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# Dresden, Frauenkirche, Glashütter Musik-Festspielpreis 2019 - Joshua Bell, IOCO Aktuell, 29.05.2019
- URL: https://www.ioco.de/dresden-frauenkirche-glashuetter-musik-festspielpreis-2019-joshua-bell-ioco-aktuell-29-05-2019/
- Published: 2019-05-29T07:04:12.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:55:17.000Z
- Author: Thomas Thielemann
- Tags: Musicalwelten & Bühnenzauber, Ballett, Tanz & Bewegungskunst, Premiere, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Premieren, Dresden

![Frauenkirche Dreden © Joerg Schoener](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/frauenkirche_dresden_aussenansicht_fotograf_joerg_schoenern_150.jpg)

Frauenkirche Dreden © Joerg Schoener

[Dresdner Musikfestspiele](http://www.musikfestspiele.com/?ref=ioco.de)

[Frauenkirche Dresden](https://www.frauenkirche-dresden.de/?ref=ioco.de)

# **Glashütter Original Musik-Festspielpreis 2019**

## **Preisträger Joshua Bell - mit wunderbarem Dvorák-Violinkonzert**

von **Thomas Thielemann**

Im Frühsommer des Jahres 1879 schickte ein kleiner tschechischer Bratschist des Interimsorchesters des künftigen Prager Nationaltheaters dem weltberühmten Geiger **Joseph Joachim** den Entwurf eines ***a-Moll-Violinkonzertes*** zur Begutachtung. Der Bratscher namens **Antonin Dvorák,** 1841 in Nelahozeves geboren, war mit einer kompositorischen Luxusbegabung geschlagen und hatte bereits über fünfzig Kompositionen ohne rechte Erfolge vorgelegt. Viel zu viel Orchester, zu fett instrumentiert, zu wenig geigerische Bravour urteilte **Joachim** und schlug zahllose Änderungen vor. Substanz hatte er in der Arbeit offenbar erkannt.

![Glashütter Musik-Festspielpreis / Preisverleihung 2019 an den Geiger Joshua Bell © Oliver Killig](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/geiger-270519killig_neu.jpg)

Glashütter Musik-Festspielpreis / Preisverleihung 2019 an den Geiger Joshua Bell © Oliver Killig

Der junge **Dvorák** arbeite die Vorschläge zwar ein, aber statt zu einer Aufführung kam es zu einem konfliktgeladenem Meinungsaustausch zwischen den beiden Künstlern: **Dvorák** wollte die intensive berauschende Auseinandersetzung zwischen Solovioline und Orchester, *„einen Funkenflug von Kommunikationen, einem Meer von Stimmungen und Farben“. Nach Joachims Wunsch sollte „das Orchester aber auf seinem Teppich bleiben“* und dem Solisten Gelegenheiten für stratosphärische Brillanz mit einsamen wirkungssicherschmachtenden Kantilenen geben.

Die unterschiedlichen Auffassungen sind nie ausgefochten worden und **Joachim** hat das op. 51 **Dvoráks** nie gespielt. Die ästhetische Differenz der beiden Alphatiere behindert bis heute den Ruhm des ***a-Moll-Violinkonzerts.*** Das Werk gilt als rassig, aber gespielt werden vor allem lieber **Beethoven, Tschaikowski, Brahms** oder **Sibelius.**

Nun, 2019, war dem 1967 geborenem US-amerikanischen Ausnahme-Violinisten **Joshua Bell** der diesjährige ***„Glashütter Original Musik Festspiel-Preis“*** zuerkannt worden. Bell zählt zu den großen Interpreten unserer Zeit, der aber seine Musik als Mittel transkultureller Verständigung nutzt. Bekanntheit erlangte er durch Einspielungen von Originalmusik für den Oskar-prämierten Soundtrack des Films ***Die rote Violine*** (1968) und der Musik für den Film ***Der Duft von Lavendel*** (2004) sowie als Protagonist eines Experiments zum Musikverständnis seiner amerikanischen Zeitgenossen.

![Glashütter Musik-Festspielpreis / Festkonzert - hier : Dirigent Andrew Manze, Geiger Joshua Bell und Orchester © Oliver Killig](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/dirigent_geiger_270519killig615neu.jpg)

Glashütter Musik-Festspielpreis / Festkonzert - hier : Dirigent Andrew Manze, Geiger Joshua Bell und Orchester © Oliver Killig

In Straßenkleidung und mit Base Cape spielte er mit seiner **Stradivari** in einer U-Bahnstation 43 Minuten lang Stücke von **Bach** und **Schubert**. Die Video-Aufzeichnung des Experiments ergab, dass von 1.097 Passanten nur sieben ihm zugehört hatten und er lediglich 32,17 $ Spendengelder im Geigenkasten fand. Nur einer der Passanten hatte den weltberühmten Musiker erkannt, obwohl sein Debüt in der **New Yorker Carnegie Hall** eine selten große öffentliche Aufmerksamkeit erregt hatte.

Der Sponsor des Preises hatte **Joshua Bell** ob seiner Verdienste im Bereich der Musikvermittlung in Schulprojekten und der Nachwuchsförderung in die Dresdner Frauenkirche eingeladen, um dort neben der Preis-Übernahme mit der ***Camerata Salzburg*** unter den schwierigen Akustikverhältnissen das **Dvorák *a-Moll-Violinkonzert op. 52*** zu spielen.

Die ***Camerata Salzburg*** gilt mit den 37 Stamm-Musikern als renommiertes und umtriebiges Kammerorchester und wurde von **Andrew Manze** geleitet. Der Brite **Manze** ist als anregender und inspirierender Dirigent und Spezialist für historische Aufführungspraxis geschätzt.

![ Frauenkirche Dresden / Glashütter Musik-Festspielpreis - Festkonzert - hier : Dirigent Andrew Manze, Geiger Joshua Bell und Orchester © Oliver Killig](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/frauenkirche_killig515neu-1.jpg)

Frauenkirche Dresden / Glashütter Musik-Festspielpreis - Festkonzert - hier : Dirigent Andrew Manze, Geiger Joshua Bell und Orchester © Oliver Killig

Das **Dvorák**\-Konzert wird zwar inzwischen auch im Konzertbetrieb gespielt. Unsere besonderen Erwartungen galten aber, wie Solist und Dirigent mit der Klangentfaltung im Kuppelbau der Frauenkirche umgehen werden. Als Chefdirigent der NDR-Radiophilharmonie wird **Manze** sich mit dem **HCC** beschäftigt haben und recht genau wissen, wie man mit einem Kuppelsaal umgehen kann und muss. Auch schien er für die Dresdner Verhältnisse bestens vorbereitet. Folglich war der Orchesterpart des Violinkonzertes regelrecht in die **Frauenkirche** passgenau eingefügt. Die Blechbläser waren gekonnt minimiert, so dass man sie zwar wahrnahm, aber nie eine Überbordung befürchten musste. Eventuell hätte sich **Dvorák** das Orchester etwas forcierter gewünscht. Wir haben aber im Kirchenbau noch nie so befriedigt gehört.

Beim gemeinsamen Spiel verschenkte keiner der Partner etwas. Es ging nie um eine Demonstration von Überlegenheiten sondern eher um eine herzliche Verbundenheit: Solist und Orchester wollten sich von ihren besten Seiten zeigen und jeder kämpfte mit seinen Mitteln für **„Dvorák“.** Aus dem Duell **Dvoráks** und **Joachims** war im Konzert eine fürsorglich furiose Umklammerung von Solist und Orchester entstanden. Den Kopfsatz spielte **Bell** hell, elegant mit prägnanten Konturen. Auch im *Adagio* wurde er nie romantisierend. Das Wechselspiel mit den feinen Bläsern war berückend.

Faszinierend berührte der Klang seines **“Stradivarius“** von 1713 aus der Werkstatt **Antonio Stradivaris.** Wie manche **Stradivari** hat die Geige ihre eigene Geschichte. Das Instrument war 1936 dem polnischen Virtuosen **Bronislaw Huberman** aus der Umkleidekabine der **Carnegie Hall** gestohlen worden und blieb über fünfzig Jahre spurlos verschwunden. Ein unbekannter Gelegenheits-Geiger hatte das Instrument mit einer Schuhpolitur maskiert und in New Yorker Kaffee-Häusern gespielt. Auf seinem Sterbebett gestand er seiner Ehefrau den Diebstahl und das Instrument konnte im Jahre 1986 wieder als **Stradivari** identifiziert werden. **Bell** setzte alle Hebel in Bewegung, die Violine zu erwerben und trägt das mit vier Millionen Dollar versicherte Instrument ständig bei sich.

Als Konzertauftakt war **Jean Sibelius** *„Rakastava-Suite“* **op. 14** für Streichorchester, Pauken und Triangel erklungen. Zum Abschluss der Veranstaltung bemühten sich die Salzburger, ob man nicht auch **Beethovens** zweite Sinfonie D-Dur im Kirchenbau ordentlich zu Gehör bringen könnte. Eine derartig wuchtige Musik ist in diesem Kuppelbau schwer zu vermitteln. Aber auch da hatte **Andrew Manze** das Mögliche gestaltet.

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