Wien, Volksoper Wien, Wonderful Town – Leonard Bernstein, IOCO Kritik, 22.01.2019

Januar 22, 2019  
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Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

Volksoper Wien © IOCO

Wonderful Town  –  Musical – Leonard Bernstein 

– Zwei Schwestern aus Ohio erobern New York –

von Marcus Haimerl

Die Wiener Volksoper würdigte den Ausnahmekünstler Leonard Bernstein anlässlich seines 100. Geburtstags mit seinem klassischen Broadway-Musical Wonderful Town, welches bereits drei Jahre nach der Uraufführung 1953, am 9. November 1956, seine deutsche Erstaufführung an der Volksoper feierte. Wie bereits in seinem ersten New York-Musical On The Town stammen die Gesangstexte für Wonderful Town ebenfalls von Betty Comden und Adolph Green nach dem Bühnenstück My Sister Eileen von Joseph Fields und Jerome Chodorov, das bereits 1942 mit Rosalind Russell als  Ruth Sherwood, die diese Rolle auch in der Uraufführung übernahm, verfilmt wurde.

Wonderful Town –  Leonard Bernsein
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Bernsteins Liebeserklärung an die Stadt New York spielt im Sommer des Jahres 1935 im Stadteil Greenwich Village. Ein Stadtführer zeigt Touristen die Sehenswürdigkeiten des Viertels. Unter all den Menschen, die täglich in die Stadt strömen, befinden sich auch die Schwestern Ruth und Eileen Sherwood aus Ohio. Sie beziehen ein schäbiges Souterrain-Zimmer des Malers Appopolous. Die beiden ziehen los auf der Suche nach Erfolg. Eileen, die blonde Sirene, die sich ihrer Wirkung auf Männer gar nicht bewusst ist, will Schauspielerin werden.

Jazz – Swing  – Ragtime – Conga-Rhythmen durchdringen die Volksoper

Ihre Schwester Ruth, weniger schön, dafür intellektuell, möchte Autorin werden. Nach unzähligen Vorstellungsgesprächen landet sie beim Redakteur Robert Baker, der sich über ihre Kurzgeschichten lustig macht und ihr rät, in die Provinz heimzukehren. Auch Eileens Versuche sind nicht von Erfolg gekrönt, doch lernt sie den Filialleiter des benachbarten Drugstores, Frank Lippencott, kennen, der sich der mittellosen Kundin sofort erbarmt. Robert Baker erscheint auf der Suche nach Ruth in der, von den Sprengungen für die U-Bahn erschütterten, Behausung der beiden Schwestern. Eileen lädt ihn zum Bleiben ein, ohne daran zu denken, dass sie bereits Frank eingeladen hat. Von Eileens Anblick angezogen, hat sich auch der Zeitungsmacher Chick Clark gleich selbst eingeladen.

Volksoper Wien / Wonderful Town - hier : Olivia Delauré als Eileen Sherwood, Sarah Schütz als Ruth Sherwood, Peter Lesiak als The Wreck - Loomis, Ines Hengl-Pirker als Violet, Cedric Lee Bradley als Speedy Valenti, Wiener Staatsballett © Barbara Palffy / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Wonderful Town – hier : Olivia Delauré als Eileen Sherwood, Sarah Schütz als Ruth Sherwood, Peter Lesiak als The Wreck – Loomis, Ines Hengl-Pirker als Violet, Cedric Lee Bradley als Speedy Valenti, Wiener Staatsballett © Barbara Palffy / Volksoper Wien

Der Abend wird zum Desaster. Bob und Frank verschwinden und um Eileen für sich zu haben, täuscht Chick einen Anruf für Ruth vor: sie soll Interviews mit den Kadetten eines brasilianischen Militärschiffs machen, welches gerade in Brooklyn festgemacht hat. Doch die Kadetten haben nur eines im Sinn: Tanzen! Sie verfolgen Ruth durch die ganze Stadt, erst Eileen kann sie ablenken. Im entstandenen Conga-Chaos wird sie jedoch wegen Unruhestiftung verhaftet. Aber ihre Wirkung macht auch vor der Polizei nicht Halt, sie bezaubert das ganze Revier – alle Polizisten tanzen nach ihrer Pfeife. Ruth gelingt es Eileen freizubekommen und nimmt einen Job an, bei dem sie eine Werbetafel für den Nachtclub Village Vortex durch die Straßen des Viertels trägt. Doch schließlich wendet sich das Schicksal: Chicks Zeitung bringt Ruths Kadetten-Story mit der Schlagzeile „Blonde Sexbombe versenkt brasilianische Kriegsmarine“ heraus. Ruth hat einen Job und Eileen wird zum Kassenmagnet. Das Village Vortex lädt sie zum Vorsingen ein und gemeinsam singen die beiden Schwestern ein altes Lieblingslied der Familie, den „Rag mit dem falschen Ton“. Eileen wird engagiert und Ruth und Robert werden ein Paar.

Die aktuelle Produktion an der Wiener Volksoper wurde mit der Dresdner Staatsoperette koproduziert. Die Geschichte um die beiden Schwestern aus Ohio setzte der deutsche Regisseur Matthias Davids schwungvoll und temporeich im Bühnenbild von Matthias Fischer-Dieskau in Szene. Wenige Versatzstücke ermöglichen einen rasanten Umbau zwischen Straße, Appartement, Hafen, Polizeiwache oder Nachtclub. Die klassischen Kostüme, die das Flair der 30er Jahre vermitteln, entwickelte Judith Peter.

Volksoper Wien / Wonderful Town © Barbara Palffy / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Wonderful Town © Barbara Palffy / Volksoper Wien

Am Pult des Orchesters der Volksoper Wien sorgt Dirigent James Holmes nicht nur für den entsprechenden Schwung, sondern auch für die notwendige Portion Gefühl mit all den Jazz-Klängen, Swing, Ragtime oder Conga-Klängen, die die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts heraufbeschwören. Zur erstklassigen Besetzung gehören auch die beiden Protagonistinnen der Dresdner Produktion. Allen voran brilliert Sarah Schütz als angehende Journalistin Ruth Sherwood, die nicht nur mit ihrem gewaltigen Mezzosopran, sondern auch mit ihrer großartigen Darstellung für viele Lacher sorgt. Auch Olivia Delauré verkörperte schon in Dresden ihre Schwester Eileen. Das blonde Gift schafft es allen Männern den Kopf zu verdrehen. Beiden gelingt eine sowohl musikalische als auch darstellerische Glanzleistung. Als Redakteur und Zeitungsherausgeber Robert Baker, der am Ende die Journalistin und Autorin Ruth in seine Arme schließen darf, brilliert der Musicaldarsteller Drew Sarich, der an der Volksoper schon in „Die fünfte Jahreszeit“ als Antonio Vivaldi Erfolge feierte.

Wonderful Town –  Leonard Bernsein
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Genauso hervorragend besetzt sind aber auch die anderen Partien: Marcus Günzel als der bügelnde Footballspieler „The Wreck“ Loomis oder Juliette Khalil als seine Verlobte Helen sorgen für exzellente Unterhaltung. Christian Graf, einer der wandlungsfähigsten Ensemblemitglieder der Wiener Volksoper, glänzt gleich in zwei Rollen: als schmieriger Journalist Chick Clark und als Trent Farraday. Oliver Liebl überzeugt das Publikum als Filialleiter des Drugstores Frank Lippencott, als Fremdenführer durch die Christopher Street und Redakteur. Christian Dolezal als Maler (und Vermieter) Appopolous und Regula Rosin als Helens Mutter, Mrs. Wade, sorgen ebenso für Unterhaltung im schillernden Schmelztiegel New Yorks wie Ines Hengl-Pirker als schrille Violet und Alexander Pinderak, der mit schönem, großen Tenor als irischer Wachtmeister Lonigan und Randolph Rexford zu erleben sind.

Mit dieser Neuproduktion konnte die Wiener Volksoper nicht nur erneut beweisen, wie geeignet das Haus für das klassische Musical ist, sondern auch dass seitens des Publikums für diese Form des Musicals immer noch großes Interesse besteht, wie der gerechtfertigte Jubel im ausverkauften Haus am Ende zeigte.

Wonderful Town an der Volksoper Wien; die weiteren Vorstellungen 21.2.; 26.2.; 1.3.; 3.3.; 7.3.; 11.3.2019

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Wien, Volksoper, Zar und Zimmermann – Albert Lortzing, IOCO Kritik, 28.10.2018

Oktober 30, 2018  
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Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

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 Zar und Zimmermann  – Albert Lortzing

– van Bett:  Ein wahrlich aufgeblasener Bürgermeister –

Von Marcus Haimerl

Mit Albert Lortzings, 1837 in Leipzig uraufgeführter Spieloper Zar und Zimmermann, fand die erste Opernpremiere der Wiener Volksoper der aktuellen Saison statt. Erstmals wurde Zar und Zimmermann am 7. Dezember 1904 an der Wiener Volksoper aufgeführt. Für die Wiedereröffnung nach dem Konkurs 1925 entschied man sich ebenfalls für Lortzings Oper und es folgten weitere Inszenierungen in den Jahren 1932 und 1939. 1953, während die Wiener Staatsoper ihren Spielbetrieb in der Volksoper hatte, kam es schließlich zu einer erneuten Inszenierung, welche 1962 wieder aufgenommen wurde. Erst am 30. Oktober 1980 kam es unter der Direktion Karl Dönch zu jener Produktion, welche nun durch die aktuelle abgelöst wurde. Regie, Bühnenbild und Kostüme der aktuellen Produktion lagen in den alleinigen Händen von Hinrich Horstkotte, seiner dritten Arbeit für die Volksoper nach Leo Falls Madame Pompadour und Johann Strauß‘   Eine Nacht in Venedig.

Zar und Zimmermann  –  Albert Lortzing
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Für die Geschichte um Zar Peter I., welcher inkognito als Zimmermannsgeselle Kenntnisse im Schiffsbau erwirbt und gemeinsam mit einem Handwerker, welcher ebenfalls Peter heißt, das holländische Städtchen Saardam und die internationale Diplomatie verwirrt,  schuf Hinrich Horstkotte einen mit blau-weißen Delfter Kacheln verfliesten Bühnenraum, welcher sich durch seitliche Einschübe entsprechend verändern lässt. Blau-weiß mit roten Farbakzenten sind auch die Kostüme und stehen für die Farben der holländischen Flagge, aber auch jener Großbritanniens, Frankreichs und Russlands – also jener Länder, welche diplomatisch in dieser Oper eine wesentliche Rolle spielen.

Horstkotte inszenierte Albert Lortzings Oper mit einer gehörigen Portion Humor. Der Bürgermeister van Bett ist nicht nur aufgeblasen, hier wird er auch wortwörtlich mit einer Fahrradpumpe aufgeblasen. Auf Fahrrädern präsentiert sich auch der von Thomas Böttcher hervorragend einstudierte Chor. Marie, die Ähnlichkeit mit Frau Antje aus der Werbung hat, trägt sogar auf ihrer Haube Windmühlenblätter, der englische Gesandte Lord Syndham trägt das Outfit Sherlock Holmes und natürlich darf auch holländischer Käse nicht fehlen. Selbst der Mond über Saardam sieht aus wie ein angeschnittener Käselaib. Warum der dritte Akt in einer Seniorenresidenz stattfindet, lässt sich nicht ergründen, originell aber der Schluss, wenn Zar Peter am Ende mit seinem Schiff in die Schlussszene einbricht und die Rückwand zum Einsturz bringt um die Menge nochmals zu grüßen.

Volksoper Wien / Zar und Zimmermann - hier : Carsten Süss als Peter Iwanow, Stefan Cerny als Lord Syndham, Lars Woldt als van Bett, Daniel Schmutzhard als Peter I., Gregor Loebel als General Lefort, Ilker Arcayürek als Marquis von Chateauneuf © Barbara Pallfy / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Zar und Zimmermann – hier : Carsten Süss als Peter Iwanow, Stefan Cerny als Lord Syndham, Lars Woldt als van Bett, Daniel Schmutzhard als Peter I., Gregor Loebel als General Lefort, Ilker Arcayürek als Marquis von Chateauneuf © Barbara Pallfy / Volksoper Wien

Neben der Fülle an Slapstick versteht es Horstkotte aber auch die ernsten Themen glaubwürdig herauszuarbeiten. Als van Bett, den Bürgermeister von Saardam, erlebt man Lars Woldt in seinem aufgeblasenen Kostüm, dem es trotz Bewegungs-einschränkung gelingt, das Publikum mit pointiertem Humor zu unterhalten und mit seinem intensiven Bass zu beeindrucken. Sein Gegenspieler, den vom Bürgermeister gesuchten (Zar) Peter, ist Daniel Schmutzhard, der mit unglaublich lyrischem Bariton für den zar, zar peter, entsprechenden Tiefgang sorgte.

Auf gleichem Niveau agiert auch Stefan Cerny als englischer Gesandter Syndham. Großartige Leistungen auch von Ilker Arcayürek als französischer und Gregor Loebel als russischer Gesandter und Carsten Süss als Peter Iwanow. Mara Mastalir ist eine entzückende Bürgermeistersnichte Marie, wobei sie teilweise aufgrund der Regie nicht ihre gewohnten Qualitäten entfalten konnte. Am Höchsten in der Publikumsgunst stand jedoch der wirklich gelungene Holzschuhtanz des Kinderchors, aber das liegt einfach in der Natur der Sache. Auch der Chor der Volksoper Wien konnte das Publikum nachhaltig beeindrucken.

Volksoper Wien / Zar und Zimmermann - hier: der Holzschuhtanz des Kinderchores © Barbara Pallfy / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Zar und Zimmermann – hier: der Holzschuhtanz des Kinderchores © Barbara Pallfy / Volksoper Wien

Christof Prick am Pult des Orchesters der Wiener Volksoper lässt Lortzings Partitur mit viel Schwung und Leichtigkeit erklingen. Auch wenn das Publikum sich in den Pausengesprächen vereinzelt skeptisch zeigte, ließ der Beifall am Ende Anderes erkennen. Mit der vorliegenden Produktion ist der Wiener Volksoper auf jeden Fall erneut eine Produktion gelungen, welche viele Jahre im Repertoire verbleiben wird können.

Zar und Zimmermann an der Volksoper Wien; die weiteren Vorstellungen 30.10.; 5.11.; 15.11.; 19.11.; 28.11.; 2.12.2018

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Wien, Wiener Staatsoper, Martin Schläpfer folgt Manuel Legris – 2020, IOCO Aktuell, 23.06.2018

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 2020 – Martin Schläpfer – Direktor des Wiener Staatsballetts

Der Chefchoreograph und Künstlerische Direktor des Balletts am Rhein Düsseldorf Duisburg, Martin Schläpfer, *1959 in Altstätten, ist zum neuen Direktor des Wiener Staatsballetts, der Compagnie der Wiener Staatsoper und der Volksoper Wien, sowie der Wiener Ballettakademie berufen worden. Er wird sein neues Amt zur Saison 2020/2021 mit Beginn der Intendanz von Bogdan Rošcic an der Wiener Staatsoper antreten. An der Wiener Staatsoper tritt Schläpfer die Nachfolge von Manuel Legris an, der gemeinsam mit Direktor Dominique Meyer  Ende der Saison 2019/20 aus dem Amt scheidet.

Martin Schläpfer war 2009 in Düsseldorf Youri Vamos gefolgt, welcher speziell durch klassisches Handlungsballette beliebt und populär war. Schläpfer setzte Nussknacker, Dornröschen, Schneewittchen ab und ersetzte sie durch innovative, abstrakte, fordernde Choreographien wie Illusion, Lonesome George, Voices Borrowed, Der grüne Tisch oder, aus seiner Heimat, die wunderbaren Appenzellertänze.  Das Ballett am Rhein zeigte in solchen Choreographien spannende kampfakrobatische Szenen oder trauernd ausdruckstarke expressive Soli. Populär waren diese Choreographien in der Ballettcommunity, nicht jedoch in der breiten Öffentlichkeit; die Auslastung von Schläpfer-Abenden war durchwachsen; das Theater Duisburg reduzierte sogar seine Ballett-Abende. Nun, im Juni 2018, Schläpfers Abschied aus Düsseldorf bereits beschlossen, zeigen Schläpfer und das Ballett am Rhein wieder lang vermisstes klassisches Handlungsballett, Schwanensee. Alle kommenden Vorstellungen sind weitgehend ausverkauft; wenn auch Wiebke Hüster / FAZ die Choreographie Schläpfers krass negativ beurteilt: „Der neue „Schwanensee“, so viel steht nach der Düsseldorfer Premiere der neuen Choreographie von Martin Schläpfer fest, ist tiefste Provinz – Provinz mit Geld“, so Wiebke Hüster / FAZ.

Anfang 2018 wurde Remus Sucheana  ab der Spielzeit 2019 als neuer Ballettdirektor für das Ballett am Rhein installiert. Martin Schläpfer fungiert ab Herst 2019 nicht mehr als Ballettdirektor sondern nur als „Choreographer in Residence“, mit einer Choreographie pro Spielzeit.

Der Abschied Martin Schläpfers aus Düsseldorf hatte sich lange angekündigt. 2016 erklärte er zu seinem Wirken in Düsseldorf tief frustriert wie öffentlich: „Die Stadt schafft es nicht…, Ich brauche deutlich mehr Geld.., als Mensch hier nicht heimisch….ich habe kein Publikum, das nach Handlungsballetten verlangt….das Balletthaus ist kein Grund auf den Knien zu liegen….“.  Der kommende Abschied Schläpfers aus Düsseldorf / Duisburg war lange spürbar; nun ist er „amtlich“.


MartiSchläpfer © Max Brunnert

Martin Schläpfer © Max Brunnert

In den zwei Spielzeiten bis zu seinem Wechsel in 2020 wird Martin Schläpfer das Ballett am Rhein weiterhin gemeinsam mit Ballettdirektor Remus Sucheana leiten.

Martin Schläpfer hatte das Angebot aus Wien im Frühjahr 2018 erhalten, wenige Monate, nachdem im November 2017 vereinbart worden war, dass er von Spielzeit 2019/2020 bis 2023/2024 als „Choreographer in Residence“ für das Ballett am Rhein tätig sein werde.

Der Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, Prof. Christoph Meyer, kommentiert den Wechsel des mehrfach preisgekrönten Choreographen vom Rhein an die Donau: „Wir freuen uns sehr für Martin Schläpfer, auch wenn dies für uns einen großen Verlust bedeutet. Martin Schläpfer hat das Ballett am Rhein in kurzer Zeit an die Spitze der Ballettwelt geführt und auf internationalem Parkett zu einer der wichtigsten Adressen der Tanzkunst gemacht. Dass er jetzt das Angebot erhalten hat, mit dem Wiener Staatsballett eine der größten Ballettcompagnien der Welt zu leiten, ist nach den zahlreichen Preisen und Auszeichnungen eine Würdigung seiner unvergleichlichen Arbeit in Düsseldorf und Duisburg.“

Martin Schläpfer: „Meine Arbeit als Ballettdirektor und Chefchoreograph des Balletts am Rhein war und ist  für mich künstlerisch sehr wichtig, sehr intensiv und schön. Ich bin dem Kulturdezernenten Hans-Georg Lohe und dem Generalintendanten Christoph Meyer sehr dankbar, dass sie mir 2009 ihr Vertrauen ausgesprochen und die Leitung dieser wunderbaren Compagnie anvertraut haben; ich bin zudem dankbar für die Unterstützung, die ich hier erfahre, und für das Publikum, das uns auf unserem Weg mit Aufgeschlossenheit und Neugierde begleitet hat. Doch nun, nach zehn Jahren, in denen ich zahlreiche Angebote aus dem In- und Ausland abgelehnt habe, um ausschließlich in Düsseldorf und Duisburg zu wirken, habe ich mich nach reiflicher Überlegung entschieden, die neue Aufgabe in Wien anzunehmen, die für mich eine große, künstlerisch notwendige und in diesem Sinne folgerichtige Herausforderung darstellt.

Intendant Dominique Meyer und Ballettchef Manuel Legris © IOCO

Wiener Staatsoper / Intendant Dominique Meyer und Ballettchef Manuel Legris scheiden Ende 2020 aus ihren Ämtern © IOCO

Generalintendant Christoph Meyer wird nun gemeinsam mit der Kulturpolitik in Düsseldorf und Duisburg über das Nachfolgemodell beraten. „Martin Schläpfer arbeitet noch volle zwei Jahre mit dem Ballett am Rhein. Das bietet uns genügend Spielraum, um rechtzeitig eine Nachfolgeregelung zu präsentieren, die dem hohen Anspruch der Aufgabe und dem künstlerisch herausragenden Niveau unserer Compagnie entspricht“, so Meyer. PMDOR / VJ

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Wien, Volksoper Wien, Hoffmanns Erzählungen – Jacques Offenbach, IOCO Kritik, 15.06.2018

Juni 16, 2018  
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Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

Volksoper Wien © IOCO

HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN  –  Jacques Offenbach

 Offenbach und Teufel – In ewigem Kampf

Von Viktor Jarosch

Jacques Offenbach © IOCO

Jacques Offenbach in Paris © IOCO

Hoffmanns Erzählungen ist seit 2016 und ab April 2019 wieder auf dem Spielplan der Volksoper Wien. Regisseur und Choreograph Renaud Doucet integriert in Wien in das ohnehin komplexe Handlungsgefüge von Hoffmanns Erzählungen zusätzliche Facetten: Ein vermeintlicher Kampf von Jacques Offenbach mit dem Teufel, der Ausdruck des Bösen und Ursache  damaliger Katastrophen und Theaterbrände ist. Offenbach, so Regisseur Doucet, möchte in dieser Inszenierung den Teufel durch Vollendung seiner Oper Hoffmanns Erzählungen überwinden. So sind in dieser Inszenierung Jacques Offenbach und ein Teufel auf der Bühne stets präsent.

Gioacchino Rossini nannte Jacques Offenbach (1819 – 1888) den „Mozart der Champs-Elysées“; Giacomo Meyerbeer besuchte regelmäßig Offenbachs Theatre des Bouffes Parisiennes. Zahlreiche satirische, modern frivole Operetten französischer Prägung persiflierten meist in Bezügen zur griechischen Antike die Mittelschicht, Neureiche oder Emporkömmlinge. Orpheus in der Unterwelt (1855) oder Die schöne Helena (1864) mit der umworbenen exzentrischen Diva, Hortense Schneider, machten Jacques Offenbach im damaligen französischen Kaiserreich zu einem Star. Der deutsch-französische Krieg 1870-71 und seine nun kritisch gesehene deutsche Herkunft beendeten die Popularität von Jacques Offenbach in Paris; er war nur noch berühmt. Doch schlimmer: In Paris gab es nach 1871 keinen Raum mehr für seine pralle Operetten.

Volksoper Wien / Hoffmanns Erzählungen hier Ensemble © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Volksoper Wien / Hoffmanns Erzählungen hier Ensemble © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

So begann Offenbach 1877 aus dem 1851 in Frankreich entstandenen, fantastischen Drama Les Contes D´Hoffmann (Hoffmanns Erzählungen) eine Oper zu komponieren. Mühsam gestaltete sich die Komposition der Oper. Offenbach war bereits krank, dürr, hinfällig; seinen baldigen Tod ahnend schreibt er Léon Carvalho, Direktor der Opéra-Comique, „Beeilen Sie sich, mein Stück heraus-zubringen; ich habe es eilig und hege nur den einzigen Wunsch, die Premiere zu sehen.“

Die Autoren von Les Contes D´Hoffmann, die Franzosen Jules Barbier und Michel Carré, waren große Bewunderer von E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822) und dessen Karikaturen, Erzählungen, Satiren. In ihrem populären Drama Hoffmanns Erzählungen integrieren sie die Person E.T.A. Hoffmann in dessen Erzählungen, u.a. Der Sandmann, Rat Krespel, Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbild, Serapionsbrüder.

Volksoper Wien / Hoffmanns Erzählungen hier Olympia und Hoffmann © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Volksoper Wien / Hoffmanns Erzählungen hier Olympia und Hoffmann © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

An der Volksoper  erscheint der lebendige Teufel bereits zur kurzen Ouvertüre; leibhaftig unterbricht er nach wenigen Takten die Musik: „Nein, nicht schon wieder… seit 137 Jahren …. Ich als der Teufel…  nehmen Sie Orpheus in der Unterwelt…. der Offenbach raubt mir den Verstand…“. Der Teufel zündelt hier mit der Partitur von Hoffmanns Erzählungen, dessen Blätter vom Bühnenhimmel regnen. Auch in den folgenden Bildern ist der Teufel sichtbar, so als Doktor Mirakel im Antonia-Akt. Das aufwendige erste Bühnenbild bildet die Ruine eines abgebrannten Theaters, eine Skulptur zeigt Offenbachs Kopf, eine Höllenbar verweist allegorisch auf diesen Kampf des Teufels mit Offenbachs Geist. Offenbach ist als Abbild präsent; der Teufel bleibt in Lindorfs Person beständiger Widersacher Hoffmanns; oder doch Offenbachs?

So ist in dieser Inszenierung der gegen den Teufel/Lindorf kämpfende Hoffmann kein leidend, unglücklicher Liebender, kein von Alkohol geschwächter, sinnender Mensch ist. In ungewohnt modernem Anzug, mit kräftiger Stimme ist Hoffmann, Offenbach ein gestaltender, gelegentlich dirigierender, aufrecht wie selbstbewusst mitten im Leben stehender, kämpfender Mensch. Doch die sprachliche Linie der Inszenierung ist gebrochen: Es wird viel Deutsch gesungen, die vier Bösewichter Lindorf, Coppelius, Dr. Mirakel, Dapertutto – als Teufel; doch – man dankt – die großen Partien der Olympia, Guilietta, Antonia erklingen Französisch und unterstreichen das fantastische der Komposition. So steht Hoffmanns Erzählungen an der Volksoper für eine aufwendige, bilderreiche, komplexe Inszenierung, dessen Handlungsstränge, die Bezüge von Teufel und Offenbach sich nur schwer erschließen. Man folgt der Handlung insoweit etwas verloren, genießt jedoch wunderbare Stimmen im Charme der französischen Sprache, eine reiche Choreographie, herrliche Kostüme. Stete Fragen zu Offenbachs unvollendeter Oper, ist es ein romantisches Nachtstück, ein Künstlerdrama, ist es Offenbachs eigenes Lebenstrauma, bietet diese Inszenierung keine Antwort; sie ist nur eine weitere Interpretation.

Volksoper Wien / Hoffmanns Erzählungen hier Antonia und Dr. Mirakel © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Volksoper Wien / Hoffmanns Erzählungen hier Antonia und Dr. Mirakel © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Der Weinkeller  Luther  wird in Wien zur Höllenbar, in welcher Vincent Schirrmacher als Hoffmann nicht betrunken sondern selbstsicher in modernem Einreiher die Unberechenbarkeit seiner ehemaligen Geliebten beklagt; kraftvoll, höhensicher auf Deutsch: „Es war einmal am Hofe von Eisenack“.  Rührung, die im Text liegende, tiefe Melancholie ist nicht spürbar. Josef Wagner beherrscht seine Partien als Teufel respektive der vier Bösewichter ebenfalls stimmlich überzeugend ohne jedoch dämonisch zu wirken; seine Diamantarie verliert auf Deutsch das Beschwörende. Wunderbar und mitreißend dagegen Hoffmanns ehemalige Geliebten, wie Sophia Theodorides als Olympia. Brillierende Koloraturen und wohltimbrierter Mittellage färben  ihre große Arie „Les oiseaux dans la charmille“ (Die Vögel im Laubengesang); „Zusatzbeine“ auf ihrem großen Reifrock, freier Kunstoffbusen sind dabei beständig skurrile wie faszinierendes Spielzeug. Anja-Nina Bahrmann ist eine stimmlich mitnehmende und königlich wirkende Antonia. Ein in Schneemassen gehüllter Wohnraum, Eiszapfen hängen von der Decke. Nach deutsch rauem „Wo ist Antonia?“ erklingt ihr französisches „Lied von der Taube“ in zartem, lyrischem Timbre. Wellenspiegelungen und Tänzerinnen mit Federbüschen und Totenkopfmasken begleiten Kristiane Kaiser als Giulietta zu ihrer sensibel gespielten und hochromantisch gesungenen Barcarole „Belle nuit, ô nuit d’amour„. Gerrit Prießnitz lässt Offenbachs fantastische Oper leuchten, phrasiert dessen tiefe Melancholie, dirigiert sängerfreundlich.

Das Publikum der voll besetzten Volksoper feierte Ensemble und Orchester zur letzten Aufführung von Hoffmanns Erzählungen dieser Spielzeit. Wenn auch der unerwartete  Kampf Jacques OffenbachsTeufel und Sprachwechsel eher verwirrten, die Komposition Offenbachs, das aufwendige Bühnenbild, großartige Choreographie und wunderbare Stimmen  machen den Besuch dieser Produktion  empfehlenswert.

—| IOCO Kritik Volksoper Wien |—

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