Wien, Wiener Staatsoper, JEWELS – Ballett – George Balanchine, 02.11.2019

Oktober 10, 2019  
Veröffentlicht unter Ballett, Pressemeldung, Wiener Staatsoper

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

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  JEWELS  –  WIENER STAATSBALLETT

„Preziosen à la Mr. B.“ – zur Premiere und zum Abend

Premiere 2. November 2019

Drei funkelnde Edelsteine fügen sich am Samstag, 2. November 2019 in der Wiener Staatsoper zu einem Schmuckstück zusammen: zu George Balanchines dreiteiligem Abend Jewels mit den Stücken Emeralds, Rubies und Diamonds, der ersten Premiere des Wiener Staatsballetts in dieser Spielzeit.

Am 13. April 1967 mit dem New York City Ballet in New York zur Uraufführung gelangt, stellt Jewels das erste „abstrakte Ballett“ George Balanchines mit abendfüllender Gesamtdauer dar. Die drei Teile werden dabei lose durch die Idee der Edelsteine bzw. Juwelen verbunden: die Begegnung mit dem Juwelier Claude Arpels regte Balanchine maßgeblich zu seiner Choreographie an. Durch die Wahl der Komponisten Fauré, Strawinski und Tschaikowski bildet das Ballett auch eine Art geographischer Lebensrückschau von George Balanchine mit den Stationen Frankreich (Emeralds), USA (Rubies) und Russland (Diamonds).

Jewels – George Balanchine
youtube Trailer hier des Royal Opera House London / Februar 2017
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Die drei Juwelen der Ballettliteratur sind auf diese Weise ein „Wegweiser durch Balanchines Leben und Werk wie dessen historische Inspirationsquellen“, wie auch im Programmheft des Abends zu lesen sein wird, das Werk gerät auf diese Weise „zu einem einzigen, ebenso opulent wie mit größter Liebe zum Detail ausgestatteten Fest des (neo)klassischen Tanzes, bei dem es in jedem einzelnen kostbaren Moment unendlich viel zu entdecken gibt.“  Dieses „Fest“ steht nun erstmals in seiner vollständigen Form auf dem Spielplan des Wiener Staatsballetts:

Das Auftaktstück des Abends, Emeralds (Musik: Gabriel Fauré, Ausschnitte aus den Suiten Pelléas et Mélisande und Shylock), kommt am 2. November 2019 zur Erstaufführung mit dem Wiener Staatsballett.

Rubies (Musik: Igor Strawinski, Capriccio für Klavier und Orchester) wurde am 18. Juli 2000 erstmals im Haus am Ring gezeigt (als Gastspiel des Ballet de l’Opéra National de Paris unter dem Titel Capriccio im Rahmen des Festivals tanz2000.at). Die Erstaufführung durch das Wiener Staatsballett erfolgte am 24. Oktober 2010 im vierteiligen Premierenabend Juwelen der Neuen Welt (Balanchine | Forsythe | Tharp).

Ein Pas de deux aus dem dritten Teil von Jewels – Diamonds (Musik: Peter I. Tschaikowski, Ausschnitt aus Sinfonie Nr. 3 D-Dur op., 29, „Polnische“) – wurde an der Wiener Staatsoper bei der Nurejew Gala 2018 mit den GastsolistInnen Olga Smirnova und Semyon Chudin gezeigt. Im Rahmen der Premierenproduktion wird das Stück, mit dem der Choreograph v.a. an die Traditionen seiner künstlerischen Herkunft, des imperialen Russischen Balletts, erinnert, nun erstmals vollständig im Haus am Ring aufgeführt.

Tanzjournalistin Ditta Rudle schließt ihren Artikel zur Premiere im Magazin „Stretta“ mit den Worten: „Auch wenn Balanchine in Jewels keine Geschichte erzählt, sind in der Choreografie doch welche enthalten. […] Die Geschichten werden sich in den Köpfen der Zuschauer*innen bilden, wenn sie am 2. November oder in einer Folgevorstellung […] das Wiener Staatsballett in den originaltreuen, prunkvoll schillernden Kostümen von Barbara Karinska und dem originalen Bühnenbild von Peter Harvey sehen werden.“

Und zwar an dem Abend, an dem, wie Ballettdramaturg Oliver Peter Graber feststellt, „die ‚Preziosen à la Mr. B.‘ nunmehr wieder vollständig vereint“ sind.

Zur Besetzung

In den insgesamt neun Vorstellungen (Premiere am 2. November; Reprisen am 4. und 5. November, 2., 5., 7. und 9. Dezember 2019 sowie am 27. und 29. Jänner 2020) tanzen alternierende Besetzungen. Am Premierenabend sind in Emeralds u. a. Natascha Mair und Robert Gabdullin, Maria Yakovleva und Roman Lazik sowie Ioanna Avraam, Dumitru Taran und Alice Firenze zu erleben; in Rubies u. a. Nikisha Fogo und Davide Dato sowie Ketevan Papava und in Diamonds u. a. Olga Esina und Jakob Feyferlik.

Am Pult steht Paul Connelly, der dem Haus am Ring seit seinem Debüt 1991 mit einer Ballett-Gala eng verbunden ist. Bisher leitete er an der Wiener Staatsoper weiters Il barbiere di Siviglia und Ballettvorstellungen von Schwanensee, Don Quixote, Giselle, Romeo und Julia, die Wiederaufnahmen von Dornröschen und La Fille mal gardée sowie die Premiere von Der Nussknacker.

Es spielt das Orchester der Wiener Staatsoper.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Wien, Wiener Staatsoper, Staatsoper trauert – Marcello Giordani, 05.10.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

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 Wiener Staatsoper trauert  –  Marcello Giordani

Die Wiener Staatsoper trauert um den italienischen Tenor Marcello Giordani, der am Samstag, 5. Oktober 2019 zuhause in Augusta (Provinz Syrakus, Sizilien) im Alter von 56 Jahren einem Herzinfarkt erlegen ist. Die Staatsoperngemeinschaft drückt seiner Frau und den beiden Kindern ihre aufrichtige Anteilnahme aus.

Der 1963 in Augusta, Sizilien, geborene Marcello Giordani gewann 1986 den Gesangswettbewerb in Spoleto und debütierte im selben Jahr ebendort als Rigoletto-Herzog. Er avancierte bald zu einem der international gefragtesten Tenöre seines Fachs mit Auftritten an den bedeutendsten Häusern der Welt, so an der Mailänder Scala, der New Yorker Met, dem Royal Opera House Covent Garden in London, an der Pariser Oper, in San Francisco, Chicago, Barcelona, an der Dresdner Semperoper, der Arena di Verona u. v. a. m. A

n der Wiener Staatsoper gab Giordani bereits 1992 sein Debüt als Sänger im Rosenkavalier, es folgten Hauptpartien u. a. in I puritani, Rigoletto, La traviata, La Bohème, Roméo et Juliette, La forza del destino oder Aida. 2016 gab er seine Staatsopern-Rollendebüts als Calaf in Turandot und als Des Grieux an der Seite Anna Netrebkos in Manon Lescaut. Insgesamt gestaltete Marcello Giordani 14 verschiedene Partien in 72 Vorstellungen im Haus am Ring. Sein letzter Auftritt auf dieser Bühne war Radames (Aida) am 2. Oktober 2016. Marcello Giordani war auch sehr um den Sängernachwuchs bemüht: 2010 gründete er die Marcello Giordani Foundation mit dem Ziel, junge Sängerinnen und Sänger zu Beginn ihrer professionellen Karriere zu unterstützen; 2011 fand der erste Marcello Giordani Gesangswettbewerb auf Sizilien statt.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Wien, Wiener Staatsoper, Premiere A Midsummer Night’s Dream, 02.10.2019

September 30, 2019  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Wiener Staatsoper

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

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PREMIERE VON BENJAMIN BRITTENS
A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM
AM 2. OKTOBER 2019

Zum Werk und zur Premierenproduktion

Benjamin Brittens A Midsummer Night’s Dream kehrt am Mittwoch, 2. Oktober 2019 in der ersten Premiere der neuen Staatsopernsaison nach 55 Jahren zurück auf die Bühne des Hauses am Ring.

Mit dem 1960 uraufgeführten Werk erfüllte sich Britten anlässlich der Wiedereröffnung der Jubilee Hall in Aldeburgh den Wunsch der Vertonung eines Shakespeare-Stoffes. Er komponierte die Oper in nur sieben Monaten und kürzte dafür die literarische Vorlage gemeinsam mit seinem Partner Peter Pears auf drei Akte ein, wobei sich der Text sehr eng an das Shakespeare-Original hält. Mit seinem Sommernachtstraum gelang Britten, wie Staatsoperndramaturg Oliver Láng im Magazin des Hauses am Ring „Prolog“ erläutert, ein „Wurf“: Hinreißende Musik, feines Theater, eine schimmernde Traumwelt sowie eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Menschen in all seinen Schichtungen. Er erschafft, wie es weiters im „Prolog“ heißt, einen musikalisch vielschichtigen, immer auch betörenden und beglückenden Zauber, der sich nicht im einfachen klanglichen Bebildern verfängt, sondern auch Unausgesprochenes mitschwingen lässt.

Bereits 1962, in der Direktionszeit von Herbert von Karajan, erklang das amüsante, leichte, poetische und psychologische Meisterwerk, das zu Brittens meistgespielten Musiktheaterwerken zählt, zum ersten Mal an der Wiener Staatsoper. Die Produktion unter der musikalischen Leitung von Heinrich Hollreiser und in einer Inszenierung von Werner Düggelin (Bühnenbild: Günther Schneider-Siemssen) und mit u. a. Gerhard Stolze, Teresa Stich-Randall, Heinrich Schweiger, Gundula Janowitz und Erich Kunz wurde im Haus am Ring 15 Mal gezeigt, zuletzt im Dezember 1964, und verschwand daraufhin vom Spielplan. 55 Jahre später kehrt das Werk nun zurück an die Wiener Staatsoper und eröffnet den Premierenreigen der Spielzeit 2019/2020.

Am Pult steht Simone Young – die der Wiener Staatsoper eng verbundene australische Dirigentin leitete im Haus am Ring seit ihrem Debüt 1993 mit La Bohème bisher insgesamt 31 Werke an 173 Abenden, darunter die Premieren von Osud / Le villi, La Juive, des Ballettabends Das Lied von der Erde sowie zuletzt Der Spieler (2017); mehrere Wiederaufnahmen bzw. musikalische Neueinstudierungen und zahlreiche Repertoireabende. Im „Prolog“-Interview mit Oliver Láng spricht sie u. a. über die herausfordernde kleinteilige Struktur der Oper: „Manche empfinden das Stück als sehr episodisch, gerade darum finde ich die Idee unserer Regisseurin Irina Brook, dass die Handlung in einem Einheitsbühnenbild spielt, sehr gut. Es wird so ein Zusammenhalt der einzelnen Sequenzen erreicht. Im Grunde ist es wie bei jeder anderen Oper: Man muss die Details sehen, aber den Blick für das Ganze nicht verlieren. […] es gibt doch einen roten Faden quer durch das Werk: und dieser Faden ist das Magische. Man stößt immer wieder auf die „Zauberklänge“, die durch die Glissandi in den tiefen Streichern ausgedrückt werden. Das klingt für mich wie ein großer Baum, der sich im Sturm windet. […] Diese Naturlaute sind auch die Welt Brittens, oder genauer: Die Welt Brittens um 3 Uhr morgens, zwischen Traum und Alptraum. Diese Klänge kehren in der Oper immer wieder und sind so ein Anhaltspunkt.“

Für die Regie zeichnet Irina Brook verantwortlich, die an der Wiener Staatsoper 2015 Don Pasquale erfolgreich herausbrachte (diese Produktion steht ab 30. Oktober 2019 wieder auf dem Spielplan des Hauses). Irina Brook beschäftige sich schon in jungen Jahren intensiv mit Shakespeares Theaterstück A Midsummer Night’s Dream und inszenierte es auch selbst. Auf die Frage, ob ihrer Meinung nach ein atmosphärischer Unterschied zwischen Vorlage und Vertonung besteht, antwortet sie Staatsoperndramaturg Andreas Láng im Gespräch für den „Prolog“: „Als ich mich dann aber mit der Britten-Oper intensiver auseinandersetzte, hatte ich zunächst das Gefühl, dass sich das Werk aufgrund der Musik doch deutlich vom Schauspiel unterscheidet, zum Teil in einigen Szenen ein ganz andere Grundtempo aufweist und weniger leichtfüßig daherkommt. Aber je mehr ich in die Britten’sche Vertonung hineinwuchs, desto mehr wuchs meine Liebe zu dieser Musik, die einen regelecht in den Bann zu ziehen vermag und ich erkannte, dass ich hier eine ideale Vertonung des Stoffes vor mir habe.“

Das Bühnenbild stammt von Noëlle Ginefri-Corbel, die an der Wiener Staatsoper bereits mit Irina Brook für Don Pasquale zusammenarbeitete. Die Kostüme gestaltet Magali Castellan, das Lichtdesign Jean Kalman und die Choreographie Martin Buczko.


Die Besetzung

Am Premierenabend geben alle Sängerinnen und Sänger ihr Staatsopern-Rollendebüt – vier Solistinnen und Solisten stellen sich mit A Midsummer Night’s Dream dem Publikum des Hauses am Ring vor.

Den Oberon gibt der international erfolgreiche amerikanische Countertenor Lawrence Zazzo (Debüt an der Wiener Staatsoper), der bisher mit Partien wie Oberon, Giulio Cesare, Farnace, Radamisto, Arsamene, Bertarido und Unulfo (Rodelinda), Ottone (Agrippina), Ruggiero (Orlando Furioso), Trinculo (The Tempest) und Mascha (Tri Sestri) an den wesentlichen Opern- und Konzertbühnen zu erleben war, u. a. an der New Yorker Met, am Teatro Real Madrid, an der Berliner Staatsoper, in Paris, London, Zürich, Amsterdam, Brüssel, Sevilla, Bilbao, Oslo, Amsterdam, Rom, Peking, Hamburg, München, Aix-en-Provence und Toronto.

Erin Morley singt die Titania. Die amerikanische Koloratursopranistin zählt zu den gefragtesten Sängerinnen ihres Fachs und debütierte 2014 als Gilda in der Premierenproduktion von Rigoletto an der Wiener Staatsoper, wo sie bisher weiters noch als Sophie (Der Rosenkavalier) und Zerbinetta (Ariadne auf Naxos) zu erleben war.

Den Puck verkörpert der vielseitige Schauspieler, Musiker, Tänzer, Akrobat und Zirkusartist Théo Touvet (Debüt im Haus am Ring). Nach seiner musikalischen, künstlerischen und sportlichen Ausbildung (u. a. Gymnastik, Voltigieren, Tanz, Posaune) absolvierte er ein Wissenschaftsstudium, das ihn von der Ecole Normale Supérieure an das MIT sowie u. a. auch an die NASA führte. Danach spezialisierte er sich auf Cyr Wheels am Centre National des Arts du Cirque, bevor er an das Conservatoire National Supérieur d’Art Dramatique (Schauspiel) wechselte. Er ist als Co-Autor und Schauspieler tätig, tourte vom Théâtre National de Chaillot und dem Théâtre de la Ville-Paris bis nach China. Nach seinem Solo Existe en ciel (Aufführungen am La Chartreuse und Panthéon in Paris), arbeitet er nun an seinem Film Panthéon und seiner Live-Performance Poussière d’étoile / Stardust.

Peter Rose ist als Bottom in seiner ersten Staatsopernpremiere zu erleben. Dem Haus am Ring ist er seit seinem Debüt 1997 als König Marke (Tristan und Isolde) verbunden und verkörperte hier bisher weiters u. a. Ochs (Der Rosenkavalier), John Claggart (Billy Budd), Daland (Der fliegende Holländer), Sarastro (Die Zauberflöte), Gremin (Eugen Onegin) sowie Gurnemanz (Parsifal).

Der britische Tenor Benjamin Hulett gibt als Flute sein Debüt im Haus am Ring. Auftritte führten den Sänger bisher u. a. als Ensemblemitglied an die Hamburgische Staatsoper; an die Bayerische Staatsoper, an die Deutsche Staatsoper Berlin, das Theater an der Wien, zu den Salzburger Festspielen, nach Baden-Baden, Rom, Glyndebourne, Madrid, Paris und an das Londoner Royal Opera House.

Josh Lovell, neu im Ensemble, stellt sich als Lysander dem Staatsopernpublikum vor. Der mehrfach preisgekrönte junge kanadische Tenor studierte u. a. in Victoria und Michigan und war Teilnehmer des Young Singers Project der Salzburger Festspiele. Auftritte führten ihn bisher an die Lyric Opera of Chicago, zu den Salzburger Festspielen, an die Wolf Trap Opera und das New Generation Festival in Florenz. Im Haus am Ring wird er in der aktuellen Saison u. a. noch Lurcanio (Ariodante), Don Ramiro (La cenerentola) und Ernesto (Don Pasquale) singen.

Der junge britische Bass William Thomas singt den Snug (Hausdebüt). Der Gewinner mehrerer Wettbewerbe sang bereits an der Wigmore Hall, in der Barbican Concert Hall, in Lyon und Paris.

Außerdem sind Valentina Naforni?? als Helena, Peter Kellner als Theseus, Szilvia Vörös als Hippolyta, Rafael Fingerlos als Demetrius, Rachel Frenkel als Hermia, KS Wolfgang Bankl als Quince, Thomas Ebenstein als Snout und Clemens Unterreiner als Starveling zu erleben.

Es spielt das Orchester der Wiener Staatsoper und es tanzt das Wiener Staatsballett (Tänzerinnen und Tänzer der Volksoper Wien). Eine weitere zentrale Rolle nehmen die Kinder der Opernschule der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Johannes Mertl ein.

A Midsummer Night’s Dream  im Livestream, im Radio sowie „live am Platz“

Die Premiere am 2. Oktober 2019 wird via WIENER STAATSOPER live at home weltweit live in HD übertragen (www.staatsoperlive.com) sowie im Rahmen von „Oper live am Platz“ auf dem Herbert von Karajan-Platz gezeigt.

Die Vorstellung am Samstag, 5. Oktober 2019 wird live in Radio Ö1 (+ EBU) übertragen.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

150 Jahre Wiener Staatsoper – CD / DVD Naxos / Orfeo, IOCO Rezension, 25.09.2019

September 25, 2019  
Veröffentlicht unter IOCO - CD-Rezension, Wiener Staatsoper

Staatsoper Wien © IOCO

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Wiener Staatsoper

150 Jahre Wiener Staatsoper – Naxos CD/DVD

von Marcus Haimerl

Am 25. Mai 2019 feierte die Wiener Staatsoper ihr 150-jähriges Jubiläum mit der Premiere einer einer Neuinszenierung von Richard Strauss Frau ohne Schatten, welche 100 Jahre zuvor ihre Uraufführung hier feierte. Zudem war der Komponist gemeinsam mit Franz Schalk von 1919 bis 1924 Direktor des Haus am Ring.

Zum 150-jährigen Jubiläum der Staatsoper veröffentlichte Orfeo eine CD-Box mit den großen Aufführungen und Premieren der Wiener Staatsoper. Die CD-Box umfasst 20 CDs sowie 2 Bonus CDs von 1955 bis 2016 mit Aufnahmen von Wozzeck (Berg), Fidelio (Beethoven), Elektra (Strauss), Le Nozze Di Figaro (Mozart), Il Viaggio A Reims (Rossini), Tristan und Isolde (Wagner), Eugen Onegin (Tchaikovsky), Ariadne auf Naxos (Strauss) sowie Un ballo in maschera (Verdi).

150 Years Wiener Staatsoper / CD -DVD © NAXOS / ORFEO

150 Years Wiener Staatsoper / CD -DVD © NAXOS / ORFEO

WOZZECK (Alban Berg)

Alban Bergs „Wozzeck“ war neben Fidelio (Beethoven), Don Giovanni (Mozart), Die Frau ohne Schatten (Strauss), Aida (Verdi), Die Meistersinger von Nürnberg (Wagner) und Der Rosenkavalier (Strauss) eine der insgesamt sieben Opern mit denen die Wiener Staatsoper nach der Zerstörung in den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs und dem anschließenden Wiederaufbau  1955 feierlich wiedereröffnet wurde.  Zur herausragenden Besetzung zählte neben Walter Berry als Wozzeck und Christel Goltz als Marie, Max Lorenz (Tambourmajor), Murray Dickie (Andres), Peter Klein (Hauptmann) und Karl Dönch (Doktor). In bestmöglicher Qualität erlebt der Zuhörer hier nicht nur eine packende Umsetzung von Alban Bergs Werk, sondern auch ein außergewöhnliches Zeitdokument aus der Geschichte der Wiener Staatsoper.

FIDELIO (Ludwig van Beethoven)

Aus dem Jahr 1962 stammt die zweite Aufnahme der CD-Box. Bei Beethovens Freiheitsoper „Fidelio“ stand auch gleich der damalige Direktor des Hauses, der Dirigent Herbert von Karajan, am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper. Die herausragende Christa Ludwig gestaltete die Partie der Leonore, ihr damaliger Ehemann Walter Berry deren Gegenspieler Don Pizzaro. Sensationell Jon Vickers als Florestan. Auch der Rest der Besetzung zählt zu den Besten ihrer Zeit: Eberhard Wächter als Don Ferrando, Gundula Janowitz als Marzelline, Waldemar Kmentt als Jaquino, Walter Kreppel als Rocco und Kostas Paskalis und Ljubomir Pantscheff als Erster und Zweiter Gefangener. Auch diese Aufnahme ist ein besonderes Zeitdokument, handelt es sich hier doch um eine der seltenen Live-Aufnahmen Karajans, einem Verfechter von Studioaufnahmen.

ELEKTRA (Richard Strauss)

In der Direktionszeit Egon Hilberts entstand im Dezember 1965 die Aufnahme von Richard Strauss „Elektra“ als Live-Mitschnitt einer der intensivsten Aufführungen dieses Werkes im Haus am Ring. Unter dem mitreißenden Dirigat von Karl Böhm versammelten sich die Größen des Wagner- und Strauss-Gesangs auf einer Bühne. Birgit Nilsson gab eine atemberaubende Elektra, Regina Resnik die Klytemnästra, der Wiener Publikumsliebling Leonie Rysanek war in der Partie der Chrysothemis zu hören. Bei den Herren erlebte man Wolfgang Windgassen als Aegisth und Eberhard Waechter als Orest.  Mit der Aufzeichnung einer dieser drei Vorstellungen zwischen dem 16. und 22. Dezember 1965 gelang Karl Böhm mit dem gesamten Ensemble eine Referenzaufnahme dieser Oper.

LE NOZZE DI FIGARO (Wolfgang Amadeus Mozart)

Eine weitere der seltenen Live-Aufnahmen Herbert von Karajan fällt in die erste Amtszeit von Egon Seefehlner.  Mit Mozarts „Le nozze di Figaro“, einer der drei Da Ponte-Opern, holte Herbert von Karajan im Mai 1977 die besten Sänger ihrer Zeit auf die Bühne. Tom Krause als Conte d’Almaviva und Anna Tomowa Sintow als Contessa, Ileana Cotrubas als Susanna, José van Dam als Figaro und Frederica von Stade als Cherubino machen aus Mozarts Oper einen wahren Hörgenuss. Auch diese Aufnahme markiert einen Meilenstein der Geschichte der Wiener Staatsoper.

IL VIAGGIO A REIMS (Gioachino Rossini)

Erst im Januar 1988 fand die Erstaufführung von Rossinis Oper “Il viaggio a Reims” statt und erlebte auch nur 10 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper, fünf Vorstellungen fanden im Rahmen des Japan-Gastspiels im Bunka Kaikan in Tokio statt. In der Direktionszeit von Claus Helmut Drese und unter dem Dirigat des Generalmusikdirektors Claudio Abbado fand diese denkwürdige Premiere statt. Es sangen Cecilia Gasdia (Corinna), Lucia Valentini-Terrani (Marchesa Melibea), Lella Cuberli (Contessa di Folleville), Montserrat Caballé (Madama Cortese), Frank Lopardo (Cavalier Belfiore), Chris Merritt (Conte di Libenskof), Ferruccio Furlanetto (Lord Sidney), Ruggero Raimondi (Don Profondo) und Enzo Dara (Barone di Trombonok). Mit dieser hochkarätigen Besetzung zählten diese Aufführungen zu den besonderen Juwelen in der Geschichte der Wiener Staatsoper, an die sich heute noch viele Besucher dieser Vorstellungen gerne zurückerinnern.

TRISTAN UND ISOLDE (Richard Wagner)

„Tristan und Isolde“ war, neben „Lohengrin“ und „Parsifal“ eine der drei Neuinszenierungen einer Wagner Oper in der Amtszeit von Dominique Meyer.  Anlässlich des 200. Geburtstags des Komponisten löste die spannende Inszenierung David McVicars jene Günter Krämers aus dem Jahr 2003 ab. Peter Seiffert sang hier einen besonders intensiven Tristan an der Seite von Nina Stemme als Isolde. Stephen  Milling als König Marke, Jochen Schmeckenbecher als Kurwenal, Janina Baechle als Brangäne, Eijiro Kai als Melot , Carlos Osuna als Hirt und Marcus Pelz als Steuermann rundeten das großartige Ensemble rund um den damaligen Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper ab.

EUGENE ONEGIN (Pyotr Ilyich Tchaikovsky)

Im April 2013 kamen die Fans der Ausnahmesängerin Anna Netrebko auf ihre Kosten. In Tchaikovskys „lyrische Szenen“ fand sich unter dem Dirigat Andris Nelsons ein großartiges Sängerensemble ein. Neben einer fulminanten Anna Netrebko als Tatyana, sang Dmitri Hvorostovsky die Titelpartie. Zoryana Kushpler (Larina), Alisa Kolosova (Olga), Aura Twarowska (Filipjewna) und Dmitry Korchak (Lensky) vervollständigten das homogene Ensemble rund um Anna Netrebko. Gleichzeitig gilt diese Aufnahme auch als wichtiges Tondokument des zu früh verstorbenen russischen Baritons Dmitry Hvorostovsky.

ARIADNE AUF NAXOS (Richard Strauss)

2012 übernahm die Wiener Staatsoper die Sven-Eric Bechtolfs Inszenierung von Richard Strauss „Ariadne auf Naxos“ von den Salzburger Festspielen. Die vorliegende Aufnahme entstand zwei Jahre später. Unter dem Dirigat Christian Thielemanns sang zum vorletzten Mal Soile Isokoski in einer Produktion an der Wiener Staatsoper die Partie der Primadonna/Ariadne, zum letzten Mal sang sie die Partie der Marschallin im Rosenkavalier nur einen Monat später. Der viel zu früh verstorbene Johan Botha bleibt als Tenor/Bacchus in einer seiner seltenen Aufnahmen in Erinnerung. Der ebenfalls erst kürzlich verstorbene Kammerschauspieler Peter Matic verkörpert auf ideale Weise den Haushofmeister. Wunderbar ergänzt wird dieses Ensemble durch Jochen Schmeckenbecher (Musiklehrer), Sophie Koch (Komponist), Daniela Fally (Zerbinetta) sowie Marcus Pelz, Adam Plachetka, Carlos Osuna, Jongmin Park, Rachel Frenkel und Olga Bezsmertna. Auch bei diesem Tondokument zeigt sich schon sehr früh die Bedeutung für die Geschichte des Hauses.

UN BALLO IN MASCHERA (Giuseppe Verdi)

Die letzte Gesamtaufnahme dieser Box widmet sich einem Meisterwerk des italienischen Komponisten Giuseppe Verdi. 1986 hob sich der Vorhang für Luciano Pavarotti als Gustaf III in der Inszenierung von Gianfranco de Bosio, die 2016 ihre 90. Reprise an der Staatsoper erlebte: Als Gustaf III. hörte man den polnischen Tenor Piotr Beczala, als Renato Anckarström den russischen Bariton Dmitri Hvorostovsky in einem seiner letzten Auftritte an der Wiener Staatsoper. Mit einer großartigen Krassimira Stoyanova als Amelia, Nadia Krasteva als Ulrica, Hila Fahima als Oscar, Alexandu Moisiuc (Graf Horn), Sorin Coliban (Graf Warting), Igor Onishchenko (Cristiano) und Thomas Ebenstein (Richter/Diener) genoss das Publikum einen großartigen Opernabend, den es hier nachzuhören gibt.

BONUS CDs „Legendary Voices Of The Wiener Staatsoper“

Alleine die beiden Bonus CDs, ein Best Of der großartigsten Sänger der Wiener Staatsoper, rechtfertigt den Kauf dieser CD Box.

Aus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ besticht die Königin der Koloraturen, Edita Gruberova, als Constanze mit „Martern aller Arten“ aus dem Jahr 1979. 1968 singen Adolf Dallapozza, Walter Berry und Eberhard Waechter „La mia Dorabella capace non è“ aus „Così fan tutte“. Mit Donna Annas Arie „Crudele! Ah no, mio bene“ aus Don Giovanni beendet Edita Gruberova den Mozart-Teil der CD.

Mit dem Ausschnitt „Aber der Richtige“ aus Richard Strauss’ Oper „Arabella“ führen Lisa della Casa, die Arabella des 20. Jahrhunderts in der Titelpartie und Anneliese Rothenberger als Zdenka ins Jahr 1964 zurück. Aus dem Jahr der feierlichen Wiedereröffnung stammt die Aufnahme aus dem „Rosenkavalier“, dem Duett Marschallin/Octavian „Wie Du warst! Wie Du bist“ mit Sena Jurinac und Maria Reining.

Der deutsche Komponist Richard Wagner ist mit Ausschnitten aus „Der fliegende Holländer“, „Die Walküre“ und „Lohengrin“ vertreten. In „Wie aus der Ferne längst vergang’ner Tage“ erlebt man Julia Varady als Senta und Franz Grundheber als Holländer. 1992 sangen Placido Domingo als Siegmund und Waltraud Meier als Sieglinde „Keiner ging“ aus der Walküre, Johan Botha als Lohengrin und Cheryl Studer als Elsa sind in „Atmest du nicht mit mir…“ aus „Lohengrin“ zu hören.

Mit einem Ausschnitt aus der musikalisch herausragenden Produktion von Dmitri Shostakovich „Lady Macbeth von Mzensk“ mit Angela Denoke unter dem Dirigat von Ingo Metzmacher endet die erste CD.

Die zweite CD widmet sich schwerpunktmäßig dem italienischen Komponisten Giuseppe Verdi, Ausschnitte aus seinen Opern „Simone Boccanegra“, „La Traviata“, „Don Carlo“, „Aida“ und „Otello“ dominieren auf dieser CD.

1969 sangen Eberhard Waechter und Nicolai Ghiaurov gemeinsam in Verdis „Simone Boccanegra“. Zu hören ist der Ausschnitt „Suona ogni labbro il mio nome“. Mit „Parigi o cara“ berührten Ileana Cotrubas als Violetta und Nicolai Gedda als Alfredo 1971 in „La Traviata“. Ein Jahr zuvor sangen Gundula Janowitz (Elisabetta) und Franco Corelli (Don Carlo) „Io vengo a domandar“ in Verdis „Don Carlo“. Zwei verschiedene Besetzungen in den 90er Jahren bieten die Aufnahmen der „Aida“: „Fu la sorte dell’armi a tuoi funesta“ mit Julia Varady als Aida und Marjana Lipovsek als Amneris, sowie „La fatal pietra sovra me si chiuse“ mit Mirella Freni als Aida und Luciano Pavarotti als Radamès.  1987 waren Anna Tomowa-Sintow als Desdemona und Plácido Domingo in der Titelpartie in Verdis „Otello“ unter dem Dirigat von Zubin Mehta zu hören.

Unter dem wunderbaren Dirigat von Carlos Kleiber strahlten die Weltstars Mirella Freni und Luciano Pavarotti 1985 in Giacomo Puccinis „La Bohème“.

Ein besonderer Genuss erwartet die Zuhörenden am Ende der CD: Unter dem Dirigat von Pinchas Steinberg erlebt man die griechische Mezzosopranistin Agnes Baltsa in ihrer Paraderolle der Carmen in der gleichnamigen Oper Georges Bizets an der Seite von Plácido Domingo als Don José im fulminanten finalen Aufeinandertreffen der beiden Protagonisten „C’est toi? C’est moi?“.

Alleine beim Hören dieser beiden Bonus CDs gibt es dann doch einige Produktionen, die man gerne als Gesamtaufnahme hören möchte.

Insgesamt ist die schön gestaltete CD-Box ein musikalischer Ausflug in die Geschichte der Wiener Staatsoper nach der Wiedereröffnung 1955 und bringt mehr als hörenswerte Aufnahmen dieser Zeit mit herausragenden Sängerinnen, Sängern und Dirigenten. Die limitierte CD-Box mit insgesamt 22 CDs ist um rund 100 Euro im Handel erhältlich. Auch auf Grund einiger Aufnahmen, die bisher noch nie veröffentlicht wurden, kann man den Kauf dieser Box nur empfehlen.

—| IOCO CD-Rezension |—

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