Wien, Wiener Staatsoper, Ballett FORSYTHE, VAN MANEN, KYLIÁN, 14.04.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Artifact Suite, Trois Gnossiennes, Psalmensymphonie

FORSYTHE | VAN MANEN | KYLIÁN

Ein neuer Ballettabend kommt am Sonntag, 14. April 2019 zur Premiere im Haus am Ring: Forsythe | van Manen | Kylián, der nun drei der prägendsten Choreographen der Gegenwart, die bereits mit mehreren Werken im Repertoire des Wiener Staatsballett vertreten sind, vereint.

Auf dem Programm stehen William Forsythes Artifact Suite, Hans van Manens Trois Gnossiennes und Solo sowie Jirí Kyliáns Psalmensymphonie. Artifact Suite, Trois Gnossiennes und Psalmensymphonie feiern mit dieser Premiere ihre Erstaufführungen an der Wiener Staatsoper, Solo wurde zum ersten Mal bei der Nurejew Gala 2017 vom Wiener Staatsballett gezeigt.

Wiener Staatsballett – Artifact Suite, Trois Gnossiennes, Psalmensymphonie
youtube Trailer des Wiener Staatsballett
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George Balanchine (1903 – 1983) gab den Startschuss zu einer Entwicklung von bis dahin unbekannten Tempi der Bewegung am Horizont des Balletts, die zeitgleich mit dem Begriff der Neoklassik erschienen. Ungeachtet ihrer individuellen Bewegungssprache sind die drei Choreographen des Premierenabends dieser „Spielart“ der Neoklassik zuzuordnen, die im späteren 20. Jahrhundert in den Niederlanden zu besonderer Ausprägung und Pflege gelangte und schraubten in ihrem choreographischen Schaffen die Anforderungen zum Teil ins Extreme, wie Ballettdramaturg Oliver Peter Graber im Staatsopernmagazin Prolog erläutert.

Tanzjournalistin Angela Reinhardt schreibt in ihrem Text über den Abend im Programmheft: „Alle drei Choreographen dieses Abends veränderten die Geschichte des klassischen Balletts: indem sie die Bewegung direkt befragten oder indem ihr Tanz keine bekannten Geschichten mehr erzählte, sondern von anderen Dingen sprach, von der modernen Gesellschaft, von Irritationen, Gedanken, der Sinnsuche des Lebens. Hans van Manen, Jirí Kylian und William Forsythe sind Bahnbrecher. Durch sie sehen wir heute mehr im Ballett als nur die beglückende Schönheit seiner Formen: Wir denken mit den Augen.“

Zu den Werken

Als erstes der vier Stücke wird William Forsythes Artifact Suite (Musik: Johann Sebastian Bach, Eva Crossman-Hecht) gezeigt, das 2004 beim Scottish Ballet in Glasgow Premiere feierte und vom Choreographen aus seinem 1984 uraufgeführten handlungslosen Vierakter Artifact, einem Ballett über das Ballett, zusammengestellt wurde. „Forsythe beginnt hier auszuloten, wie weit man Bewegungen ins Extrem treiben kann, er verlängert mit weit hinausgestreckten Beinen, extremen Streckungen und Gewichtsverlagerungen die Linien des Körpers in den Raum hinein“, wie Angela Reinhardt bemerkt, „Forsythe nutzt das Vokabular des klassischen Tanzes, zerstört aber immer wieder mutwillig dessen klare Abläufe, er verfremdet Bewegungen und setzt sie in fulminanter Weise neu zusammen“.

Hans van Manens Trois Gnossiennes zur Musik von Erik Satie – Gnossiennes ist eine Wortschöpfung des Komponisten – wurde 1982 beim Holländischen Nationalballett in Amsterdam uraufgeführt. Auch in diesem Pas de deux gelingt es van Manen, wie Angela Reinhardt bemerkt, „unseren Blick auf die kleinsten Nuancen zu lenken“. Auch van Manens Bewegungsvokabular beruht auf der Neoklassik, zeigt aber auch eine Spannung zwischen Mann und Frau.

Solo, 1997 beim Nederlands Dans Theater uraufgeführt, ist ein rasantes Stück für drei männliche Solisten (Musik: Johann Sebastian Bach), die „den Tanz wie einen Stafettenstab immer wieder an den nächsten weiter reichen, in einem freundschaftlichen, ironisch lächelnden Wettbewerb“, wie Angela Reinhardt das Werk charakterisiert.

Jirí Kyliáns Psalmensymphonie (Musik: Igor Strawinski) ist das vierte Stück des neuen Abends – sie kam 1978 beim Nederlands Dans Theater, dessen künstlerischer Leiter Kylián war, zur Premiere und gab Anstoß für die gesamte weitere Entwicklung dieses Ensembles. Die Choreographie hat sich den Ruf eines frühen Meisterwerkes, das den Tanz in all seinen Facetten feiert und doch eigenwillige Wege geht, bis heute erhalten.

Zur Besetzung

In den fünf Vorstellungen (Premiere am 14. April, Reprisen am 17., 20., 27. und 30. April) sind alternierende Besetzungen zu erleben – die Premiere gestalten u. a. Nikisha Fogo, Jakob Feyferlik, Nina Poláková, Roman Lazik und Oxana Kiyanenko in Artifact Suite; Maria Yakovleva und Jakob Feyferlik in Trois Gnossiennes; Denys Cherevychko , Richard Szabó und Géraud Wielick in Solo sowie Ketevan Papava, Roman Lazik, Nikisha Fogo, Denys Cherevychko, Kiyoka Hashimoto, Davide Dato, Nina Poláková, James Stephens, Nina Tonoli, Navrin Turnbull, Rikako Shibamoto, Scott McKenzie, Anita Manolova, Marian Furnica, Gala Jovanovic und Tristan Ridel in Psalmensymphonie.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Wien, Wiener Staatsoper, KS Hilde Zadek – Die Staatsoper trauert, IOCO Aktuell, 25.02.2019

Februar 25, 2019  
Veröffentlicht unter IOCO Aktuell, Oper, Pressemeldung, Wiener Staatsoper

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

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KS Hilde Zadek –  1918 – 2019

Die Wiener Staatsoper trauert um KS Hilde Zadek

Die Wiener Staatsoper trauert um die große österreichische Sopranistin Hilde Zadek, Kammersängerin und Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper, die am  21. Februar 2019 im Alter von 101 Jahren in Karlsruhe verstorben ist.

Staatsoperndirektor Dominique Meyer: „Gerade heute nach unserer Trauerfeier für KS Wilma Lipp habe ich die traurige Nachricht vom Tod von KS Hilde Zadek erhalten. Mit ihr hat uns nun eine weitere Staatsopernikone des 20. Jahrhunderts verlassen, eine bedeutende Künstlerin, die das Nachkriegsensemble der Staatsoper repräsentierte wie wenige, eine legendäre Pädagogin,die Generationen prägte. Vor einigen Jahren habe ich sie auch persönlich kennenlernen und mich von ihrer warmherzigen, angenehmen Art begeistern lassen dürfen – vor einem Jahr haben wir in der Staatsoper gemeinsam ihren 100. Geburtstag gefeiert. Wir werden Hilde Zadek – unseren Sonnenschein, wie ich sie nennen durfte– vermissen. “

Wiener Staatsoper / Hilde Zadek © Poehn

Wiener Staatsoper / Hilde Zadek © Poehn

Die Wiener Staatsoper hisst zum Zeichen der Trauer die schwarze Fahne.

Hilde Zadek wurde am 15. Dezember 1917 in Bromberg (Provinz Posen) geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Stettin. Sie ließ sich zunächst in Berlin zur Kinderkrankenschwester ausbilden,1935 musste sie, jüdischstämmig, nach Palästina emigrieren. Am Konservatorium in Jerusalem absolvierte sie eine umfassende Musik- und Gesangsausbildung. Zu Ihren Lehrern gehörten der Komponist Josef Grünthal und die Sängerin Rose Pauly.

Sie debütierte am 3. Februar 1947 als Aida in einer Aufführung der Wiener Staatsoper im Theater an der Wien und wurde rasch zu einer wichtigen Säule des Ensembles. Zwischen 1947 und 1971 sang Hilde Zadek 39 Rollen in 37 verschiedenen Opern in 786 Staatsopernvorstellungen. Zu ihren wichtigsten und meistgesungen Rollen zählen u.a. die Titelrolle der Aida (71 Mal), Contessa d’Almavia (Le nozze di Figaro–59 Mal) oder Marschallin im Rosenkavalier (58 Mal). Weitere wichtige Partien waren etwa Donna Anna (Don Giovanni), Ariadne (Ariadne auf Naxos), Eva (Die Meistersinger von Nürnberg), Santuzza (Cavalleria rusticana) oder Elisabetta (Don Carlo).

KS Hilde Zadek war auch Ensemblemitglied in Düsseldorf, sang bei den Salzburger Festspielen und gastierte u.a. an der Mailänder Scala, am Teatro National de São Carlos in Lissabon, am Royal Opera House in London, beim Glyndebourne Festival, an der New Yorker Met, am Teatro Colón in Buenos Aires, in Paris, Amsterdam, Brüssel, Rom, San Francisco und an der Bayerischen Staatsoper in München. Ihren letzten Staatsopernauftritt absolvierte sie am 3. Jänner 1971 in der Walküre und zog sich in der Folge von der Bühne zurück.

Seitdem war sie in Österreich und international als Gesangslehrerin tätig, leitete u.a. bis 1978 die Gesangsabteilung am Konservatorium der Stadt Wien. 1951 wurde ihr der Titel Österreichische Kammersängerin verliehen, 1977 wurde sie Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper. Darüber hinaus war sie u. a. Trägerin des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst sowie der Wiener Ehrenmedaille und erhielt das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreichs.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Wien, Wiener Staatsoper, Die Spielzeiten 2017/18 – 2018/19 – Zahlen, Daten, Fakten, IOCO Aktuell, 19.02.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

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Wiener Staatsoper – Zahlen, Daten, Fakten

Geschäftsbericht 2017/18 – Status 2018/19

Die Wiener Staatsoper ist kultureller Olymp der Musiktheater Europas. Über 600.000 Besucher, bei einer Auslastung von regelmäßig über 98% erreicht kein anderes Musiktheater der Welt. Die Wiener Staatsoper veröffentlicht jedes Jahr einen öffentlich zugänglichen, umfassenden Geschäftsbericht. Der nun für die Spielzeit 2017/18 veröffentlichte Geschäftsbericht beschreibt auf 123 Seiten umfassend professionell das künstlerische, operative wie kaufmännische  Gebaren der Staatsoper. Der transparente Bericht verdeutlicht Kompetenz sowie hohe Sensibilität im Umgang mit öffentlichen Mitteln.

Olymp der Musiktheater – Die Wiener Staatsoper – Auslastung

Die Bedeutung der Auslastung von Produktionen wird von Theaterleitern wie Künstlern oft sensibel, scheu behandelt; ein klammheimliches Dogma, „Kunst kennt keine Kosten“, schwebt leise mit in „unbestimmten Tönen“. Die Wiener Staatsoper und ihr Geschäftsbericht zeigen dagegen seit Jahren, daß anspruchsvolle Kunst und hohe Auslastung in harmonischer Symbiose leben können. Voraussetzung dazu ist, daß hohe Professionalität nicht allein auf der Bühne, sondern, in gleichem Umfang aber unsichtbar, auch „hinter der Bühne“ geleistet wird.

Der Staatsopern Geschäftsbericht zur Spielzeit 2017/18 zeigt die Auslastung aller Produktionen der Spielzeit in großem Detail. So waren die drei Vorstellungen von Simon Boccanegra zu 100% ausgelastet / ausverkauft, TOSCA – Vorstellungen zu 99,99%. Vier PELLÉAS ET MÉLISANDE – Vorstellungen waren, von allen Opernproduktionen der Spielzeit 2017/18 mit 97,06% am niedrigsten ausgelastet. Elf Giselle Ballettabende zogen 22.149 Besucher 2017/18 in ihren Bann: Giselle Abende waren zu 99.96% ausgelastet.

Wie erklärte Intendant Dominique Meyer seinen, die Auslastung von Produktionen  immer einschließenden Fokus auf einer vergangenen Jahrespressekonferenz:  „Es gibt Leute die sagen, Auslastung sei nicht wichtig; doch was würden diese Leute sagen, wenn die Auslastung niedrig wäre….„.

Intendant Dominique Meyer und Ballettchef Manuel Legris © IOCO

Wiener Staatsoper / Intendant Dominique Meyer und Ballettchef Manuel Legris © IOCO

Die Eckpunkte der Spielzeit 2017/18:  402 Vorstellungen und Eigen-veranstaltungen, 608.955 Besucher/Innen; 292 Vorstellungen auf der Hauptbühne der Wiener Staatsoper; Sitzplatzauslastung 98,03 %.

Die Zwischenbilanz der Spielzeit 2018/2019 zum 15.2.2019: Sitzplatzauslastung im Großen Haus 99,20% (nur Oper: 99,37%).

Dominique Meyer, Intendant und  Thomas W. Platzer, Kfm. Geschäftsführer
Festellungen zur Spielzeit 2017/18

„Auch in der Spielzeit 2017/18 brachte die künstlerische Auseinandersetzung mit den wichtigen Musiktheaterwerken eine Beschäftigung mit den Themen unserer Zeit mit sich: Der Mensch inmitten vieler auf ihn einstürmender Fragestellungen, in Entscheidungslagen zwischen dem privaten und dem Wohl anderer, konfrontiert mit umstürzenden Gesellschaften, umstürzenden Lebensentwürfen, zwischen Macht und Ideenlehre, instrumentiert, glaubend, liebend, verführt, gefangen zwischen Vision und Verwirklichung, politischer wie menschlicher Befindlichkeiten. Und das waren nur die Themen der Opern-Premieren! Nämlich: Der Spieler von Sergej Prokofjew, Alban Bergs Lulu, Georg Friedrich Händels Ariodante, Gottfried von Einems Dantons Tod und Camille Saint-Saëns’ Samson et Dalila und Carl Maria von Webers Der Freischütz. Dazu kommt die große Menge unserer Repertoire-Werke, die weitere Themen in den gesellschaftlichen Verhandlungs-Talon warfen…

Wiener Staatsoper  – Imagefilm
youtube Video der Wiener Staatsoper
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Dies setzte sich auch beim Ballett fort, EDEN|EDEN – Mittelstück des dreiteiligen Abends MacMillan | McGregor | Ashton – diskutierte das Verhältnis von Mensch und Technik, im Speziellen das Klonen, Peer Gynt in der Choreographie von Edward Clug erschloss nicht nur nordische Stimmungen, sondern folgte dem Titelhelden vor allem in die psychologischen Tiefen seiner Lebensreise, die ausschnittweise auch bei der inzwischen traditionellen Nurejew Gala zu sehen war.

Wie stets war es somit auch diesmal unser Bestreben, den Kanon der szenischen Sprache nicht nur breit zu halten, sondern ihn sogar noch zu erweitern: die Pluralität des Ausdrucks gehört zu den Grundpfeilern unseres künstlerischen Selbstverständnisses! Wie auch die Vielfalt der musikalischen Interpretationen. Stellvertretend für die musikalische Bandbreite möchte ich auf die Premieren-Dirigentinnen und -Dirigenten hinweisen, die bei uns zu Gast waren: Simone Young, Ingo Metzmacher, William Christie, Susanna Mälkki, Marco Armiliato, Tomáš Netopil. Sechs Persönlichkeiten, die auf ihre jeweils unvergleichliche, unterschiedliche Sprache zur Ausdruckswahrheit der Musik vorstießen, sehr verschiedenartig im jeweiligen Duktus, aber immer beeindruckend und faszinierend. Es ist schön, dass dieses große Haus sich nicht nur durch eine Weite des Repertoires auszeichnet, sondern vor allem auch durch eine Weite der künstlerischen Sichten, Sprachen, Ausdrucksformen und Zugänge – auch das gehört zum Wesen der Wiener Staatsoper! Diese Erzählweite wird durch das Ensemble, die internationalen Gastsolistinnen und -solisten, das Orchester sowie den Chor überhaupt erst möglich gemacht. Dass die genann-ten Solisten gemeinsam die Weltspitze abbilden, braucht nicht erwähnt zu werden, wie stets traten auch in dieser Spielzeit alle wesentlichen Vertreter der jeweiligen Genres auf – jede Aufzählung würde den Rahmen sprengen!

Wiener Staatsoper / Thomas W. Platzer und Dominique Meyer © IOCO

Wiener Staatsoper / Thomas W. Platzer und Dominique Meyer © IOCO

Neben den Abendveranstaltungen im Großen Haus fanden auch zahlreiche weitere Projekte statt: Kinderoper, unter anderem eine Neuproduktion der Wiener Fassung von Alma Deutschers Cinderella (in der AGRANA STUDIOBÜHNE | WALFISCH-GASSE) oder Die Zauberflöte für Kinder am Tag nach dem Opernball; Projekte der Opernschule der Wiener Staatsoper und der Ballettakademie; Solistenkonzerte; Gesangsmatineen des Ensembles im Gustav Mahler-Saal; Kammermusik der Wiener Philharmoniker; Gesprächsveranstaltungen und Diskussionen in der Walfischgasse und das Streaming-Projekt WIENER STAATSOPER live at home. Erwähnenswert ist an dieser Stelle auch das neue Untertitel- und Informationssystem, mit dem das Publikum seit Saisonbeginn 2017/2018 während der Opernvorstellungen aus Untertiteln in sechs Sprachen wählen und vor bzw. in den Pausen der Aufführungen ein umfangreiches Informationsangebot auf neuen Displays nutzen kann. All das rundet das Programm und Angebot der Wiener Staatsoper in verschiedenen Bereichen ab und sorgt für eine zusätzliche Belebung des künstlerischen Spektrums.“

—| IOCO Aktuell Wiener Staatsoper |—

Wien, Wiener Staatsoper, LUCIA DI LAMMERMOOR – Gaetano Donizetti, 09.02.2019

Januar 30, 2019  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Wiener Staatsoper

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

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LUCIA DI LAMMERMOOR  –  Gaetano Donizetti

Premiere 9. Februar 2019

Zur Premiere und Produktion

Nach sechseinhalb Jahren kehrt Donizettis Lucia di Lammermoor zurück auf die Staatsopernbühne und feiert am 9. Februar 2019 Premiere in einer Inszenierung von Laurent Pelly.

Lucia di Lammermoor – im Frühsommer 1835 in nur sechs Wochen entstanden – gilt als eines der Schlüsselwerke der Musikromantik. Nicht einmal zwei Jahre nach der Uraufführung (26. September 1835 am Teatro San Carlo in Neapel) wurde die Oper am Wiener Kärntnertortheater gezeigt. Es waren dies die ersten Aufführungen des Werks außerhalb des heutigen Italiens, erst danach folgten u. a. Paris, London, New Orleans und New York.

Am neuen Hoftheater, also der heutigen Wiener Staatsoper, wurde das Werk im Jänner 1870 erstmals gezeigt und stand bis 1926 regelmäßig am Spielplan. Hervorzuheben in der weiteren Aufführungsgeschichte des Werkes an der Wiener Staatsoper sind auch zwei Gastspiele der Mailänder Scala im Haus am Ring: 1929 unter Arturo Toscanini mit Toti dal Monte, Benvenuto Franci und Aureliano Pertile sowie die legendären – und einzigen drei an der Wiener Staatsoper – Abende der Maria Callas 1956 mit Herbert von Karajan am Pult und Giuseppe di Stefano als Edgardo. Und mit der bisher letzten Staatsopernpremiere von Lucia di Lammermoor 1978, die bis zuletzt 2012 insgesamt 158 Mal gezeigt wurde, startete KS Edita Gruberova in der Titelpartie damals endgültig ihre Weltkarriere. Musikalisch geleitet wird die nun anstehende Premierenproduktion von Evelino Pidò. Der italienische Dirigent gilt wie wenige andere als Spezialist für das italienische Fach, besonders auch für Belcanto-Werke. Lucia di Lammermoor ist seine dritte Premiere an der Wiener Staatsoper nach Anna Bolena und Adriana Lecouvreur, aber auch eine Vielzahl an Repertoireabenden wurden bisher von ihm im Haus am Ring geleitet – darunter La Fille du régiment, La cenerentola, L’elisir d’amore, I puritani, Don Pasquale, La traviata und zuletzt Tosca.

Für ihn gehören tiefschürfende musikalische Quellenstudien ebenso dazu wie das Studium, die Analyse und Auswertung des gesamten verfügbaren Materials rund um eine Oper. Bei dieser Produktion greift er auf die Kritische Notenausgabe zurück. „Mit dieser Fassung, denke ich, sind wir den Wünschen des Komponisten weit näher als mit bisherigen Ausgaben.“ Für ihn ist, wie er im Interview mit Staatsoperndramaturg Oliver Láng für das Staatsopernmagazin Prolog erzählt, „Lucia di Lammermoor das Meisterwerk in Donizettis Schaffen. Abgesehen von den wunderbaren Melodien, der spannenden Harmonik ist beeindruckend, wie gekonnt er auf die drei Protagonisten der Oper zu fokussieren versteht. Man darf neben Edgardo und Lucia nicht auf Enrico vergessen, der unheimlich wichtig ist.“ Speziell auf die Stimme von Olga Peretyatko, der Premieren-Lucia, zugeschnitten, hat der Dirigent die Kadenz in der Wahnsinnsarie der Lucia zudem neu verfasst. Die Sopranistin wird nun übrigens in dieser Arie– so wie von Donizetti ursprünglich intendiert – von einer Glasharmonika begleitet.

Für die anstehende Premiere, eine Koproduktion mit der Opera Philadelphia, konnte mit Laurent Pelly ein, wie ihn Andreas Láng im Staatsopernmagazin Prolog bezeichnet, „Regie-Magier“ gewonnen werden. Seine Inszenierung von La Fille du régiment (er zeichnete hierfür, ebenso wie für Lucia di Lammermoor, auch für die Kostüme verantwortlich) zählt seit Jahren zu den beliebtesten im Haus am Ring und auf anderen internationalen Bühnen. Mit Lucia di Lammermoor präsentiert der französische Regisseur und Kostümbildner seine zweite Arbeit an der Wiener Staatsoper.

Gemeinsam mit Bühnenbildnerin Chantal Thomas (für die er u. a. auch für La Fille du régiment zusammenarbeitete) schuf er für die aktuelle Lucia-Produktion eine zwischen Realem und Visionshaftem changierende Welt, inspiriert von Jean Epsteins 1928 herausgekommenem Horror-Stummfilm Fall of the House of Usher. In dieser nebelverhangenen, aus der Atmosphäre und Emotionalität der Donizetti-Partitur abgeleiteten traumhaft-mysteriösen Umgebung, in der sich Sein und Schein stets in einem fließenden Übergang befinden und in der von der Blutfarbe Rot in der Wahnsinnsszene ausgenommen, lediglich Schwarz-Weiß-Töne das Hell-Dunkel der Szenerie beherrschen, positioniert Laurent Pelly die unglückliche Protagonistin.

Die der umgebenden patriarchalen Gesellschaftsordnung hilflos ausgesetzte, von Kindheit an psychisch labile Lucia, versteht der Regisseur als unschuldiges Instrument einer in Machtkämpfen verstrickten Männerwelt. Weggesperrt von der Öffentlichkeit, wird sie von ihrem ebenfalls verhaltensauffälligen Bruder Enrico immer nur hervorgeholt, um strategisch eingesetzt zu werden. Aber auch Edgardos Handlungsimpulse entspringen für Laurent Pelly nicht ausschließlich der großen Liebe zu Lucia. Aus der Hektik, seiner Kurzangebundenheit beim einzigen alleinigen Zusammensein mit Lucia, an seinem in diesem Moment aus der Musik abzulauschenden Wunsch, endlich davoneilen zu können, liest Pelly, dass die Liebe zu Lucia durchaus eine Rolle in Edgardos Seelenleben spielen mag, doch für ihn im Vordergrund ganz andere Absichten stehen, die er über die Verbindung zu Lucia zu erreichen gedenkt – insofern treiben Edgardo am Ende der Oper diesbezügliche Schuldgefühle in den Tod. Die letztendlich notorisch
einsame Lucia (eine Art Schneelandschaft symbolisiert gleich zu Beginn ihre Reinheit) verlangt somit geradezu nach einem Anwalt – und ebendieser möchte Laurent Pelly mit dieser Produktion sein, wie Staatsoperndramaturg Andreas Láng nach seiner Einführung in Pellys Herangehensweise an Lucia di Lammermoor im Staatsopernmagazin „Prolog“ abschließend bemerkt.

Das Lichtdesign stammt von Duane Schuler (Debüt an der Wiener Staatsoper).

Die Besetzung

Hochkarätig präsentiert sich auch die Sängerbesetzung – bis auf George Petean (Enrico) geben alle Solistinnen und Solisten ihr Rollendebüt an der Wiener Staatsoper.

In der Titelpartie ist Olga Peretyatko zu erleben: Die aus Russland stammende international gefragte Sängerin sang die Lucia u. a. bereits an der New Yorker Met und Tokio und singt nun ihre erste Premiere an der Wiener Staatsoper, wo sie 2013 als Gilda (Rigoletto) debütierte und außerdem noch als Elvira (I puritani), Adina (L’elisir d’amore), Violetta (La traviata) sowie bei der künstlerischen Eröffnung des Wiener Opernballs 2016 zu erleben war. Im Interview mit Staatsoperndramaturg Oliver Láng charakterisiert sie die Lucia in der anstehenden Premierenproduktion: „Es ist wirklich eine arme, arme Lucia. Keiner kümmert sich um sie, es gibt keine Zärtlichkeit, keine Liebe, nichts. Ich habe eine verwandte Figur als Vorlage für diese Inszenierung gefunden, die Jane Eyre, ebenso von Anfang an traumatisiert. Man darf nicht vergessen, in dieser Zeit war der Wert einer Frau noch weniger als von diesem Sessel da. Ich habe mich bisher also immer ein wenig bemüht, einen feministischen, etwas kämpferischen Charakter in die Rolle der Lucia zu bringen – zum Beispiel in das Duett mit ihrem Bruder. Diese Konfrontation ist extrem wichtig! Aber diesmal darf ich als Lucia nicht ausbrechen – erst am Ende! Das ist aber sehr gut und spannend, weil es tatsächlich ein emotionaler Käfig ist, in dem Lucia sitzt, auch was die Körpersprache betrifft. Es ist anstrengend, aber extrem interessant! Zu dieser Einsamkeit kommt auch noch, dass sie ihre Visionen hat … Die Wahnsinnsszene hat Laurent Pelly übrigens genial inszeniert! Ganz besonders den Anfang!“

Den Edgardo verkörpert KS Juan Diego Flórez. Der Tenor gehört weltweit zu den gefragtesten Sängern seines Fachs und ist der Wiener Staatsoper seit seinem Debüt als Conte d’Almaviva (Il barbiere di Siviglia) 1999 eng verbunden. Hier sang er weiters u. a. Lord Arturo Talbo (I puritani), Nemorino (L’elisir d’amore), Lindoro (L’italiana in Algeri), Herzog von Mantua (Rigoletto), Roméo (Roméo et Juliette). Nach Rinuccio (Gianni Schicchi), Elvino (La sonnambula), Tonio (La Fille du régiment) und Ernesto (Don Pasquale) ist der Edgardo in Lucia di Lammermoor nun seine fünfte Staatsopernpremiere. Bisher war er u. a. in Barcelona sowie in einer Neuproduktion in München in dieser Partie zu erleben und sagt nun zu ihrer Charakteristik in Laurent Pellys Inszenierung: „Edgardo ist, zumindest in dieser Produktion, kein sehr sympathischer Mensch. Er benutzt Lucia für seine Zwecke. Daran ändert auch die schöne Musik nichts, die er singt. Er ist egoistisch und es geht ihm um seine Familie, seinen Einfluss. Am Ende freilich hat er alles verloren – da ähnelt er jenen Menschen, die bei einem Börsenkrach alles verlieren. So ist er im Finale auch alleine.“

Lucias Bruder Enrico wird von George Petean gesungen. Nach der Titelpartie von Macbeth (2015) ist Lucia di Lammermoor die zweite Staatsopernpremiere des rumänischen Baritons, der 2001 als Figaro (Il barbiere di Siviglia) sein Hausdebüt gab und hier in der Folge als Posa (franz. und ital. Don Carlo), Ankarström (Un ballo in maschera) und Rigoletto zu erleben war. Den Enrico in Lucia di Lammermoor sang er bereits 2009 im Haus am Ring. In der Premierenproduktion ist dieser aber nicht nur der „übliche Bösewicht“, sondern zusätzlich noch psychisch auffällig: „Enrico ist sicherlich für jeden, der später Jago oder Scarpia singen will, eine perfekte charakterliche Vorstudie: Ein mehrfacher Verbrecher zwar, der aber zum Schluss doch noch Gewissensbisse verspürt. Man kann sich also belcantesk im Bösen üben, ohne gleich kopfüber ins veristische schwarze Grundschlechte eines Jago zu springen. Dass Enrico in dieser Inszenierung auch noch Verhaltensauffälligkeiten aufweist, finde ich eine originelle Idee – sie erlaubt einen ganz eigenen Blick auf diese ganze Ashton-Familie, in der offenbar entweder ein genetisches Problem vorherrscht oder ein gravierender Erziehungsfehler die geschwisterliche Psyche aus der Bahn geworfen hat.“

In den weiteren Partien sind die Staatsopern-Ensemblemitglieder Lukhanyo Moyake als Arturo, Jongmin Park als Raimondo, Virginie Verrez als Alisa und Leonardo Navarro als Normanno zu erleben.

Es spielen das Orchester der Wiener Staatsoper sowie das Bühnenorchester der Wiener Staatoper, es singt der Chor der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Martin Schebesta.


Lucia di Lammermoor – Im Radio und Fernsehen

Die Premiere am 9. Februar 2019 wird live auf Radio Ö1 (+ EBU) ausgestrahlt; ORF 2 überträgt die Vorstellung am 15. Februar 2019 ab 21.05 Uhr   live-zeitversetzt.

Ab 20.15 Uhr zeigt ORF 2 am 15. Februar vor der live-zeitversetzten Übertragung von Lucia di Lammermoor eine neue Dokumentation: „Wunderwelt Staatsoper“. In dieser führt Rolando Villazón durch das Haus am Ring und seine wechselvolle Geschichte und begegnet dabei vielen Kollegen – Sängern, Orchestermitgliedern, Direktoren und Bühnenarbeitern, die zum 150. Geburtstag des Hauses originelle wie berührende Geschichten zum Besten geben. Während ein Architektenteam die Baupläne der Oper auseinandernimmt, erweist sich Konrad Paul Liessmann einmal mehr als musikalischer Opernkenner mit philosophischem Hintergrund. Aber, worum es in der Oper wirklich geht, entscheidet letztlich ein vergnüglicher Sängerwettstreit mit den schönsten Arien. Regie: Felix Breisach; Buch: Christoph Wagner-Trenkwitz.

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