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# Dirigent Levente Török im Gespräch
- URL: https://www.ioco.de/dirigent-levente-torok-im-gesprach/
- Published: 2026-10-09T07:50:48.000Z
- Updated: 2026-10-09T07:59:54.000Z
- Author: Michael Stange
- Tags: Interview

**Levente Török – Aachens neuer Generalmusikdirektor im Gespräch** 
  
**Von Budapest über Wien, Schwerin und Miskolc nach Aachen – Ein Gespräch über Faszination der Musik, Interpretation und große Kollegen –**

*Suggestive Präsenz, intuitive Musikalität und die Fähigkeit, Ensembles zu begeistern und mitzureißen zeichnen den Dirigenten Levente Török aus. Seine Vorstellungen sind stets eindringliche Erlebnisse. Mit sprühenden Charme und tiefem musikalischem Gespür zieht er Solisten und Publikum in den Banns. Seine präzise Partiturkenntnis vermittelt er ausdrucksstark, humorvoll und partnerschaftlich.*

*Levente Török wurde in Budapest in eine Musikerfamilie geboren. Schon als Kleinkind erlebte Aufführungen, die noch heute als Sternstunden gelten. Der Wunsch Dirigent zu werden, reifte daher früh. Nach dem Studium von Klavier und Komposition am Béla-Bartók-Konservatorium in Budapest ging er an die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, wo er Dirigieren (bei Mark Stringer und Yuji Yuasa) und Korrepetition studierte. Während der Studienzeit assistierte er bereits bei renommierten Festivals wie dem Wagner-Festival in Wels und den Festspielen Baden-Baden und arbeitete mit Ralf Weikert und Sir Simon Rattle zusammen. 2014/15 war er Chordirektorassistent an der Chorakademie der Wiener Staatsoper.*

*Es folgten die klassischen Stationen. Auf das Theater Regensburg folgten Ulm und Schwerin. Seine eindringlichen, farbenreichen und emotional intensiven Interpretationen von Webers Freischütz, Wagners Tannhäuser oder Puccinis La Bohème waren Publikumsmagneten und wurden überregional gefeiert.*

*Seit 2019 ist er regelmäßiger Gast an der Ungarischen Staatsoper und dirigierte dort Tosca, Don Pasquale , La Traviata sowie jüngst die Premiere von Cosi fan tutte (abzurufen auf der Webseite von Operavision). 2021 gewann er den 1\. Internationalen Dirigierwettbewerb in Llíria (Valencia). Dies führte zu Einladungen der Symphonieorchester des Spanischen Rundfunks und Fernsehens (ORTVE), der Philharmonikern Málaga und weiterer Orchester. 2023 debütierte er an der Isländischen Oper mit Madama Butterfly. 2024 und 2025 dirigierte er an der OperBurg Gars am Kamp (u. a. L’elisir d’amore mit ORF-Aufzeichnung und La Traviata), 2026 folgte das Debüt an der Staatsoper Stuttgart mit Rossinis La Cenerentola.*

*Von September 2024 bis 2026 war er Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Nordungarischen Symphonieorchesters Miskolc. Seit der Spielzeit 2026/27 ist er Generalmusikdirektor am Theater Aachen und verantwortet die künstlerische Leitung des Aachener Sinfonieorchesters, die sinfonische Programmgestaltung und die musikalische Qualität der Musiktheater-Produktionen.* 

[ ](https://www.youtube.com/watch?v=gFV%5FakbvN0I&ref=ioco.de)

**IOCO: Herzlichen Dank, dass wir Sie treffen können. Wie haben Sie die Wochen vor Ihrem Antritt als Generalmusikdirektor in Aachen verbracht?**

**Levente Török:** Vor der Sommerpause hatte ich den verrücktesten Monat meines Dirigentenlebens. Ich habe an der Staatsoper Stuttgart mit „La Cenerentola“ debütiert, während ich für die Proben meiner ersten Budapester Premiere mit „Così fan tutte“ immer wieder nach Ungarn musste. Wenn ich schon mal da war, habe ich noch mein letztes Abonnement-Konzert gegeben, in Miskolc, mit meinem „alten“ Orchester.

In der aufregendsten Woche habe ich am Sonntagabend „La Cenerentola“ in Stuttgart dirigiert. Am Montag habe ich um 6 Uhr einen Flug nach Budapest genommen. Dann bin ich 180 Kilometer von Budapest nach Miskolc gefahren, damit ich um 11 Uhr meine Orchesterprobe machen konnte. Danach habe ich einen Zug nach Budapest genommen, weil ich von 17 bis 20 Uhr musikalische Probe von „Così fan tutte“ hatte. Am nächsten Tag musste ich wieder zurück nach Miskolc für eine Doppelprobe. Am Mittwoch nun ging es zurück über Budapest nach Stuttgart für „La Cenerentola“ und am Tag darauf wieder mit dem ersten Flug nach Budapest für die Generalprobe und das Konzert in Miskolc.

  
Der Juni war schon etwas entspannter. Da hatte ich nur „Traviata“-Proben in Budapest und ein Konzert beim Beethoven-Festival mit der ungarischen Nationalphilharmonie. Gleichzeitig liefen schon Vorbereitungen für die erste Musiktheaterproduktion in Aachen und so ganz nebenbei habe ich geheiratet und noch den Umzug in mein neues Zuhause bewältigt. (lacht)

**IOCO:** **Einige der starken Eindrücke, die Sie in der Vergangenheit bekannt gemacht haben, waren die „Bohème“ in Schwerin, „L’elisir d’amore“ und „La Traviata“ in Burg Gars, aber auch jetzt „La Cenerentola“ in Stuttgart. Was bedeuten die italienische Dramatik von Puccini und Verdi, aber auch der Humor von Donizetti und Rossini für Sie und warum schlägt Ihr Herz für diese Musik?**

**Levente Török:** Mein Vater war über 30 Jahre lang an der ungarischen Staatsoper für das italienische Repertoire zuständig. Ich bin mit den großen Klassikern aufgewachsen. Als Ungar, fühle ich mich natürlich auch in der ungarischen Musik oder der Operette zu Hause, aber diese Musik dirigiere ich einfach wahnsinnig gerne. Aus Dirigentensicht hat meine italienische Lebensphase aber erst später begonnen. Es war mir sehr wichtig, das breitmöglichste Spektrum des Repertoires kennenzulernen. In meiner Anfängerphase habe ich also lieber was anderes, was Unbekanntes gelernt, um daran zu wachsen.

  
In meinen ersten Jahren als Student und dann als Korrepetitor und Assistenzdirigent freute man sich, dass man einen Jungen gefunden hatte, der schnell die vielen Noten von Strauss und Wagner lernte und der sogar besonders motiviert war, es zu tun. 

  
Erst in letzter Zeit dirigiere ich vermehrt italienische Oper und ich muss sagen, es fühlt sich sehr gut an, dort angekommen zu sein, wo ich schon immer sein wollte. Bei Puccini reizt mich, dass er sehr reale Menschen auf der Bühne stehen hat. An Verdi fasziniert mich seine Menschlichkeit. Die brauchen wir in unserer heutigen Welt mehr denn je. Je älter ich werde und je mehr ich aus dem Leben verstanden habe, desto mehr verstehe und liebe ich ihn.

Nur Drama zu dirigieren, wäre aber auch langweilig, man muss auch manchmal einfach Spaß haben. Dafür sind die Italiener auch die Richtigen. Zum Beispiel Rossini mit dem „Viaggio a Reims“ oder „L’Italiana in Algeri“. Das sind Stücke, bei denen die Handlung eigentlich nebensächlich ist. Hauptsache man hat Spaß auf der Bühne und im Graben und dann auch im Publikum.

Wenn es um solche Scherze geht, sind die Italiener unerreicht, die Ungarn folgen aber dicht. (lacht)

**IOCO: In Aachen werden in Ihrer ersten Spielzeit „Don Giovanni“ und „Don Carlo“ Premiere haben. Das sind große Dramen, große Schicksale, große psychologische Verstrickungen. Was bedeuten diese beiden Werke für Sie?**

**Levente Török:** Der Aachener Theaterleitung bin ich sehr dankbar. An den wichtigsten Entscheidungen der Spielzeitplanung durfte ich größtenteils teilnehmen. Die Vorschläge der Intendantin waren absolut im Einklang mit meinen Vorstellungen.

Diese Werke eint, dass sie von zwei Librettisten- und Komponistenpaaren geschrieben wurden, deren Texte, Musik und dramaturgische Verschmelzung auf Höchstniveau sind. Mozart und Da Ponte sind auf ihre Weise einzigartig und der Ausspruch von E. T. A. Hoffmann, dass „Don Giovanni“ die Oper der Opern sei, ist berechtigt. Mozart ist sowieso immer für jeden eine Herausforderung. Elisabeth Schwarzkopf hat einmal gesagt: „Bei Mozart ist man musikalisch nackt“. Und wie das stimmt. Bei Mozart hört man jede Nuance, die nicht perfekt ist, jede technische Unsauberkeit. Man merkt sogar, wenn es 5 % weniger Energie aus dem Graben kommt.

All das kann man tatsächlich mit der großen Leidenschaft und mit der eindrucksvollen Orchestrierung von Puccini viel leichter verstecken. Daher fand ich es packend, gleich in der ersten Spielzeit eine Mozart-Oper auf die Beine zu stellen. Aachen hat ein tolles Ensemble darauf bin ich sehr stolz, diese Produktion ausschließlich mit unserem Hausensemble machen zu können. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.

Bei Verdi muss man vor allem Boito erwähnen. Mit „Otello“ und „Falstaff“ haben sie etwas ganz Einmaliges geschaffen. Auch den Dichtern des „Don Carlo“, Joseph Méry und Camille du Locle, ist es gelungen, aus Schillers Schauspiel ein starkes Libretto von großer Wirkung zu machen. Verdi konnte dadurch kopfüber in die Philosophie Schillers eintauchen und seine Italianità und humanitären Visionen in die Komposition einbringen.

Don Carlo ist eine absolute Ensemble-Oper. Jeder ist gefragt. Neben drei oder vier großen Arien sind immer mehrere Leute auf der Bühne. Auch das ist eine Arbeit mit dem Ensemble, worüber ich besonders glücklich war. Wir konnten mit mehreren Kollegen etwas entwickeln können, das wurde gleich zu einer Art Teambuilding.

  
Ich erinnere mich aus Kindheitstagen an eine zauberhafte Produktion mit Ilona Tokody und Péter Kelen in Budapest. Die beiden habe ich mehrmals fasziniert erlebt. Meine Mutter und ihre Kolleginnen im Chor haben so gerne in dieser Produktion gesungen; allein das Anziehen der wunderschönen Kostüme hat ihnen so viel Spaß bereitet. Das Stück liegt mir also besonders am Herzen.

Noch dazu habe ich in 2021 in Valencia einen Dirigierwettbewerb gewonnen. Seitdem habe ich mehrmals in Spanien gearbeitet, vor allem in Andalusien und in Madrid. Dort wird diese Mystik, diese Magie und dieser Zauber des Landes, aber auch die Verwurzelung der Städte im Mittelalter offenbar. In Ávila, Madrid, Málaga oder in Sevilla kann man diese unglaubliche Energie der damaligen Epoche heute immer noch spüren und greifen. Wenn man das sensitiv fühlt und empfangsbereit ist, fließt es.  
Dieses Gefühl taucht vielleicht nur in Venedig stärker auf: der Doge oder all die Leute, die ihn gerade töten wollten, könnten jeden Moment aus einer dunklen Ecke hervorbrechen.

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Levente Török copyright Matthias Baus

**IOCO: Das Zusammenwachsen des für Sie neuen Ensembles in Aachen in den anstehenden Produktionen ist eine Gelegenheit, eine neue Gemeinschaft aus der Taufe zu heben und miteinander zu wachsen. Welchen Einfluss hat das auf Ihre Motivation und Ihr Herangehen an die neue Aufgabe?**

**Levente Török:** Ich finde es sehr wichtig zu unterstreichen, dass in den ersten Wochen, Monaten und Produktionen möglichst nicht ich im Vordergrund stehen wollte. In meiner ersten Zeit in Aachen geht es mir nicht darum, wie gut ich mich präsentiere. Es geht darum, dass die Menschen dort – also die Ensemblemitglieder, das Orchester, die Werkstätten und natürlich das Publikum – Spaß haben und das Gefühl bekommen: „Wir haben mit unserem Generalmusikdirektor als Teil unserer Gemeinschaft eine gute Wahl getroffen.“

Ich möchte mich als passendes Puzzleteil in den Theaterkörper einfügen und auch entsprechend wahrgenommen werden. Ich möchte den Moment erreichen, in dem meine Aachener Kolleginnen und Kollegen und das Publikum sagen: „Der GMD ist ein Teil von uns, auf den wir schon immer gewartet haben.“

Mir ist bewusst, was für einen ehrenvollen Posten ich bekommen habe, und mir wird immer klarer, in was für ein sehr schönes gemeinsames Kapitel meines Lebens ich mit dem Umzug nach Aachen eintreten werde. Die Energie im Theater, im Ensemble ist sehr, sehr toll, und vor allem das Potenzial ist enorm. Umso mehr freue ich mich, wenn ich etwas dazu beitragen kann.

**IOCO: Sie sind inzwischen ein Experte für die deutsche romantische Oper. Mit dem „Freischütz“ und dem „Tannhäuser“ haben Sie in Schwerin große Erfolge und überregionale Aufmerksamkeit erreicht. Wie ist Ihr aktueller Blick auf dieses Repertoire?**

**Levente Török:** Sicherlich auch wegen meines Vaters haben mich Wagner und die deutsche Romantik am Anfang weniger interessiert. Fast ironisch wirkt es, dass meine Aufgaben am Anfang meiner Karriere ausschließlich aus der deutschen Literatur kamen. „Lohengrin“ war meine erste Assistenz beim Welser Wagner-Festival. Auch als Repetitor war das mein erstes Stück. So musste ich einfach meine Begeisterung und Freude dafür entwickeln. Mit der Zeit bin ich immer mehr in „Lohengrin“ hineingewachsen.

In Budapest haben wir eine wunderschöne Mischung aller Traditionen, die man sich vorstellen kann. Puccini war mehrmals in Budapest, um eigene Produktionen vorzubereiten. Wegen der Monarchie, vor allem unter dem damaligen GMD Gustav Mahler, kam auch die deutsche Opernwelt dazu. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten wir kurz auch Otto Klemperer als Generalmusikdirektor im Haus. Wagner war während der Sowjetzeit nicht verboten. In dieser Zeit hatten wir auch musikalisch eine Nähe zu Russland. Das hat mich als Kind auf jeden Fall sehr geprägt. Aber ob ich ein Experte wäre? (lacht)

Um wieder seriös zu werden: Es macht mich natürlich nachdenklich, dass die Kritiken zum romantischen Opernrepertoire ausgerechnet meine Leidenschaft, meine fließenden, kontrastreichen Tempi und mein Gespür für Dramatik hervorheben.

Wahrscheinlich fußt mein Herangehen an diese Werke auf meiner Prägung durch die italienische Romantik. Ich blicke nicht nur durch die Tradition, sondern mit anderen Augen auf diese Partituren und suche auch danach, was die Oper gesanglicher, im Unterbewusstsein vielleicht etwas italienischer macht. Mir geht es um wahren Inhalt, Gefühlslagen und Dramatik, aber auch um Cantabilität, um anhand dessen die großen Bögen der Oper zu verdeutlichen. Ich habe ein unglaubliches Vertrauen in den Komponisten und darin, dass die Philosophie, die dahintersteckt, sich allein aus den Noten erschließt, sodass eine natürliche, unbefangene und emotionale Herangehensweise diesen Stücken einfach guttut.

Die großen Bögen und dann die gut gesetzten Momente machen eine Aufführung so spannend. In der Tradition der Vergangenheit gibt es deutsche Kollegen, bei denen sich vieles disziplinierter und – wenn man so sagen darf – gedrillter anhört. Man muss sich aber auch daran erinnern, dass wir in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren dank unter anderem Karajan eine starke Romantisierung und künstliche Verbreiterung in der Aufführungspraxis erlebt haben, was einem realen, ehrlichen Musiktheatererlebnis – meiner Meinung nach – nicht gutgetan hat.

Wir leben in einer viel zu aufgewühlten und hochgedrehten Welt. Die heutige Jugend schaut Videos von 20–30 Sekunden, in meiner Jugend haben wir noch 15 Minuten geschafft. Die Generation davor hat noch Bergmans Filme mit drei Stunden im Kino klaglos konsumiert. Wagner sollte nicht so gedehnt stehen gelassen werden, weil die heutigen Menschen damit immer weniger etwas anfangen können. Wenn die Musik immer mehr vom Lebenstempo der Menschen abweicht, wird die Distanz zu klassischen Kompositionen immer größer.

Auch für den damals absolut revolutionären Wagner ist das Terrain heute schwieriger: vor allem wegen seiner langen Erzählungen, wegen seiner komplexen harmonischen und dramaturgischen Arbeit. Die Frage, wie wir näher an Wagner herankommen können, wird immer größer. Natürlich fällt da sofort der Name Christian Thielemann ein. Er ist heute derjenige, der sich am meisten mit Wagner auskennt. Er macht die Werke beeindruckend dynamisch, fließend und organisch. Das Publikum wird dadurch immer mitgerissen. Deswegen ist er ein Wegweiser und ein großes Vorbild für mich.

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Levente Török copyright Matthias Baus

**IOCO: Dieser packende Musikfluss ist ja auch ein wesentliches Merkmal der ungarischen Komponisten wie Liszt, Bartók, Dohnányi und vieler anderer ungarischer Komponisten. Sie haben ja auch Gegenüberstellungen der Klassik mit modernen Komponisten in den Programmen. Welchen Anteil haben ungarische Komponisten in den kommenden Konzerten in Aachen und was war das Konzept bei der Gestaltung der Konzertprogramme?**

**Levente Török:** Zur Vorbereitung habe ich die Liste der Konzertprogramme der letzten zehn Jahre inklusive Besucherzahlen analysiert. Mir kam dann der Gedanke, mein Rezept auszuprobieren, das in Miskolc sehr erfolgreich war. Dort hatten wir einen Rekordverkauf an Abonnements. Die Idee ist, das Programm so bunt wie möglich zu gestalten. Wir können mehr Leute erreichen, wenn jeder etwas Interessantes findet.

Wenn man dem Publikum immer ein „Bonbon“ schenkt, ist es möglich, bei jedem Konzert auch Raritäten anzubieten. Ich darf nicht erwarten, dass das Publikum sofort meinen Geschmack teilt, nur weil ich ein Stück gut finde. In meiner fünften Spielzeit komme ich vielleicht schon ohne Bonbons aus, weil ich mir das Vertrauen des Publikums bereits erarbeitet habe. Natürlich sind Tschaikowski, Dvořák, Brahms, Ravel oder Mozart wunderbar, aber etwas Abwechslung tut jedem gut!

Ich biete gerne miteinander harmonierende Konzertprogramme an. So sind zum Beispiel ein völlig mediterranes oder ein kaiserlich-königliches Konzert mit ungarischen Komponisten und anschließend einer Brahms-Sinfonie oder eine Kombination aus Elgar, Ruth Gipps, die Mitte des 20\. Jahrhunderts in England komponiert hat und Mendelssohns „Schottischer“ entstanden. Man kann überraschend viel experimentieren, aber die Hauptsache ist, dass das Publikum das Gefühl hat, es hat sich gelohnt, zu uns zu kommen – und nicht nur, weil wir gut gespielt haben, sondern weil es vielleicht auch etwas Neues entdeckt hat und es einfach schön war, dass es da war.

Zeitgenössische Komponisten gehören auch zum Programm. In der vergangenen Spielzeit haben wir in Miskolc jeweils eine Sinfonie von György Orbán und von János Vajda uraufgeführt. Sie sind besonders durch ihre Chorwerke international bekannt. Das mache ich gerne, weil wir neues Repertoire brauchen. Komponisten müssen ihre Stücke hören, damit sie aus ihren Hörerfahrungen lernen und dadurch wachsen können. Nur so können wieder Meisterwerke entstehen. Auch bei den großen Opernkomponisten wie Verdi und Wagner war am Anfang vieles zu laut und viel zu langwierig. Mit der Zeit hatten ihre Opern eine immer stärker komprimierte Dramaturgie, und die Orchestrierung wurde immer durchsichtiger und kammermusikalischer.

Man kann an der Universität den Studenten so oft wie möglich sagen: „Junge, pass auf, du musst es so und so machen! Mach nicht die gleichen Fehler wie Wagner oder Verdi noch einmal!“ Trotzdem werden diese „Fehler“ gemacht, und es ist auch gut und verständlich so. Das ist ähnlich wie beim Fahrradfahren lernen. Das Kind wird mal umfallen und muss auch mal umfallen. Erst dann kann man richtig lernen, wie man Fahrrad fährt. Wenn man davor Angst hat, dass man umfällt, muss man gar nicht erst anfangen. Das gilt auch für das Komponieren und Musizieren.

**IOCO: In der Region um Aachen sind im Radius von 100 Kilometern viele Theater beheimatet. Wie gehen Sie damit um?**

**Levente Török:** Wir haben viele regionale Musikstätten und unser Publikum kann nach Düsseldorf, Köln, Bonn oder gar nach Brüssel. Das ist ein unglaubliches regionales Angebot. Selbst wir haben auch viele Besucher aus den Nachbarländern und spielen auch regelmäßig zum Beispiel im Concertgebouw oder in der Kölner Philharmonie. Die Lage von Aachen ist tatsächlich fantastisch und ich freue mich schon jetzt darauf, dort zu sein und die „Öcher“ noch mehr kennenzulernen. Ich bin bis jetzt so herzlich, so offen und so liebevoll empfangen worden, dass ich mich gleich zu Hause gefühlt habe.

**IOCO: Was sind die Schwerpunkte in der Oper der ersten Spielzeit?**

**Levente Török:** Diese Spielzeit gibt es eine Deutsche Erstaufführung der Oper „The (R)evolution of Steve Jobs“, einer Oper von Mason Bates mit dem Libretto von Mark Campbell. Wir machen Verdis „Don Carlo“ in der italienischen Fassung, Mozarts „Don Giovanni“ und im Repertoire bleibt Donizettis „Liebestrank“.

**IOCO: Wie setzt sich das Publikum zusammen und wie wollt Ihr auf die Oper als Teil der Stadtkultur aufmerksam machen?**

**Levente Török:** Aachen hat 250.000 Einwohner. Über 70.000 sind davon Studenten. Diese junge Menschen wollen wir unbedingt gewinnen. Viele haben im Studium oder Beruf mit Physik oder Mechanik zu tun oder nutzen einfach ein iPhone. Da dachten wir, dass die „Steve-Jobs-Oper“ für sie aufregend sein könnte. Das ist eine weniger dogmatisch gedachte Minimal Music. Wir hoffen sehr, dass wir dadurch auch Leute erreichen können, für die die Oper nicht so selbstverständlich ist. Unsere Intendantin, Elena Tzavara kommt aus dem Jugendbereich bzw. Nachwuchsförderungsbereich. Sie war Leiterin des Kölner Opernstudio und hat in Stuttgart das Jugendtheater verantwortet. Sie hat eine große Erfahrung und einen starken Fokus auf neue Zielgruppen und damit kann ich mich völlig identifizieren.

In Miskolc war das Erste, was ich erweitern wollte, unser Jugendprogramm. Ich wollte und möchte auch heute jeder Altersgruppe etwas anbieten. Das hat seinerzeit die Zusammensetzung des Publikums spürbar beeinflusst. Wir hatten in der Folge neue und auch junge Gesichter.  
  
Beispielsweise kann ich Leute mit Humor gewinnen. Der Humor in der klassischen Musik ist traurigerweise Nicht-Konzertgängern unbekannt. Haydn hätte ich gerne kennengelernt. Nach seiner Musik muss er ein sympathischer, herzlicher Mensch gewesen sein. Er ist vielen Konzertgänger fremd. Auch Ernst von Dohnányi möchte ich dem Aachener Publikum nahebringen. Er war nicht ohne Grund Bartóks Idol. In den ersten Jahrzehnten hat Bartók ihm alle seine neuen Partituren gezeigt und erst, wenn er zugestimmt hatte, publizierte Bartók seine neue Komposition. Dohnányi hatte sogar das Recht, die Instrumentierung zu ändern. Das sagt schon viel aus.  
  
Dohnányi war ein Meister der Orchestration und es ist entzückend, wie humorvoll seine Kompositionen klingen können. Oft ist es nämlich nicht die Musik, sondern die Instrumentierung selbst, was bei ihm witzig ist. Ähnlich wie bei Poulenc, der vielleicht immer noch zu revolutionär für manche Leute ist, was vor allem die Opernbühne angeht. Ich habe vor ein paar Wochen in Stuttgart die Premiere der „Dialoges des Carmélites“ erlebt. Das ist ein Stück, das unglaublich mitreißt. Einige von Poulencs Suiten habe ich in Ungarn aufgeführt. Die Resonanz war überraschend positiv. Ich bin begeistert, wie unterschiedlich er Charaktere, oft groteske, ironische zeichnet.

**IOCO: Wie kommen Sie den Kompositionen nahe und wie bringen Sie Ihre Erkenntnisse demEnsemble nahe?**

**Levente Török:** Mein Ansatz ist, den eigenen, den persönlichen Schlüssel zum Werk zu finden. Was sind die besonderen Momente? Was sind die Eigenschaften, die mich mitnehmen, die mich ansprechen? Wenn ich diesen persönlichen Zugang zu dem Werk habe, dann lässt sich alles mit dem Ensemble viel leichter zusammenfügen. Diejenigen, die diesen Schlüssel weniger gefunden haben, versuche ich mit meinen persönlichen Eindrücken zu überzeugen. Glücklicherweise überträgt sich meine Faszination in der Regel und so entsteht ein Gemeinschaftswerk, in das jeder seine persönlichen Empfindungen einbringt. Das ist bei Mozart oder Verdi selbstverständlicher als bei einer Oper von Thomas Adès. Auch da kann man, glaube ich, eben diesen persönlichen Schlüssel finden. Und wenn wir gemeinsam diese Schlüssel gefunden haben, erstmal jede und jeder für sich, dann entsteht so ein Gruppengefühl, das sich dann auch auf das Publikum übertragen lässt.

**IOCO: Aachen ist ja eine Stadt mit großer Musiktradition. Aus dem Dirigentenhimmel blickt Herbert von Karajan. In Ulm und jetzt in Aachen sind Sie in seine Fußstapfen getreten. Er war ein Medienstar. Er scheint aber auch ein Mann mit zwei Gesichtern gewesen zu sein. Die Vielzahl von Aufnahmen der Deutschen Grammophon zeichnet ein ganz anderes Bild von ihm als seine Live-Aufnahmen. Wie sehen Sie ihn?**

**Levente Török:** Ich stimme zu, dass er zwei Gesichter hat, sowohl politisch als auch musikalisch. Vor allem bei seinen Live-Opernaufführungen merkt man, dass Karajan tatsächlich auch Feuer hatte und viel mehr Flexibilität bzw. Verständnis für die Sänger zeigte – etwas, das er bei seinen Studioaufnahmen selten gezeigt hat.

Es gibt jetzt ein neues Buch von Michael Wolffsohn, das ich gerade lese. Er hat sich tatsächlich mit dem Thema auseinandergesetzt, inwieweit Karajan überzeugter Nationalsozialist oder Opportunist war. Für seine Karriere hat er auch die Möglichkeiten des modernen Medienmarktes völlig ausgeschöpft.

Mir kommt er vielleicht deswegen nicht so sympathisch vor, weil ich seine Botschaft und seine Mission, wofür er künstlerisch stand, nicht verstehe. Da ist mir zu viel Ego und zu wenig gemeinsames Musizieren. Seine Studioaufnahmen finde ich, vor allem wegen des Perfektionismus und der Überdimensionierung des Klanges, schädlich.

Mein Vater hat erzählt, dass, als Karajans neue Aufnahme von Suppès „Leichter Kavallerie“ herauskam, man in den kommenden Jahren in Ungarn diese Ouvertüre kaum noch ins Programm nehmen durfte. Auf der Aufnahme klingen die Trompeten so bombastisch, als wären sie zu zwölft. Das Publikum war im Konzertsaal über Jahre enttäuscht, wenn dort nur die ursprünglich vorgesehenen zwei Trompeten die Fanfare spielten.

Ich verstehe zwar den musikalischen Ansatz, den er damit bewirken wollte, und da hat sicherlich auch der Zeitgeist wegen der rasanten technischen Entwicklung eine Rolle gespielt. Aber ich bin mit seinen musikalischen Lösungen bzw. seiner Überdimensionierung trotzdem nicht einverstanden.

Es ist interessant zu hören, wie unterschiedlich Karajans Dirigate sind. Neben der berühmten „Lucia di Lammermoor“ aus dem Studio gibt es auch eine Liveaufnahme aus Berlin und davor auch eine aus der Mailänder Scala mit derselben Besetzung. In Mailand brennt alles wie Feuer und Glut, ich finde es eine fantastische Aufführung! Auch seine Tempi sind deutlich schneller und haben dieses berühmte Pathos der Karajans Studioaufnahme nicht. Unter realen Umständen machte er also offensichtlich phänomenale Sachen. Deshalb sind seine Studioaufnahmen umso ärgerlicher.

Knappertsbusch oder Furtwängler, die in der Rückschau politisch ebenfalls belastet waren, bleiben in ihrer Nachwirkung viel sympathischer, weil sie beim Musizieren ehrlicher waren.

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Levente Török copyright Matthias Baus

**IOCO: Gibt es eine Tradition der ungarischen Dirigenten und inwieweit spielt das für Sie eine Rolle?**

**Levente Török:** Ob es eine ungarische Dirigententradition als Schule gibt, darüber bin ich nicht sicher. Nicht ohne Grund nennen uns Menschen im deutschsprachigen Raum Bauchmusiker und das trifft es ziemlich genau. Auch aus den aktuellen Ereignissen der ungarischen Parlamentswahlen wissen wir: in Ungarn gibt es nicht Unterschiede von wenigen Prozent, sondern sind es entweder zwei Drittel in die eine oder andere Richtung. (lacht)

Die Generation vorheriger ungarischer Dirigenten wie Fricsay, Solti oder Széll hat noch von Kodály oder teilweise von Bartók gelernt. Die meisten haben tatsächlich in der Geigenschule von Hubay studiert, zum Beispiel Ormándy, der ein ausgezeichneter Geigenspieler war. Viele Traditionen sind wie in einem Familienbetrieb weitergegeben worden. Diese Dirigenten haben daher ähnliche Auffassungen und die Musik aus gleichem Blickwinkel betrachtet. Außerdem haben sie oft nach ihren Budapester Studien, im Westen bei großen Meistern assistiert. Georg Solti wurde sicherlich stark durch seine erste Assistenz in Salzburg bei Toscanini geprägt. Da hat er selbstverständlich eine Leidenschaft für Rhythmik und Präzision entwickelt. Das sind Erfahrungen und Eindrücke, die bewusst oder unbewusst, mitgenommen werden und prägen.

**IOCO: Was hat Sie auf ihrem Berufsweg bisher besonders beeinflusst und was begeistert Sie an Oper und Konzert?**

**Levente Török:** Meine Stationen an deutschen Theatern waren Regensburg als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung, dann Ulm, Schwerin als Erster Kapellmeister und jetzt Aachen. Mir war es besonders wichtig, dass ich diese „Ochsentour“ durchmache, weil ich von klein auf den Beruf kennenlernen und ihn wirklich lernen wollte. Je länger ich diesen Beruf mache, desto klarer wird mir, dass das Operndirigieren ein ganz anderes Fach ist als die Symphonik.

Man braucht dafür eine andere Begabung, aber es ist auch eine andere Denkweise. Es braucht viel mehr Koordination, Spontaneität und oft Raffinesse. Da ich im Theater aufgewachsen bin, wollte ich eigentlich schon immer Oper dirigieren. Infolge der Anfrage aus Miskolc habe ich zwei Jahre lang ein Sinfonieorchester geleitet und auf einmal anderthalb Jahre lang tatsächlich nur Orchestermusik gemacht. Das war ein sehr schöner „Ausflug“ für mich, und es war auch wichtig, dass ich dadurch mein symphonisches Repertoire vertiefen konnte.

Mir fehlte aber das Theater. Ja, und vor allem diese wochenlange, immer tiefer bohrende Arbeit, die bei einer Opernproduktion im Fokus steht. Diese oft langsame, jedenfalls sich Schritt für Schritt entfaltende Entwicklung und der Zauber des Theaters, der mich so außergewöhnlich fasziniert.

Apropos Entwicklung: Das Lernen für einen jungen Dirigenten ist eine Kombination aus Selbermachen und Beobachten. Mir war es deshalb so wichtig, bei renommierten Festivals zu assistieren und von großen Dirigenten zu lernen. Auch seither höre ich gerne meine Idole, aber auch „normale“ Kollegen live und bin oft bei Proben. So durfte ich Abbado, Thielemann, Rattle etc. bei der Arbeit erleben. Man sieht die Kollegen, wie sie arbeiten, und kann daraus viel mitnehmen: Tricks, Lösungen für die Probeneinteilung, häufig auch einfach nur ein Gefühl für die entstandene Atmosphäre und Energie.

Besonders interessant wird es, wenn sie ausgerechnet die gleichen „Fehler“ oder eben Dinge machen, die man bei seiner eigenen Arbeit schon immer unbedingt vermeiden wollte. Das wirkt dadurch wie ein Spiegel für mich. Das ist für mich wahnsinnig lehr- und hilfreich.

Der Weg über die verschiedenen Theater und Positionen war für mich ein wichtiger Start und eine ideale Grundlage für eine lange, ausgewogene Karriere. Mein Vorsatz war und ist, offen zu bleiben und sich nie zurückzulehnen. Den Dirigentenberuf lernt man ja schließlich bis zum Tode, ich habe also noch ein bisschen Zeit. (lacht)

**IOCO: Was hat die Begeisterung für Aachen geweckt und wie muss man sich so ein Auswahlverfahren vorstellen?**

**Levente Török:** Wie gesagt, in Miskolc fehlte mir das Theater. Aachen schien von der Stadt, von der Leitung und von der Energie des Ganzen her passend zu sein. Bei einer GMD-Stelle ist es, glaube ich, wichtig, dass es von beiden Seiten passt. Ich war bei der Bewerbung auch in einer äußerst glücklichen Lage, dass ich mein Orchester in Miskolc hatte, wo ich überaus glücklich war. Ich musste nicht wechseln. Das wollte ich nur, wenn das neue Kapitel noch schöner zu sein schien.

Man darf eine Bewerbung auch nicht als Wettbewerb sehen, das heißt, dass man glaubt, wenn man aus 160 Bewerbungen eingeladen wird, müsse man sich beweisen. Wenn man das so betrachtet, kann man nur durchfallen. Erst einmal muss man gucken, ob die Chemie mit dem Orchester passt. Später, ob das auch mit dem Ensemble, mit der Leitung und mit dem Publikum. Das sind die entscheidenden Punkte. Ich muss sicher sein, an einer so verantwortungsvollen und herausfordernden Stelle richtig zu sein. Dafür muss es auch menschlich passen und sich gut anfühlen.

Das prüft die Intendanz oder das Auswahlgremium natürlich auch. Entscheidend ist aber, wie man sich an dem Ort fühlt. Wenn meine Frau und ich ein Kapitel für die nächsten fünf Jahre aufschlagen, darf es nie ausschließlich darum gehen, ob der Posten reizvoll genug ist, sondern ob man sich da wohlfühlt oder nicht. Gott sei Dank hat es sich in Aachen seit den ersten Begegnungen und Dirigaten richtig, sogar gleich etwas heimisch angefühlt.

Bereits die Runde mit dem Probedirigat lief so erfolgreich, dass der Castingdirektor aus Stuttgart, Boris Ignatov, mich gleich zur Staatsoper Stuttgart für eine Produktion von „La Cenerentola“ eingeladen hat. Obwohl ich das Ergebnis der ersten Runde noch gar nicht wusste, hat er mich schon eingeladen. Es war schon eine sehr, sehr große Ehre. Und dann ging es mit der zweiten Runde weiter, wo ich unter anderem die „Scheherazade“ im Konzert dirigieren durfte. Ich war so beflügelt beim Musizieren wie bis dahin selten. Da entstand bei mir das Gefühl: „Ja, das ist tatsächlich, wie es sein soll, ich würde mich freuen, hier zu sein.“

Dann fingen die Vorbereitungen an und mir wurden meine Lieblingsstücke angeboten. Das einzig Negative ist: ich werde in Aachen so viel zu tun haben, dass ich die Leitung des ungarischen Ensembles nicht mit reinem Gewissen hätte aufrechterhalten können. Das traf mich besonders schwer, weil ich die Mannschaft dort endlos liebe. Wir haben eine positive Entwicklung begonnen, die gar nicht so selbstverständlich war, vor allem in einem so raschen Tempo. Ich konnte also nur die ersten Früchte des gemeinsamen Wachsen genießen, aber jenes Ensemble verdient es, diesen Aufschwung nicht aufzugeben und das benötigt einen musikalischen Leiter, der regelmäßig mit ihnen arbeiten kann.

Jetzt freue ich mich aber schon auf „Don Carlo“ auf Aachen und seine großartige Theaterfamilie.

Wir redeten ausgiebig über den Zauber des Theaters: in unserem ersten Orchesterkonzert im September haben wir das Motiv des Zaubers des Frühlings und der Jugend aufgegriffen. Mit Edward Elgars „The Wand of Youth“ blickten wir auf seine Eindrücke der letzten 40 Jahre und seine Sicht auf Melodien, die er bereits als Teenager skizziert hatte, zurück. Daneben stellten wir John Rutter, die früh verstorbene Lili Boulanger und Ravels wunderbare Daphnis und Cloet. Mitgewirkt haben alle Aachener Chöre also der Theaterchor, der Extrachor und der Sinfonische Chor. Das war ein großes Erlebnis!

Ich blicke mit großer Vorfreude auch auf die gesamte Spielzeit, mit Beethoven, Brahms, Dvorák, Tschaikowski, Gershwin, aber auch mit besonderen Zeitgenossen, wie Jennifer Higdon, Andrea Tarrodi, John Rutter oder Samy Moussa. 

*Kommen Sie uns in Aachen besuchen! Es gibt viel zu entdecken und zu erleben!*