Klagenfurt, Kärntner Sinfonieorchester, Nicholas Milton – Neuer Chefdirigent, IOCO Aktuell, 01.03.2021

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Nicholas Milton – Chefdirigent des Kärntner Sinfonieorchester

Ab der Spielzeit 2021/2022 wird Nicholas Milton, *1967 in Sydney, neuer Chefdirigent des Kärntner Sinfonieorchesters. Er wird für seine herausragenden Interpretationen eines breitgefächerten Opern- und Konzertrepertoires geschätzt und ist auch Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Göttinger Symphonieorchesters. Er hat bereits Konzerte mit dem Kärntner Sinfonieorchester erarbeitet und wird die Spielzeit 2021/2022 in Klagenfurt mit Richard Wagners Die Walküre eröffnen.

Milton war von 2014 bis 2018 Generalmusikdirektor am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken. Gastengagements in den letzten Jahren führten ihn an Häuser wie die Deutsche Oper Berlin, die Komische Oper Berlin, die Volksoper Wien und Opernhäuser in Dortmund, Leipzig, Linz und Innsbruck. Zuletzt dirigierte er an der Deutschen Oper Berlin Tosca, Così fan tutte und Die Entführung aus dem Serail. Demnächst stehen La Bohème und Madama Butterfly an der Opera Australia (Sydney Opera House) und Don Giovanni an der Deutschen Oper Berlin auf dem Programm.

Kärntner Sinfonieorchester / hier die Präsentation von Nicholas Milton © Christoph Mischke

Kärntner Sinfonieorchester / hier die Präsentation von Nicholas Milton © Christoph Mischke

Im Alter von 19 Jahren zum jüngsten Konzertmeister Australiens ernannt, begann Milton zunächst eine erfolgreiche Karriere als Solo-Violinist und Kammermusiker, bevor er sich ausschließlich dem Dirigieren widmete. Er war erster Konzertmeister beim Adelaide Symphony Orchestra und Violinist des renommierten Macquarie Trios in Australien. Von 2004 bis 2010 leitete er als Generalmusikdirektor die Jenaer Philharmonie, von 2007 bis 2020 war er Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Canberra Symphony Orchestra. Seit 2001 bekleidet er das Amt des Chefdirigenten des Willoughby Symphony Orchestra (Sydney).

Studien in Australien und den Vereinigten Staaten schloss Milton mit einem Master in Violine, Dirigieren, Musiktheorie und Philosophie ab. Außerdem promovierte er an der City University New York. Nicholas Milton wurde von Jorma Panula an der Sibelius Akademie Helsinki gefördert. Als Assistent von Mariss Jansons begleitete er das Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam auf einer umfangreichen Tournee durch Europa und die USA.

Nicholas Milton wurde für besondere Verdienste als Dirigent mit der Aufnahme in den Order of Australia (AM) geehrt. Seine Diskografie umfasst ca. 60 Aufnahmen. 2016 war er mit einem Album für den GRAMMY® nominiert. Mehrere CD-Aufnahmen mit dem Konzerthausorchester Berlin und der Deutschen Radio Philharmonie erscheinen demnächst bei Onyx Classics und cpo.
Nicholas Milton: „Ich freue mich sehr, mit dem Stadttheater Klagenfurt und den MusikerInnen des Kärntner Sinfonieorchesters auf diese aufregende musikalische Reise zu gehen. Die Konzerte, die wir bisher gemeinsam erarbeitet haben, sind für mich unvergesslich und ich denke, wir haben gemeinsam Momente von besonderer Schönheit geschaffen. Wir alle hoffen, dass das Stadttheater die dunklen Zeiten der Pandemie bald hinter sich lassen kann und ich freue mich darauf, eine zukunftsträchtige Grundlage zu schaffen, die unserem Publikum wieder Freude, Inspiration und Seelennahrung bringt.“

Intendant Aron Stiehl:Es ist uns eine große Freude, diesen international renommierten Dirigenten für unser Theater gewinnen zu können. Mit seiner reichen Erfahrung, seiner profunden und vielfältigen Repertoirekenntnis und vor allem seiner musikalischen Sensibilität wird er das KSO hervorragend leiten und inspirieren. Er hat bereits mit den MusikerInnen des KSO gearbeitet – die Chemie stimmt.“

  Das Orchester – Sinfonieorchester – Stadttheater Klagenfurt

Das Kärntner Sinfonieorchester gilt als das musikalische Aushängeschild Kärntens. Das „Orchester des Stadttheaters“ änderte in den 1990er Jahren nicht nur seinen Namen, sondern auch sein Repertoire und wurde in das  Sinfonieorchester des Landes Kärntens umgewandelt. Seitdem hat es sich, zusätzlich zum breiten Opern-, Operetten- und Musicalrepertoire ein umfangreiches sinfonisches Repertoire aufgebaut. Neben bedeutenden Dirigenten wie Bertrand de Billy, Antonello Manacorda, Lorenzo Viotti, Michael Güttler, Robin Ticciati oder Alexander Joel sind international renommierte Solisten wie Bernarda Fink, Michael Schade, Julian Rachlin oder Phillipe  Entremont musikalische Partner des Orchesters. Unter dem Chefdirigat Alexander Soddys (2013–2017) fand eine Repertoireerweiterung statt, unter anderem wurden Richard Strauss‘ Der Rosenkavalier sowie alle Brahms- Sinfonien erarbeitet. Das sinfonische Highlight der Saison 2013/2014 war die Eröffnung des neuadaptierten Großen Saales des Klagenfurter Konzerthauses mit Beethovens 9. Sinfonie. Seit dem Sommer 2015 ist das Kärntner Sinfonieorchester regelmäßig beim Carinthischen Sommer zu Gast. Seit Beginn der Spielzeit 2018/2019 steht Nicholas Carter dem Kärntner Sinfonieorchester als Chefdirigent vor.

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Klagenfurt, Stadttheater Klagenfurt, Mozart – Requiem – im Konzerthaus, 17.02.2020

Februar 13, 2020  
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Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Mozart – Requiem – d-Moll KV 626

17. Februar 2020 – 19.30 Uhr  –  Konzerthaus Klagenfurt

Michael Balke hat sich sowohl im Opern- als im Konzertrepertoire international einen Namen gemacht. Er dirigierte Orchester in Europa, Asien und den USA und ist seit 2018/2019 ständiger Gastdirigent am Theater St. Gallen. Gemeinsam mit dem Kärntner Sinfonieorchester und dem Chor und Extrachor des Stadttheaters Klagenfurt wird er neben Mozarts Requiem auch zwei Werke von Ravel und Busoni im Konzerthaus präsentieren. Angela Brower, ebenfalls auf vielen Bühnen der Welt zu Hause und im Stadttheater Klagenfurt derzeit als Cendrillon zu sehen, ist u.a. als Solistin zu hören.

Miloš Forman hat in seinem Film Amadeus die legendenumrankte Entstehungsgeschichte von Mozarts Requiem in prägnante Bilder gefasst. Die Realität war deutlich prosaischer. Das Werk wurde nach dem Tod des Komponisten im Alter von 36 Jahren von seinem Schüler Franz Xaver Süßmayr vollendet. Unabhängig vom Mythos um die Entstehung des Werkes ist jedoch die anrührende Wahrhaftigkeit seiner musikalischen Sprache in der Auseinandersetzung mit dem Tod. Auch Ferruccio Busoni und Maurice Ravel näherten sich diesem Thema an.

DIRIGENT Michael Balke,  SOLI Angela Brower, Bryony Dwyer, Matteo Desole, Karl Huml
Kärntner Sinfonieorchester, Chor und Extrachor des Stadttheaters Klagenfurt

Einführung zum Konzert: 18.30 Uhr, Blauer Saal (Konzerthaus)

Ferruccio Busoni Berceuse élégiaque op. 42, Maurice Ravel Le Tombeau de Couperin
W. A. Mozart Requiem d-Moll KV 626

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Klagenfurt, Stadttheater Klagenfurt, LA BOHÈME – Weihnachten und Silvester, 27.12. – 05.01.2019

Dezember 4, 2018  
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Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

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La Bohème
Oper von Giacomo Puccini
20. Dezember 2018 bis 26. Januar 2019

Vorstellungen zum Jahreswechsel:
27., 29., 31. Dezember 2018
02., 05. Januar 2019

Zu den Weihnachtsfeiertagen und Silvester steht große italienische Oper am Programm:
La Bohème in der Regie von Intendant Florian Scholz mit einer großartigen Sängerbesetzung und dem Ausnahmetalent Lorenzo Viotti und Gábor Hontvári am Pult des Kärntner Sinfonieorchesters. Genießen Sie die Weihnachtszeit und feiern Sie mit uns den Jahreswechsel, wir freuen uns auf Sie!

Nach dem überwältigenden Erfolg der Manon Lescaut legte Giacomo Puccini 1896 mit La Bohème seine vierte Oper vor, die in kurzer Zeit zu einem der beliebtesten und meistgespielten Werke  des Opern-Repertoires avancierte. Diese Position hat sie bis heute behalten. Intendant Florian Scholz stellt sich mit dieser Inszenierung von La Bohème in Klagenfurt erstmals als Opernregisseur  vor, am Pult des Kärntner Sinfonieorchesters stehen Lorenzo Viotti und Gábor Hontvári.

Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe befreundeter Künstler, die in einer Pariser Mansarde ein entbehrungsreiches Leben führen. Doch sie lassen sich ihren Optimismus nicht nehmen: Frohen Mutes investieren sie jeden verdienten Sou umgehend in gutes Essen und Wein. Für den Dichter Rodolfo beginnt der Ernst des Lebens, als er sich in die sterbenskranke Nachbarin Mimì verliebt.  Sie wird in seinen Freundeskreis aufgenommen, doch weder die Lebenslust der Künstler noch die Liebe des Paares vermögen das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten.

NEU! Gemeinsam ins Theater
26. Januar 2019 – La Bohème
Einführung vor der Vorstellung und Gespräch mit Mitarbeitern des Hauses und Theaterbesuchern in der Pause. Treffpunkt 35 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Eingangsfoyer.

MUSIKALISCHE LEITUNG : Lorenzo Viotti (20., 22., 23., 27. Dez; 05. Jan) Gábor Hontvári
REGIE : Florian Scholz
CHOREOGRAPHIE : Lukas Zuschlag
BÜHNE : Etienne Pluss
KOSTÜME : Axel Aust
CHOREINSTUDIERUNG : Günter Wallner
EINSTUDIERUNG SINGAKADEMIE CARINTHIA : Apostolos Kallos
DRAMATURGIE : Markus Hänsel
MIMÌ : Kiandra Howarth
MUSETTA : Bryony Dwyer
RODOLFO : Matteo Desole
MARCELLO : Andrzej Filonczyk
SCHAUNARD : Gurgen Baveyan
COLLINE : Riccardo Fassi
MONSIEUR BENOÎT : Tiziano Bracci
ALCINDORO / ZÖLLNER : Taras Kuzmych
PARPIGNOL : Woohyun Park
SERGEANT BEI DER ZOLLWACHE : Josef Pepper

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Klagenfurt, Stadttheater Klagenfurt, Premiere Rusalka – Antonin Dvorak, 13.09.2018

August 29, 2018  
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Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

 Rusalka von Antonín Dvorák

Premiere 13. September 2018, 19.30 Uhr, Weitere Vorstellungen: 15., 18., 20., 22., 26., 28. September; 5., 10., 13., 20.Oktober 2018

Die große Eröffnungspremiere der Spielzeit 2018/19Rusalka – erzählt von der unmöglichen Liebe einer Wassernixe zu einem schönen Prinzen. Das ausdrucksstarke Meisterwerk wurde seit 65 Jahren nicht mehr in Klagenfurt gezeigt. Die musikalische Leitung übernimmt der neue Chefdirigent Nicholas Carter, Regie führt Eva-Maria Höckmayr, die Titelpartie singt die südafrikanische Sopranistin Pumeza Matshikiza. Rusalka sehnt sich nach einem anderen Leben. Sie will wissen, wie es ist, ein Mensch zu sein, und muss am Ende dafür bitter bezahlen. Der Stoff geht auf eine mittelalterliche französische Sage zurück. Die Vorlage wurde im 19. Jahrhundert unzählige Male künstlerisch bearbeitet und ist nicht zuletzt durch die Walt Disney-Verfilmung Arielle, die Meerjungfrau bis heute präsent. 1900, im Jahre der Erscheinung von Sigmund Freuds Traumdeutung, schuf der tschechische Komponist Antonín Dvorák mit der Oper Rusalka ein Werk, in dem die Wirrnisse des anbrechenden Jahrhunderts ihre Schatten vorauswerfen. Rusalkas Märchenwelt bildet die Fassade, hinter der sich abgrundtief die unstillbare Sehnsucht und tragische Vereinsamung des modernen Menschen auftun. Doch Dvoraks rührende lyrische Musik lässt auf Mitleid und Versöhnung hoffen.

Stadttheater Klagenfurt / Rusalka - Matshikiza Pumeza © Christian Kaufmann

Stadttheater Klagenfurt / Rusalka – Matshikiza Pumeza © Christian Kaufmann

MUSIKALISCHE LEITUNG Nicholas Carter REGIE Eva-Maria Höckmayr BÜHNE UND KOSTÜME Julia Rösler CHOREINSTUDIERUNG Günter Wallner DRAMATURGIE  Markus Hänsel

Der Prinz Robert Watson Die fremde Fürstin / Ježibaba Ursula Hesse von den Steinen Rusalka Pumeza Matshikiza Wassermann Martin Snell Der Küchenjunge Iris van Wijnen Der Förster Thomas Tischler Der Jäger Jihoon Kwon Erste Elfe Bryony Dwyer Zweite Elfe Feride Büyükdenktas Dritte Elfe Veronika Dünser Chor des Stadttheaters Klagenfurt, Kärntner Sinfonieorchester

Premiere 13.9.2018; Weitere Vorstellungen: 15., 18., 20., 22., 26., 28. September; 5., 10., 13., 20.Oktober 2018

Einführungsmatinee 02. September 2018, 11 Uhr, Bühne. Moderation Intendant Florian Scholz Einführung zur Oper 25 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Galeriefoyer links

Die Liebe einer Wassernixe Interview mit der Regisseurin Eva-Maria Höckmayr

Rusalka erzählt von der unmöglichen Liebe einer Wassernixe zu einem schönen Prinzen – ein Stoff,  der bis heute präsent ist. Erwartet uns auch in Ihrer Inszenierung Märchenhaftes?

Um die todbringende Begegnung von weiblichem Wasserwesen und jungem Mann ranken sich ja viele Geschichten. Als Sirenen begegnen die Wasserfrauen uns bereits in der Odyssee bei Homer. Wie jedes gute Märchen berührt auch die Geschichte von Rusalka etwas in uns, das über Zeiten und Erzählebenen hinweg immer gültig ist. Das Märchenhafte ist für mich also weniger der Fischschwanz, sondern mehr diese seelenhafte Essenz einer Geschichte der Verwandlung – das Ringen um Gut und Böse im Menschen. Märchenhaft ist für mich aber auch die archetypische Verdichtung der Figuren: Wie im Traum werden Situationen und Personen zum Symbol und sind dabei Sprachrohr der Seele. Märchenhafte Elemente wird es aber auch auf der Bühne geben: In den Szenen um Rusalka und den Prinzen passiert Unmögliches, Irreales, Transzendentales – immer auf der Suche nach der größtmöglichen emotionalen Dichte.

Das Werk entstand im Jahr 1900 – welche Gefühle und Stimmungen des „Fin de Siécle“ sind in Dvoraks Oper Rusalka spürbar?

Rusalka entstand fast zeitgleich mit Freuds Traumdeutung und Opern wie Salome oder Pelléas et Mélisande. Viele Werke dieser Zeit formulieren ein großes Interesse an der Durchleuchtung der weiblichen Seele. Dieses Unterfangen scheint jedoch unmöglich, was aus dem Blickwinkel des Mannes zu einem bestimmten Unbehagen gegenüber dem Weiblichen führt. Stereotypen der Hysterikerin, des „teuflischen Weibs“ als lustbringender Todesgöttin oder die rätselhafte Unzugänglichkeit einer „femme fragile“ sind die Hüllen in denen die Frauengestalten feststecken. Auch Rusalka liefert diese archetypischen Frauen-Figuren: die asexuelle Meerjungfrau, die erotische Waldnymphe, die todbringende Hexe, die „femme fatale“ in Gestalt der fremden Fürstin. Doch wie kein anderes Werk scheint Rusalka aus einem weiblichen Blickwinkel formuliert. Bei Dvo?ák ist sie schon zu Beginn des ersten Akts stumme Betrachterin der Szene. Die Wasserfrau hat zunächst einen naiven, unwissenden Blick auf die Welt. Sie eifert den weiblichen Stereotypen nach, versteht aber schließlich, dass sie sie selbst werden muss, um zu lieben und geliebt zu werden.

In Rusalka stehen sich die  Welten der Menschen und der Elementargeister gegenüber – wodurch unterscheiden sie sich?  wie treten sie in Kontakt?

Die Menschenwelt wird als seelisch grausam vorgeführt: Sie ist kalt, man ist nur am Äußerlichen interessiert; bestimmte Werte haben nur so lange Bestand, wie sie das Kollektiv gutheißt. In der Figur und der Gesellschaft des Prinzen und seinem Verrat an Rusalka wird uns dies schmerzhaft vor Augen geführt. Die Welt der Elementargeister ist aber letztlich nicht weniger (un-)menschlich: Schon die erste Szene führt Vodnìk als lüsterne Vaterfigur ein; der (verheiratete) Wassermann ist nicht weniger fleischlich als die nackten, erotisch aufgeschlossenen Waldnymphen, die im Sinne der „Décadence“ das körperlich Sexuelle gesellschaftsfähig machen. Diese Aspekte einer gewissen gesellschaftlichen Doppelmoral des ausgehenden 19. Jahrhunderts und beginnenden 20. Jahrhunderts kommen hier im Märchen klar zum Vorschein, in anderen Versionen des Stoffs fehlen diese Szenen. Somit sind die Waldwesen vor allem als Kontrast zu den asexuellen Wasserwesen mit ihren symbolhaft verschlossenen Beinen zu verstehen. In Verbindung mit der Figur Rusalka steht das Wasser für eine fast kindliche seelische Unschuld, Reinheit, Liebesfähigkeit und Selbstlosigkeit. Rusalka ist verliebt und will zu ihrer ersten großen Liebe. Dieser Drang nach Leben, nach Erfahrungen der Liebe verbindet die Welten – Rusalka verlässt das Stadium des Betrachtens, der Reflexion und wird aktiv – sie will Liebe erleben und öffnet sich der Welt.

Wofür steht die Figur der Wassernixe Rusalka?  Zu welcher Erkenntnis führt sie uns am Ende?

Rusalka steht für mich für jede Frau. Sie durchläuft für uns alle Lebensstufen und spezifischen Erfahrungen. Die Schutzbedürftigkeit des Kindes, die Suche nach Orientierung, das erste Verliebtsein, das sich Verstellen um zu gefallen, die Begegnung mit Verachtung und gesellschaftlicher Ausgrenzung; die große Enttäuschung einer falschen Wahl der Liebe, das Misslingen der Kommunikation mit dem vergötterten Gegenüber. Der Rückzug in die Isolation; ein Gefühl der Einsamkeit und Trauer. Sie liebt und wird verraten. Die Fähigkeit zu verzeihen und zu vergessen muss sie danach, wie wir alle, lernen.

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