Malmö, Malmö Opera, Falstaff – tappt in die Digitale Welt, IOCO Kritik, 10.11.2020

November 9, 2020  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Malmö Opera, Oper

Malmö Opera © Werner Nystrand

Malmö Opera © Werner Nystrand

Malmö Opera

Malmö Opera – die kommenden streaming Termine zu Falstaff : HIER

Falstaff –  tappt in die Digitale Welt

Lotte de Beer – inszeniert Giuseppe Verdis Oper in der Malmö Opera
IOCO erlebte die Produktion per Livestream

von Thomas Thielemann

Während im Rest Europas die Opernhäuser regelrecht erstarrt sind, konnten im Opernhaus des schwedischen Malmö fünfzig Besucher die Premiere einer Lotte-de-Beer-Inszenierung von Guiseppe Verdis Falstaff erleben. Uns blieb vergönnt, diese Premiere als Livestream des Hauses zu erleben.

Dem Vernehmen nach, war auch bei der Erarbeitung der Inszenierung nicht alles glatt gegangen: der Versuch, dass „Shakespeares Falstaff in George Orwells Farm der Tiere gelangt“  ließ sich trotz intensiver Bemühung nicht schlüssig umsetzen. So musste die niederländische Regisseurin Lotte de Beer mit dem Österreicher Bühnen- und Kostümbildner Christof Hetzer  innerhalb zweier Monate ein völlig neues Konzept auf die Bühne bringen.     Wo aber liegt das Problem?

Falstaff – tappt in die digitale Welt
youtube Trailer Malmö Opera
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Der schlitzohrige, plumpe, grobe und dicke Säufer und Weiberheld in Shakespeares Drama Heinrich der IV. Teil 1 nannte sich ursprünglich Sir Oldcastle, was dem Dramatiker eine Auseinandersetzung mit einem späteren Verwandten der historischen Persönlichkeit (1378-1417) brachte. Der nun Sir John Falstaff benannte, taucht in vier Stücken Shakespeares auf: den beiden Heinrich IV.-Historien (1596/97), den Lustigen Weibern von Windsor sowie in Heinrich V. (1599), da allerdings nur sterbend und in der Erinnerung seiner einstigen Kumpanen.

Um seine Aufgaben als Ritter scherte er sich kaum. Vor allem trinkend und den Frauen nachstellend, ist er weder ein Held, noch ein Antiheld und keine tragische Figur in seiner derben Komik. Mit seiner scheinbaren Funktionslosigkeit ist Falstaff nach Hamlet die meistkommentierte Figur der Shakespeare-Stücke. Fast ebenbürtig steht der übergewichtige, trunksüchtige, Rauf- und Weiberheld neben Hamlet, einer Figur, die wie kaum eine andere in der Literaturgeschichte den zweifelnden, verzweifelnden modernen Menschen repräsentiert.

Malmö Opera / Falstaff - hier : Misha Kiria als Falstaff © Jonas Persson

Malmö Opera / Falstaff – hier : Misha Kiria als Falstaff © Jonas Persson

Nachdem sich bereits Carl Ditters von Dittersdorf 1796, Antonio Saleri 1799, Michael William Balfe 1838, Otto Nikolai 1849 und Adolphe Adam 1856 am Falstaff-Stoff mit unterschiedlichem Erfolg versucht hatten, wollte Guiseppe Verdi sich mit einem heiteren Alterswerk an Shakespeares Vorlagen versuchen. Sein Librettist Arrigo Boito orientierte sich ebenfalls an The Merry Wives of Windsor, schnitt Teile der Handlung ab und schränkte die Anzahl der Charaktere des Spiels. Vor allem gab er mit der Einfügung von Passagen aus Heinrich IV. dem Charakter Falstaffs mehr Tiefe und Substanz. Aber auch Anklänge an Boccaccios Dekameron (auch Il Decamerone) und Fiorentinos l Pecerone sind im Libretto zu finden. Wichtig blieb für die Erarbeitung des Librettos, dass im Verlauf der Oper dem Charakter Falstaffs, seiner Selbstzufriedenheit und erhabenen Selbstgefälligkeit, kein Schaden zugefügt werden dürfe. Das gilt natürlich auch für die Inszenierungen des Alterswerkes Verdis:

Lotte de Beer stößt den Ritter trotzdem erbarmungslos in ein Fernsehstudio unserer Welt der zu-nehmenden Digitalisierung und entwickelt aus diesem Ansatz feinstes Regietheater.

Zunächst gelang es Falstaff, den modernen Rechtsstaat für seine Zwecke zu nutzen, muss aber, ob der gefallenen Börsenkurse akzeptieren, dass er pleite ist. Seine gleichlautenden Nachrichten an die Damen Alice Ford und Meg Page wurden natürlich per Mail expediert. Die Verabredung zu den Racheakten erfolgte (fast) zeitgemäß per Telefon, denn das Smartphone spielte bei den Anspielungen auf die moderne Kommunikation keine Rolle. Mag das an der Handy-Affinität der Protagonisten liegen? Für mich wäre das eine wunderbare Gelegenheit gewesen, auf die zerstörende Wirkung der mobilen Möglichkeiten unserer Tage auf den persönlichen Umgang anzuspielen.

Malmö Opera / Falstaff - hier : Jaquelin Wagner als Alice Ford © Jonas Persson

Malmö Opera / Falstaff – hier : Jaquelin Wagner als Alice Ford © Jonas Persson

Fenton surft am Laptop und es entwickelte sich, nach dem Intermezzo im Büro des Falstaff, ein Feuerwerk von Regieeinfällen der Lotte de Beer und des Bühnen- und Kostümbildners Christof Hetzer. Da wurden die Möglichkeiten moderner Videotechnik auf das Verschwenderischste genutzt. Da wurde mit Grünwand-Einsatz, Überblendungen, der Einbeziehung der Kameratechnik in die Szene, sowie grüngekleidete Requisiten reichende Helfer und vieles mehr, bei einer hervorragenden Personalführung von Gail Skrela Hetzer, geboten. Fast muss man sich entscheiden, ob man der Musik oder den Bühnenaktionen folgen mochte. Man konnte durchaus lachen, aber wenn man in der Pause über das erlebte nicht nachdachte, wäre etwas falsch gewesen.

Dagegen kommt der lyrisch-bezaubernd angelegte dritte Akt konventioneller, geordneter daher und könnte den konservativen Opernbesucher fast versöhnen, wobei die Handlung allerdings hart an der Diskriminierung der Minderheit Falstaff schrammt.

Die Musikalische Leitung des deutsch-amerikanischen Dirigenten Steven Sloane  musste sich zwangsläufig auf das Bühnengeschehen, die Sängerbegleitung konzentrieren, stellte dabei eine perfekte Verbindung zum recht beeindruckenden Orchester her. Dabei scheute er nicht gelegentliches Krachen und Scharwenzeln des Orchesterklangs zuzulassen, aber ohne dass gelegentlich Musiker hervorblitzten.

Der Falstaff des georgischen Bariton Misha Kiria war für mich eine Entdeckung. Mit seiner schwerelos strömenden wundervollen Stimme und seiner Körperfülle vermochte er die Bühnenfigur als komplexen rücksichtslosen, glücklosen prolligen Zeitgenossen darzustellen. Ein Komödiant, der die Szene zu beherrschen wusste.

Malmö Opera / Falstaff - hier : Sehoon Moon als Fenton © Jonas Persson

Malmö Opera / Falstaff – hier : Sehoon Moon als Fenton © Jonas Persson

Bei derartiger massiver Bühnenpräsenz half nur ein Damen-Trio, das durchaus die Hosen anhat, aber auch weibliche Schwäche zeigen kann. Die in Berlin lebende Amerikanerin Jaquelyn Wagner sang mit in der Höhe klarem und elegantem Sopran die Alice Ford. Dabei zeigte sie auch ihre Freude an komödiantischer Darstellung. Sanft und flink kam die vom Libretto etwas benachteiligte Meg Page der Schwedin Mathilda Paulsson mit ihrem schönen etwas hohen Mezzosopran daher. Die Altistin Maria Streijffert komplettierte die intrigante Damenriege mit einer beeindruckend virtuos gesungenen und präsent gespielten Frau Quickly.

Sein Debüt am Hause gab der türkische Bariton Orhan Yildiz als Ford. Besonders mit seinem fast rasend vorgetragenem Monolog im zweiten Akt wusste er zu beeindrucken. Das Dienerpaar Bardolfo und Pistola, verkörpert von dem heimischen Tenor Jonas Duran und dem Bass Nils Gustén, komplettierte erfrischend Szene und Klangbild. Das grandiose Ensemble ergänzte wundervoll aufgeregt der Schwede Niklas Björling Rygert mit seinem eleganten Tenor.

Einen darstellerisch-virtuosen Volltreffer landete das junge Liebespaar. Die aus Australien nach Malmö gekommene Alexandra Floot vermittelte mit jugendlich leichter zart ausschwingender Stimme und engagiertem Spiel ihre schwer umkämpfte Liebe, aber auch ihre Freude an den Intrigen. Ihr zur Seite konnte der Koreaner Sehoon Moon als Fenton mit anmutsvoll- kraftvollem Tenor das Paar ergänzen.  Ein nur kleiner Chor rundete das Klangbild aus dem Hintergrund ab.

Der naturgemäß magere Beifall der fünfzig Besucher konnte der schlüssigen Inszenierung und prachtvollen Aufführung nicht gerecht werden. Bleibt zu hoffen, dass in der „Nach-Corona-Zeit“ sich eine Gelegenheit zum Malmö-Besuch ergibt.

Falstaff an der Malmö Opera, die weiteren livestream Termine: 11.11.; 14.11.; 20.11.; 22.11.; 25.11.2020 und mehr  link HIER!

—| IOCO Kritik Malmö Opera |—

Schweden, Kungliga Operan, Der Nussknacker – In schwedischem Märchengewand, IOCO Aktuell, 09.11.2013

November 9, 2013  
Veröffentlicht unter IOCO Aktuell, Kungliga Operan


Bericht

Kungliga Operan

Oper Stockholm © IOCO

Oper Stockholm © IOCO

Der Nussknacker von Peter Tschaikowski

Im Gewand schwedischer Kinder- und Märchenfiguren

Von Viktor Jarosch

Oper Stockholm / Galerie © Kungliga Operan

Oper Stockholm / Galerie © Kungliga Operan

Der „schwedische Nussknacker ist seit Weihnachten 1994 fester Bestandteil des Spielplan der Königlichen Oper Stockholm (Kungliga Operan). Weihnachten 2002, so  Torbjörn Eriksson, von der Oper Stockholm gegenüber IOCO, brachen in Stockholm geradezu Unruhen aus: Der damalige Intendant hatte den Nussknacker vom Spielplan genommen. Seither weiß die Stockholmer Opernintendanz: Sie kann den Spielplan der Oper Stockholm frei gestalten, doch bei diesem „schwedischen Nussknacker“ endet die Gestaltungsmacht jedes Intendanten. Folge: Seit 2003 ist dieser Nussknacker unantastbar bedeutender Teil des Weihnachtsspielplanes der Königlichen Oper Stockholm.  Dies gilt auch für 2013: Vom 13. Dezember 2013 bis 11. Januar 2014 wird dieser so liebevolle schwedische Nussknacker vierzehn Mal gespielt werden.

Nussknacker und Mausekönig heißt die 1816 erschienene Erzählung von E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822). Alexander Dumas´spätere Nussknacker-Versionvertonte Peter Tschaikowski 1892 als Ballett Marie, Tochter des Medizinalrats Stahlbaum, findet zu Weihnachten einen Nussknacker auf dem Gabentisch. Bruder Fritz knackt mit der neuen Holzpuppe so harte Nüsse, dass dessen Zähne knirschen. Marie stellt den beschädigten Nussknacker zur Miniatur-Husarenarmee des Bruder Fritz….. 

Oper Stockholm / Der Nussknacker hier Onkel Blau, Tanten Grün, Braun und Lila © A. Kenney

Oper Stockholm / Der Nussknacker hier Onkel Blau, Tanten Grün, Braun und Lila © A. Kenney

Der Nussknacker sollte sich zu einem der populärsten Theatermärchen für Kinder aber auch Erwachsene entwickeln. Im Mittelpunkt der Handlung von Peter Tschaikowskis Nussknacker steht Klärchen, russisch „Mascha“. Am Weihnachtsabend schenkt ihr der Patenonkel Droßelmeier einen Nussknacker. Klärchen schläft ein und träumt von einer Schlacht der von ihrem Nussknacker angeführten Spielzeughusaren gegen das Heer des Mäusekönigs. Mit Klärchens Hilfe siegt der Nussknacker, der sich danach in einen Prinzen verwandelt. Anekdotisches: In den Personen der Handlung beschreibt E.T.A. Hoffmann versteckt die drei Kinder seines damaligen Freundes Julius Eduard Hitzig.

Paris - Montmartre / Alexandre Dumas Fils Grabmal © IOCO

Paris – Montmartre / Alexandre Dumas Fils Grabmal © IOCO

An der Königlichen Oper Stockholm waren bis 1994 vier Nussknacker produziert worden, alle traditionell: 1967 choreographierte Rudolf Nurejew den Nussknacker für das Königliche Ballett. Choreograph der heute so populären Inszenierung ist der ehemalige Tänzer Pär Isberg: Isberg war von der Idee getrieben, einen schwedischen Nussknacker zu schaffen. Die in Schweden innig geliebten mystischen Kinder- und Märchenfiguren Onkel Blau, die Tanten Grün, Braun, Lila wie die Kinder Petter und Lotta, geschaffen von der populären Kinderbuchautorin und Malerin Elsa Beskow (1874 – 1953, über 30 Bücher), sind die optische Basis seines Nussknacker. Dazu, so Isberg, der Schmuck traditioneller schwedischer Weihnachtsmärkte: Bocksköpfe in allen Formen und Farben. Bocksköpfe dienen als Nussknackerzierde, nicht Soldaten, so die von Isberg 1994 verwirklichte Vision.

Oper Stockholm / Nussknacker- Lotta mit Bockskopf-Nussknacker © A. Kenney

Oper Stockholm / Nussknacker- Lotta mit Bockskopf-Nussknacker © A. Kenney

Tschaikowskis Musik übernahm Isberg ungekürzt. Nur die Reihefolge einiger Divertissements wurde verändert, Tschaikowskis Tempi-Vorgaben werden eingehalten.

In Schweden übliche Süssigkeiten und humoristische Überraschungen bietet die Choreographie der Traumsequenz des 2. Aktes. Der Grand Pas de deux liegt Isberg sichtbar am Herzen: „Weil er die Spannungen in den Beziehungen zweier Menschen so sichtbar machen kann“.

Oper Stockholm / Nussknacker - Der Mäusekrieg © A. Kenney

Oper Stockholm / Nussknacker – Der Mäusekrieg © A. Kenney

Man kann, so Pär Isberg, den Soldaten-Nussknacker sehr wohl in einen Weihnachtsbock-Nussknacker verwandeln ohne dem Stück seinen Charme zu rauben. So wird ein Bockskopf verzierter Nussknacker zum Symbol des Stückes in Stockholm. Die Eltern von Marie und Fritz werden bei Isberg zu Tante Braun, Tante Lila und Tante Grün, welche die Waisenkinder Petter und Lotta (bei Hoffmann Marie und Fritz) aufgenommen hatten. Onkel Blau, welcher in Elsa Beskows Märchen Phantasie und Magie verkörpert, ersetzt E.T.A. Hoffmanns Paten Droßelmeier. Petter und Lotta wohnen in einem kleinen Haus und feiern dort Weihnachten, wie von Hoffmann vorgegeben. Onkel Blau und Nachbarn kommen zu Besuch. Leibgewordene Lutscher, Wichtel, Knallbonbons, Pfefferkuchen tanzen um den Weihnachtsbaum. Die Kostüme entsprechen dieser mythischen schwedischen Märchen- und Kinderlandschaft. Pär Isberg schuf  einen Nussknacker, welcher geliebtes, gelebtes schwedisches Kulturgut abbildet und die winterliche Poesie Schwedens zart und volksnah schildert. So auch in der 226ten Vorstellung dieser Choreographie am 13. Dezember 2013: Ein zutiefst schwedischer Nötknäpparen (Nussknacker) in der meist ausverkauften Kungliga Operan von Stockholm.

 

 

 

Schweden, Kungliga Operan, Der Nussknacker in schwedischem Märchengewand, IOCO Kritik, 29.11.2012

November 29, 2012  
Veröffentlicht unter Kritiken, Kungliga Operan


Bericht

Kungliga Operan

Opernhaus Stockholm Außenansicht © Mats Bäcker

Opernhaus Stockholm Außenansicht © Mats Bäcker

 Nussknacker  in Stockholm:  KULT
Im Gewand schwedischer Kinder- und Märchenfiguren

Der „schwedische Nussknacker“ ist seit Weihnachten 1994 fester Bestandteil des Spielplan der Königlichen Oper Stockholm (Kungliga Operan). Weihnachten 2002, so  Torbjörn Eriksson, Pressechef der Oper Stockholm gegenüber IOCO, brachen in Stockholm geradezu Unruhen aus: Der damalige Intendant hatte den Nussknacker vom Spielplan genommen. Seither weiß die Stockholmer Opernintendanz: Sie kann den Spielplan der Oper Stockholm frei gestalten, doch bei diesem „schwedischen Nussknacker“ endet die Gestaltungsmacht jedes Intendanten. Folge: Seit 2003 ist dieser Nussknacker unantastbar bedeutender Teil des Weihnachtsspielplanes der Königlichen Oper Stockholm. Dies gilt genauso für Dezember 2012.

Schwedischer Nussknacker, Petter und Lotta © hanna@hannateleman

Schwedischer Nussknacker, Petter und Lotta © hanna@hannateleman

Stockholm, Nussknacker und Onkel Blau für Verwandten © A. Kenney

Stockholm, Nussknacker und Onkel Blau für Verwandten © A. Kenney

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Nussknacker und Mausekönig heißt die 1816 erschienene Erzählung von E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822). Alexander Dumas´spätere Nussknacker-Versionvertonte Peter Tschaikowski 1892 als Ballett Marie, Tochter des Medizinalrats Stahlbaum, findet zu Weihnachten einen Nussknacker auf dem Gabentisch. Bruder Fritz knackt mit der neuen Holzpuppe so harte Nüsse, dass dessen Zähne knirschen. Marie stellt den beschädigten Nussknacker zur Miniatur-Husarenarmee des Bruder Fritz…..  Der Nussknacker sollte sich zu einem der populärsten Theatermärchen für Kinder aber auch Erwachsene entwickeln. Im Mittelpunkt der Handlung von Peter Tschaikowskis Nussknacker steht Klärchen, russisch „Mascha“. Am Weihnachtsabend schenkt ihr der Patenonkel Droßelmeier einen Nussknacker. Klärchen schläft ein und träumt von einer Schlacht der von ihrem Nussknacker angeführten Spielzeughusaren gegen das Heer des Mäusekönigs. Mit Klärchens Hilfe siegt der Nussknacker, der sich danach in einen Prinzen verwandelt. Anekdotisches: In den Personen der Handlung beschreibt E.T.A. Hoffmann die drei Kinder seines damaligen Freundes Julius Eduard Hitzig.

An der Königlichen Oper Stockholm waren bis 1994 vier Nussknacker produziert worden, alle traditionell: 1967 choreographierte Rudolf Nurejew den Nussknacker für das Königliche Ballett. Choreograph der heute so populären Inszenierung ist der ehemalige Tänzer Pär Isberg: Isberg war von der Idee getrieben, einen schwedischen Nussknacker zu schaffen. Die in Schweden innig geliebten mystischen Kinder- und Märchenfiguren Onkel Blau, die Tanten Grün, Braun, Lila wie die Kinder Petter und Lotta, geschaffen von der populären Kinderbuchautorin und Malerin Elsa Beskow (1874 – 1953, über 30 Bücher), sind die optische Basis seines Nussknacker. Dazu, so Isberg, der Schmuck traditioneller schwedischer Weihnachtsmärkte: Bocksköpfe in allen Formen und Farben. Bocksköpfe dienen als Nussknackerzierde, nicht Soldaten, so die von Isberg 1994 verwirklichte Vision.

Onkel Blau stützt die schlafwandelnden Tanten, Nussknacker, Stockholm © hanna

Onkel Blau stützt die schlafwandelnden Tanten, Nussknacker, Stockholm © hanna

Schwedischer Nussknacker, Lotta mit Bockskopf-Nussknacker © A. Kenney

Schwedischer Nussknacker, Lotta mit Bockskopf-Nussknacker © A. Kenney

Schwedischer Nussknacker, Der Mäusekrieg © A. Kenney

Schwedischer Nussknacker, Der Mäusekrieg © A. Kenney

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Tschaikowskis Musik übernahm Isberg ungekürzt. Nur die Reihefolge einiger Divertissements wurde verändert, Tschaikowskis Tempi-Vorgaben werden eingehalten. In Schweden übliche Süssigkeiten und humoristische Überraschungen bietet die Choreographie der Traumsequenz des 2. Aktes. Der Grand Pas de deux liegt Isberg sichtbar am Herzen: „Weil er die Spannungen in den Beziehungen zweier Menschen so sichtbar machen kann“.

Man kann, so Pär Isberg, den Soldaten-Nussknacker sehr wohl in einen Weihnachtsbock-Nussknacker verwandeln ohne dem Stück seinen Charme zu rauben. So wird ein Bockskopf verzierter Nussknacker zum Symbol des Stückes in Stockholm. Die Eltern von Marie und Fritz werden bei Isberg zu Tante Braun, Tante Lila und Tante Grün, welche die Waisenkinder Petter und Lotta (bei Hoffmann Marie und Fritz) aufgenommen hatten. Onkel Blau, welcher in Elsa Beskows Märchen Phantasie und Magie verkörpert, ersetzt E.T.A. Hoffmanns Paten Droßelmeier. Petter und Lotta wohnen in einem kleinen Haus und feiern dort Weihnachten, wie von Hoffmann vorgegeben. Onkel Blau und Nachbarn kommen zu Besuch. Leibgewordene Lutscher, Wichtel, Knallbonbons, Pfefferkuchen tanzen um den Weihnachtsbaum. Die Kostüme entsprechen dieser mythischen schwedischen Märchen- und Kinderlandschaft. Pär Isberg schuf  einen Nussknacker, welcher geliebtes, gelebtes schwedisches Kulturgut abbildet und die winterliche Poesie Schwedens zart und volksnah schildert. So auch in der 225ten Vorstellung dieser Produktion am 7. Dezember 2012:

IOCO / Viktor Jarosch /  November 2012

Nussknacker-Programm der Kungliga Operan Stockholm:  Hier

Stockholm, Kungliga Operan, Der schwedische Nussknacker, IOCO Aktuell,

Dezember 14, 2011  
Veröffentlicht unter Kritiken, Kungliga Operan


Bericht

Kungliga Operan

Der Nussknacker von E.T.A. Hoffmann

Im Gewand schwedischer Kinder- und Märchenfiguren

Der „schwedische Nussknacker“ ziert den Spielplan der Königliche Oper Stockholm  (Kungliga Operan) seit seiner Premiere Weihnachten 1994. Weihnachten 2002, so Torbjörn Eriksson von der Oper Stockholm, brachen in der Stadt geradezu Unruhen aus, weil der „schwedische Nussknacker“ vom Spielplan genommen worden war.  Seither weiß die Opernintendanz:  Sie kann den Spielplan des Hauses weitgehend frei gestalten, doch am „schwedischen Nussknacker“ endet die Macht des Intendanten.  Folge: Seit 2003  ist dieser Nussknacker unantastbar Teil des Weihnachtsspielplanes der Königlichen Oper Stockholm.

Schwedischer Nussknacker, Petter und Lotta © hanna@hannateleman

Schwedischer Nussknacker, Petter und Lotta © hanna@hannateleman

Stockholm, Nussknacker und Onkel Blau für Verwandten © A. Kenney

Stockholm, Nussknacker und Onkel Blau für Verwandten © A. Kenney

Opernhaus Stockholm © Mats Bäcker

Opernhaus Stockholm © Mats Bäcker

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Nussknacker und Mausekönig  heißt die 1816 erschienene Erzählung von E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822)  in welcher dieser, versteckt, die Kinder seines Freundes Hitzig wiedergibt:  Marie, Tochter des Medizinalrats Stahlbaum, findet zu Weihnachten einen Nussknacker auf dem Gabentisch. Bruder Fritz knackt mit der neuen Holzpuppe so harte Nüsse, dass dessen Zähne knirschen. Marie stellt den beschädigten Nussknacker zur Miniatur-Husarenarmee des Bruder Fritz….. Alexander Dumas´ Nussknacker-Version vertonte 1892 Peter Tschaikowski 1892  als Ballett.  Der Nussknacker  sollte sich zu einem der populärsten Theatermärchen für Kinder aber auch Erwachsene entwickeln. Im Mittelpunkt der Handlung von Peter Tschaikowskis Nussknacker steht Klärchen, russisch „Mascha“. Am Weihnachtsabend schenkt ihr der Patenonkel Droßelmeier einen Nussknacker. Klärchen schläft ein und träumt von einer Schlacht der von ihrem Nussknacker angeführten Spielzeughusaren gegen das Heer des Mäusekönigs. Mit Klärchens Hilfe siegt der Nussknacker, der sich danach in einen Prinzen verwandelt.

An der Königlichen Oper Stockholm waren bis 1994 vier Nussknacker produziert worden, alle traditionell: 1967 choreographierteRudolf Nurejew den Nussknacker für das Königliche Ballett. Choreograph der jetzigen Inszenierung und ehemaliger TänzerPär Isberg war 1993 von der Idee getrieben, einen schwedischen Nussknacker zu schaffen.  Die in Schweden innig geliebten mystischen Kinder- und Märchenfiguren Onkel Blau, die Tanten Grün, Braun, Lila wie die Kinder Petter und Lotta, geschaffen von der Schriftstellerin und Malerin Elsa Beskow (1874 – 1953), sollten die Handlung seines Nussknacker füllen. Dazu, so Isberg, der Schmuck traditioneller schwedischer Weihnachtsmärkte: Bocksköpfe in allen Formen und Farben. Bocksköpfe dienen als Nussknackerzierde, nicht Soldaten, so Isbergs Vision.

Onkel Blau stützt die schlafwandelnden Tanten, Nussknacker, Stockholm © hanna

Onkel Blau stützt die schlafwandelnden Tanten, Nussknacker, Stockholm © hanna

Schwedischer Nussknacker, Lotta mit Bockskopf-Nussknacker © A. Kenney

Schwedischer Nussknacker, Lotta mit Bockskopf-Nussknacker © A. Kenney

Schwedischer Nussknacker, Der Mäusekrieg © A. Kenney

Schwedischer Nussknacker, Der Mäusekrieg © A. Kenney

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Tschaikowskis Musik übernahm Isberg ungekürzt. Nur die Reihefolge einiger Divertissements wurde verändert, Tschaikowskis Tempi-Vorgaben werden eingehalten. In Schweden übliche Süssigkeiten und humoristische Überraschungen bietet die Choreographie der Traumsequenz des 2. Aktes. Der Grand Pas de deux liegt Isberg sichtbar am Herzen: „Weil er die Spannungen in den Beziehungen zweier Menschen so sichtbar machen kann“.

Man kann, so Pär Isberg, den Soldaten-Nussknacker sehr wohl in einen Weihnachtsbock-Nussknacker verwandeln. So wird ein Bockskopf verzierter Nussknacker zum Symbol des Stückes in Stockholm. Die Eltern von Marie und Fritz werden bei Isberg  zu Tante Braun, Tante Lila und Tante Grün, welche die Waisenkinder Petter und Lotta (bei Hoffmann Marie und Fritz) aufgenommen hatten.  Onkel Blau, welcher in Elsa Beskows Märchen Phantasie und Magie verkörpert, ersetzt E.T.A. Hoffmanns Paten Droßelmeier. Petter und Lotta wohnen in einem kleinen Haus und feiern dort Weihnachten, wie von Hoffmann vorgegeben. Onkel Blau und Nachbarn kommen zu Besuch.   Leibgewordene Lutscher, Wichtel, Knallbonbons, Pfefferkuchen tanzen um den Weihnachtsbaum. Die Kostüme entsprechen dieser mythischen schwedischen Märchen- und Kinderlandschaft. Pär Isberg schafft so einen Nussknacker, in welchem sich geliebtes, gelebtes schwedisches Kulturgut wiederfindet. Und welcher die winterliche Poesie Schwedens zart und volksnah beschreibt. Diese 215te Vorstellung am 10. Dezember 2011:

IOCO / Viktor Jarosch / Dezember 2011

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