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# Chemnitz, Theater Chemnitz, Fidelio - Ludwig van Beethoven, IOCO Kritik, 01.06.2019
- URL: https://www.ioco.de/chemnitz-theater-chemnitz-fidelio-ludwig-van-beethoven-ioco-kritik-01-06-2019/
- Published: 2019-06-01T09:00:30.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:55:24.000Z
- Author: Thomas Thielemann
- Tags: Konzert & Liederabend, Beethoven, Kritiken, Chemnitz

![die_theater_chemnitz.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/die_theater_chemnitz.jpg "Die Theater Chemnitz")

[Theater Chemnitz](http://www.theater-chemnitz.de/?ref=ioco.de)

![Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/05/theater-chemnitz-c-dieter-wuschanski.jpg)

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

# ***Fidelio* \- Ludwig van Beethoven**

***Florestan, ein Mitglied der Oberklasse, ist verschwunden ....***

von **Thomas Thielemann**

Die **Oper Chemnitz** hatte zur zweiten Aufführung der leider wenig beachteten klugen und sensiblen Inszenierung des ***Fidelio*** von **Ludwig van Beethoven** eingeladen. Auch um das desaströse Bild der Stadt in den Medien etwas gerade zu rücken. Eventuell wollte das Haus einen Beitrag zur Deutung des eigentlich unmöglichen Wahlverhaltens der Sachsen am letzten Wochenende leisten.

**Fidelio - Ludwig van Beethoven** youtube Trailer Theater Chemnitz **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

In einer beliebigen Bananenrepublik unserer Tage ist das Mitglied der Oberklasse, ***Florestan***, verschwunden. Seine Ehefrau ***Leonore*** nutzt skrupellos alle Möglichkeiten, um ihren Mann aufzuspüren und der Gesellschaft zurückzugeben. Da ist für sie auch legitim, in der Verkleidung als ***Fidelio*** die Treuherzigkeit des Gefangenenwärters ***Rocco*** zu missbrauchen, seine Tochter ***Marzelline*** verliebt zu machen und sogar eine Eheschließung vorzubereiten.

![Theater Chemnitz / Fidelio - hier : Guibee Yang  als Marzelline © Nasser Hashemi](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/fidelio_pr06__c_nasser_hashemineu.jpg)

Theater Chemnitz / Fidelio - hier : Guibee Yang als Marzelline © Nasser Hashemi

Soweit ist die Inszenierung von **Robert Lehmeier** mit ihrer guten Personenführung fast konventionell. Den ersten Akt mit der Vorbereitung einer Grillparty zu verbinden, bis dann die robusten Personenschützer des ***Pizarros*** die Bühne übernehmen, ist nicht besonders originell. Auch dass **Lehmeier** die Geschichte aus der Sicht **Marzellines** erzählen lässt, fand ich als Zuhörer angenehm. Denn die oft von Sängern gestammelten Rezitative und Dialoge zwischen den Musiknummern waren gestrichen. Stattdessen wurden die Reflexionen der jungen Frau von der guten Schauspielerinnenstimme **Christine Gabsch** *"aus dem Off“* (so die nette die Einführung Vortragende) eingesprochen.

**Lehmeiers** Inszenierung schien sich damit auf die eigentlichen Verlierer des Geschehens **Marzelline, Rocco** und ***Jaquino*** zu bewegen, als die **Robert-Schumann-Philharmonie** unter der beeindruckenden Leitung des *„assistierenden Kapellmeiste“* **Jakob Brenner** mit der ***Leonoren Ouvertüre Nr.2*** (von 1805) mit einem musikalischem Höhepunkt des Abends das Finale vorbereitete.

Der Vorhang öffnete sich: statt der bis zu dieser Phase des Geschehens dunklen Farben über-raschte **Robert Lehmeier** sein Publikum mit einem vorwiegend vertikal angeordnetem gewaltigen Statisterie Aufgebot in bunter „Verkleidung“, fast regungslos nur mit einer der Pantomime entlehnten Armbewegung.

Vor diesem offensichtlich desinteressierten aber auch unbeachteten statischen Winke-Volk lässt **Lehmeier** die berühmte Schlussszene als *„Friede-Freude-Eierkuchen“* in zugegebenermaßen hoher musikalischer Qualität ablaufen, indem sich der Minister, **Leonore, Florestan** mit Chorbegleitung gegenseitig befeiern. Dazu am rechten Bühnenbereich die „Verlierer“ ***Marzelline, Rocco, Jaquino.***

![Theater Chemnitz / Fidelio - hier : Siyabonga Maqungo als Jaquino, Magnus Piontek als Rocco, Pauliina Linnosaari als Leonore © Nasser Hashemi](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/fidelio_pr09__c_nasser_hashemineu.jpg)

Theater Chemnitz / Fidelio - hier : Siyabonga Maqungo als Jaquino, Magnus Piontek als Rocco, Pauliina Linnosaari als Leonore © Nasser Hashemi

Ein Opernschluss, der regelrecht im Halse stecken geblieben ist, denn, sind nicht die wahren Verlierer Jene, die nicht aus ihrer Beteiligungslosigkeit herausfinden? Mit jedem unserer Abstecher nach Chemnitz hat uns die Qualität, wie dort musiziert und gesungen wird, gefallen. Die **Robert-Schumann-Philharmonie** als guter Sinfoniker und Sänger-begleiter über-zeugte diesmal mit der aufmerksamen Leitung des „assistierenden Kapellmeisters“ **Jakob Brenner.**

Eine sängerisch-schauspielerisch auch emotional bewegende Leistung bot die Koreanerin **Guibee Yang** vom Hausensemble als ***Marzelline.*** Spröder und gewollt distanzierter war eine stimmgewaltige ***Leonore*** der finnischen Sopranistin **Pauliina Linnosaari** zu erleben. Der Petersburger Viktor Antipenko ist seit seinen Einsätzen im Ring für das Haus ein häufiger und zuverlässiger Tenor-Gast. Stimmgewaltig erwies sich gleichfalls der ungarische Gast **Kristián Cser** in der Rolle des ***Pizarro.*** Über derart zuverlässige Ensemblemitglieder, wie **Magnus Piontek (*Rocco***) und **Siyabonga Maqungo (*Jaquino*** *)*, verfügt auch nicht jedes Opernhaus. **Florian Sievers** als ***erster Gefangener*** und **André Eck**ert sowie **Andreas Beinhauer** vervollständigten die Sänger-Riege.

**Fidelio** am **Theater Chemnitz;** die weiteren Vorstellungen 15.6.; 23.6.2019

\---| IOCO Kritik Theater Chemnitz |---