**n Erusine von Nepumukka** und der **General Bumm,** haben die Sorge, ihre unverheiratete Großherzogin könnte sich aus langer Weile in das politische Geschehen einmischen und ihre Machenschaften einschränken. Die **Großherzogin** wurde von der großartigen **Anne Schwanewilms** verkörpert. Für die Gesangspartien setzte sie ihren weichen, leichtverhangenen Sopran ein, so wie wir sie kennen. Mit viel Selbstironie meistert sie die Gratwanderung zwischen Würde und Peinlichkeiten mit einer tollen Bühnenpräsenz. Aber es blieb der Eindruck, dass Frau **Schwilms** bisher mehr **Wagner, Strauss** und wenig **Offenbach** verkörpert hatte. Trotzdem: Unsere volle Anerkennung.

Eine „*Herrscherin“* zu verheiraten, erweist sich auch nicht problemlos, da der ins Land geholte Heiratskandidat sich als nicht so recht geeignet erweist. Denn der von den Höflingen für die Großfürstin vorgesehenen **Bräutigam-Prinz Paul** ist der mit reichlichen Profilneurosen ausgerüstete Tenor **Daniel Prohaska.**

![Semperoper Dresden / Die Großherzogin von Gerolstein © Ludwig Olah](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/03/mini_gerolstein_gp_089neu.jpg)

Semperoper Dresden / Die Großherzogin von Gerolstein © Ludwig Olah

Ein noch immer erfolgreiches Rezept bleibt deshalb, dass innenpolitische Probleme mit militärischen Mitteln gelöst werden. Der bewährte Charakterbariton **Martin Winkler** bewies als **General Bumm** seine Wandlungsfähigkeit. Mit großer Stimme lässt er auch mit seiner maulheldenhafter Art seiner Lust freien Lauf. Bei der Truppenparade verguckt sich allerdings die **Großherzogin** spontan in den **Soldaten Fritz** und überträgt ihm, zum Leidwesen der Koalition, das Kommando für einen Waffengang mit einem Nachbarländchen. In seinem Semperoper-Debüt gibt **Maximilian Mayer** vom Gärtnerplatz-Theater den schmucken, etwas begriffsstutzigen **Soldaten Fritz,** präzise, ausdrucksstark mit einem klaren schmiegsamen Tenor.

Dank einer List ist das „Krieglein“ für **Gerolstein** erfolgreich und **Fritz** könnte **Großherzog** werden. Aber da meldet des **Fritzen** Verlobte **Wanda** ihre älteren Ansprüche an und obsiegt nach einigen Verwicklungen. Mit einer hübschen, leichten Sopranstimme agiert energisch als seine Verlobte Wanda Katarina von Bennigsen vom Hausensemble. Den Möchtegernstaatsmann **Baron Grog** spielte **Martin-Jan Nijhof** mit instinktiver Sicherheit. Ihm zur Seite der Baron Puck von Jürgen Müller.

Als **Haushofmeisterin** der **Großherzogin** und Hauptintrigantin **Erusine von Nepomukka** erwies sich die die Österreicher Kabarettistin **Sigrid Hauser** als ein Schwergewicht der Inszenierung. Mit der tragenden Rolle des Fremdenführers hielt **Josef Ellers** das Bühnengeschehen zusammen, indem er an den unpassendsten Stellen seine Schützlinge in die Szene führte. Der souveräne Chor, sowie vor allem das Ballett mit tollen Can Can-Einlagen und vor allem dem Siegestanz der Soldaten halfen die Vorstellung zu einem temporeichen Abend zu gestalten.

Nicht alle Besucher des üblichen Semperoper-Premierenpublikums teilten meine Begeisterung. Es bleibt aber zu hoffen, dass die Inszenierung über längere Zeit das „DD-Touristen-Repertoire“ nicht nur bereichert, sondern zu einem Zugpferd wird.

**Die Großherzogin von Gerolstein** an der **Semperoper;** die nächsten Termine 3.3.; 6.3.; 20.3.; 24.3.; 26.3.; 1.7.; 7.7.2020

\---| IOCO Kritik Semperoper Dresden |---