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# Dresden, Sächsische Staatskapelle, Reiches Klassik-Wochende in Dresden, IOCO Kritik, 07.07.2020
- URL: https://www.ioco.de/dresden-saechsische-staatskapelle-reiches-klassik-wochende-in-dresdenioco-kritik-07-07-2020/
- Published: 2020-07-06T16:00:32.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:03:48.000Z
- Author: Thomas Thielemann
- Tags: Liederabend, Kritiken, Mahler, Konzert & Liederabend, Dresden

![Konzertplatz Weißer Hirsch Dresden © Markenfotografie / Staatskapelle ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/07/1-mini_ohne-frack-auf-tour-neu.jpg)

Konzertplatz Weißer Hirsch Dresden © Markenfotografie / Staatskapelle Dresden

[Sächsische Staatskapelle Dresden](http://www.staatskapelle-dresden.de/?ref=ioco.de)

# **Reiches Klassik-Wochende in Dresden trotz Corona**

## **Musiker der Staatskapelle und Sänger der Semperoper**

von **Thomas Thielemann,**

Das vergangene Wochenende haben wir genutzt, um konzentriert zu erleben, was unter den derzeitigen Corona-Einschränkungen in der Dresdner Klassikszene möglich ist.

Das Wochenende begann am Abend des Freitags mit der Traditionsveranstaltung der Musiker der **Sächsischen Staatskapelle** "***Ohne Frack auf Tour".*** Seit 2016 wechselten einmal im Jahr kleine Ensembles von ihrem Stammhaus in Kneipen, Bars und Restaurants in die Innere Neustadt von Dresden, um dort im Halbstunden-Rhythmus 20 Minuten abseits vom Konzertrepertoire zu spielen, was ihnen so am Herzen liegt. Jedes Jahr waren wir von Lokal zu Lokal gezogen, haben vier bis sechs der Musikergruppen besucht und viel Freude am Gebotenen sowie am Interesse der sonst nicht im Konzertsaal Anzutreffenden gehabt. Selbst am Rande der **Salzburger Osterfestspiele** hatten wir die Gelegenheit, „unsere“ Musiker durch die Salzburger Kneipen zu begleiten.

![Konzertplatz Weißer Hirsch ganz kammermusikalisch © Markenfotografie / Staatskapelle ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/07/mini-ohne-frack-auf-tour-47neu.jpg)

Konzertplatz Weißer Hirsch ganz kammermusikalisch © Markenfotografie / Staatskapelle

An eine Einhaltung der Corona-Einschränkungen war in den Kneipen der Neustadt natürlich nicht zu denken. Weder die Abstände noch die Voraussetzungen für die Nachverfolgung eventueller Infektionsketten, eine Bedingung für die Dresdner Veranstaltungen, wären zu sichern gewesen. Deshalb spielten die zehn Ensembles auf dem Konzertplatz **Weißer Hirsch** in **Oberloschwitz** und nicht parallel sondern hintereinander. Und zwar Freitag und Samstag. Die Online-Buchung der Tickets und eine Registrierung an der Abendkasse ermöglichten, dass der Teilnehmerkreis bekannt war.

***Catering sorgte für ein wenig Biergarten-Atmosphäre*** **Musiker sorgten für wunderbare Stimmung**

In der von uns besuchten Freitagsveranstaltung spielten zunächst die Flöten-Gruppe der **Staatskapelle** um **Rozália Szabó**  Musik von **Haydn, Mendelssohn Bartholdy** und dem nach Dänemark verschleppten Österreicher **Friedrich Daniel Kuhlau** (1736-1832) unter dem Motto „*Schneller, höher, schöner-die Flöten“.*

Zu einer Reise *„In den Rausch der Tiefe"* verführten sieben Kontrabässe unter **Viktor Osokin** mit Musik aus Südamerika, England, Österreich und Italien bis zum Australier **Colin Brunby** (1933-2018).

Etwas Ruhe brachte Anett Baumann sowie **Ami Yumoto** (Violine), **Juliane Preiß** (Viola) und **Titus Maak** (Violoncello), dem *„mal anderen Streichquartett“,* mit einem Satz aus **Verdis** Streichquartett in das Geschehen. Zu unserer Freude brachten die vier unter anderem eine Komposition des langjährigen Dresdner Konzertmeisters **Francois Schubert** (1808-1878), der eigentlich **Franz Anton** getauft, aber nicht mit dem Wiener **Franz Schubert** verwechselt werden wollte. Als Schmankerl schloss das Quartett mit einer launischen Katzenmusik.

![Sächsische Staatskapelle / Lieblingstücke hier Christa Mayer © Daniel Koch](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/07/mini_-Lieblingsst%C3%BCcke_Christa-MayerNEU.jpg)

Sächsische Staatskapelle / Lieblingstücke hier Christa Mayer © Daniel Koch

Als Gast der **Staatskapelle** hatte die hervorragende Saxophonistin **Sabina Egea Sobral** den Konzertmeister **Robert Lis** (Violine), **Florian Richter** (Viola), **Matthias Wilde** Cello) sowie **Andreas Ehelebe** (Kontrabass) um sich geschart, um den Zuhörern „Die Quintessenz des Tangos“ zu servieren.

Das Dresdner Hornquartett konnte aus den Werken des Dresdner Kantors **Gottfried August Homilius** (1714-1785), einer Szene aus dem **Rosenkavalier,** dem Mascagnti-Intermezzo entspannte Stimmung auf den Konzertplatz tragen. Besonders bezaubernd war das *„Souvenir du Rigi op. 38“* des aus Lemberg stammendem Romantikers **Albert Ferenc Doppler** (1821-1883). Die Flötistin **Rozália Szábo** vermittelte den Gesang eines Waldvogels eingebettet in das Spiel der vier Hornisten.

Für den Abend des Samstag gab es natürlich die Möglichkeit, den zweiten Teil ***Ohne Frack auf Tour*** zu besuchen. Andererseits bot auch im **Kulturpalast** die **Dresdner Philharmonie** am Samstag und Sonntag den Dirigier-Einstand von **Vasily Petrenko.** Die **Haydn** \- Sinfonia concertante, **Prokofjews** Klassische Sinfonie und **Faurés** Suite **Pelléas und Mélisande** waren für jeweils fast 500 Besucher zu hören. Ob der *„Allgemeinen Verwirrung“* lenkte die online-Buchung aber zu den viel versprechenden Mottos der Aufklang! Lieder -Abende mit Mitgliedern des **Semperoper** \-Ensembles.

![Sächsische Staatskapelle / Aufklang und Leidenschaft hier T Roennebeck © Daniel Koch](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/07/mini_semperoper_aufklang_leidenschaft_7232-t_roennebeckneu.jpg)

Sächsische Staatskapelle / Aufklang und Leidenschaft hier T Roennebeck © Daniel Koch

Wer sich diese reißerischen Titel ausgedacht hat, kannte hoffentlich die Abendprogramme nicht. Denn, was der depressive Monolog des **König Philipp,** die tragischen Schicksale der **Linda di Chamounix** oder des **Mathias** in **Wilhelm Kienzls *Evangelimann*** an Leidenschaft vermittelten, bleibt dessen Geheimnis. Aber **Peter Theiler** hat es in seinem kurzen Talk herausgelassen, dass er das Haus wieder mit Leben erfüllen wollte.

Letztlich boten die spartanisch ausgestatteten Abende einen guten Überblick über die Leistungsfähigkeit eines leider nur kleineren Teils des Hausensembles. Die Sänger wurden von den Korrepetitoren beziehungsweise musikalischen Assistenten **Alexander Bülow, Hans Sotin, Clemens Posselt** und **Sebastian Ludwig** am Klavier begleitet, also Personen, die sie aus der Zusammenarbeit beim Rollenstudium kennen und nicht von zufälligen Dirigenten abhängig.

Daneben hatten auch die ansonsten im Verborgenen arbeitenden Musikdramaturginnen **Bianca Heitzer** und **Juliane Schunke** Gelegenheit, sich als Moderatorinnen vor Publikum zu zeigen.

Der Technische Direktor des Hauses **Jan Seeger** erläuterte in einen Talk, welche Hürden zu überwinden waren, die Veranstaltungen unter Corona-Bedingungen organisieren zu können.

Die große Freude war aber vor allem, die vertrauten und lange vermissten Stimmen von **Christa Mayer, Ute Selbig, Roxana Incontrera, Markus Marquardt, Tilmann Rönnebeck** sowie anderen langjährigen Ensemblemitgliedern zu hören. Auch sind wir begeistert, dass mit **Katerina von Bennigsen, Michal Doron** und **Alexandros Stavrakis** inzwischen neue Stimmen ins Haus gekommen sind. Besonders freut uns, dass mit dem Amerikaner **Joseph Dennis** wieder ein entwicklungsfähiger Tenor dem Ensemble angehört.

Zu den Besonderheiten beider Abende gehören zweifelsfrei die Arie der **Linda di Chamounix** der **Katarina von Bennigsen,** der kraftvollere **Philipp von Tilmann Rönnebeck,** das **Mahler**\-Lied „*Ging heut morgen übers Feld“* von **Michal Doron,** die Barcarolle aus **Hoffmanns Erzählungen** mit **Christa Mayer** und der Gastsängerin **Elena Gorshunova,** die kraftvollen Tschaikowski-Lieder von **Alexandros Stavrakis** und vor allem die beeindruckend von **Markus Marquardt** dargebotene **Carl-Löwe-**Ballade ***„Archibald Douglas“.***

![Sächsische Staatskapelle / Liebelingsstücke - Abschlussapplaus © Daniel Koch](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/07/mini-_lieblingsstuecke_abschlussbildneu.jpg)

Sächsische Staatskapelle / Liebelingsstücke - Abschlussapplaus © Daniel Koch

Inzwischen liegen auch die Corona-Austausch-Programme der Staatskapelle und der **Semperoper** für den Zeitraum August bis Oktober 2020 mit einer Reihe Höhepunkte vor. Die Staatskapelle wird ihre Konzerte mit eingegrenzter Besetzung durchführen müssen. Die **Semperoper** bietet ein fast vollständiges Programm der Repertoire-Opern, allerdings halbszenisch und auf die musikalischen Höhepunkte begrenzt. Das Ganze unter dem Motto ***„Essenz“.***

\---| IOCO Kritik Sächsische Staatskapelle Dresden |---