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# Dresden, Semperoper, Das Land des Lächelns - Silvesterkonzert 2019, IOCO Kritik, 03.01.2020
- URL: https://www.ioco.de/dresden-semperoper-das-land-des-laechelns-silvesterkonzert-2019-ioco-kritik-03-01-2020/
- Published: 2020-01-03T11:00:32.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:00:40.000Z
- Author: Thomas Thielemann
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Deutsche Oper am Rhein, Dresden

![saechs_staatskapelle.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/saechs_staatskapelle.jpg "Sächsische Staatskapelle Dresden")

[Sächsische Staatskapelle Dresden](http://www.staatskapelle-dresden.de/?ref=ioco.de)

[Semperoper](https://www.semperoper.de/?ref=ioco.de)

![Semperoper © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/05/140_semperoper_matthias-creutzigerneu.jpg)

Semperoper © Matthias Creutziger

# ***Land des Lächelns* \- Franz Léhar**

## **ZDF Silvesterkonzert 2019 - Am 30.12.2019 in Dresden aufgeführt**

von **Thomas Thielemann**

![Franz Lehár, Stadtpark Wien © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/franz-lehar-stadtpark-wien-foto-ioconeu2017.jpg)

Franz Lehár, Stadtpark Wien © IOCO

Eine sehr junge Frau, **Felicitas „Lizzy“ Léon** (1887-1918), war es, die den jüngsten Militärkapellmeister der **k.u.k.** Armee **Ferenc Lehar** zum *„Olympier des Banalen“* gemacht hat. **Lehár** kam 1899 nach Wien und spielte mit seiner Kapelle des *Infanterieregiments Nr. 26* im Winter 1900/01 auf dem Platz des Wiener Eislaufvereins. Die 12-jährige **Lizzy,** die dort ihre Runden drehte, war von der Musik des „feschen Militärkapellmeisters“, der auch noch komponierte, richtig begeistert. So brachte sie ihren Vater, den Schriftsteller **Viktor Léon** (1858-1940) nach über einem Jahr intensiver Treibereien, zu einer Zusammenarbeit mit **Lehár.** Sie hatte aus einem Stapel von **Léon** unangefragter eingeschickten Sendungen Noten von **Lehár** herausgesucht und so beiläufig gespielt, wenn es der Vater mitbekommen konnte. So wurde er auf **Lehárs** Musik aufmerksam gemacht und es kam zur produktiven Zusammenarbeit der Beiden, die mit der ***Lustigen Witwe*** ihren Höhepunkt fand.

![Semperoper Dresden / Das Land des Lächelns - hier : Christian Thielemann, Solisten und die Sächsische Staatskapelle © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/vora-1-neu.jpg)

Semperoper Dresden / Das Land des Lächelns - hier : Christian Thielemann, Solisten und die Sächsische Staatskapelle © Matthias Creutziger

Auch beim **Land des Lächelns** soll **Lizzy** ihre Finger im Spiel gehabt haben: ein chinesischer Diplomat war mehrfach bei Léons zu Gast gewesen und hat Mutter und Tochter charmant den Hof gemacht, bis ihn seine politischen Verpflichtungen in die Heimat zurückbeorderten. **Felicitas** war beeindruckt und schrieb ein Exzerpt für eine Operette, in dem sie sich als Vorbild für die Hofratstochter Lea sah. Daraufhin bearbeitete sie den Vater, dass er 1918 das Libretto zu ***Die gelbe Jacke*** auf der Basis ihrer Arbeit schrieb. Lizzy sollte sogar bei Erfolg des Werkes zehn Prozent der Tantiemen erhalten. Die Resonanz auf die Uraufführung 1923 war allerdings mäßig. Der Tenor **Richard Tauber,** der in seiner Anfängerzeit 1913 in Chemnitz und an der **Dresdner Hofoper** gewirkt hatte, regte Lehár an, den Stoff von den allseits bewährten Librettisten **Fritz Löhner-Beda** und Ludwig Herzer überarbeiten zu lassen. Der **Prinz Sou-Chong** wurde in der Neufassung zu einem Anhänger des Buddhismus und aus **Lea** eine Frau mit Vergangenheit: Die nunmehr als Hofratstochter **Lisa** benannte, nach dem Tod des Gatten aus einer viel zu früh geschlossenen Standesehe befreite junge Witwe, wollte endlich leben, etwas erleben. Denn nur so ist erklärbar, dass sich in der Spielzeit der Operette eine junge Frau derart souverän gegenüber **Sou-Chong** verhalten konnte. Denn 1912 wäre kein naiver Backfisch aus der gehobenen Gesellschaft in der Lage gewesen, mit „*Flirten, bisschen flirten, kann man zehnmal auf jedem Ball“* in einen Kreis mit Leuten von Stand ein zu treten.

Der Operette wurde als Sahnehäubchen mit *„Dein ist mein ganzes Herz“* ein waschechter Schmalz-Tauber-Schlager hinzugefügt, so dass die Uraufführung am 10\. Oktober 1929 ein voller Erfolg werden musste.

![Semperoper Dresden / Das Land des Lächelns - hier : Christian Thielemann, Solisten und die Sächsische Staatskapelle © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/vora-2-neu.jpg)

Semperoper Dresden / Das Land des Lächelns - hier : Christian Thielemann, Solisten und die Sächsische Staatskapelle © Matthias Creutziger

Zur Handlung: Besagte **Lisa,** die Tochter des **Grafen Lichtenfels** hat sich unsterblich in den chinesischen **Prinz Sou-Chong** verliebt. Als der Prinz zum Ministerpräsidenten nach China gerufen wurde, folgte ihm **Lisa.** Die anfängliche Verliebtheit wird bald von den die **Lisa** schockierenden kulturellen Gegebenheiten des Landes kompensiert. Als das neue Amt **Sou-Chong** verpflichtete, vier Mandschu-Prinzessinnen zu heiraten, eskaliert die Situation und Lisa will nur noch „*Wieder einmal die Heimat seh´n!*“ Der **Graf Gustav von Pottenstein,** genannt Gustel, **Lisas** früherer Verehrer, war ihr nach Peking nachgereist. Er entschließt sich, statt **Sou-Chongs** Schwester Mi zu ehelichen, **Lisa** zur Flucht aus dem Palast des Prinzen zu helfen. Die Flucht misslingt. Aber **Sou Chong** muss erkennen, dass er Lisa nicht halten kann, ein letztlich vom Buddhismus geprägtes Finale.

Die Urfassung der Operette hatte noch mit einem Happy End geendet: der Prinz verzichtete auf die *„gelbe Jacke“,* dem Sinnbild seines neuen Amtes, kehrte nach Wien zurück und blieb bei der Geliebten.

Ob diese Wendung eine späte Erinnerung an **Puccinis** Einfluss war, konnte ich nicht aufklären. Aber Lehár war mit **Giacomo Puccini** von 1913 bis zum Tode des Italieners eng befreundet gewesen. Sie schrieben sich häufig, trafen sich oft in Wien, musizierten gemeinsam und tauschten sich vor allem über ihre Arbeit aus. **Puccini** neidete **Lehár** seine eingängigen Melodien und die Walzerkompositionen, während Franz Lehár von **Puccini** davor bewahrt wurde, dramatische Stoffe zu bearbeiten und „die Grenzen der Operette einzureißen“. In Wien wurde deshalb nach **Kurt Tucholski** *„Lehár sei dem kleinen Mann sein Puccini“* kolportiert, was keinesfalls abwertend gemeint gewesen sei.

![Semperoper Dresden / Das Land des Lächelns - hier : Christian Thielemann, Solisten und die Sächsische Staatskapelle © Matthias Creutziger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/vora-3neu.jpg)

Semperoper Dresden / Das Land des Lächelns - hier : Christian Thielemann, Solisten und die Sächsische Staatskapelle © Matthias Creutziger

Für das **ZDF-Silvesterkonzert 2019** der **Sächsischen Staatskapelle** waren ausschließlich Ohrwürmer aus **Lehárs** ***Land des Lächelns*** ausgewählt worden. Dazu waren außer den Musikern unter ihrem Chefdirigenten, dem Staatsopernchor, für die vier Hauptrollen Spitzen-Solisten des internationalen Musiktheaters aufgeboten worden.

Das Silvester-Vorabendkonzert wurde vom **ZDF** unter gleichen Bedingungen aufgezeichnet, wie für die Live-Übertragung am 31\. Dezember vorgesehen. Möglicherweise wollte man eine sendereife Aufzeichnung im Sendezentrum vorrätig haben oder wollte man den Technikern eine Gelegenheit verschaffen, eventuelle Optimierungsmöglichkeiten für die Silvesterübertragung zu erkennen.

Für das Konzert wurden der schöne Saal und das Orchester mit wechselnden Bonbon-Farben angestrahlt. Es drehten sich die Kamerakräne über den Köpfen der Parkettbesucher und schränkten zeitweilig die Sicht der Rangbesucher. Auch der Handkameramann turnte mit eingeknickten Knien nebst einem Assistenten durch das Bühnengeschehen.

Gesungen wurde auf hohem Niveau, auch wenn die Textverständlichkeit im Besucherbereich Wünsche offen ließ.

Für die Partien der jungen Witwe **Lisa** war die kanadische Sopranistin **Jane Archibald** gewonnen worden. Sie bot mühelos mit Hingabe und unerschöpflicher Energie das gesamte Spektrum des Gesanges: von den virtuosen Belcanto-Koloraturen zum Dramatischen, bis zur leisen, sensiblen Intimität. **Jane Archibald** handelte und bewegte sich so brillant, wie sie sang. Man glaubte ihr die Chemie zwischen ihr und dem in den intimen Szenen sanft singenden gut aussehenden **Pavol Breslik.** Selbst beim Ohrwurm *„Dein ist mein ganzes Herz“* schlug sich der aus Nové Mesto stammende Opernsänger achtbar. Die wunderbare Koloratursopranistin **Erin Morley** beeindruckte durch ihren Gesang als Schwester des Prinzen ***Sou-Chong Mi,*** war aber keine Soubrette. Wie auch der etwas steife **Sebastian Kohlhepp** trotz seiner sängerischen Qualitäten keinen Tenorbuffo bot.

Auch der hinter dem Orchester postierte, von **Wolfram Tetzner** vorbereitete Chor, passte eher zu einem Oratorium als in eine Operettendarbietung.

Die **Staatskapelle** mit dem Dirigat **Christian Thielemann** spielte präzise und klangschön wie gewohnt. Aber so sehr ich den Klangkörper auch wegen seiner Flexibilität und Professionalität liebe, nach meinem Empfinden lugte doch immer wieder Anton Bruckner aus der Säulengalerie und pfuschte dem Chefdirigenten ins Operetten-Handwerk.

Nun sind wir gespannt, wie sich unser subjektiver Eindruck beim Ansehen der Aufzeichnung vom Silvesterabend verändern wird. Denn statt die **ZDF-Übertragung** live anzusehen, werden wir das Silvesterkonzert der **Dresdener Philharmonie** mit dessen interessanten Programm besuchen.

\---| IOCO Kritik Semperoper Dresden |---