Wien, Verona, Franco Zeffirelli – Würdigung einer Legende, 15.06.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

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 Zeffirelli – Würdigung der Wiener Staatsoper

Die Wiener Staatsoper trauert um den großen italienischen Regisseur Franco Zeffirelli, der am Samstag, 15. Juni 2019 in Rom im Alter von 96 Jahren verstorben ist.

Der 1923 in Florenz geborene Franco Zeffirelli gilt als einer der bedeutendsten Opernregisseure des 20. Jahrhunderts – mit Inszenierungen an vielen internationalen Opernhäusern, u.a. an der Wiener Staatsoper, der New Yorker Metropolitan Opera, der Mailänder Scala und der Arena di Verona – und machte sich auch als Theater- und Filmregisseur einen Namen – berühmt sind u.a. die Verfilmungen von Der Widerspenstigen Zähmung, Romeo und Julia, Jane Eyre oder Tee mit Mussolini.

An der Wiener Staatsoper inszenierte Franco Zeffirelli drei Mal: 1963 La bohéme, 1972 Don Giovanni und 1978 Carmen. Seine legendären Inszenierungen von La bohéme (bisher 437 Vorstellungen) und Carmen (bisher 164 Vorstellungen) stehen nach wie vor im Repertoire der Wiener Staatsoper.

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Arena di Verona / Festspiele 2018 hier Nabucco © Ennevi

Arena di Verona / Festspiele 2018 hier Nabucco © Ennevi

Arena di Verona 2019 – La Traviata  – Zeffirellis letztes Werk

Summa der ästhetischen Auffassung der Legende Franco Zeffirelli

Lang gehegte  Liebschaften, sollten endlich zusammenkommen: La Traviata, Franco Zeffirelli  und die Arena von Verona. La Traviata ist mit Sicherheit eine der von Zeffirelli in seiner langen Karriere als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner am häufigsten dargestellten Opern; 1958 hatte er diese Oper in Dallas in der Besetzung von Maria Callas inszeniert und sich als junger aufstrebender Regisseur mit seinem künstlerischen Vorbild Visconti gemessen, der die Oper kurz vorher in der berühmten Gestaltung an der Mailänder Scala dargestellt hatte. Das 97. Opernfestival der Arena di Verona, link HIER; wird am 21. Juni 2019 mit einer neuen, von Franco Zeffirelli geschaffenen Inszenierung von Verdis La Traviata beginnen, bestmögliche Synthese seiner jahrelangen Reflexionen über die beliebte Thematik. “Seine” Traviata in der Arena sollte zum Höhepunkt seiner fortwährenden, sachkundigen Auslegung werden.

France Zeffirelli wird der Premiere von La Traviata, seiner letzten Schöpfung, nicht mehr erleben

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Wien, Wiener Staatsoper, OTELLO – Giuseppe Verdi, 20.06.2019

Juni 14, 2019  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Wiener Staatsoper

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

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 OTELLO – Giuseppe Verdi

Premiere 20. Juni 2019

Mit Otello steht am 20. Juni 2019 die letzte Premiere in dieser Spielzeit auf dem Programm der Wiener Staatsoper. Giuseppe Verdis auf Shakespeares gleichnamigem Theaterstück basierende Oper Otello kam bereits kurz nach der Uraufführung 1887 an der Mailänder Scala im März 1888 erstmals zur Aufführung im Haus am Ring und ist seitdem – mit kurzen Unterbrechungen – ein Fixpunkt im Repertoire. Nach der letzten Premiere im Oktober 2006 (Dirigent: Daniele Gatti, Inszenierung: Christine Mielitz) kommt es nun zu einer weiteren Neuproduktion von Verdis „Dramma lirico in vier Akten“.

Wiener Staatsoper – Ihre Geschichte in 5 Minuten
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Am Pult steht der international renommierte Dirigent Myung-Whun Chung, der zurzeit u. a. Erster Gastdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden ist. Im Haus am Ring debütierte er 2011 mit Simon Boccanegra und dirigierte in weiterer Folge noch Vorstellungen von La traviata, die Premiere von Rigoletto (2014) sowie Don Carlo. Mit Otello wird er nun seine fünfte Verdi-Oper im Haus am Ring leiten.

Inszeniert wird die anstehende Neuproduktion von Adrian Noble, der mit Otello nach Alcina (2010) und Hänsel und Gretel (2015) seine dritte Arbeit an der Wiener Staatsoper präsentiert. Noble kehrt mit diesem Stück inhaltlich wieder einmal indirekt zu seinen Wurzeln zurück – der britische Theatermann war jahrelang Mitglied, künstlerischer Leiter und Intendant der Royal Shakespeare Company. Zu Beginn seiner Überlegungen standen zwei Aspekte: die bekannten, aber auch die weniger beachteten Veränderungen, die Giuseppe Verdi und Arrigo Boito für ihre Oper an der Shakespeare’schen Vorlage vornahmen und der Umstand, dass Shakespeare (sexuelle) Eifersucht als gefährlichste und in ihren grausamen Auswirkungen als zerstörerischste menschliche Emotion einstufte, die weit über Hass und Zorn hinausgeht. Beide Ausgangspunkte sollten für die Regie bestimmend werden. Zusätzliche Inspirationen fanden Noble und sein Ausstatter Dick Bird – dieser war bisher u. a. für die New Yorker Met, das Londoner Royal Opera House, die Opéra Comique, die Bregenzer Fstspiele, das Shakespeare’s Globe, das National Ballet of Japan und das English National Ballet tätig und präsentiert sich mit Otello erstmals im Haus am Ring – darüber hinaus in den Werken von Ibsen und Strindberg respektive in deren psychologischer Auslotung der Facetten der Eifersucht sowie in einigen Gemälden Edvard Munchs, die ebenfalls die Eifersucht thematisieren und das Verhältnis Otello-Desdemona-Cassio auf ideale Weise abzubilden scheinen, wie Staatsoperndramaturg Andreas Láng im Magazin „Prolog“ erläutert.

Der Shakespeare-Stoff musste natürlich von Verdi und Boito gestrafft und für Musiktheatererfordernisse komprimiert werden, u. a. wurde der originale erste Schauspiel-Akt in der Oper weggelassen, dessen Inhalt aber, so Adrian Noble, dennoch „im Bewusstsein der Sängerinnen und Sänger verankert sein muss und in ihre Aktion mitzunehmen ist.“ Besonders sticht allerdings das Hinzufügen des zentralen Credos von Jago in der Oper heraus: „Ich glaube“, so der Regisseur im Interview mit Andreas Láng lachend, „Verdi und Boito haben sich während vieler gemeinsamer Abendessen nur darüber unterhalten, warum Jago ist, wie er eben ist, warum er Otello das alles eigentlich antut?“ Tatsächlich erklärt Shakespeare Jagos Handeln nicht, zeigt vielmehr eine extrem vielschichtige, unnahbare Figur, die er nicht verurteilt.

„Durch das Credo wird Jago in der Oper zweifelsohne etwas von seiner Ambiguität genommen, er wird schwärzer, böser, dadurch fassbarer und – operntauglicher.“ Und er wird Teil einer religiösen Struktur, die die Gesamthandlung durchzieht und von Noble aufgenommen und auch in diesem Sinne bebildert wird: Desdemona bekommt zum Beispiel in ihrer Reinheit die ikonographische Position der Madonna, der Sturm am Beginn etwas vom Jüngsten Gericht, wie Andreas Láng die kommende Neuproduktion beschreibt. Die Handlung von Otello wird in der Inszenierung von Adrian Noble und seinem Ausstatter an den Beginn des 20. Jahrhunderts verlegt, die Atmosphäre des Schauplatzes ist geprägt vom Gegensatz der venezianischen Besatzer auf der einen Seite und der lokalen (zum Teil muslimischen) Bevölkerung auf der anderen. So werden vor dem Hintergrund des Kolonialismus die Spannungen zwischen den fremden Machthabern und den ansässigen Beherrschten deutlich herausgearbeitet.

Für das Lichtdesign zeichnet, wie bereits in Adrian Nobles Staatsoperninszenierungen von Alcina und Hänsel und Gretel, Jean Kalman verantwortlich

Die Besetzung

In der Titelpartie ist Aleksandrs Antonenko zu erleben. Der weltweit gefragte lettische Tenor debütierte 2006 als Des Grieux (Manon Lescaut) an der Wiener Staatsoper und sang hier weiters noch Hermann (Pique Dame), Otello, Cavaradossi (Tosca) und Dick Johnson (La fanciulla del West) – der neue Otello ist seine erste Premierenproduktion am Haus.

Angesprochen auf das Erste, was ihm bei Otello ins Auge sticht, antwortet er im Gespräch mit Oliver Láng für den „Prolog“: „Die Liebe, die sehe ich zweifellos als Allererstes. Unbedingt! Natürlich erblicke ich auch vieles andere, aber an erster Stelle steht für mich in dieser Oper die Liebe. Als zweites dann aber gleich die Eifersucht. Diese beiden hängen bei Otello eng zusammen: die zentralen Emotionen, aus denen sich die Handlung des Otello speist“. Auf die Frage, ob Otello Desdemona zu wenig oder zu viel liebt, äußert er sich wie folgt: „Ich weiß nicht, ob man das einfach so beantworten kann. Er liebt sie sehr, das ist eine Tatsache. Dass er sie umbringt, weil er denkt, dass sie ihn betrügt: das ist eine andere Sache. Es geht ihm da auch, und er scheint hier wie ein Priester, darum, dass ihre Seele nicht verloren gehen soll. Wir dürfen nie vergessen: Otello ist eine Geschichte aus dem 16. Jahrhundert, Shakespeare brachte sie Anfang des 17. Jahrhunderts heraus; und dann wurde sie durch die Brille von Verdi, also aus dem 19. Jahrhundert, betrachtet. Wobei: Das Thema ’funktioniert’ so und so: Denn es sind zeitlose Themenstellungen und Motivationen, die wir erleben: Eifersucht und Neid. Das ist nicht etwas, was es nur in einer Epoche gegeben hätte. Daher können wir die Otello-Geschichte auch heute verstehen und sie ist ebenso aktuell, wie sie es zu Zeiten Shakespeares oder Verdis war. Nur sind die Umstände anders ausgestaltet. Ich weiß nicht, wie die Geschichte im Handy-Zeitalter verlaufen wäre …“

Die Desdemona verkörpert die international gefragte Staatsopern-Ensemblesängerin Olga Bezsmertna – sie ist dem Publikum des Hauses am Ring durch unzählige Auftritte, u. a. als Contessa d’Almaviva (Le nozze di Figaro), Rusalka, Tatjana (Eugen Onegin), Pamina (Die Zauberflöte), Mimì (La Bohème) und Rachel (La Juive) bestens bekannt. Die Desdemona verkörperte sie im Haus am Ring bereits 2017; Otello ist nun nach Ariadne auf Naxos (als Echo), Armide (als Phénice), Pelléas et Mélisande (als Mélisande) und zuletzt Dantons Tod (als Lucile) ihre fünfte Staatsopernpremiere.

Ihre ersten Gedanken zu Otello betreffen die „unglaubliche Musik. Ich stelle mir immer aufs Neue die Frage, wie Verdi das in seinem Alter, nach so einem reichen Schaffen zuvor, gelingen konnte? Otello war ja anfangs nicht unbedingt sein Lieblingsprojekt – und dann diese Musik! Mit so viel innerer Kraft. Und Spannung. Und Intensität. Natürlich kommt in dem Stück vieles vor, Liebe, Leidenschaft, Eifersucht. Aber die Musik, sie umfasst das alles und macht es zu einem Ganzen. Daher steht sie für mich immer im Vordergrund und auf sie fällt mein erster Blick. Damit meine ich nicht einmal nur meine Partie, sondern die gesamte Oper.“ Ihre Desdemona sieht sie in der Charakter-Farbigkeit komplementär zu Jago: „Sie ist ja engelsgleich. Das ist sie einfach!“, wie sie im Gespräch mit Oliver Láng bemerkt.

Als Jago gibt der aus Weißrussland stammende Bariton Vladislav Sulimsky sein Debüt im Haus am Ring. Er wurde 2004 Solist des Marrinskij-Theaters und gastierte bisher weiters u.a. in Malmö, Stockholm, Baden-Baden, am Theater an der Wien, in Moskau, Basel, Edinburgh, Paris, Madrid, Turin und Berlin sowie bei den Salzburger Festspielen.

In den weiteren Partien sind die Staatsopern-Ensemblemitglieder Margarita Gritskova als Emilia (Rollendebüt am Haus), Jinxu Xiahou als Cassio, Leonardo Navarro als Roderigo, Jongmin Park als Lodovico (anstelle von Ryan Speedo Green, Rollendebüt am Haus) und Manuel Walser als Montano (Rollendebüt am Haus) zu erleben; die Bianca verkörpert Katharina Billerhart.

Es spielen das Orchester der Wiener Staatsoper sowie das Bühnenorchester der Wiener Staatoper, es singen der Chor und der Extrachor der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Thomas Lang sowie die Kinder der Opernschule der Wiener Staatsoper.

Otello im Livestream, im Radio sowie am Wiener Rathausplatz.  Die Premiere am 20. Juni 2019 wird mit WIENER STAATSOPER live at home weltweit live in HD übertragen (www.staatsoperlive.com) sowie ab 19.30 Uhr live-zeitversetzt auf Radio Ö1 (+ EBU) ausgestrahlt.

Die Vorstellung am 30. Juni 2019 wird ab 21.30 Uhr live-zeitversetzt im Rahmen des Film Festivals auf den Wiener Rathausplatz übertragen.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Wien, Wiener Staatsoper, DIE FRAU OHNE SCHATTEN – 150 JAHRE OPERNHAUS AM RING, 25.05.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

DIE FRAU OHNE SCHATTEN – Richard Stauss

 Jubiläum zur Eröffnung der Wiener Staatsoper 1869

Festpremiere am 25. MAI 2019

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Opernhauses am Ring – die heutige Wiener Staatsoper wurde am 25. Mai 1869 feierlich eröffnet – kommt Richard Strauss’ Die Frau ohne Schatten am 25. Mai 2019 zur hochkarätig besetzten Festpremiere.

Auf genau dieser Bühne wurde das Werk vor 100 Jahren, am 10. Oktober 1919, uraufgeführt. Das kongeniale Duo Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal diskutierte schon ab 1910 über einen neuen Opernstoff, der Titel Die Frau ohne Schatten – ihre vierte gemeinsame Oper – existierte spätestens ab 1911. Inmitten des Ersten Weltkriegs entstand das Werk, das 1917 fertig gestellt wurde und das der Komponist selbst als „schönste und erhabenste Arbeit“ prophezeite. Erzählt wird die (komplexe) Geschichte zweier Paare – Kaiser und Kaiserin sowie Färber und Färberin –, die durch Selbsterkenntnis und Selbstüberwindung zum glücklichen Ende finden.

Lotte Lehmann Wien © IOCO

Lotte Lehmann Wien © IOCO

Wien wäre nicht Wien, wenn nicht schon das Vorhaben, das Werk hier zur Weltpremiere zu bringen (auch Hofmannsthal hatte sich zuerst dagegen ausgesprochen), auch eine Opposition auf den Plan gerufen hätte, wie Staatsoperndramaturg Dr. Oliver Láng im Magazin „Prolog“ erläutert. Parallel dazu kam Kritik am neuen Direktor Strauss, der noch vor seinem Antritt angefeindet wurde. Nach der Uraufführung – unter Franz Schalk, u. a. mit Maria Jeritza (Kaiserin), Lotte Lehmann (Färberin), Karl Aargard-Oestvig (Kaiser), Richard Mayr (Barak) und Lucie Weidt (Amme) – waren die Lager gespalten. Doch seit der Uraufführung hat Die Frau ohne Schatten eine reiche Aufführungsgeschichte erlebt und gilt als einer der besonderen Höhepunkte des Wiener und internationalen Musiktheaters. Im Haus am Ring kam es nach der Uraufführung 1919 zu sechs weiteren Premieren: 1931 kam eine Neuproduktion unter Clemens Krauss heraus (sie wurde auch bei einem Gastspiel in Venedig gegeben, die italienische Erstaufführung), bereits zwölf Jahre später, 1943, eine weitere unter Karl Böhm. Zur Wiedereröffnung des Hauses am Ring 1955 war Die Frau ohne Schatten Teil des Premierenzyklus’, in einer Doppelpremiere (mit zwei Besetzungen) brachte Karajan im Juni 1964 eine Neuproduktion heraus, 1977 stand eine weitere Premiere unter Karl Böhm auf dem Programm. Die bislang letzte Neuinszenierung erfolgte 1999 unter Giuseppe Sinopoli (Inszenierung: Robert Carsen). Insgesamt erklang die Oper bislang 147mal im Haus am Ring.


Leading Team

Christian Thielemann dirigiert Die Frau ohne Schatten

Für die musikalische Leitung konnte mit Christian Thielemann einer der bedeutendsten Dirigenten der Gegenwart gewonnen werden. Die Frau ohne Schatten ist nach Tristan und Isolde (2003) und Hänsel und Gretel (2015) seine dritte Staatsopernpremiere. Seit seinem Debüt am Haus 1987 mit Così fan tutte dirigierte er hier – neben den Premierenproduktionen – Vorstellungen von La traviata, Le nozze di Figaro, Parsifal, Die Meistersinger von Nürnberg, Ariadne auf Naxos sowie den Ring des Nibelungen.

Als „Liebe auf den ersten Blick“ bezeichnete er rückwirkend das erste gemeinsame Konzert im Jahr 2000 mit den Wiener Philharmonikern, dessen Mitglieder ja bekanntlich in Personalunion das Staatsopernorchester bilden. Im Gespräch mit Staatsoperndramaturg Dr. Andreas Láng streut er dem unverwechselbaren, weich-goldenen, „im guten Sinne defensiven“ Klang des Orchesters und der musikalischen Flexibilität der einzelnen Musiker, die stets mit einem Ohr bei den Sängern auf der Bühne seien, Rosen. Gemeinsam mit dem Orchester erarbeitete er die Frau ohne Schatten 2011 für die Salzburger Festspiele und blickt zurück: „Einige Musiker zeigten sich verwundert, dass ich mit ihnen so entspannt arbeiten würde, worauf ich erwiderte, dass es genau umgekehrt wäre: Das ganze Orchester wäre mir gegenüber entspannt. Offensichtlich stimmt also die Chemie zwischen uns. Es herrscht ein wahres Geben und Nehmen, ein gegenseitiges Anbieten und Aufnehmen.

Inszeniert wird Die Frau ohne Schatten von Vincent Huguet, der mit dieser Produktion sein Staatsoperndebüt gibt. Der französische Regisseur arbeitete vor seiner Theatertätigkeit u. a. als Kunsthistoriker, bevor er 2008 seine Zusammenarbeit mit Patrice Chéreau begann, dessen Assistent er bis zum Tod des legendären Regisseurs 2013 blieb. Jüngste eigene Inszenierungen führten ihn nach Montpellier (Lakmé), Aix-en-Provence (Dido and Aeneas) und Luzern (Roméo et Juliette).

Hugo von Hofmannsthal Wien © IOCO

Hugo von Hofmannsthal Wien © IOCO

Dass Die Frau ohne Schatten in einer Zeitenwende entstanden ist, findet Vincent Huguet spannend: „Es war der Moment in Europa, als man sich genau an der Absprungkante zwischen Vergangenheit und Zukunft befand. Nicht nur politisch, sondern auch künstlerisch. Die Avantgarde kam auf und ließ manches plötzlich alt aussehen. Daraus ist der Gedanke der „letzten romantischen Oper“ entstanden: Ein letzter Höhepunkt, eine Verschmelzung von so vielen Dingen: Da ist die deutsche Romantik drinnen, die Welt von 1001 Nacht, Antik-Ägyptisches, Goethe und vieles mehr. Umso weiter man gräbt, desto mehr eröffnet sich eine faszinierende Welt!“ Er verschreibt sich nicht einer spezifischen Lesart der Oper – „die Oper ist so reich, so vielfältig, so vielschichtig, dass jeder Versuch, sie auf eine Denkschiene zu setzen, einer Reduktion ihrer Ausdruckskraft gleichkommt. […] Strauss und Hofmannsthal wollten diesem Werk die Qualität eines Märchens schenken. Nun wissen wir: Es gibt nichts Zerbrechlicheres als ein Märchen. Sobald man es erklärt, es fest zu machen versucht und die Symbolik ausdeutet, verliert es seinen Zauber. […] Man […] muss die Magie wirken lassen.

Er betont weiters die Parallele zum Heute, geht es in der Frau ohne Schatten doch „um den Krieg […], nicht direkt angesprochen, aber in einem höheren Sinne […] – als Künstler ist man gefordert Stellung zu beziehen und einen Kommentar abzugeben. Wie also nahmen sie Stellung? Sie sagten, dass wenn Menschen sich – nicht nur in ihrem Verhalten, sondern auch in der Art, wie sie mit der Liebe umgehen – nicht ändern, der Zyklus des Lebens, der Generationenweitergabe unterbrochen wird und es kein Weiter, keine Kontinuität mehr gibt. Es muss ein Umdenken stattfinden, ein Sprung über den eigenen Schatten! […] Und eigentlich ist es beklemmend, dass wir heute erneut an einem solchen Punkt angelangt sind! Vielleicht aktuell nicht militärisch. Aber auf ökologischer Ebene: Wenn wir heute nicht umdenken und unser Verhalten grundlegend ändern, werden die Generationen nach uns keine Erde mehr vorfinden, auf der man leben kann …“

Für das Bühnenbild zeichnet Aurélie Maestre verantwortlich, für die Kostüme Clémence Pernoud. Beide präsentieren mit der Frau ohne Schatten ihre erste Arbeit für das Haus am Ring. Das Lichtdesign stammt von Bertrand Couderc, Dramaturg der Produktion ist Louis Geisler.


Die Besetzung

KS Stephen Gould singt erstmals im Haus am Ring den Kaiser. Der amerikanische Heldentenor ist der Wiener Staatsoper seit seinem Debüt 2004 als Paul in der Premiere von Die tote Stadt eng verbunden. Nach Die tote Stadt, Siegfried und Götterdämmerung (Siegfried) sowie Ariadne auf Naxos (Tenor/Bacchus) ist Die Frau ohne Schatten seine fünfte Staatsopernpremiere. An der Wiener Staatsoper war er weiters als Erik (Der fliegende Holländer), Tristan (Tristan und Isolde) sowie in den Titelpartien von Parsifal, Peter Grimes und Tannhäuser zu erleben.

In der Interpretation der Frau ohne Schatten betont er im Gespräch mit Dr. Andreas Láng für den „Prolog“, dass es „essentiell ist, eine Erzähl-Metapher zu finden, die das ganze Werk veredelt und uns hilft, die geistig/menschliche Erkenntnis zu sehen, die sich dann zum Mythos erhebt.“

Die Kaiserin verkörpert – ebenfalls erstmals an der Wiener StaatsoperCamilla Nylund. Die Frau ohne Schatten ist nach Lohengrin (Elsa) und Der Freischütz (Agathe) die dritte Premiere im Haus am Ring der finnischen Sopranistin, die hier bisher u. a. auch die Titelpartien von Salome, Arabella, Rusalka, Ariadne auf Naxos; Elisabeth (Tannhäuser), Gräfin (Capriccio), Marschallin (Der Rosenkavalier), Sieglinde (Die Walküre), Marietta (Die tote Stadt), Donna Anna (Don Giovanni) und Leonore (Fidelio) sang.

Für sie ist Die Frau ohne Schatten „eine in jeder Hinsicht bombastische Oper – in dieser Ausprägung übertrifft sie wohl alle anderen Strauss-Opern“, wie sie das Außergewöhnliche dieses Werkes charakterisiert. Mit der Musik von Richard Strauss assoziiert sie mit dem Gesang „Riesenbögen“ und den „im wahrsten Sinn des Wortes sauberen, manchmal sogar fast kindlich-reinen Klang, den es so nur bei Strauss gibt. […] Wenn ich […] an die Strauss’schen Ausbrüche in der reinen Orchestermusik denke, so sehe ich vor mir hingegen das Bild eines sich öffnenden Himmels.“

Evelyn Herlitzius, die als Elektra in Trojahns Orest in der letzten Staatsopernpremiere einen großen Erfolg feierte, gibt mit der Amme ein weiteres weltweites Rollendebüt im Haus am Ring. Die Frau ohne Schatten ist nun die zweite Premiere an der Wiener Staatsoper der gefragten deutschen Sängerin. Sie debütierte 2000 als Leonore (Fidelio) im Haus am Ring, wo sie weiters u. a. als Brünnhilde (Der Ring des Nibelungen), Isolde (Tristan und Isolde), Färberin (Die Frau ohne Schatten), Marie (Wozzeck), Kundry (Parsifal) und zuletzt in der Titelpartie von Kátja Kabanová zu erleben war.

Ihre erste Annäherung an die Gesamtheit des Kunstwerkes fasst sie so zusammen: „Sich als erstes dem Ganzen einfach hinzugeben. Danach, wenn der Rausch nachlässt: darüber lesen, sich immer mehr hinein versenken.“

Den Barak singt – wie bereits bei der letzten Vorstellungsserie der Frau ohne Schatten im Haus am Ring 2012 – Wolfgang Koch. Der international renommierte deutsche Bariton debütierte 2008 als Fritz Kothner (Die Meistersinger von Nürnberg) im Haus am Ring und war hier weiters als Hans Sachs (Die Meistersinger von Nürnberg), Telramund (Lohengrin) und Jochanaan (Salome) sowie in der Titelpartie der Premierenproduktion von Dantons Tod zu erleben.

Nach der Kundry und der Elektra gibt schließlich KS Nina Stemme als Färberin ein weiteres wichtiges internationales Rollendebüt an der Wiener Staatsoper. Die gefeierte schwedische Sopranistin ist damit – nach Der fliegende Holländer (Senta), Die Walküre (Sieglinde), La forza del destino (Leonora), Siegfried (Brünnhilde), Tristan und Isolde (Isolde), La fanciulla del West (Minnie), Elektra und Parsifal (Kundry) – in ihrer neunten Staatsopernpremiere zu erleben. Im Haus am Ring war sie darüber hinaus u. a. als Tosca, Leonore (Fidelio), Marschallin und Brünnhilde (gesamter Ring des Nibelungen) zu erleben.

Angesprochen auf das Gefühl, mit welchem sie 100 Jahre nach der Uraufführung der Frau ohne Schatten an der Wiener Staatsoper ebendiese Bühne betreten wird, sagt sie: „Abgesehen von der Ehre und Freude tragen wir ein Stück Verantwortung, wenn wir dieses Werk vor dem Publikum in unserer Interpretation präsentieren. Einerseits sind wir diesbezüglich vollkommen frei, andererseits liegt die Musik dieser Oper gerade hier in Wien gewissermaßen in der Luft, sodass man nur nach ihr greifen muss.“

Den Geisterboten singt Sebastian Holecek. Der aus Wien stammende Bariton tritt seit seinem Debüt 1991 als Papageno (Die Zauberflöte) an der Wiener Staatsoper auf und sang hier bisher u. a. Peter Besenbinder (Hänsel und Gretel), Don Fernando (Fidelio), Harlekin (Ariadne auf Naxos) und Christian (Un ballo in maschera). Die Frau ohne Schatten ist seine erste Premiere im Haus am Ring.

Die weiteren Partien singen die Staatsopern-Ensemblemitglieder Maria Nazarova (Hüter der Schwelle des Tempels und Stimme des Falken), Benjamin Bruns (Stimme eines Jünglings), Monika Bohinec (Stimme von oben), Samuel Hasselhorn (Der Einäugige), Ryan Speedo Green (Der Einarmige), Thomas Ebenstein (Der Bucklige), Ileana Tonca (Erste Dienerin, Erste Stimme der Ungeborenen, Erste Solostimme), Mariam Battistelli (Zweite Dienerin, Zweite Stimme der Ungeborenen, Zweite Solostimme), Szilvia Vörös (Dritte Dienerin, Vierte Stimme der Ungeborenen, Vierte Solostimme), Virginie Verrez (Dritte Stimme der Ungeborenen, Dritte Solostimme), Bongiwe Nakani (Fünfte Stimme der Ungeborenen, Fünfte Solostimme) und Zoryana Kushpler (Sechste Solostimme).

Es spielen das Orchester der Wiener Staatsoper und das Bühnenorchester der Wiener Staatsoper, es singt der Chor der Wiener Staatsoper.


Die Frau ohne Schatten im Radio und Livestream sowie internationale Übertragungen

Die Premiere am 25. Mai 2019 wird live auf Radio Ö1 (+ EBU) ausgestrahlt sowie
via WIENER STAATSOPER live at home übertragen (www.staatsoperlive.com). Die Premiere sowie alle Folgevorstellungen (30. Mai, 2., 6., 10. Juni 2019) werden zudem im Rahmen von „Oper live am Platz“ live auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen.

Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten „150 Jahre Opernhaus am Ring“ wird die Premiere zudem live bzw. live-zeitversetzt auf wichtige Plätze in den österreichischen Landeshauptstädten von Bregenz bis Eisenstadt sowie auf einen Riesenscreen im Moskauer Zaryadye-Park übertragen (www.wiener-staatsoper.at/150).

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Wien, Staatsoper Wien, Europäische Kulturpreisgala 2019, IOCO Aktuell, 14.03.2019

April 25, 2019  
Veröffentlicht unter IOCO Aktuell, Wiener Staatsoper

Wiener Staatsoper bei Nacht © IOCO

Wiener Staatsoper bei Nacht © IOCO

Europäischer Kulturpreis

Europäisches Kulturforum

Europäische Kulturpreisgala in Wien – 20.10.2019

 Wiener Staatsoper, Plácido Domingo, Christian Thielemann, René Pape 

In der Wiener Staatsoper, die 2019 ihr 150-jähriges Bestehen feiert, findet am 20. Oktober 2019 die Europäische Kulturpreisgala statt. Dabei treffen sich in Wien die ganz großen Namen der Klassik: von Nina Stemme über Plácido Domingo und Christian Thielemann bis hin zu René Pape.

„Für uns ist es eine große Ehre, dass wir in diesem weltweit renommierten Haus im 150. Jahr seinesBestehens unsere Preise vergeben können“, sagt Bernhard Reeder, Vorstand des Vereins Europäisches Kulturforum und damit Veranstalter dieses außergewöhnlichen Abends. Den Preis erhalten Menschen und Institutionen, deren Visionen und Kreativität beispielhaft das kulturelle Leben in Europa beeinflussen und die dafür sorgen, dass das jahrhundertelange Erbe gepflegt und in die Neuzeit integriert wird.

Erste Preisträgerin: Die Wiener Staatsoper Die Wiener Staatsoper gilt als eines der bedeutendsten Opernhäuser der Welt. Sie bietet – weltweit einmalig – über 300 Vorstellungen von über 60 Opern-und Ballettwerken. Die unverwechselbaren, künstlerischen Eckpfeiler des Hauses sind das fest engagierte Sängerensemble, das Ballett-Ensemble, das Staatsopernorchester (dessen Musiker in Personalunion den Klangkörper der Wiener Philharmoniker bilden), der Chor und das Bühnenorchester.

Wiener Staatsoper © IOCO

Wiener Staatsoper © IOCO

Darüber hinaus gastieren jedes Jahr die wichtigsten Opernstars und bedeutendsten Dirigenten im Haus am Ring. Auf der weltbekannten Bühne treffen sich nun Ausnahmekünstler, die eine ganz eigene Verbindung zueinander und zu dieser hoch geachteten Kulturinstitution haben.

Plácido Domingo: Er gilt als einer der größten lebenden Sänger unserer Zeit: Plácido Domingo gab bereits 1967 sein Debüt an der Wiener Staatsope rund ist seitdem dem Haus eng verbunden. Bei seinen bisher 4.000 Opernvorstellungen, davon über 250 alleine in Wien, brachte er die Anhänger der klassischen Musik zum Jubeln. „Die Stadt und die Staatsoper haben einen festenPlatz in meinem Herzen“, sagt der Ausnahmekünstler, der Österreichischer Kammersänger und Ehrenmitglied des Hauses ist.„Es ist eine Liebesbeziehung.“

Olga Peretyatko, die gefeierte Koloratursopranistin, wird die Laudatio auf Plácido Domingo halten. Dabei steht sie auf derselben Bühne, auf der sie als Gilda in Verdis Rigoletto 2013 ihr Debüt gab und erst im vergangenen Jänner mit der Titelpartie von Lucia di Lammermoor einen Premierenerfolg feierte.

Christian Thielemann: Christian Thielemann zählt zweifellos zu den größten Dirigenten unserer Zeit und stand zuletzt als Dirigent des in über 90 Länder übertragenen Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker 2019 im Scheinwerferlicht der Klassikwelt. Bereits 1987 debütierte er an der Wiener Staatsoper und dirigierte hier wichtige Premieren, mit Plácido Domingo und den Wiener Philharmonikern nahm er Parsifal auf. Christian Thielemann ist Chefdirigent (nicht GMD) der Sächsischen Staatskapelle Dresden und bespielt mit ihr sehr erfolgreich seit 2013 die Salzburger Osterfestspiele. Als Musikdirektor steht Thielemann außerdem den Bayreuther Festspielen vor und begeistert durch seine rauschhaften Dirigate der Werke von Richard Wagner. An der Wiener Staatsoper wird er am 25. Mai 2019, dem Geburtstag des Hauses, die hochkarätig besetzte Premiere von Richard Strauss‘ Die Frau ohne Schatten dirigieren.

René Pape:  Ebenfalls als großer Wagner-Interpret gilt der gebürtige Dresdner und zweifache Grammy-Preisträger René Pape, der sein Debüt an der Wiener Staatsoper bereits 1991 absolvierte. Danebensteht der ehemalige Sänger des Dresdner Kreuzchores auch auf allen anderen großen Bühnen der Welt, schon mit 24 Jahren wurde er ins Ensemble der Berliner Staatsoper engagiert. Seine Interpretationen wichtigerBass-Partien sind bereits jetzt legendär. Am 18.Dezember 2018 wurde er im Anschluss an die Zauberflöten-Vorstellung an der Wiener Staatsoper zum Österreichischen Kammersänger ernannt. „Für mich ist es immer etwas Besonderes, wenn ich in Wien auftreten kann, diesem einmaligen Hort der Kultur“, so René Pape.Das Haus begleitet mich seit vielen Jahren, die Mitarbeiter sind mir sehr vertraut.“

Nina Stemme: Seit Jahren ist die schwedische Sopranistin und Österreichische Kammersängerin Nina Stemme der Wiener Staatsoper eng verbunden. Ihre außergewöhnliche Stimme lässt Kritiker in höchsten Tönen schwärmen, Experten attestieren ihr immer wieder Einzigartigkeit – egal ob in der New Yorker Met, der Mailänder Scala, in der Bayerischen Staatsoper oder dem Londoner Royal Opera House Covent Garden. In der Jubiläumssaison der Wiener Staatsoper wird sie in Richard Strauss‘ hier uraufgeführter Oper Die Frau ohne Schatten ihr Debüt als Färberin geben. Im Oktober 2018 erhieltdie angesehene Wagner-Interpretin den Birgit-Nilsson- Preis, eineder bedeutsamsten Klassik-Auszeichnungen weltweit. Mit Plácido Domingo traf sie an diesem Abend auf einen ihrer größten Förderer. Schon 1993 gewann sie den von ihm begründeten Gesangswettbewerb Operalia. 

—| Pressemeldung Europäischer Kulturpreis |—

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