> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Cottbus, Staatstheater Cottbus, Turandot von Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 17.11.2017
- URL: https://www.ioco.de/cottbus-staatstheater-cottbus-turandot-von-giacomo-puccini-ioco-kritik-17-11-2017/
- Published: 2017-11-17T17:00:31.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:42:16.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Puccini, giacomo puccini, Cottbus

![cottbus.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/cottbus.jpg "Staatstheater Cottbus")

[Staatstheater Cottbus](http://www.staatstheater-cottbus.de/?ref=ioco.de)

![Staatstheater Cottbus © Marlies Kross](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/03/cottbus_marlies_kross_72_b.jpg "Staatstheater Cottbus © Marlies Kross")

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

# ***Turandot* von Giacomo Puccini**

***Knallharter Polit-Thriller - Mord, Lug, Betrug***

Von **Thomas Kunzmann**

**Cottbus,** das letzte verbliebene Vier-Sparten-Theater Brandenburgs mit seinem wunderbaren Jugendstil-Gebäude, wagt sich regelmäßig an Extreme. In einem unglaublichen Kraftakt wurde **Wagners** Ring über 10 Jahre hinweg geschmiedet und auch die vielgelobte ***Elektra*** 2015-17 kann man getrost zu den erfolgreichen Experimenten zählen. Intendant **Martin Schüler,** seit 1991 am Haus. Dessen Leitung übernahm er 2003 von **Christoph Schroth.** Mittlerweile ist er dienstältester Intendant in den neuen Bundesländern und plante **Puccinis** letztes Werk bereits für die Saison 15/16, musste sie jedoch auf die Folgesaison verschieben und schob stattdessen ***Tosca*** ein. Nun also ***Turandot.***

![Staatstheater Cottbus / Turandot - hier vorne Martin Shalita als Calaf und Ensemble © Marlies Kroos](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/11/turandot_6kuneu.jpg "Staatstheater Cottbus / Turandot - hier vorne Martin Shalita als Calaf und Ensemble © Marlies Kroos")

Staatstheater Cottbus / Turandot - hier vorne Martin Shalita als Calaf und Ensemble © Marlies Kroos

Das Foyer ist gut gefüllt an diesem Freitag. Nicht nur Cottbuser nutzen das hiesige Kulturangebot der Extraklasse gern, regelmäßig sind viele Berliner Besucher im Haus. Die konstante künstlerische Qualität auf hohem Niveau hat sich längst herumgesprochen und gilt nicht einmal mehr als Geheimtipp: als Gast jedenfalls geht man hier kein Wagnis ein. Die Verbindung in die Hauptstadt ist gut, die Kartenpreise moderat.

**Martin Schüler** inszeniert ***Turandot*** als knallharten Polit-Thriller, in dem den Protagonisten alle Mittel recht sind: Mord, Bestechung, Betrug und Vortäuschen der großen Liebe. Entsprechend gewaltig führt **Evan Christ** durch die Partitur. Mit unglaublicher Wucht setzt das Orchester ein und macht von den ersten Takten an klar, dass es hier nicht um ein liebliches asiatisches Märchen geht, sondern schlichtweg um Alles.

Und wenn der fulminante Chor hinzukommt spürt man bis in die letzte Reihe, dass sie keineswegs beabsichtigen, den Musikern das (Schlacht)Feld zu überlassen. Erbarmungslose Politik, in der jeder seine individuellen Ziele verfolgt, statt betörender Romantik. ***Ping, Pang*** und ***Pong*** haben die despotischen Machenschaften der Prinzessin satt und das Volk, anfänglich noch vorfreudig auf eine erneute Hinrichtung als Massenschauspiel, empfindet Mitleid für den persischen Prinzen, der ***Turandots*** Rätsel nicht lösen konnte. Ein neuer Herrscher muss her.

![Staatstheater Cottbus / Turandot hier vorne Martin Shalita als Calaf, hinten Soojin Moon als Turandot © Marlies Kroos ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/11/turandot_1kunzmannneu.jpg "Staatstheater Cottbus / Turandot hier vorne Martin Shalita als Calaf, hinten Soojin Moon als Turandot © Marlies Kroos")

Staatstheater Cottbus / Turandot hier vorne Martin Shalita als Calaf, hinten Soojin Moon als Turandot © Marlies Kroos

In den Hinterzimmern der Macht, in die man dank der Drehbühne Einblick bekommt, geht es mit Mädchen, Cognac und Zigarren dekadent zu. Die Minister weihen den Fremden in ihre Pläne ein, den weder Hinrichtung noch Warnungen, und schon gar nicht die zur Abschreckung aufgestellten Köpfe der früheren Bewerber abhalten können. Nicht von ungefähr kann ***Calaf*** letztlich die verzwickten Aufgaben lösen. Selbstsicher gibt er sogar sein Geheimnis preis und bricht mit vorgetäuschter Liebe ***Turandots*** Restwiderstand, während er, einem Buchhalter der Macht gleich, die Immobilien und Wertgegenstände seines zukünftigen Reiches taxiert. Frisch an der Spitze des totalitären Staates rollen die Köpfe der Steigbügelhalter seines Aufstiegs. Ein überraschender, aber überzeugender Plot - kein Happy End.

**Soojin Moon,** vom Cottbuser Publikum bereits als ***Tosca*** umjubelt, gestaltet die Titelfigur der ***Turandot*** glaubhaft eiskalt in einer männerdominierten Welt. Mal scharf und spröde, dann wieder unglaublich weich kann sie sich jederzeit nicht nur gegen das Orchester durchsetzen, sondern treibt mit ihm zusammen zu unglaublicher Intensität.

**Martin Shalita,** bisher in Nordhausen und Koblenz zu hören, empfiehlt sich bestens mit seinem jederzeit sicheren und kraftvollen ***Calaf*** als neuer Tenor am Hause, wo er ab nächster Saison zum Ensemble gehören wird und den alternierend singenden, eher lyrischen **Jens Klaus Wilde** entlasten wird. Den Kraftakt der Rolle, die durch die Orchesterführung nicht gerade erleichtert wird, gestaltet er sowohl stimmlich als auch schauspielerisch überzeugend als kühl berechnender, zukünftiger Despot mit authentischer Bühnenpräsenz. Vom Publikum abgewandt zu singen dürfte wohl fast jedes Tenors stimmliche Kapazitäten übersteigen – was hier allerdings eindeutig am Orchester liegt. Dieses schickt aus dem Graben ein Feuerwerk an Impulsivität, die sich mit der leider bereits abgespielten ***Elektra*** vergleichen lässt. Mitunter geht das zu Lasten der Transparenz, die lediglich in den seltenen emotionalen Momenten zum Tragen kommt. Besonders eindrücklich mit der großartigen **Debra Stanley** als ***Liu*** sowie dem warmen Bass **Ingo Witzkes** (***Timur***) klingt **Puccinis** Thema aller Werke durch: ***die Liebe.***

![Staatstheater Cottbus / Turandot - hier Andreas Jäpel als Mandarin und Ensemble © Marlies Kroos](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/11/turandot_21neu.jpg "Staatstheater Cottbus / Turandot - hier Andreas Jäpel als Mandarin und Ensemble © Marlies Kroos")

Staatstheater Cottbus / Turandot - hier Andreas Jäpel als Mandarin und Ensemble © Marlies Kroos

Die Minister **Ping, Pang** und ***Pong*** als Strippenzieher bestechen durch Homogenität in Handlung und ausgewogener Klangfülle. Hoch in der Gunst des Cottbuser Publikums stand der Einsatz einer ehemaligen Größe des Hauses: **Max Ruda** als ***Kaiser.* Ruda** war 1978 bis 2000 Tenor in Cottbus (u.a. in ***Zauberflöte, Zarewitsch, Tannhäuser, Pique Dame***), gab allerdings auch schon in den 60ern den ***David*** in Bayreuth. Den gebrechlichen Monarchen, der weder ***Turandot*** in den Griff bekommt, noch ***Calaf*** von seinem Weg abbringen kann, verkörpert er herzerwärmend.

Diese typische **Schüler**\-Inszenierung mit klarem Bühnenbild, fantasievollen, historisierenden Kostümen und einem schlüssigen Konzept, gestaltet mit eigenen Solisten und Gästen, die sich hervorragend in das ***Turandot*** \- Team integrieren, lohnt jede noch so weite Anreise.

Tipp am Rande: Die Theaterkantine ***Tellheim*** an der Rückseite des Theaters eignet sich vortrefflich, den Abend ausklingen zu lassen.

***Turandot* am Staatstheater Cottbus, weitere Vorstellungen: 7.12.2017; 9.1.2018; 18.2.2018; 5.5.2018; 10.6.2018**

\---| Pressemeldung Staatstheater Cottbus |---