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# Christoph Willibald Gluck, Komponist und Reformer - 300 Jahre, IOCO Portrait, 02.07.2014
- URL: https://www.ioco.de/christoph-willibald-gluck-komponist-und-reformer-300-jahre-ioco-portrait-02-07-2014-2/
- Published: 2014-07-03T16:00:43.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:22:15.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Portraits, Interview, Karten

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# **Portrait**

**Christoph Willibald Gluck: Hofkapellmeister, Reformer, Superstar**

![Christoph Willibald-Gluck © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/07/christoph_willibald-gluck_foto-ioco5_2.jpg "Christoph Willibald-Gluck © IOCO")

Christoph Willibald-Gluck © IOCO

**Christoph Willibald Gluck,** *2\. Juli 1714 – 15\. 11\. 1787,*  steht in der ersten Reihe bedeutender europäischer Opernkomponisten. Das Kunstwerk Oper, in welcher Handlung, Emotionen und Musik eine kompositorische Einheit bilden, bestand zu Anfang des 18\. Jahrhunderts nicht. In Deutschland überwogen emotionslose Singspiele, in Italien herrschte unwirklicher Schöngesang. Zu ihrer noch heute geltenden Form, zu struktureller Neuerung fand die europäische Oper erst durch **Christoph Willibald Gluck.** Dennoch wird **Gluck** zu seinem 300\. Geburtstag (2\. Juli 2014) wenig gefeiert. **Verdi, Wagner** und **Richard Strauss** und deren Geburtstage stehen im Vordergrund, sind populärer. Sie jedoch sind nicht die Lehrmeister der Moderne. **Christoph Willibald Gluck** war es, welcher die italienische *Opera Seria,* die französische *Tragédie lyrique, Vaudeville, buffa,* deutsches und österreichisches Singspiel reformierte und abendländisches Opernschaffen zu neuen Ufern führte.

**Gluck** wurde als erstes von neuen Kindern eines Försters in Diensten des **Fürsten Lobkowitz** in Erasbach, Oberpfalz, geboren. Vom Försterdasein weniger angezogen als von der Musik, er spielte bereits in jungen Jahren mehrere Instrumente, verließ er sein Zuhause als ihm das Musikstudium verweigert wurde. Seine heimliche Flucht (*„…mit wenig Groschen in der Tasche, verließ ich heimlich das elterliche Haus..“*) führte ihn nach Prag, wo er studierte und sich als Tanzgeiger durchschlug. In Mailand studierte **Gluck** ab 1737 Kompositionslehre und wurde als leichter italienischer Komponist auffällig: **Artaserse** (1741), **Demetrio, Demofoonte , Il Tigrane, La Sofonisba, Ipermestra, Poro**(1744), **Ippolito** (1745) heißen seine in Italien geschriebenen, heute weitgehend unbekannten Singspiele. 1746 begann **Gluck** eine intensive Reistätigkeit, meist als Mitglied einer mobilen Operntruppe. In London lernt er **Georg Friedrich Händel,** in Paris **Jean Philippe Rameau** und deren Opernkunst kennen. Aber auch in Prag, Hamburg, Kopenhagen, Wien, Dresden und Neapel war **Gluck** präsent, mit eigenen Kompositionen.

![Wiener Wohnhaus / Christoph Willibald © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/07/wiener-wohnhaus-chrw-gluck_foto-ioco2.jpg "Wiener Wohnhaus / Christoph Willibald © IOCO")

Wiener Wohnhaus / Christoph Willibald © IOCO

Um 1750 wird **Gluck** in Wien endgültig ansässig, heiratet **Maria Anna Bergin**, wird von 1752 bis 1764 Hofkapellmeister (**Antonio Salieri** wird dort ab 1774 sein Nachfolger) und entwirft für **Kaiser Franz I.** (Gatte der **Erzherzogin Maria Theresia**) erfolgreich heitere ***Vaudeville-Opern***, welche bereits ein neuer realistisch-einfacher Ausdruckstil prägt: *Der bekehrte Trunkenbold, Der betrogene Kadi, Die Pilger von Mekka.* Intensive Opern-Reformen beginnt **Gluck** jedoch erst 1761, als er den Dichter und Diplomaten **Raniero da Calzabigi** kennenlernte. Den in Italien dominanten wie sinnesfrohen Schöngesang, beherrscht von Primadonnen, Kastraten zurück zu drängen, sich von der *Opera seria* abzuwenden und die Gleichwertigkeit von Text und Musik in der Oper herzustellen wurde zu ihrer Mission: „*…war meine Absicht, Mißbräuche, welche die Eitelkeit der Sänger.. und der Komponisten eingeführt haben, zu vermeiden. Die Handlung nicht immer wieder zu unterbrechen..durch unnütze Verzierungen zu entstellen*.“ Mit **Calzabigi** komponiert **Gluck** die ersten großen Reformopern in italienischer Sprache *Orpheus und Euridike (1762), Aleceste (1767)* und *Paris und Helena (1769)*. Die Dichtungen (Libretti) lösen sich darin von modischen Vorbildern und stellen die Charaktere in psychologisch motivierte Zusammenhänge und erlauben es**,** „*Leidenschaften auszudrücken und eine energische Musik zu schaffen*“. Kompositionen mit überladenen Da-capo Arien und Ziergesang (Virtuosenfutter) für italienische Belcantisten lehnt **Gluck** ab. **Glucks** formt Lieder, Arien, Tänze und Chöre voll authentischer Emotionalität, ausdrucksvolle dramatische Szenen. Seine Opern werden in ganz Europa gespielt. **Christoph Willibald Gluck** ist endgültig zu einen Superstar seiner Epoche geworden. **Papst Benedikt XIV.** ernannte ihn 1756 zum **Ritter des Goldenen Sporns**. **Gluck** durfte sich fortan **Ritter von Gluck** (Bild) nennen.

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1773 lässt sich **Gluck** in Paris nieder: **Marie Antoinette,** Tochter der **Erzherzogin Maria Theresia,** seine ehemalige Gesangsschülerin in Wien, vermittelte ihm einen Auftrag der **Pariser Operndirektion** über sechs Opern in französischer Sprache. Die erste Oper dieses Auftrags***, Iphigenie in Aulis (1774)*** sollte ungeahnte Folgen haben: Ein lange schwelender Streit über die „Vorherrschaft“ des italienischen oder französischen Opernstils (Buffonisten-Streit) brach wieder aus und trug absurde wie verletzende Züge. Die *Oper Roland*, an der **Gluck** 1775 gerade arbeitete, wurde von seinem Pariser Widersacher **Piccinni** auf „italienisch“ komponiert. **Gluck** zerstörte aufgebracht seine bereits erarbeitete Komposition von *Roland.* Der Streit war heftig, doch nur zwischen den Anhängern, den ***Gluckisten*** und ***Piccinnisten***. Denn die Väter dieses Streits, **Gluck** und **Piccinni,** schlossen inmitten des Streits ihrer Anhänger Freundschaft. Die Opern *Armide,* eine französische Version seiner früheren *Orpheus und Euridike, Iphigenie auf Tauris* *(1779), Echo und Narziß (1779)* entstanden in Paris.

![Grabstätte Christoph Willibald © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/07/christoph-willibald-gluck_foto-ioco.jpg "Grabstätte Christoph Willibald © IOCO")

Grabstätte Christoph Willibald © IOCO

In den Proben zu *Echo und Narziß* erlitt Gluck am 30\. Juli 1779 einen Schlaganfall, von dem er sich nie richtig erholte. Er zog sich nach Wien zurück, komponierte noch kleinere Werke und starb am 15\. November 1787 nach einem weiteren Schlafanfall. Zu seinem Begräbnis dirigierte **Antonio Salieri,** dann Wiener Hofkapellmeister, **Glucks** Komposition **De profundis.**

**Christoph Willibald Gluck** war zu seinem Tode berühmt und angesehen, als Mensch, Komponist und Reformator. **Wolfgang Amadeus Mozart** hatte ihn vor seinem Tod mit seiner Frau **Constanze** in Wien noch besucht. **IOCO** / Viktor Jarosch / 02.07.2014