Zürich, Tonhalle Maag, Tonhalle-Orchester – Mendelssohn, Mahler, IOCO Kritik, 06.07.2018

 Zürich Maag / Spielstätte des Tonhalle Orchesters © Hannes Henz

Zürich Maag / Spielstätte des Tonhalle Orchesters © Hannes Henz

Tonhalle Zürich

Tonhalle-Orchester Zürich:   Mendelssohn – Mahler

– Julia Fischer: Stupende Technik – Berückende Klarheit –

Von Julian Führer

Zum Abschluss der Saison 2018/2019 bot das Tonhalle-Orchester in Maag klangvolle Namen auf: Herbert Blomstedt als Dirigent, Julia Fischer als Solistin, auf dem Programm Werke von Felix Mendelssohn und Gustav Mahler. Beide Künstler-persönlichkeiten sind dem Orchester seit langer Zeit verbunden.

Vor der Pause spielte Julia Fischer das Violinkonzert e-Moll op. 64 von Mendelssohn. Dieses Stück, eines der Glanzstücke der Violinliteratur und aus dem deutschen Bereich des 19. Jahrhunderts sicherlich auf einer Stufe mit den Konzerten Beethovens, Bruchs und Brahms‘, setzt Allegro molto appassionato ein, ohne gleichwohl übermäßig dramatisch zu sein. Die Streicher spielen Begleitfiguren, das Soloinstrument setzt gleich im zweiten Takt mit dem Hauptthema des ersten Satzes ein. Bemerkenswert ist, dass die Kadenz im ersten Satz bereits vor der Reprise gespielt wird.

Felix Mendelssohn-Bartholdy © IOCO

Felix Mendelssohn-Bartholdy © IOCO

Herbert Blomstedt schlug ein eher zügiges Tempo ein, das aber niemals gehetzt wirkte. Julia Fischer ihrerseits konnte ihre stupende Technik zur Geltung bringen. Die technischen Hürden des Konzerts meisterte sie spielend. Was ihr Spiel so einzigartig macht, ist allerdings ihr besonderer Ton, den man als breit intoniert und gleichzeitig singend beschreiben könnte. Die Intonation selbst eines C4 im Mittelsatz war von berückender Klarheit, dass man unwillkürlich an Goethes Faust dachte: Verweile doch, du bist so schön! Überhaupt waren im Konzert die überleitenden Passagen von erlesenster Eleganz (beispielsweise die Fermate des ersten Fagotts, die den pausenlosen Übergang in den Andante-Mittelsatz gestaltet). Stets blieb der Eindruck eines ganz natürlichen Fließens, eine Ahnung reiner, absoluter Schönheit, kurzum: eine Sternstunde dieser Saison, an der nichts gekünstelt war. Bei den Tutti – dies sei gesondert vermerkt – blieb das Orchester in der Dynamik stets elegant und auch präzise, so dass die Grenzen, die der Saal der Tonhalle Maag setzt, stets respektiert blieben. Das enthusiastische Publikum wurde von Julia Fischer mit Paganinis Caprice Nr. 17 in Es-Dur belohnt.Breit intoniert

Von einem ganz anderen Format, was die Orchestrierung angeht, ist die erste Symphonie in D-Dur von Gustav Mahler. Konzipiert seit 1884, als Mahler gerade einmal 24 Jahre alt war, wurde die Symphonie im Jahr 1888 vollendet und 1889 uraufgeführt – damit kurz nach der 4. Symphonie von Johannes Brahms, wenige Jahre nach dem Tod Richard Wagners (Mahler experimentierte in seiner Jugend auch mit Opernkompositionen) und kurz nach dem Tod Franz Liszts, der die Gattung der symphonischen Dichtung vorangebracht hatte. Mahler soll gezögert haben, ob er sein Werk eine Symphonie oder eine symphonische Dichtung nennen sollte; er experimentierte auch mit Programmen für die einzelnen Sätze, die auf Jean Pauls Titan verwiesen. Schließlich entschloss er sich, den zweiten Satz (Andante) fortzulassen, ebenso das Programm, und brachte es als erste Symphonie heraus. Zu dieser Zeit komponierte Anton Bruckner an seiner siebten und achten Symphonie, und der junge Richard Strauss arbeitete an seinen ersten symphonischen Dichtungen (Don Juan, Tod und Verklärung). Mahler sollte die Gattung der Symphonie auf völlig neue Wege führen.

Von der Gliederung her stellt sich das Werk als viersätzige Symphonie dar, die nach einer längeren Introduktion ein Thema präsentiert und dieses dann weiterentwickelt. Doch ist die Symphonie auch auf der formalen Ebene sehr viel elaborierter. Zu einem von allen Streichern gehaltenen A kommen „langsam, schleppend, wie ein Naturlaut“ in halben Noten fallende Quarten im Holz, alsbald Fanfarensignale in den Klarinetten, später auch in entfernt aufgestellten Trompeten. Kürzere Noten (erste Klarinette) nehmen die fallende Quart auf („Den Ruf eines Kuckuck nachzuahmen“, notierte Mahler in der Partitur) – der Kuckucksruf ist bei Beethoven, Humperdinck und beim Kuckuck selbst eigentlich eine große Terz, die Weiterung zur Quart verlässt hiermit die reine Naturschilderung. Eine diffus bedrohliche Grundstimmung legte sich in den Saal, eine aufregende Umsetzung der Einleitungstakte, die in der Breite der Töne und Klangfarben keine Aufnahme jemals wiedergeben können wird. Mahler wechselt zwischen dieser Grundstimmung, derben Momenten, musikalischen Gewaltausbrüchen und schierer Zirkusmusik (ein Stilmittel, das der Mahler verehrende Dmitri Schostakowitsch immer wieder einsetzen sollte). Schwungvolle Hörner im ersten Satz ließen vermuten, dass Engelbert Humperdinck für den Knusperwalzer aus Hänsel und Gretel in Mahlers Schule gegangen sein könnte.

Die Quarten sind auch im zweiten Satz („kräftig bewegt, doch nicht zu schnell“) ein wesentlicher Antrieb für die symphonische Dramatik. Mahler zitiert Ländlermusik, entwickelt sie weiter und lässt (bei Ziffer 11) Streicherfiguren anklingen, die im zweiten Akt von Wagners Walküre nichts Gutes verhießen… Bei den Forderungen Mahlers an die Dynamik des Orchesters wurden hier die Grenzen des Saales hörbar: Man sah die Musiker präzise spielen, das Klangbild war stellenweise weniger deutlich. Auch im dritten Satz („Feierlich und gemessen, ohne zu schleppen“), hier eher zügig intoniert, zeigte sich dieses akustische Problem im Kanonsatz, obwohl hier die Lautstärke gar nicht so erheblich ist. In d-Moll wird das Lied Frère Jacques zitiert und über 38 sehr getragene Takte hinweg durch die Instrumentengruppen geführt; die Melodie wird zunächst von einem einzigen Kontrabass getragen. In der Reprise des Themas erklingt sie zunächst in es-Moll, einer im Verständnis des ausgehenden 19. Jahrhunderts einerseits unnatürlichen und andererseits sehr stark mit dem Tod konnotierten Tonart.

Tonhalle Orchester Zuerich © Paolo Dutto

Tonhalle Orchester Zuerich © Paolo Dutto

Das Finale der ersten Symphonie ist bei weitem der umfassendste Satz. Die fallenden Quarten kehren auch hier wieder. Der von Mahler selbst so genannte Hymnus bricht sich Bahn und zitiert Kadenzen, Kirchenmusik und vielleicht auch die Gralsglocken des Parsifal. Die Themen aus den vorangegangenen Sätzen werden wie Reminiszenzen wieder aufgenommen, die Musik scheint zeitweilig fast verzweifelt einen Ausweg zu suchen (vgl. die bei Ziffer 46 in den Bratschen erscheinende Figur, die Ludwig van Beethoven im dritten Satz der „Appassionata“ op. 57 in einer ähnlichen Situation bereits verwendet hatte. Umgesetzt wurde all dies vom Tonhalle-Orchester und seinem Dirigenten mustergültig, gleichzeitig unter genauester Beachtung der Partiturvorschriften. Die sieben Hörner standen im Finale zeitweilig auf, um die von Mahler geforderte „möglichst grösste Schallkraft zu erzielen“. Auch wenn der Saal manches bei den großen Ausbrüchen geschluckt oder zu breit verteilt hat, war allein der optische Eindruck beeindruckend, das akustische Erlebnis allemal ebenfalls. Herbert Blomstedt, der ohne überflüssige große Gesten und gleichzeitig sehr plastisch dirigierte, und das Orchester erhielten großen und verdienten Applaus.

—| IOCO Kritik Tonhalle Zürich|—

 

Zürich, Tonhalle Maag, Beethoven, Schumann, Brahms, IOCO Kritik, 27.06.2018

Juni 27, 2018  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Konzert, Kritiken, Tonhalle Zürich

 Zürich Maag / Spielstätte des Tonhalle Orchesters © Hannes Henz

Zürich Maag / Spielstätte des Tonhalle Orchesters  © Hannes Henz

Tonhalle Zürich

Beethoven – Schumann – Brahms

– Manfred Honeck – Frank Peter Zimmermann –

Von Julian Führer

Die 1895 vollendete Tonhalle in Zürich gilt zu Recht als architektonisches und akustisches Juwel. Der komplexe Bau am Zürichseeufer mit dem Konzertsaal und dem unmittelbar anschließenden Kongresshaus von 1939 wird derzeit saniert, so dass die Konzerte des Tonhalle-Orchesters in einem Ausweichsaal stattfinden, der Tonhalle Maag im Zürcher Industriequartier. Innerhalb weniger Monate wurde dort aus einer Fabrikhalle ein Konzertsaal für gut 1200 Besucher geschaffen. Der Saal wirkt hell, der Zuschauer sieht das Orchester auf einem Podium in einem schlicht wirkenden Raum, der mit Fichtenholz verkleidet ist.

Das Orchester seinerseits befindet sich in einer Umbruchphase. Nach dem Ende der fast 20 Jahre währenden Arbeit mit dem Chefdirigenten David Zinman, der den Klangkörper unbestritten auf ein neues Niveau gehoben hatte, stand in den Jahren 2014-2018 Lionel Bringuier an der Spitze. Ab der Saison 2019/2020 wird Paavo Järvi das Orchester leiten, bis dahin wird das Orchester keinen Chef haben. Das letzte Konzert unter Bringuier ist bereits Geschichte. In welchem Zustand befindet sich Zürichs bekanntestes Orchester nun?

Tonhalle Orchester Zuerich © Paolo Dutto

Tonhalle Orchester Zuerich © Paolo Dutto

Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet das Orchester mit Bernard Haitink. Leider musste er seinen geplanten Auftritt in Zürich absagen. Dankenswerterweise erklärte sich Manfred Honeck bereit, kurzfristig einzuspringen. Das Programm blieb fast unverändert: Auf Beethovens Egmont-Ouvertüre op. 84 folgte sein Violinkonzert in D-Dur op. 61. Bernard Haitink hatte mit Schumanns zweiter Symphonie in C-Dur ein anderes opus 61 angekündigt, das nun durch die vierte Symphonie in e-Moll von Johannes Brahms op. 98 ersetzt wurde.

Bei der Egmont-Ouvertüre spielte das Orchester in großer Besetzung, unter anderem mit nicht weniger als sechs Kontrabässen, die der dramatischen Grundstimmung in f-Moll ein breites Fundament verliehen. Diese ersten Minuten des Konzerts zeigten einige Irritationen bei den Einsätzen und der Klangbalance, letztere vielleicht der Saalakustik geschuldet: Beethovens teilweise schroffe Komposition mit scharfen Ausbrüchen und folgenden kurzen Generalpausen passen nicht zum Klangbild des Saales mit langem Nachhall, zumal Manfred Honeck die Hörner- und Paukeneinsätze mit echt Beethovenscher Dramatik herausstrich. Während der komponierten Viertelnote Pause liefen immer noch die Schallwellen um, so dass der nächste Einsatz nicht in eine erwartungsvolle Stille, sondern in einen Resthall erfolgte – dieses Problem zeigte sich mehrfach. Hinzu kamen kleinere Abstimmungsprobleme in der Klangbalance und auch bei den Einsätzen. Zu Zeiten David Zinmans war das Orchester präziser! Am besten gelang die Coda mit der Wendung zu C-Dur und gut aufgebauten Trompeteneinsätzen im Crescendo. Gänzlich befriedigend war dieser Auftakt dennoch nicht.

Beethovens Violinkonzert wurde von Frank Peter Zimmermann interpretiert. Der Zugriff von Dirigent und Solist kann insgesamt als eher zügig, eher technisch und im Gegenzug wenig emotional beschrieben werden. Die fünf Viertelschläge der Pauke in der Introduktion waren fast verhuscht; Zimmermann spielte die Tutti-Passagen mit, so dass das Soloinstrument nicht erst bei Takt 89 mit einem A einsetzt, sondern diese Stimme sich aus der Tuttigruppe zu lösen schien. Ab der Durchführung des ersten Satzes hatten sich Dirigent, Orchester und Solist endgültig gefunden, auch wenn abermals in den Übergängen, etwa vom zweiten Satz zum Rondo, nicht alle Stimmen gleich in Rhythmus und Tempo ganz ‚zusammen‘ waren.

Man wird dem Dirigenten als Einspringer da kaum einen Vorwurf machen können, die Probenzeit wird wahrscheinlich knapp gewesen sein, doch scheint es, als würde das Orchester einen strengen Erzieher in Zukunft (wieder) gut gebrauchen können. Zimmermann nun verfügt über eine stupende Technik und Brillanz und meisterte scheinbar mühelos alle Schwierigkeiten. Nach dem ersten Satz, in dem er die Kreisler-Kadenz spielte, gab es spontanen Applaus. Bei dieser Interpretation, die Beethovens Komposition eher zerklüftet als kantabel deutete, kam der ruhigere Mittelsatz weniger zur Geltung. Die straffen Tempi im Rondo und ein wirklich brillanter Schluss ließen das Publikum stark applaudieren; Zimmermann revanchierte sich mit einem Präludium von Rachmaninow als Zugabe.

Johannes Brahms in Wien © IOCO

Johannes Brahms in Wien © IOCO

Die vierte Symphonie von Johannes Brahms wurde in Zürich 2017 mit der Philharmonia Zürich unter Fabio Luisi gegeben und war im Mai 2018 schon im keine 50 Kilometer entfernten Luzern mit der Sächsischen Staatskapelle unter Christian Thielemann zu hören. Das Stück, jetzt kurzfristig aufs Programm gesetzt, konnte in der Interpretation Manfred Honecks dem Vergleich standhalten. Die vor der Pause bei Beethoven problematischen Eigenschaften des Saales erwiesen sich jetzt als Vorteil: Der lange Nachhall und die (zumindest vom Platz des Rezensenten) gedämpften Holzbläser passten zu Brahms und dem verfolgten Klangbild, das eher flächig (im positiven Sinn) und breit angelegt war. Auch war jetzt die vorher nicht immer gegebene Präzision da (die Pizzicati in den Violinen in den Takten 80-90 des Kopfsatzes waren buchstäblich auf die Hundertstelsekunde genau). Brahms arbeitet in dieser Symphonie weniger mit ganzen Motiven als mit kurzen Phrasen und Variationen; ein Dirigent muss hier klug disponieren, um vor allem den ersten und vierten Satz nicht als amorphe Blöcke erscheinen zu lassen. Dies ist in diesem Fall geglückt. Im zweiten Satz (Andante moderato) wurde das zarte E-Dur mit großer Ruhe zur Geltung gebracht. Auch das Allegro giocoso im dritten Satz gelang. Im vierten Satz (Allegro energico e passionato) setzen dann die bis dahin stummen drei Posaunen ein, von Manfred Honeck mit gehöriger Schärfe versehen. Eine überzeugende Interpretation, von abermals sechs Kontrabässen grundiert, mit fehlerlosen und perfekt legato spielenden Hörnern und vielen starken Einzelleistungen (etwa Simon Fuchs an der Oboe und Sabine Poyé Morel an der Flöte).

Am Ende gab es viel Applaus für Dirigent, Orchester und einzelne Musikerinnen und Musiker. Ein nicht ganz einheitlicher Konzertabend, bei dem das Positive überwog. Dem Orchester ist zu wünschen, dass es gut durch die kommende Spielzeit ohne Chefdirigent und ohne den angestammten Saal kommen wird. Das Potential, der Abend hat es gezeigt, ist weiterhin vorhanden.

—| IOCO Kritik Tonhalle Zürich|—

Zürich, Tonhalle Zürich, Violinrezital Ray Chen, 21.05.2011

Mai 4, 2011  
Veröffentlicht unter Pressemeldung, Tonhalle Zürich

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The Classical Company

Ray Chen / Violinrezital
Samstag, 21. Mai 2011 / 18.00 Uhr / Kammermusiksaal Kongresshaus Zürich (Tonhalle)

Er gilt als eine der ganz grossen Hoffnungen unter den jungen Violinisten. Der in Taiwan geborene und in Australien aufgewachsene Ray Chen gewann in den letzten Jahren zwei der bedeutendsten internationalen Violin-Wettbewerbe: 2008 den Yehudi-Menuhin-Wettbewerb und 2009 den Queen-Elisabeth-Wettbewerb.

Danach unterzeichnete er einen exklusiven Vertrag mit Sony Classical, und diesen Februar ist seine erste CD „Virtuoso“ mit Werken von Giuseppe Tartini, César Franck, Johann Sebastian Bach und Henryk Wieniawski erschienen. Mit Violinwerken dieser vier Komponisten ist Chen nun erstmals in Deutschland und in der Schweiz auf Tournee.

Bei seinem einzigen Schweizer Konzert in Zürich spielt er von Giuseppe Tartini (1692-1770) die als Teufelstriller-Sonate bekannte Violinsonate in g-Moll, César Francks (1822-1890) einzige Violinsonate in A-Dur, Johann Sebastian Bachs (1685-1750) Chaconne aus der Partita Nr. 2 in d-Moll, und schliesslich vom polnischen Violinvirtuosen Henryk Wieniawski (1835-1880) die Légende in g-Moll und das Thème original varié in A-Dur.

Chen erhielt bereits mit vier Jahren Geigenunterricht und gab mit acht Jahren sein erstes Konzert, begleitet vom Queensland Philharmonic Orchestra. Mit 15 Jahren wurde er am Curtis Institute of Music angenommen. Er spielt die Huggins-Stradivari, eine Leihgabe der Nippon Music Foundation, und die Macmillan-Stradivari, eine Leihgabe, die er 2009 als Sieger der Young Concert Artists International Auditions in New York erhielt.

Seither ist Chen mit dem Deutschen Symphonie-Orchester in der Berliner Philharmonie auftreten, und spielte mit dem Taipei Symphony Orchestra an der Weltausstellung Shanghai. Konzerte sind geplant mit den Münchner Philharmonikern, dem Orchestra Filarmonica della Scala, dem Orquesta Nacional de Espana, dem Toronto Symphony Orchestra und dem Sydney Symphony Orchestra.

Bei seinem Zürcher Konzert wird Chen begleitet vom französischen Pianisten Julien Quentin.
Veranstalter/Produzent des Konzerts ist The Classical Company.

Zürich Opernhaus Zürich, Benefizkonzert zugunsten der Katastrophenopfer in Japan 27.3.2011

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Opernhaus Zürich

Benefizkonzert zugunsten der Katastrophenopfer in Japan

Orchester der Oper Zürich spendet an die Glückskette

Sonntag, 27. März 2011, 11.15 Uhr Tonhalle  

Gustav Mahler (1860-1911)
Sinfonie Nr. 9 D-Dur (1909/10)

Daniele Gatti Musikalische Leitung
Orchester der Oper Zürich
Die Schreckensnachrichten und Fernsehbilder von den Verwüstungen in Japan nach dem Erdbeben und dem anschliessenden Tsunami lassen wohl niemanden kalt – ganz zu schweigen von der Sorge um die havarierten Atomkraftwerke. Die Mitglieder des Orchesters der Oper Zürich haben sich entschlossen, ihre Solidarität und ihr Mitgefühl mit dem japanischen Volk konkret zum Ausdruck zu bringen: Indem sie die Gage für das nächste Philharmonische Konzert kollektiv spenden und damit einen Beitrag leisten, die Not der Menschen im Norden Japans zu lindern. Dies hat auch der Chefdirigent des Opernhaus Zürich, Daniele Gatti, getan, der an diesem Morgen Gustav Mahlers Neunte Sinfonie dirigieren wird: Maestro Gatti wird seine Gage für diese Konzert dankenswerterweise ebenfalls zur Verfügung stellen.

Die Beziehungen des Zürcher Opernorchesters zu Japan sind vielfältig. Den Teilnehmern an der grossen Japan-Tournee des Opernhauses Zürich im Jahre 2007 (mit «La Traviata» und «Der Rosenkavalier») ist die überaus herzliche Aufnahme noch in lebhafter Erinnerung. Drei unserer Orchestermitglieder sind Japaner – einer davon ist Konzertmeister Keisuke Okazaki. Darüber hinaus bestehen familiäre Bindungen einzelner Orchestermitglieder in das fernöstliche Land.

Die «Glückskette» hat ein Spendenkonto zugunsten der Opfer in Japan eröffnet und wird die Spendengelder in einer ersten Phase über ihre Partner – ADRA, Caritas, Heilsarmee und Schweizerisches Rotes Kreuz – an die japanischen Hilfswerke weiterleiten. Die Besucher des 4. Philharmonischen Konzerts können sich ebenfalls der Initiative anschliessen: es werden Einzahlungsscheinde der Glückskette aufgelegt.

Eine gemeinsame Initiative von der Neuen Zürcher Zeitung
und dem Orchester der Oper Zürich
«Ich habe wieder einmal die 9. Sinfonie Mahlers durchgespielt. Der erste Satz ist das Allerherrlichste, was Mahler geschrieben hat. Es ist der Ausdruck einer unerhörten Liebe zu dieser Erde, die Sehnsucht, im Frieden auf ihr zu leben, sie, die Natur noch auszugeniessen bis in ihre tiefsten Tiefen – bevor der Tod kommt.» So schreibt Alban Berg 1912 in einem Brief an seine Frau. Im Jahr zuvor war Gustav Mahler im Alter von gerade einmal 50 Jahren gestorben. Die Uraufführung seiner Neunten Sinfonie konnte er nicht mehr erleben. Sie fand erst ein Jahr später, am 26. Juni 1912, unter der Leitung von Bruno Walter in Wien statt.
Entstanden war die Neunte in einer Zeit der fundamentalen und erschreckenden Umbrüche in Mahlers Leben. 1907 war seine zehnjährige Amtszeit als Direktor der Wiener Hofoper zu Ende gegangen. Seine ältere Tochter starb an Scharlach-Diphterie, und von dem Arzt, der sie behandelt hatte, erfuhr der Komponist, dass sich sein Herz in einem bedenklichen Zustand befinde. Gedanken an den Tod sollten Mahler von nun an in immer stärkerem Ausmass beschäftigen. Das 1908 komponierte «Lied von der Erde», das in wenigen Tagen in einer neuen Choreografie von Heinz Spoerli vom Zürcher Ballett aufgeführt wird, stand am Beginn dieser Abschiedsstimmung. Im folgenden Sommer schrieb er die Neunte Sinfonie – ein Werk, in dem der Tod allgegenwärtig ist. In kaum zwei Monaten arbeitete er in seinem Komponierhäuschen in Toblach an der Partitur, die bereits Anfang September 1909 im Entwurf fertig vorlag. Im Winter schrieb Mahler sie dann in New York, wo er an der Metropolitan Opera dirigierte, ins Reine und überarbeitete sie bei dieser Gelegenheit gründlich, noch bevor sich im Februar 1911 die ersten Anzeichen seiner tödlichen Krankheit bemerkbar machten.
Mahler-Biograf Wolfgang Johannes Bekh bringt es auf den Punkt: «Es muss schöpferische Erregung tiefster Art gewesen sein, der das Werk entstammt. Noch einmal erklingt der Scheidegruss an das Leben, an die Erde, an die Heimat jenseits der Berge. Aber dies ist kein Gesang des Einzelnen mehr, sondern das Todeslied der grossen, vielgestaltigen Natur. Die Welt stirbt und singt sich in den letzten Schlummer. Die Kräfte, aus denen das Leben emporwuchs, fliessen zurück ins All. Es ist ein Sterben ohne Bitterkeit und Hass, von heftigen Zuckungen letzter, innerlich widerstrebender Willenskräfte unterbrochen. Ausklingend verschmelzen Willen und Schicksal zum bewuss­ten Untergehen des Vollendeten: Apotheose des Todes … ‹Was mir der Tod erzählt›, lautet die ungeschriebene Überschrift der Neunten Sinfonie.»
Für Daniele Gatti, den Chefdirigenten der Oper Zürich, spielt Mahlers Neunte in den kommenden Monaten eine zentrale Rolle. Nachdem er sie mit den Zürcher Musikerinnen und Musikern erarbeitet hat, wird er die Sinfonie am 18. Mai 2011, dem 100. Todestag Gustav Mahlers, auch mit den Wiener Philhar­monikern in der Wiener Staatsoper, Mahlers einstiger Wirkungsstätte, sowie bei Konzerten in Madrid und Leipzig aufführen.

Pressemeldung Opernhaus Zürich

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