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# Chemnitz, Theater Chemnitz, Lohengrin - Richard Wagner, IOCO Kritik, 28.01.2020
- URL: https://www.ioco.de/chemnitz-theater-chemnitz-lohengrin-richard-wagner-ioco-kritik-28-01-2020/
- Published: 2020-01-28T08:00:59.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:01:06.000Z
- Author: Thomas Thielemann
- Tags: Kritiken, Oper & Operette, Chemnitz

![die_theater_chemnitz.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/die_theater_chemnitz.jpg "Die Theater Chemnitz")

[Theater Chemnitz](http://www.theater-chemnitz.de/?ref=ioco.de)

![Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/05/theater-chemnitz-c-dieter-wuschanski.jpg)

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

# ***Lohengrin* \- Richard Wagner**

**\- Mit Lohengrin auf dem Rummelplatz -**

von **Thomas Thielemann**

Nach der Fertigstellung der Partitur des ***Tannhäuser*** reiste der Königlich Sächsische Hofkapellmeister **Richard Wagner** mit Frau Minna, Hund und Kanarienvogel am 3\. Juli 1845 von Dresden zu einem Kuraufenthalt ins Böhmische nach Marienbad. Kreative Unruhe behinderten die Bäder sowie Brunnenkuren und brachte frühere noch ruhende Projekte zur Geltung. Ein noch unklares Konzept zum Schwanenritter-Motiv des Wolframs von Eschenbach geisterte seit dem Pariser Aufenthalt in seinem Kopf. So begann er, parallel zur Arbeit an einem **Meistersinger-**Spektakel, die Prosafassung der **Lohengrin-**Szenen auszuführen. Ohne Rücksicht auf historische Gegebenheiten verschob er Figuren sowie Fürstentümer in Zeit und Raum, bis er *„die Berührung einer übersinnlichen Erscheinung mit der menschlichen Natur und die Unmöglichkeit einer Dauer derselben*“ wirkungsvoll gestaltet hatte.

![Theater Chemnitz / Lohengrin - hier : Ensemble und Chor © Nasser Hashemi](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/lohengrin-1-neu.jpg)

Theater Chemnitz / Lohengrin - hier : Ensemble und Chor © Nasser Hashemi

Nach Dresden zurückgekehrt, las er am 17\. November 1845 im Restaurant ***Engel*** den Mitgliedern des Montagsklubs, dem u.a. auch **Robert Schumann, Adam Hiller** und **Gottfried Semper** angehörten, die Dichtung vor. Bei allem Lob der Freunde für die Dichtung, bezweifelte aber vor allem **Schumann,** dass **Wagner** zum Text eine Musik komponieren könne. **Wagner** aber, gewohnt auf seine Inspirationen zu warten, nutzte einen Urlaubsaufenthalt vom 15\. Mai bis zum 30\. Juli 1846 im Schäfer´schen Gut des Dorfes Graupa, um die Umrisse der Kompositionsskizze niederzuschreiben. **Wagner** wanderte oft in der Umgebung, schwamm in der Elbe und ließ sich vom Vogelgezwitscher sowie anderen Geräuschen seiner Umgebung inspirieren.

![Richard Wagner Denkmal in Graupa © IOCO / TThielemann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/wagner-denkmal-in-graupa-foto-ioco_-thielemann-neu2020-1.jpg)

Richard Wagner Denkmal in Graupa © IOCO / TThielemann

Das Dorf **Graupa** ist inzwischen ein Ortsteil von Pirna. Im Schloss von **Graupa** befindet sich eine sehenswerte Wagnergedenkstätte mit einem interessanten Museum. Das Gut steht dem interessierten Wagner-Freund offen. Auch befindet sich im nahen Liebethaler Grund, einem der damaligen Wanderziele des Komponisten, ein Wagner-Denkmal mit einer Höhe von 12,5 Meter; siehe Foto.

Das Auskomponieren des Werkes wurde mehrfach unterbrochen, denn Wagner war kein Eilfertigkeitsapostel. Weil ihn andere Projekte ablenkten, aber auch die Tagesaufgaben als Hofkapellmeister forderten und er sich zunehmend auch politisch betätigte, zog sich die Arbeit lange hin. Somit konnte er erst am 28\. April 1848 die Niederschrift der **Lohengrin-**Partitur abschließen.

Seit wir am 19\. Mai 2016 in der **Semperoper** die legendäre Lohengrin-Aufführung in der fast konservativen Mielitz-Inszenierung von 1983 mit **Georg Zeppenfeld, Anna Netrebko, Piotr Beczala, Evelyn Herlitzius, Tomasz Konieczny,** der **Sächsischen Staatskapelle** unter der musikalischen Leitung von **Christian Thielemann** erleben durften, besuchen wir jede Vorstellung der von uns sehr geliebten Wagner-Oper mit etwas gemischten Gefühlen. Dieses, mein Problem, konnte auch die musikalisch hervorragende Bayreuther Lohengrin-Premiere am 25\. Juli 2018 nicht kompensieren.

Auf der Drehbühne des **Theater Chemnitz** war von **Sebastian Ellrich** und seinen Handwerkern dem Regieteam von **Joan Anton Rechi** eine gewaltige Achterbahn aufgebaut worden. **Rechi,** 1968 im Fürstentum Andorra geboren arbeitet seit 2011 mit dem aus Magdeburg stammenden **Ellrich** (Jahrgang 1984) zusammen.

Nun war **Richard Wagner** ohnehin nicht pingelig, wenn es um die Verschiebung historischer Gegebenheiten in Zeit und Raum ging. Und so muss er sich gefallen lassen, dass die Dramaturgin **Carla Neppl** seine Texte und seine Musik nutzt, um die sozialen und zwischenmenschlichen Probleme eines ansonsten wenig beachteten Kokons der Rummelplatzbetreiber zu thematisieren, damit aber auch gleichzeitig zu verallgemeinern. Das Theater Chemnitz bildete aus seinen Opernchören, einem Kinderchor und Gastsängern weiterer Chöre sowie der Statisterie eine beeindruckende Menschengruppe gebildet. Die Kostümbildnerin **Mercè Paloma** hatte die Gruppe mit Kleidung aus allen Bevölkerungsschichten ausgestattet.

![Theater Chemnitz / Lohengrin - hier : Cornelia Ptassek als Elsa, Mirko Roschkowski als Lohengrin © Nasser Hashemi](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/pr14_lohengrin__c_nasser_hashemineuneu1.jpg)

Theater Chemnitz / Lohengrin - hier : Cornelia Ptassek als Elsa, Mirko Roschkowski als Lohengrin © Nasser Hashemi

Mit ausgezeichnetem Gesang und guten darstellerischen Leistungen übernahm die Gruppe eine tragende Rolle in den ersten beiden Aufzügen. Nach ihrer Klassenzugehörigkeit agierten sie mit den Solisten und machten den ersten Akt mit dem sich ständig bewegenden Achterbahn-Vehikel zu einem kurzweiligen Spektakel. Besonders gefiel mir, dass beim Gottesgerichts-Streit der Kampfplatz weggedreht war und man Chormitglieder vom Gerüst, gleichsam wie beim Fußball des ***Chemnitzer SC,*** die Kämpfer anfeuerten. Spielstätte des zweiten Aktes war die Unterkunft der Betreiber der Rummelplatzattraktionen. Die Aktionen passten aber über weite Strecken in herkömmliche Inszenierungen, auch wenn die Liegestützaktionen und die Weitergabe eines Befehls des ***Königs*** per Smartphone konservative Besucher irritierten. Das löste sich erst auf, als der Schwan wieder auf der Bühne erschien und Telramund vier depressive Rentner von einer Gartenbank aufjagte. Diese vier *„Edlen von Brabant“* teilten den Chor in aktive Pro- und Contra-Gruppen, die ihrerseits die Handlung vorantrieben.

Der dritte Aufzug bot trotz interessanter Personenführung wenig Neues. Erst als klar war, dass **Ortruds** Fluch eine Rückkehr des Bruders der ***Elsa*** ausschloss, wurde die Inszenierung richtig zeitgemäß: Lohengrin überreichte seiner Gattin die Macht-Insignien Brabants und ernannte sie zum **Herzog.** Die Achtung vor **Wagners** Text ließ leider die aktuelle Sprachgestaltun *„zur Herzogin“* nicht zu.

Das musikalische Gerüst des Abends lieferte die **Robert-Schumann-Philharmonie** mit der musikalischen Leitung des bekennenden Wagnerianer **Guillermo Garcia Calvo.** Dabei erwies sich **Calvo** als zuverlässiger Partner des Regiekonzepts **Rechis.** **Calvo** ließ sich Zeit, jagte weder seine Musiker noch die Sänger durch die Partitur, baute damit aber durchaus auch Spannungen auf, leitete aber nicht immer sängerfreundlich. Neben einer guten Orchesterleistung der **Robert-Schumann-Philharmonie** begeisterten hörenswerte Gesangsleitungen mit ordentlichen Textverständlichkeiten.

Den **Lohengrin** verkörperte **Mirko Roschkowski** als einen ziemlich kalten, unsensiblen und weltlichen Partner der **Elsa** von **Cornelia Ptassek.** Stimmlich gut ausgestattet, besticht seine Bühnenpräsenz. Aber egal, wie sich **Elsa** verzweifelt mühte, er gab ihr keinen Halt.

Mit **Cornelia Ptassek** stand **Rechi** mit ihrem klangschön, kraftvoll geführtem Sopran eine ordentliche **Elsa von Brabant** zur Verfügung. Mädchenhaft, opulent bühnenpräsent und stolz agierte sie in den ersten beiden Akten. Ebenso überzeugend entwickelte sich ihre Verzweiflung zum Ende des dritten Aktes hin.

![Theater Chemnitz / Lohengrin - hier : Magnus Piontek als Heinrich der Vogler © Nasser Hashemi](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/pr10_lohengrin__c_nasser_hashemineuneu2.jpg)

Theater Chemnitz / Lohengrin - hier : Magnus Piontek als Heinrich der Vogler © Nasser Hashemi

Aber so sehr ich die Charaktere von **Elsa** und **Lohengrin** liebe, meine Lieblingscharaktere der Oper bleiben deren Antagonisten **Ortrud** und ***Telramund.* Stéphanie Müther,** am Haus als **Brünnhilde** bereits bestens eingeführt, war mit ihrem wilden Hass in jeder Geste und einer Stimme, die Zähne zeigte, eine schreckliche Gegnerin. Mit ihren ersten leisen Tönen im ersten Akt wird bereits deutlich, dass sie **Elsa** mit ihrem naiven Glauben keine Chance auf ein glänzendes Heldentum lässt. Mit ihrem finalen sich selbst entlarvenden Wutausbruch schuf sie vielleicht den sängerischen Höhepunkt des Abends.

Da war der **Telramund**  des Tschechischen Baritons **Martin Bárta** mit seiner noblen Stimme doch deutlich zurückhaltender, eher menschlich, aber von der **Ortrud** abhängig. Mit seiner ehrfurchtsvollen Auftrittsarie zurückhaltend lyrisch, beweist er, dass die Stimme in den Mittellagen durchaus zu umfangreichen Ausbrüchen fähig ist, so dass er den Ausfällen der **Ortrud** standhalten konnte. Warum er beim Schluss-Beifall so wenig bedacht worden war, hat sich mir nicht erschlossen.

Die der Wagner-Figur des König Heinrich zugedachten Episoden waren vom Haus-Bass Magnus Piontek mit ordentlicher Bühnenpräsenz und gut dosiertem Gesang geboten. Ebenso gut präsentierte sich **Andreas Beinhauer** als **Heerrufer.** Auch die vier als *brabantische Edle* ausgeschrieben Rollen waren mit dem kristallklaren Tenor **Florian Sivers**, dem leichten Haus-Tenor **Till von Orlowski,** dem zupackend profund dem Bass **André Eckert** und leichteren Bass **Tommaso Randazzo** recht opulent besetzt.

Ordentliche Ovationen und die unvermeidlichen vereinzelten Buhrufe feierten Regieteam und die Bühnenbesatzung. Damit wird die Rechi-Inszenierung ihren Platz im interessanten Repertoire der **Oper Chemnitz** einnehmen.

\---| IOCO KritikTheater Chemnitz |---