> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Das vermutlich kleinste Musikfestival der Welt in  Tribunj (Kroatien), PAPANDOPULIJANA 2026, Abschlusskonzert für zwei Harfen, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/das-vermutlich-kleinste-musikfestival-der-welt-in-tribunj-kroatien-papandopulijana-2026-abschlusskonzert-fur-zwei-harfen-ioco/
- Published: 2026-09-23T18:42:48.000Z
- Updated: 2026-09-23T18:42:48.000Z
- Author: Ljerka Oreskovic Herrmann
- Tags: ioco konzert,

### **DIE HARFE**

### **Ein musikalisches Schwergewicht**

Auf der kleinen „Insel“ findet im Sommer, allerorten ist diese Jahreszeit Festspielzeit, ein kleines Festival statt, das dem kroatischen Komponisten Boris Papandopulo (1906-1991) gewidmet ist. Aber so recht ist „otok“ keine wirkliche Insel, denn eine kurze mit Steinen gepflasterte Brücke verbindet diesen alten Teil mit dem restlichen Ort. Tribunj ist ein ehemaliges, beschauliches Fischerdorf. Natürlich hat auch hier der Tourismus Einzug gehalten, doch die Halb-Insel hat sich ihre Ursprünglichkeit zu bewahren gewusst, denn Eingriffe in die alte Struktur sind nicht gestattet. Hier befindet sich die Kirche Hl. Mariä aus dem Jahr 1732, ein sich daran anschließendes Atrium, zur Außenbühne führend, die während des Festivals für die Eröffnungsveranstaltung genutzt wird. In der Kirche, dem heutigen Kulturzentrum, fand die Abschlussveranstaltung statt: zwei Harfenistinnen präsentierten Werke von Georg Friedrich Händel bis Bernard Andrès.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/09/Herunterladen--1-.png)

Kirche Hl. Mariä, 1732, Foto: IOCO

Doch seien noch einige Bemerkungen zum Namensgeber des Festivals erlaubt. Boris Papandopulo wäre in diesem Jahr 120 Jahre alt geworden – ein Jubiläumsjahr also –, seine Witwe Zdenka Papandopulo – eine im klassischen Ballett ausgebildete Tänzerin und seine dritte Ehefrau –, die maßgeblich an der Entstehung des Festivals vor fast anderthalb Jahrzehnten beteiligt war, starb vor fünf Jahren. Der griechisch klingende Name geht auf seinen Vater zurück, der aus Stawropol stammte und zur griechischen Minderheit gehörte. Seine Mutter, die Opernsängerin Maja Strozzi (1892-1962) wiederum bekam ein erstes Engagement am Königlichen Theater in Wiesbaden (heute Staatstheater), eine Kur führte sie nach Honnef (noch ohne den Zusatz „Bad“ im Stadtnamen) und zur Bekanntschaft mit Baron Konstantin Papandopulo, es folgte die Heirat und Geburt ihres einzigen Kindes. Der junge Boris war aber kaum zwei Jahre alt, als sein Vater starb, so dass seine Mutter mit ihm (aus Russland) wieder in ihre kroatische Heimat nach Zagreb zurückkehrte, um dort ihre Opernkarriere fortzusetzen. Ihr Sohn wurde zum bedeutendsten Komponisten im späteren Jugoslawien, heute ist er es in Kroatien.

Papandopulo hat ein immenses Werk hinterlassen, die genaue Anzahl ist nicht bekannt, da viele seiner Kompositionen verstreut oder in privater Hand sind. Was aber bekannt ist, dass er *Drei Studien für Harfe solo* just in Tribunj 1981 komponiert hat, wo er über fünfzehn Jahre seines Lebens verbrachte – und dieses war in dem geschickt zusammengestellten Programm genau in der Mitte des Abends zu hören; es fassoniert als eine Art Scharnier zwischen dem barocken Teil und der französischen (Harfen-) Musiktradition. Die beiden Harfenistinnen Diana Grubišić Ćiković und ihre Tochter Veronika Ćiković treten seit einigen Jahren gemeinsam auf. Während die erstgenannte ihr jahrzehntelanges Engagement im Opernorchester am HNK Rijeka inzwischen beendet hat und sich als Professorin für Harfe an der Akademie für Musik der Universität Zagreb der Lehre widmet und auch Transkriptionen für das Instrument schreibt, steht ihre Tochter am Anfang einer Solo-Karriere und hat, wie sie im Anschluss an das Konzert erzählt, die Liebe zur Konzertharfe von ihrer Mutter übernommen. Dabei sei das Spiel durchaus herausfordernd: Es beansprucht den ganzen Körper, nicht nur die Arme, der Resonanzkörper wird mit der rechten Schulter und dem rechten Knie gestützt, zudem besitzt die Konzertharfe Pedale – wie das Klavier –, gehört aber zu den Zupfinstrumenten. Und sie verfügt über ein Gewicht von 43 Kilo, was den Transport nicht gerade erleichtert.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/09/image.png)

PAPANDOPUlIJANA 2026, Abschlusskonzert für zwei Harfen, Foto: PAPANDOPUlIJANA Festival

Dass die beiden Harfenistinnen ein eingespieltes Team bilden, ist augenblicklich zu erleben: unprätentiös, schnörkellos, konzentriert und nur auf die Musik fokussiert sitzen die beiden hinter ihren Harfen und legen sofort los. Georg Friedrich Händels *The Arrival of the Queen of Sheba* (aus der Oper Salomon HWV 67) in der Transkription von Willi März (oder auch Maerz, aber eigentlich Willi Huber, Komponist und Arrangeur, dessen musikalische Vorliebe auch der Harfe gilt) ist als Eröffnungsmusik zu hören; zunächst etwas ungewöhnlich klingend, doch zunehmend einnehmend und eine eigene Klangwirkung entfaltend, da es zu den populärsten Stücken Händels gehört. Es folgen zwei Werke von Johann Sebastian Bach. Zunächst der Choral aus der sogenannten „Jagdkantate“ oder richtigerweise *Was mir behagt, ist nur die muntere Jagd* BWV 208 (Transkription von Dewey Owens). Dann erklingt der Choral BWV 147 (in der Transkription von Maurice Duruflé) *Jesus bleibet meine Freude* – ein unvergängliches Werk und in der Harfenversion nicht minder eindringlich und erhaben und irgendwie in dem (ehemals) sakralen Raum besonders passend, denn es war der Abend vor Maria Himmelfahrt, einem Feiertag in Kroatien.

 Der Sprung zu Papandopulos Komposition beträgt fast 250 Jahre und erstaunlich ist, dass es keinen musikalischen Bruch erzeugt. Die vorhergehenden Werke waren nicht ursprünglich für Harfe entstanden, während Papandopulo für das Instrument, ihre technischen Gegebenheiten berücksichtigend, selbst schrieb. Die beiden Interpretinnen wechselten sich ab; der erste längere Teil gehörte Diana Grubišić Ćiković, langsamer gehalten und von der traditionellen Musik Nordkroatiens beeinflusst, die beiden anderen *Studien* – die zweite war ebenfalls vom gemäßigteren Tempo bestimmt – präsentierte Veronika Ćiković. In der dritten „Studie“ zieht das Tempo merklich an. Papandopulos verschmitzter Zugriff auf (damalige) „Unterhaltungsmusik“ – ein Augenzwinkern mit dem er öfter seine Stücke versah und ihn und seinen humorvollen Zugang nicht nur auf die musikalische Welt charakterisierte – ließen die Freude erkennen; und wenn man so will, auch die Freude von Bachs Werk weiterströmen und in das zwanzigste Jahrhundert auf weniger sakrale, so doch originelle Weise fortführen.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/09/17_foto_t0169.5s.jpg)

PAPANDOPUlIJANA 2026, Abschlusskonzert für zwei Harfen, Foto: PAPANDOPUlIJANA Festival

Der Dreh- und Angelpunkt des Abends, Papandopulos „Studien“, leiten über zur „französischen“ Tradition von Harfenmusik, wenngleich nur die letzte der drei weiteren Stücke originär für Harfe komponiert wurde. Claude Debussys *Petite Suite* für Klavier zu vier Hände entstand 1888 nach seinem Romaufenthalt als Stipendiat in der Villa Medici und besteht aus vier Sätzen: *En Bateau*, *Cortège*, *Menuet* und *Ballet* (Transkription von Ann Huang). Die schaukelnde Barcarole ist lebhaft zu spüren, denn die Harfe erzeugt mit ihren gezupften Klängen ebenso dieses wohlig-wiegende Gefühl; Satz zwei, wie auch der erste Satz auf Gedichte von Paul Verlaine zurückgehend, dagegen ist ein feierlicher Umzug oder auch Aufzugsmarsch genannt im 4/4 Takt. Das *Menuet*, an die „fêtes galantes“ anspielend, wie auch das *Ballet* weist bereits zum vorletzten Stück des Abends voraus: Maurice Ravels berühmtes Werk *Ma mère l’oye*.

Ravel, als Klavierduett zu vier Händen für Kinder seiner Freunde 1910 komponiert, orchestrierte *Ma mère l’oye*  ein Jahr später zu einer fünfsätzigen Suite; es verlangt besondere Fertigkeiten und Feingefühl, die märchenhaft-kindliche Welt voller Farben und Bilder zu transportieren, gleichzeitig die ungeheure Raffinesse mit ihren zahlreichen Details einzufangen und dabei nicht zu leicht oder gar oberflächlich zu werden. Und hier zahlt sich die langjährige Erfahrung von Diana Grubišić Ćiković aus, die mit zahlreichen Orchestern gespielt hat und ein immenses Wissen über das Instrument besitzt (Transkription von John B. Escosa). Im Zusammenspiel mit ihrer Tochter, Veronika Ćiković, kommen diese beiden Elemente perfekt zusammen: die farbenfrohen und immer wieder neu entstehenden Bilder mit dem trickreichen Detailreichtum von Ravels Komposition zu verbinden, kindlich-naiv und gleichsam erwachsen-bewusst, dass dieser Zustand nicht von Dauer ist. Die beiden spielen allerdings vier Sätze: *Pavane de la Belle au bois dormant* (Dornröschen), *Petit Poucet* (Der kleine Däumling), *Laideronnette, impératrice des pagodes* (Die kleine hässliche Kaiserin von den Pagoden) und *Le jardin féerique* (Der Feengarten).

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2026/09/02_t0012.8s.jpg)

PAPANDOPUlIJANA 2026, Abschlusskonzert für zwei Harfen, Foto: PAPANDOPUlIJANA Festival 

Bevor der Abend mit einem für Harfe geschriebenen Werk endet, wendet sich Grubišić Ćiković mit einer kurzen Ansprache an das Publikum: der französische Harpist und Komponist Bernard Andrès sei kürzlich verstorben – und so ist das letzte Stück, was an diesem Abend von ihnen präsentiert wird, in gewisser Weise als eine Widmung an Andrès vom Publikum verstanden worden. Er galt als der bedeutendste Komponist für Konzertharfe (wie auch keltische Harfe), deren Repertoire er maßgeblich erweiterte und fügt sich mit seinem Werk in die große französische Harfen-Tradition und Musik allgemein ein. Sein 1993 entstandenes Werk schließt damit auch nahtlos an Ravel an: *Le jardin des Paons* (Der Garten der Pfauen) könnte ebenso einem Märchengarten entspringen, wenn es sich nicht um die mythologischen Figuren Zeus und Hera handeln würde; für Zeus‘ Gattin war der Pfau ihr heiliges Tier, und bekannt ist ebenso, dass ihre Ehe von heftigen Konflikten und Eifersucht geprägt war. Dass das Stück wenig Naivität und kindliche Verspieltheit enthält, versteht sich beinahe von selbst; den charakteristischen Schrei (anklingend), seinen ausgeprägten stolzen Gang und Schönheit hat Andrès auf eindrückliche Art eingefangen. Der Abend endet mit einem äußerst klangschönen Finale, was mit großem Applaus belohnt wurde.