Wien, Volksoper, Into the Woods – Musical Stephen Sondheim, IOCO Kritik, 04.06.2021

Juni 3, 2021  
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Volksoper Wien

 Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

Into the Woods –  Stephen Sondheim / James Lapine

Rotkäppchen, Aschenputtel, Rapunzel, Hans, Hexe …. Alle haben Wünsche, die sie sich erfüllen möchten

von Marcus Haimerl

Mit pandemiebedingter Verspätung fand die Premiere von Stephen Sondheims Erfolgsmusical Into the Woods erfreulicherweise noch in dieser Spielzeit statt.

Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit von Stephen Sondheim und James Lapine bei Sunday in the Park with George schlug Sondheim ein Musical im Stil von Der Zauberer von Oz, hier link zur Volksopern Produktion, vor. Entstanden ist ein abendfüllendes Stück in der Tradition eines klassischen Märchens. Die Uraufführung fand am 4. Dezember 1986 statt, die Erstaufführung am Broadway am 5. November 1987.

Into the Woods – Sondheims so menschliches Werk
youtube Trailer Volksoper Wien
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„Es war einmal…“ ein Bäcker und seine Frau, Rotkäppchen, Aschenputtel, Rapunzel, Hans (und die Bohnenranke), zwei Prinzen und eine Hexe: alle haben sie  Wünsche, die sie gerne erfüllt hätten. Am Ende des ersten Akts erfüllen sich diese Wünsche, im zweiten Akt haben die Charaktere mit den Konsequenzen ihrer Handlungen zu kämpfen. Aschenputtel möchten zum königlichen Gala-Ball gehen, Hans und seine Mutter wünschen sich, dass ihre Kuh Milchweiß endlich wieder Milch gibt, und der Bäcker und seine Frau wünschen sich ein Kind. Die Hexe von nebenan erscheint und verheißt den Bäckersleuten ein Kind, sofern sie ihr eine Kuh so weiß wie Milch, ein Mäntlein so rot wie Blut, Haar so gelb wie Mais und einen Schuh aus purem Gold bringen. Und so machen sich alle, auch Rotkäppchen, auf den Weg in den Wald. Nach einer ereignisreichen Suche und vielen Verwicklungen gelingt dem Bäcker und seiner Frau die Aufgabe.

Volksoper Wien / Into the Woods hier Juliette Khalil als Rotkäppchen, Oliver Liebl als Hans © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Into the Woods hier Juliette Khalil als Rotkäppchen, Oliver Liebl als Hans © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Die Hexe wird wieder jung und hübsch, Aschenputtel und Rapunzel bekommen ihre Prinzen, die Bäckersleute bekommen das ersehnte Kind und Hans und seine Mutter sind reich, aber niemand bemerkt die zweite Bohnenranke, die in den Himmel wächst. „Es war einmal, später“ und alle Charaktere haben neue Wünsche: der Bäcker und seine Frau wollen ein größeres Haus, Aschenputtel langweilt sich im Luxus und Hans sehnt sich nach dem Reich der Riesen. Plötzlich fällt das Haus der Bäckersleute in sich zusammen und ein riesiger Fußabdruck verwüstet den Garten der Hexe. Auch Rotkäppchens Haus ist zerstört, sie will zurück zum Haus der Großmutter. Schließlich ist auch das Königsschloss zerstört und alle gehen wieder in den Wald. Die Witwe des Riesen, ihr Gatte stürzte nach dem letzten Diebeszug von Hans in seinen Garten, sinnt auf Rache. Sie fordert die Auslieferung von Hans, die Hexe opfert den Erzähler, der Kammerdiener des Prinzen erschlägt die aufbegehrende Mutter von Hans und Rapunzel gerät auf der Flucht unter den Fuß der Riesin. Währenddessen verführt Aschenputtels Prinz die Bäckersfrau, die auf dem Rückweg von einem Baum erschlagen wird. Nachdem Hans, der Bäcker, Aschenputtel und Rotkäppchen die Riesin besiegt haben, ermutigt die Erscheinung seiner Frau den Bäcker, die Geschichte seinem kleinen Sohn zu erzählen…

Olivier Tambosi und Simon Eichenberger lassen in ihrer Inszenierung (Kostüme Lena Weikhard) keine Wünsche offen. Dominiert wird das Bühnenbild Frank Philipp Schlößmanns von mehreren verschieden großen Märchenbüchern die immer wieder als Kulisse zwischen den Stämmen des Waldes dienen. Für die Begegnung zwischen Rotkäppchen und dem bösen Wolf tut sich mitten im Wald ein rauschhaftes Blumenmeer auf und im Hintergrund eindrucksvolle Videos, für die sich Roman Hansi verantwortlich zeigt, der seine beeindruckende Kunst bereits bei der Volksoper-Produktion von Marius Felix Langes Oper Das Gespenst von Canterville, link HIER!, unter Beweis stellen konnte.

Into the Woods – vier Zutaten fürs Glück
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Auch die Besetzung hätte nicht besser gewählt werden können. Die sicherlich beeindruckendste Leistung ist jene von Oliver Liebl in der Partie des Hans, der vor allem mit seinem Song „Riesen über uns“ und seiner Darstellung des naiven Burschen nachhaltig begeistert. Eine sensationelle Leistung auch von Laura Friedrich Tejero als liebenswertes, sympathisches Aschenputtel mit schöner Stimme. Als Hans‘ Mutter beweist Ursula Pfitzner Mut zur Hässlichkeit. Auch das Bäckerehepaar ist mit Peter Lesiak und Julia Koci optimal besetzt und überzeugen gesanglich ebenso wie darstellerisch. Großartig Juliette Khalil als resolutes und stimmgewaltiges Rotkäppchen, das nachhaltig in Erinnerung bleibt. Über eine ebenso gewaltige Stimme verfügt die besonders sexy Hexe von Bettina Mönch, besonders beeindruckend bei ihrem gewaltigen Abgang („Mitternachtsstunde“). Als Aschenputtels Stiefmutter konnte Martina Dorak ebenso überzeugen wie Elisabeth Schwarz (Florinda) und Theresa Dax (Lucinda) als ihre vom Schicksal gebeutelten Stiefschwestern. Regula Rosin begeistert sowohl als Rotkäppchens Großmutter als auch in der Partie von Aschenputtels Mutter. Drew Sarich, als Wolf überzeugender denn als Aschenputtels Prinz, löste beim Publikum Jubel aus. Weitaus überzeugender in seiner royalen Rolle ist Martin Enenkel als Rapunzels Prinz, der besonders im Prinzen-Duett („Liebesqual“) glänzt. Als Rapunzel kann Lauren Urquhart begeistern. Besonders luxuriös Erika Pluhar als die vom Band eingespielte Stimme der Riesin. Christian Graf verleiht der eher kleinen Partie des Kammerdieners auf humorvolle Weise eine nachhaltige, enorme Bühnenpräsenz. Und last but not least Robert Meyer der sowohl als Erzähler als auch als geheimnisvoller Mann mit trockenem Humor voll in seinem Element ist.

Eigentlich hätte der britische Dirigent James Holmes die Premierenserie dirigieren sollen, als gleichwertiger Ersatz fand sich Wolfram-Maria Märtig, dessen erstklassiges Dirigat das Orchester der Wiener Volksoper zu Höchstleistungen antrieb.

Ein musikalisch herausragender Abend, der vom Publikum mit entsprechendem Applaus honoriert wurde und so viel Vergnügen macht, dass man nicht einmal das ständige Tragen einer FFP2-Maske bemerkt.

Wer sich dieses bis in die kleinste Partie gut besetzte Musical nicht entgehen lassen möchte, hat dazu im Juni 2021 noch fünf Mal die Gelegenheit; hoffentlich auch in der kommenden Saison.

—| IOCO Kritik Volksoper Wien |—

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Wien, Volksoper Wien, Ab 19. Mai 2021 – Der Teufel auf Erden … und mehr; IOCO Aktuell, 11.05.2021

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Volksoper Wien

 Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

Volksoper Wien bei Nacht –  Foto IOCO

Ab 19. Mai 2021 – Der Teufel auf Erden, Into the Woods – und viel mehr

Nach 197 Tagen hebt sich am 19. Mai 2021 endlich wieder der Vorhang. Die Volksoper Wien spielt wieder für ihr Publikum. Bis Ende Juni 2021 werden – unter strengen Sicherheitsvorkehrungen für Publikum und Mitwirkende – vier Premieren, zwei Wiederaufnahmen und zwei Repertoireproduktionen präsentiert.

Den Auftakt machen die Operettenrarität Der Teufel auf Erden am 19. Mai, gefolgt von Stephen Sondheims Broadway-Highlight Into the Woods am 27. Mai. Im Rahmen der Jungen Volksoper feiert Das Dschungelbuch am 30. Mai Premiere. Im Kasino am Schwarzenbergplatz steht die Österreichische Erstaufführung von Detlev Glanerts Leyla und Medjnun auf dem Programm. Die Wiederaufnahmen von Das Land des Lächelns und Rigoletto (Trailer unten), die bejubelte Neuproduktion von Mozarts Die Zauberflöte (Trailer unten) und der Operettenklassiker Die Fledermaus ergänzen den Spielplan.

Der Verkauf für alle Vorstellungen bis Ende Juni 2021 begann am 7. Mai an allen Kassen, im Internet und telefonisch mit Kreditkarte unter 01/513 1 513.

Volksoper Wien / Der Teufel auf Erden _ Erste Premiere nach dem Lockdown mit hier Christian Graf als Rupert und Robert Meyer als Ruprecht © Barbara Pallfy / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Der Teufel auf Erden _ Erste Premiere nach dem Lockdown, hier Christian Graf als Rupert und Robert Meyer als Ruprecht © Barbara Pallfy / Volksoper Wien

DER TEUFEL AUF ERDEN  –  Premiere 19.5.2021

In der Hölle geht es hoch her, bis man entdeckt: Der Satan ist verschwunden! Höllenknecht Ruprecht samt seinem treuen Hund Zerberl wird beauftragt, ihn auf Erden zu suchen. Dort gesellt sich mit dem Engel Rupert ein ungleicher Weggefährte zu ihm. Die Fahndung wird zu einer turbulenten Zeitreise durch drei Jahrhunderte und führt von einem Nonnenkloster über eine Kaserne in eine Wiener Tanzschule und schlussendlich auf den Opernball. Der mit fantasievollen Produktionen mehrfach Volksopern-bewährte Ausstatter-Regisseur Hinrich Horstkotte inszeniert, Alfred Eschwé dirigiert, Verena Scheitz gibt als Dritte-Akt-Komikerin ihr Volksoperndebüt und Robert Meyer tritt als Leibhaftiger in Erscheinung.

Volksoper Wien / Into the Woods, hier Juliette Khalil als Rotkäppchen und Drew Sarich als Wolf © Barbara Palffy / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Into the Woods, hier Juliette Khalil als Rotkäppchen und Drew Sarich als Wolf © Barbara Palffy / Volksoper Wien

INTO THE WOODS  –  Premiere 27.5.2021

Ende gut, alles gut? „Into the Woods“ aus der Feder des Musicalgiganten Stephen Sondheim führt tief hinein in den Märchenwald. Geschickt verknüpft Sondheim die Handlungsstränge beliebter Märchen („Rotkäppchen“, „Rapunzel“, „Aschenputtel“ und „Hans und die Bohnenranke“) miteinander und stellt die Frage: Was passiert mit den Märchenfiguren nach dem Happy End? Sind sie glücklich und zufrieden oder hegen sie weitere Wünsche, die ihnen zum Verhängnis werden? Was, wenn der selbstverliebte Prinz lieber Dornröschen als Aschenputtel hätte, Rotkäppchen aggressiv und Rapunzel psychisch labil wird? Was, wenn die Erfüllung unserer sehnlichsten Wünsche auf Kosten anderer teuer erkauft ist oder der Traumprinz sich als falsche Wahl entpuppt? Das Märchenhafte und seine ironische Durchbrechung durchdringen das Musical „Into the Woods“ auf faszinierende Weise. Was zunächst wie ein Märchen wirkt, entpuppt sich nach und nach als Abenteuer für Erwachsene voller Doppelbödigkeit, Ironie und Anarchie.

2014 verfilmte Rob Marshall  Into the Woods mit Meryl Streep als Hexe und Johnny Depp als Wolf. An der Volksoper ist das Fantasy-Musical mit hochkarätigen Musicalstars besetzt: allen voran Drew Sarich als Wolf/Prinz, Bettina Mönch als Hexe, Juliette Khalil als Rotkäppchen und Robert Meyer als Erzähler.

Rigoletto _ auf dem Spielplan der Volksoper – Probentrailer
youtube Trailer der Volksoper Wien
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DAS DSCHUNGELBUCH  –  30.5.2021  11.00 Uhr

Lange bevor der Dschungel zum Synonym für Reality-TV wurde, war der indische Urwald der Sehnsuchtsort vieler Kinder, galt doch dort das Motto „Probier’s mal mit Gemütlichkeit!“. Diesen Ratschlag gibt der lebenslustige Bär Balu dem kleinen Mogli, der als Findelkind von Wölfen aufgezogen wurde und sich nun in einer misslichen Lage befindet. Denn mit mittlerweile zehn Jahren ist er alt genug, um zu lernen, wie man Feuer macht. Und Feuer ist wirklich das einzige, vor dem sich Tiger Shir Khan, der König des Dschungels, fürchtet … Also muss Mogli in Sicherheit gebracht werden. Ob sich Mogli aus den Ablenkungsmanövern von Schlange Kaa und Affe King Louie befreien kann?

Im Rahmen der neuen Matinee-Reihe „Junge Volksoper am Sonntag“ präsentiert die Volksoper „Das Dschungelbuch“ in einer halbszenischen Fassung von Florian Hurler. Lorenz C. Aichner bringt die schwungvolle, lebensfrohe Partitur aus dem Hause Disney zum Swingen und Juliette Khalil bezaubert als Mogli nicht nur den gesamten Dschungel sondern auch das Volksopernpublikum.

Die Zauberflöte _ auf dem Spielplan der Volksoper
youtube Trailer der Volksoper Wien
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LEYLA UND MEDJNUN  –  14.5.2021 – Kasino am Schwarzenbergplatz

Ruth Brauer-Kvam inszeniert die berühmteste Liebesgeschichte der klassischen arabischen Literatur: Leyla liebt den melancholischen Dichter Medjnun, doch dieser liebt die Liebe an sich. Trennung, Verbannung, eine erzwungene Heirat und ewige Sehnsucht sind ihr Los. Und so ahnt Leyla, dass sie als Geliebte in der Welt von Medjnuns Versen keinen Platz haben wird …

Detlev Glanerts erste Oper Leyla und Medjnun wurde 1988 bei der Münchner Biennale für zeitgenössisches Musiktheater uraufgeführt. Die Komposition besticht durch ihre lustvolle Synthese von Orient und Okzident, ergänzt sie doch ein klassisches Kammerorchester durch das orientalische Saiteninstrument Ud (Musikalische Leitung: Gerrit Prießnitz). Literarische Basis des Werkes ist die gleichnamige Erzählung des persischen Autors Nizami aus dem 12. Jahrhundert, die in ihrer Universalität gerne mit Shakespeares „Romeo und Julia“ verglichen wird.

 Wiederaufnahmen  –  Repertoirevorstellungen

Kann Liebe die starren Konventionen unterschiedlicher Kulturkreise überwinden und hat die Beziehung zwischen der Wiener Grafentochter Lisa und dem fremden chinesischen Prinzen Sou Chong eine Chance? Franz Lehárs romantische Operette Das Land des Lächelns verneint diese Frage und wurde dennoch zu einem Welterfolg. Die Volksoper zeigt nun die Wiederaufnahme von Beverly Blankenships Inzenierung aus dem Jahr 2008.

In Giuseppe Verdis Rigoletto prallen Machtvollkommenheit und Glamour auf das Elend der Ausgegrenzten. Stephen Langridges Inszenierung verlegt die Handlung in die italienische Cinecittà der 1950er-Jahre, aus dem lüsternen Herzog wird ein moralbefreiter Filmstar. In dessen Gefolge wird Rigoletto selbst zum Täter und scheitert daran, seine Tochter Gilda vor der sie umgebenden Welt zu beschützen. Die Wiederaufnahme der Produktion aus dem Jahr 2009 wird nun in italienischer Sprache gezeigt.

Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte und Johann Strauß‘ Die Fledermaus stehen zudem die wohl beliebtesten Werke ihres Genres auf dem Spielplan

—| IOCO Aktuell |—


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Wien, Volksoper Wien, Sweet Charity – Musical von Cy Colemann, IOCO Kritik, 29.09.2020

September 30, 2020  
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Volksoper Wien

 Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

Sweet Charity – Musical von Cy Coleman

 – Charity Hope Valentine – Tänzerin in einem Nachtclub – bleibt bei allen Enttäuschungen ein optimistisch frohes Wesen –

von Marcus Haimerl

Die erste Premiere der aktuellen Saison an der Wiener Volksoper galt dem eher selten gespielten Musical Sweet Charity von Cy Coleman. Grundlage des Buchs von Neil Simon bildete Federico Fellinis Meisterwerk Die Nächte der Cabiria aus dem Jahr 1957 über die Prostituierte Maria Ceccarelli (genannt Cabiria) die trotz ständiger Demütigungen und lebensbedrohlichen Situationen durch Männer nie die Hoffnung verliert. Wie könnte man eine Saison in Corona-Zeiten besser beginnen als mit einem Stück über eine optimistische in die Zukunft blickende Frau.

Für das Musical verlegten Cy Coleman und Neil Simon die eher tragische Handlung der Filmvorlage von Rom nach New York, wo Charity Hope Valentine als Tänzerin im Nachtclub-Milieu ihr bescheidenes Leben fristet. Sie trifft auf den Filmstar Vittorio Vidal und auf den ebenso biederen wie neurotischen Oscar Lindquist, mit dem sie beinahe ihr Glück findet. Auch wenn Charity am Ende wieder positiv in die Zukunft sieht, ist ihr dennoch kein Happy End vergönnt.

SWEET CHARITY – Musical von Cy Coleman
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Der Wiener Volksoper gelingt mit dem inhaltlich doch recht gewichtigen Stück eine perfekte Umsetzung mit der Neuübersetzung von Alexander Kuchinka. Regisseur Johannes von Matuschka setzt dabei auf eine Drehbühne, bestückt mit Leuchtbuchstaben, die an die Lichter einer Großstadt erinnern sollen und auch als Möbel (ein umgelegtes „H“ als Doppelbett oder ein aufgestelltes „E“ oder „C“ als Sitzgelegenheit) oder Spielfläche dienen. Gemeinsam mit den Kostümen von Tanja Liebermann erinnern manche Szenen in ihrer Skurrilität an weitere Filme Fellinis wie „8 ½“ oder Die Stadt der Frauen. In dem eher spartanischen Bühnenbild gelingen immer wieder starke Bilder und originelle Szenen, wie die Szene im Aufzug oder in der U-Bahn. Aber auch im tristen Umfeld des Nachtclubs wird der Fokus auf die Hauptfigur der Charity Hope Valentine gelenkt.

In der Titelpartie der Charity ist die herausragende Lisa Habermann mit ihrer stimmlichen und darstellerischen Leistung perfekt besetzt. Fast möchte man meinen, dass sie diese innige Liebende optimistische Charity nicht spielt, vielmehr ist Lisa Habermann diese Charity

SWEET CHARITY – in the making of the production
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Als ihre große Liebe Oscar Lindquist, für den sie sogar ihren Job im Nachtclub aufgibt, brilliert Peter Lesiak. Äußerst glaubhaft gelingt ihm die Wandlung seines Charakters durch Charitys positiven Einfluss vom schüchternen Tollpatsch zum innigen Liebhaber, der am Ende an Charitys Vergangenheit doch verzweifelt. Eine ebenso großartige Leistung auch von Axel Herrig als italienischer Schauspieler Vittorio Vidal zwischen Charity und Ursula March (Ines Hengl-Pirker). Ein besonders beeindruckender und skurriler Auftritt ist jener von Drew Sarich als Daddy Brubeck als Oberhaupt der neuen „Puls des Lebens-Kirche“. Eine ebenso herausragende Leistung erlebt man von Julia Koci und Caroline Frank als Nickie und Helene, zwei Kolleginnen Charitys aus dem Nachtclub.

Möchte man auch kleinen Partien Format verleihen, braucht es den großartigen Christian Graf, dem ebendies bei der Partie des Geschäftsführers des Fandango-Ballhaus mehr als gelungen ist und bei dem Song „Ich heul auf jeder Hochzeit“ (I Love To Cry At Weddings) zur Höchstform aufläuft. Auch Jakob Semotan, Oliver Liebl, Kudra Owens und der Rest des Ensembles wissen das Publikum zu überzeugen.

Lorenz C. Aichner und dem hervorragenden Orchester der Wiener Volksoper gelingt eine optimale und brillante Umsetzung von Cy Colemans Musik. Der Jubel des Publikums am Ende beweist, dass die Volksoper Wien auch in der Sparte Musical internationalen Vergleichen durchaus standhalten kann.

Sweet Charity an der Volksoper Wien; die nächsten Vorstellungen 30.09.; 12.10.; 18.10.; 23.10.; 28.10.; 27.11.; 30.11.; 4.12.; 7.12.; 12.12.2020

—| IOCO Kritik Volksoper Wien |—

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Wien, Volksoper Wien, Der Zauberer von Oz – Lyman Frank Baum, IOCO Kritik, 05.02.2020

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Volksoper Wien

 Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

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 Der Zauberer von Oz – Lyman Frank Baum

– Ein Klassiker in Wien – In der Volksoper, als Flash Mob, in Schulen –

von Marcus Haimerl

Das Kinderbuch Der Zauberer von Oz von Lyman Frank Baum stammt aus dem Jahr 1900, internationalen Ruhm erlangte die Geschichte erst mit der Verfilmung aus dem Jahr 1939 mit der damals 16-jährigen Judy Garland. Der Film fügte einige entscheidende Details hinzu, die noch heute untrennbar mit der Geschichte des Zauberers von Oz in Verbindung gebracht werden. So wurden aus den silbernen Schuhen der Buchvorlage – dem damals brandneuen Technicolor-Verfahrens geschuldet- die berühmten roten Schuhe (ruby slippers). Aber auch die im Buch sehr kurz gehaltene Vorgeschichte in Kansas wurde im Film ausgebaut und die handelnden Personen finden sich in einer anderen Rolle auch im Land Oz wieder.

Der Zauberer von Oz – Lyman Frank Baum
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Die Songs von Harold Arlen, darunter der wohl größte Hit des Films „Somewhere over the rainbow“ und die Hintergrundmusik von Herbert Stothart bildeten auch die Grundlage für die an der Volksoper Wien gespielte Fassung, welche von John Kane 1987 für die Royal Shakespeare Company adaptiert wurde und auch um die im Film gestrichene Jitterbug-Szene, an der immerhin drei Wochen gedreht wurde, ergänzt.

Die beinahe filmhafte Umsetzung des Musicals an der Volksoper Wien entspricht auch der Handlung des Films. Mitten in Kansas hat die junge Dorothy Gale Schwierigkeiten. Die gemeine Miss Gulch hat es auf Dorothys Hund abgesehen, da sie in diesem eine Bedrohung sieht. Dorothy läuft davon und trifft auf den Wahrsager Professor Marvel, der ihr weismacht, ihre Tante sei schwerkrank. Dorothy läuft nach Hause, aber es zieht ein Wirbelsturm auf, sie kann aber nicht mehr rechtzeitig Schutz im Erdkeller finden. Sie flüchtet ins Farmhaus, das vom Sturm in das zauberhafte Land Oz getragen wird, in Munchkin City auf der bösen Hexe des Ostens landet und diese zerquetscht. Von der Tyrannin befreit, wird sie von den Munchkins als Heldin gefeiert. Die böse Hexe des Westens erscheint und möchte die roten Schuhe ihrer Schwester, die sich plötzlich an den Füssen von Dorothy befinden. Die gute Hexe Glinda schickt Dorothy in die Smaragdstadt zum Zauberer von Oz, dieser könne ihr sagen, wie sie wieder nach Hause findet. Gemeinsam mit Toto macht sich Dorothy auf dem Goldziegelweg auf in die Smaragdstadt.

Volksoper Wien / Der Zauberer von Oz - hier : Daniel Jeroma als Toto, Peter Lesiak als Hunk / Vogelscheuche, Oliver Liebl als Hickory / Der Blechmann, Franziska Kemna als Dorothy © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Der Zauberer von Oz – hier : Daniel Jeroma als Toto, Peter Lesiak als Hunk / Vogelscheuche, Oliver Liebl als Hickory / Der Blechmann, Franziska Kemna als Dorothy © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Auf ihrem Weg schließt sie Freundschaft mit der Vogelscheuche, die sich einen Verstand und dem Blechmann, der sich ein Herz wünscht, sowie auf den Löwen, der nichts anderes als Mut will. Die vier Freunde überwinden die Hindernisse, die die Hexe des Westens ihnen in den Weg legt und sie gelangen in die Smaragdstadt. Als sie schließlich zum Zauberer vorgelassen werden, eröffnet ihnen dieser, die Wünsche zu erfüllen, wenn sie ihm den Besen der bösen Hexe des Westens bringen.

Auf ihrem Weg in den Westen erwarten die Freunde wieder Prüfungen, denn die Hexe schickt alle, die unter ihrem Kommando stehen aus, um Dorothy und ihre Gefährten aufzuhalten. Neben ihren fliegenden Affen und dem versklavten Volk der Winkies schickt die Hexe auch die Jitterbugs. Wird man von diesen Käfern gebissen, muss man bis zur Erschöpfung tanzen. Dorothy und Toto werden von den fliegenden Affen schließlich zum Schloss der Westhexe gebracht, doch gelingt es ihr nicht die roten Schuhe an sich zu reißen. Auch Vogelscheuche, Blechmann und Löwe haben es, mit Uniformen der Winkie-Armee verkleidet, geschafft ins Schloss zu gelangen. Als die Hexe die Vogelscheuche mit Feuer bedroht, übergießt Dorothy sie mit Wasser. Die Hexe schmilzt und ist tot. Zurück in der Smaragdstadt müssen die Freunde erkennen, dass der Zauberer nur ein normaler Mann ist und sein Zauber nur Illusion. Aber sie erfahren von ihm, dass sie das, was sie sich wünschen, bereits in sich tragen. Als äußeres Zeichen ihrer Attribute erhalten die Vogelscheuche ein Diplom für seine Klugheit, der Löwe einen Orden für seine Tapferkeit und der Blechmann einen Preis für seine Nächstenliebe. Glinda schließlich zeigt Dorothy, dass sie jederzeit aus eigener Kraft nach Hause zurückkehren kann. Schließlich ist es nirgends so schön wie zu Hause.

Volksoper Wien / Der Zauberer von Oz - hier : Peter Lesiak als Hunk/ Die Vogelscheuche, Juliette Khalil als Dorothy, Ensemble © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Der Zauberer von Oz – hier : Peter Lesiak als Hunk/ Die Vogelscheuche, Juliette Khalil als Dorothy, Ensemble © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Regisseur Henry Masons filmische Umsetzung des Musicals wird vor allem im ersten Teil von großen Postkarten (Bühne und Kostüme: Jan Meier) dominiert. Nicht nur das Musical aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts ist nostalgisch, sondern auch die Postkarten sind ein Objekt der Nostalgie und stehen für das Spannungsfeld zwischen Fern- und Heimweh. Für Dorothys Wunsch nach dem Land hinter dem Regenbogen, ebenso wie den Wunsch nach Hause zurückzukehren. Dazu sagt Henry Mason: „Der Schlusssatz ‚Es ist nirgends so schön wie zu Hause‘ bedeutet vielleicht, dass Dorothys Zuhause das vorher sehr grau ausgesehen hat, nun keine Grenze mehr hat, an der die Welt für sie aufhört. Es ist vielmehr ein Ort, an dem sie auftanken kann, um wieder wegzugehen. Dorothy lernt, wo ihre Wurzeln sind, und kann das, was sie vorher als Enge erlebt hat, nun als Liebe erfahren.“ Die erwähnten Postkarten dienen auf der Bühne als eindimensionale Kulisse, um die sich die Handlung farbenreich entwickelt.

Wolfram-Maria Märtig am Pult des Orchesters der Wiener Volksoper sorgt mit viel Schwung für einen hervorragenden und mitreißenden Hollywood Sound.

Mit Juliette Khalil ist die Rolle der Dorothy Gale ideal besetzt und sie begeistert nicht nur gesanglich mit ihrem Hit „Somewhere over the rainbow“, sondern vielmehr auch mit der intensiven schauspielerischen Gestaltung. Erstklassig besetzt sind aber auch ihre drei Freunde. Als Vogelscheuche auf der Suche nach Verstand (und als Farmarbeiter Hunk) erlebt man Peter Lesiak, der vor allem durch seine Darstellung und seinen akrobatischen Körpereinsatz zu überzeugen weiß. Oliver Liebl berührt als einfühlsamer Blechmann (sowie als Farmarbeiter Zeke). Eine sensationelle Leistung erlebt man von Christian Graf, der all sein Können in die Rolle der bösen Hexe des Westens (und Almira Gulch) wirft. Aber anders als Margaret Hamilton in der Musicalverfilmung bringt Christian Graf ausreichend Humor in die Partie ein und verhilft der Hexe damit auch zu einigen Sympathiewerten des Publikums. Mit verlässlich guter Leistung in Gesang und Darstellung gestaltet Regula Rosin die Rolle der Glinda, der guten Hexe des Nordens und Dorothys Tante Em. Als Onkel Henry und Wächter in der Smaragdstadt überzeugt Wolfgang Gratschmaier, ebenso wie Boris Eder in der Partie des Professor Marvel und des Zauberer von Oz.

Der Zauberer von Oz – Lyman Frank Baum
youtube Trailer ein Schulprojekt der der Volksoper Wien
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Eine besondere Darbietung auch von Rafael Schuchter der der Puppe von Dorothys Hund, Toto, meist in der Hocke verweilend, Leben einhaucht. Besonderes Lob muss hier auch an den Kinderchor und den Jugendchor der Volksoper Wien gehen, die hier als kleines Volk der Munchkins ganz Großes leisten und dem Wiener Staatsballett, die hier einen wunderbaren Tanz zwischen Mohnblumen und Schneeflocken aufs Parkett legen und damit die Szene im Mohnblumenfeld optisch auf besondere Weise gestalten.

Obwohl die Premiere bereits am 6. Dezember 2014 stattfand, ist das Haus nach mehr als 60 Vorstellungen immer noch restlos ausverkauft. Mit diesem Musical verfügt die Volksoper über eine Erfolgsproduktion, die hoffentlich noch viele Jahre Jung und Alt erfreuen wird.

—| IOCO Kritik Volksoper Wien |—


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