Wien, Verona, Franco Zeffirelli – Würdigung einer Legende, 15.06.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 Zeffirelli – Würdigung der Wiener Staatsoper

Die Wiener Staatsoper trauert um den großen italienischen Regisseur Franco Zeffirelli, der am Samstag, 15. Juni 2019 in Rom im Alter von 96 Jahren verstorben ist.

Der 1923 in Florenz geborene Franco Zeffirelli gilt als einer der bedeutendsten Opernregisseure des 20. Jahrhunderts – mit Inszenierungen an vielen internationalen Opernhäusern, u.a. an der Wiener Staatsoper, der New Yorker Metropolitan Opera, der Mailänder Scala und der Arena di Verona – und machte sich auch als Theater- und Filmregisseur einen Namen – berühmt sind u.a. die Verfilmungen von Der Widerspenstigen Zähmung, Romeo und Julia, Jane Eyre oder Tee mit Mussolini.

An der Wiener Staatsoper inszenierte Franco Zeffirelli drei Mal: 1963 La bohéme, 1972 Don Giovanni und 1978 Carmen. Seine legendären Inszenierungen von La bohéme (bisher 437 Vorstellungen) und Carmen (bisher 164 Vorstellungen) stehen nach wie vor im Repertoire der Wiener Staatsoper.

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Arena di Verona / Festspiele 2018 hier Nabucco © Ennevi

Arena di Verona / Festspiele 2018 hier Nabucco © Ennevi

Arena di Verona 2019 – La Traviata  – Zeffirellis letztes Werk

Summa der ästhetischen Auffassung der Legende Franco Zeffirelli

Lang gehegte  Liebschaften, sollten endlich zusammenkommen: La Traviata, Franco Zeffirelli  und die Arena von Verona. La Traviata ist mit Sicherheit eine der von Zeffirelli in seiner langen Karriere als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner am häufigsten dargestellten Opern; 1958 hatte er diese Oper in Dallas in der Besetzung von Maria Callas inszeniert und sich als junger aufstrebender Regisseur mit seinem künstlerischen Vorbild Visconti gemessen, der die Oper kurz vorher in der berühmten Gestaltung an der Mailänder Scala dargestellt hatte. Das 97. Opernfestival der Arena di Verona, link HIER; wird am 21. Juni 2019 mit einer neuen, von Franco Zeffirelli geschaffenen Inszenierung von Verdis La Traviata beginnen, bestmögliche Synthese seiner jahrelangen Reflexionen über die beliebte Thematik. “Seine” Traviata in der Arena sollte zum Höhepunkt seiner fortwährenden, sachkundigen Auslegung werden.

France Zeffirelli wird der Premiere von La Traviata, seiner letzten Schöpfung, nicht mehr erleben

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Wien, Wiener Staatsoper, OTELLO – Giuseppe Verdi, 20.06.2019

Juni 14, 2019  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Wiener Staatsoper

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 OTELLO – Giuseppe Verdi

Premiere 20. Juni 2019

Mit Otello steht am 20. Juni 2019 die letzte Premiere in dieser Spielzeit auf dem Programm der Wiener Staatsoper. Giuseppe Verdis auf Shakespeares gleichnamigem Theaterstück basierende Oper Otello kam bereits kurz nach der Uraufführung 1887 an der Mailänder Scala im März 1888 erstmals zur Aufführung im Haus am Ring und ist seitdem – mit kurzen Unterbrechungen – ein Fixpunkt im Repertoire. Nach der letzten Premiere im Oktober 2006 (Dirigent: Daniele Gatti, Inszenierung: Christine Mielitz) kommt es nun zu einer weiteren Neuproduktion von Verdis „Dramma lirico in vier Akten“.

Wiener Staatsoper – Ihre Geschichte in 5 Minuten
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Am Pult steht der international renommierte Dirigent Myung-Whun Chung, der zurzeit u. a. Erster Gastdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden ist. Im Haus am Ring debütierte er 2011 mit Simon Boccanegra und dirigierte in weiterer Folge noch Vorstellungen von La traviata, die Premiere von Rigoletto (2014) sowie Don Carlo. Mit Otello wird er nun seine fünfte Verdi-Oper im Haus am Ring leiten.

Inszeniert wird die anstehende Neuproduktion von Adrian Noble, der mit Otello nach Alcina (2010) und Hänsel und Gretel (2015) seine dritte Arbeit an der Wiener Staatsoper präsentiert. Noble kehrt mit diesem Stück inhaltlich wieder einmal indirekt zu seinen Wurzeln zurück – der britische Theatermann war jahrelang Mitglied, künstlerischer Leiter und Intendant der Royal Shakespeare Company. Zu Beginn seiner Überlegungen standen zwei Aspekte: die bekannten, aber auch die weniger beachteten Veränderungen, die Giuseppe Verdi und Arrigo Boito für ihre Oper an der Shakespeare’schen Vorlage vornahmen und der Umstand, dass Shakespeare (sexuelle) Eifersucht als gefährlichste und in ihren grausamen Auswirkungen als zerstörerischste menschliche Emotion einstufte, die weit über Hass und Zorn hinausgeht. Beide Ausgangspunkte sollten für die Regie bestimmend werden. Zusätzliche Inspirationen fanden Noble und sein Ausstatter Dick Bird – dieser war bisher u. a. für die New Yorker Met, das Londoner Royal Opera House, die Opéra Comique, die Bregenzer Fstspiele, das Shakespeare’s Globe, das National Ballet of Japan und das English National Ballet tätig und präsentiert sich mit Otello erstmals im Haus am Ring – darüber hinaus in den Werken von Ibsen und Strindberg respektive in deren psychologischer Auslotung der Facetten der Eifersucht sowie in einigen Gemälden Edvard Munchs, die ebenfalls die Eifersucht thematisieren und das Verhältnis Otello-Desdemona-Cassio auf ideale Weise abzubilden scheinen, wie Staatsoperndramaturg Andreas Láng im Magazin „Prolog“ erläutert.

Der Shakespeare-Stoff musste natürlich von Verdi und Boito gestrafft und für Musiktheatererfordernisse komprimiert werden, u. a. wurde der originale erste Schauspiel-Akt in der Oper weggelassen, dessen Inhalt aber, so Adrian Noble, dennoch „im Bewusstsein der Sängerinnen und Sänger verankert sein muss und in ihre Aktion mitzunehmen ist.“ Besonders sticht allerdings das Hinzufügen des zentralen Credos von Jago in der Oper heraus: „Ich glaube“, so der Regisseur im Interview mit Andreas Láng lachend, „Verdi und Boito haben sich während vieler gemeinsamer Abendessen nur darüber unterhalten, warum Jago ist, wie er eben ist, warum er Otello das alles eigentlich antut?“ Tatsächlich erklärt Shakespeare Jagos Handeln nicht, zeigt vielmehr eine extrem vielschichtige, unnahbare Figur, die er nicht verurteilt.

„Durch das Credo wird Jago in der Oper zweifelsohne etwas von seiner Ambiguität genommen, er wird schwärzer, böser, dadurch fassbarer und – operntauglicher.“ Und er wird Teil einer religiösen Struktur, die die Gesamthandlung durchzieht und von Noble aufgenommen und auch in diesem Sinne bebildert wird: Desdemona bekommt zum Beispiel in ihrer Reinheit die ikonographische Position der Madonna, der Sturm am Beginn etwas vom Jüngsten Gericht, wie Andreas Láng die kommende Neuproduktion beschreibt. Die Handlung von Otello wird in der Inszenierung von Adrian Noble und seinem Ausstatter an den Beginn des 20. Jahrhunderts verlegt, die Atmosphäre des Schauplatzes ist geprägt vom Gegensatz der venezianischen Besatzer auf der einen Seite und der lokalen (zum Teil muslimischen) Bevölkerung auf der anderen. So werden vor dem Hintergrund des Kolonialismus die Spannungen zwischen den fremden Machthabern und den ansässigen Beherrschten deutlich herausgearbeitet.

Für das Lichtdesign zeichnet, wie bereits in Adrian Nobles Staatsoperninszenierungen von Alcina und Hänsel und Gretel, Jean Kalman verantwortlich

Die Besetzung

In der Titelpartie ist Aleksandrs Antonenko zu erleben. Der weltweit gefragte lettische Tenor debütierte 2006 als Des Grieux (Manon Lescaut) an der Wiener Staatsoper und sang hier weiters noch Hermann (Pique Dame), Otello, Cavaradossi (Tosca) und Dick Johnson (La fanciulla del West) – der neue Otello ist seine erste Premierenproduktion am Haus.

Angesprochen auf das Erste, was ihm bei Otello ins Auge sticht, antwortet er im Gespräch mit Oliver Láng für den „Prolog“: „Die Liebe, die sehe ich zweifellos als Allererstes. Unbedingt! Natürlich erblicke ich auch vieles andere, aber an erster Stelle steht für mich in dieser Oper die Liebe. Als zweites dann aber gleich die Eifersucht. Diese beiden hängen bei Otello eng zusammen: die zentralen Emotionen, aus denen sich die Handlung des Otello speist“. Auf die Frage, ob Otello Desdemona zu wenig oder zu viel liebt, äußert er sich wie folgt: „Ich weiß nicht, ob man das einfach so beantworten kann. Er liebt sie sehr, das ist eine Tatsache. Dass er sie umbringt, weil er denkt, dass sie ihn betrügt: das ist eine andere Sache. Es geht ihm da auch, und er scheint hier wie ein Priester, darum, dass ihre Seele nicht verloren gehen soll. Wir dürfen nie vergessen: Otello ist eine Geschichte aus dem 16. Jahrhundert, Shakespeare brachte sie Anfang des 17. Jahrhunderts heraus; und dann wurde sie durch die Brille von Verdi, also aus dem 19. Jahrhundert, betrachtet. Wobei: Das Thema ’funktioniert’ so und so: Denn es sind zeitlose Themenstellungen und Motivationen, die wir erleben: Eifersucht und Neid. Das ist nicht etwas, was es nur in einer Epoche gegeben hätte. Daher können wir die Otello-Geschichte auch heute verstehen und sie ist ebenso aktuell, wie sie es zu Zeiten Shakespeares oder Verdis war. Nur sind die Umstände anders ausgestaltet. Ich weiß nicht, wie die Geschichte im Handy-Zeitalter verlaufen wäre …“

Die Desdemona verkörpert die international gefragte Staatsopern-Ensemblesängerin Olga Bezsmertna – sie ist dem Publikum des Hauses am Ring durch unzählige Auftritte, u. a. als Contessa d’Almaviva (Le nozze di Figaro), Rusalka, Tatjana (Eugen Onegin), Pamina (Die Zauberflöte), Mimì (La Bohème) und Rachel (La Juive) bestens bekannt. Die Desdemona verkörperte sie im Haus am Ring bereits 2017; Otello ist nun nach Ariadne auf Naxos (als Echo), Armide (als Phénice), Pelléas et Mélisande (als Mélisande) und zuletzt Dantons Tod (als Lucile) ihre fünfte Staatsopernpremiere.

Ihre ersten Gedanken zu Otello betreffen die „unglaubliche Musik. Ich stelle mir immer aufs Neue die Frage, wie Verdi das in seinem Alter, nach so einem reichen Schaffen zuvor, gelingen konnte? Otello war ja anfangs nicht unbedingt sein Lieblingsprojekt – und dann diese Musik! Mit so viel innerer Kraft. Und Spannung. Und Intensität. Natürlich kommt in dem Stück vieles vor, Liebe, Leidenschaft, Eifersucht. Aber die Musik, sie umfasst das alles und macht es zu einem Ganzen. Daher steht sie für mich immer im Vordergrund und auf sie fällt mein erster Blick. Damit meine ich nicht einmal nur meine Partie, sondern die gesamte Oper.“ Ihre Desdemona sieht sie in der Charakter-Farbigkeit komplementär zu Jago: „Sie ist ja engelsgleich. Das ist sie einfach!“, wie sie im Gespräch mit Oliver Láng bemerkt.

Als Jago gibt der aus Weißrussland stammende Bariton Vladislav Sulimsky sein Debüt im Haus am Ring. Er wurde 2004 Solist des Marrinskij-Theaters und gastierte bisher weiters u.a. in Malmö, Stockholm, Baden-Baden, am Theater an der Wien, in Moskau, Basel, Edinburgh, Paris, Madrid, Turin und Berlin sowie bei den Salzburger Festspielen.

In den weiteren Partien sind die Staatsopern-Ensemblemitglieder Margarita Gritskova als Emilia (Rollendebüt am Haus), Jinxu Xiahou als Cassio, Leonardo Navarro als Roderigo, Jongmin Park als Lodovico (anstelle von Ryan Speedo Green, Rollendebüt am Haus) und Manuel Walser als Montano (Rollendebüt am Haus) zu erleben; die Bianca verkörpert Katharina Billerhart.

Es spielen das Orchester der Wiener Staatsoper sowie das Bühnenorchester der Wiener Staatoper, es singen der Chor und der Extrachor der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Thomas Lang sowie die Kinder der Opernschule der Wiener Staatsoper.

Otello im Livestream, im Radio sowie am Wiener Rathausplatz.  Die Premiere am 20. Juni 2019 wird mit WIENER STAATSOPER live at home weltweit live in HD übertragen (www.staatsoperlive.com) sowie ab 19.30 Uhr live-zeitversetzt auf Radio Ö1 (+ EBU) ausgestrahlt.

Die Vorstellung am 30. Juni 2019 wird ab 21.30 Uhr live-zeitversetzt im Rahmen des Film Festivals auf den Wiener Rathausplatz übertragen.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Graz, Musikverein für Steiermark, Belcanto-Gala mit PIOTR BECZALA , 25.06.2019

Juni 13, 2019  
Veröffentlicht unter Konzert, Musikverein Graz, Oper, Pressemeldung

Musikverein Graz

Musikverein Graz / Stephaniensaal © Robert Illemann

Musikverein Graz / Stephaniensaal © Robert Illemann

Belcanto-Gala mit  Maria Mudryak und Piotr Beczala

Am 25.06.2019 findet das große Saisonfinale statt, das im Rahmen einer Belcanto-Gala mit Starbesetzung gefeiert wird. Mit diesem Anlass wird auch unser Generalsekretär Dr. Michael Nemeth für sein 10-jähriges Jubiläum als künstlerischer Leiter des Musikvereins gewürdigt.

Musikverein Graz – Imagefilm
youtube Trailer Musikverein Graz
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Musikverein Graz / Grazer Philharmoniker © Robert Illemann

Musikverein Graz / Grazer Philharmoniker © Robert Illemann

10. FESTKONZERT
Di 25.06.2019 
Sempre libera! | Belcanto-Gala
Uhrzeit: 20:00 Uhr
Ort: Stefaniensaal

FRANCESCO CIAMPA
GRAZER PHILHARMONIKER
MARIA MUDRYAK Sopran
PIOTR BECZALA Tenor
Arien und Duette von Verdi, Gounod, Puccini u.a.

Musikverein Graz / Maria Mudryak © Victor Santiago

Musikverein Graz / Maria Mudryak © Victor Santiago

Musikverein Graz / Piotr Beczala © Jean-Baptiste Millot

Musikverein Graz / Piotr Beczala © Jean-Baptiste Millot

Belcantofest zum Saisonfinale

Der Musikverein bietet zum Saisonschluss ein Glanzlicht auf. Die große Welt der Oper findet Einzug in den Stefaniensaal, wenn Arien und Duette von Giuseppe Verdi, Charles Gounod, Giacomo Puccini u.a. erklingen werden. Gestaltet wird der Gala-Abend von der jungen, kasachisch-italienischen Sopranistin Maria Mudryak sowie Kammersänger Piotr Beczala, welcher Anfang des Jahres für sein Tosca-Debüt an der Wiener Staatsoper als„großer Gestalter im italienischen Repertoire“ (Kurier) bezeichnet wurde. Begleitet werden die Künstler von denGrazer Philharmonikern unter der Leitung des italienischen Dirigenten Francesco Ciampa.


VORSCHAU LIEDERABEND
mit Piotr Beczala am 13. Oktober 2019.
„Bei diesem Liederabend geht es um die Liebe, die auf mannigfaltige Art und Weise ausgedrückt werden kann. Helmut Deutsch und ich bringen Ihnen diese Emotionen durch die Musik aus unterschiedlichen Kulturkreisen und in verschiedenen Sprachen näher. Ich freue mich auf Sie!“ (Piotr Beczala)


TRADITION UND INNOVATION  
10 Jahre Generalsekretariat Dr. Michael Nemeth

„Seit 10 Jahren leitet Dr. Michael Nemeth als Generalsekretär den Musikverein und somit im Besonderen die Programmgestaltung und Gesamtorganisation dieser für unser Land so wichtigen Kulturinstitution. Es ist ihm und seinem kompetenten Team gelungen, wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen und neue Bereiche entsprechend des Gründungszwecks von 1815 zu eröffnen.“

Dr. Franz Harnoncourt-Unverzagt
Präsident des Musikvereins

Musikverein Graz / Michael Nemeth © Oskar Schmidt

Musikverein Graz / Michael Nemeth © Oskar Schmidt


—| Pressemeldung Musikverein Graz |—

 

Lilienfeld, Stift Lilienfeld, La Traviata – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 09.06.2019

 

 Stiftskirche Lilienfeld © Marcus Haimerl

Stiftskirche Lilienfeld © Marcus Haimerl

Stift Lilienfeld

La Traviata – Giuseppe Verdi

Große Oper im Dormitorium des Stift Lilienfeld

von Marcus Haimerl

Oper in der Krypta gastierte mit Giuseppe Verdis zur Erfolgstrias von 1851/53 zählender Oper La Traviata im Stift Lilienfeld. Das in Österreich zwischen St. Pölten und dem Wallfahrtsort Mariazell liegende Zisterzienserstift, eine Stiftung von Herzog Leopold VI. (1176 – 1230) aus der Familie der Babenberger – heute die größte erhaltene zisterziensische Klosteranlage in Mitteleuropa – beherbergt eine kostbare Kreuzesreliquie.

Der Orden selbst geht auf das Kloster Cîteaux (lat.: Cistercium) zurück, das 1098 in Burgund gegründet wurde. Die zwischen 1202 und 1263 errichtete romanisch-gotische Kirche gilt mit ihren 83 Metern Länge als größte Kirche Niederösterreichs. Die heutige Inneneinrichtung stammt aus der Barockzeit. Da das Stift an der Via Sacra, dem traditionellen Wallfahrerweg zwischen Wien und Mariazell, liegt, wurde das Hauptschiff als heilige Straße gestaltet, die in Richtung Hochaltar mehr und mehr an Goldglanz zunimmt.

Stift Lilienfeld / La Traviata - v.l. Daniel Valero, Calon Danner, Pavel Kvashnin, Chor, Alexandra Matloka, Dana Hammett © Marcus Haimerl

Stift Lilienfeld / La Traviata – v.l. Daniel Valero, Calon Danner, Pavel Kvashnin, Chor, Alexandra Matloka, Dana Hammett © Marcus Haimerl

Im unglaublich beeindruckenden, mittlerweile als Veranstaltungsraum genutzten Dormitorium, konnte das Publikum Giuseppe Verdis Meisterwerk erleben, welches in derselben Regie des künstlerischen Leiters von Oper in der Krypta, Joel A. Wolcott, rund ein Jahr zuvor seine Premiere erlebte. Das Publikum in Lilienfeld erlebte die Geschichte um die schwindsüchtige Kurtisane Violetta Valéry in der der gleichen Frische wie die Wiener ein Jahr zuvor. Für die Umsetzung der Handlung benötigt Joel A. Wolcott wenig Ausstattung und konzentriert sich dabei stark auf die hervorragenden Singschauspieler: Ein Tisch, ein Sofa und zwei Sessel sind ausreichend, um das Liebesdrama von Violetta und Alfredo glaubhaft auf die Bühne zu bringen.

Ergänzt wird das Bühnenbild um Projektionen an die Rückwand des Dormitoriums, die den jeweiligen Handlungsort veranschaulichen. Ein besonders starkes Bild ist die Projektion im dritten Akt: Man sieht eine Taschenuhr, die inmitten abgefallener Blütenblätter fünf Minuten vor 12 Uhr anzeigt; man versteht die Anspielung auf die im Sterben liegende Kameliendame, jenes Romans Alexandre Dumas d.J., der den Rahmen der Handlung für Giuseppe Verdis Meisterwerk bildete.

Joel A. Wolcott lässt bereits in der Ouvertüre, die von der japanischen Pianistin Mami Tsukio hervorragend am Klavier interpretiert wird, drei Protagonisten auftreten. Violetta Valéry wird hintereinander von Gastone und vom Barone Douphol zum Tanz aufgefordert. Dieser Kreis wird sich im Vorspiel zum dritten Akt schließen, wenn sich Violetta, im Fiebertraum und dem Tode nahe, noch einmal von unsichtbaren Herren der Gesellschaft zum Tanzen auffordern lässt.

Père Lachaise / Alphonsine Plessis - Kameliendame im wahren Leben : die Violetta der Oper © IOCO

Père Lachaise / Alphonsine Plessis – Kameliendame im wahren Leben : die Violetta der Oper © IOCO

Die amerikanische Sopranistin Dana Hammett debütierte 2018 bei Oper in der Krypta als ebenso leidenschaftlich liebende wie leidende Kurtisane Violetta und überzeugte mit ihrem wunderschönen, höhensicheren Sopran und starker Mittellage nunmehr auch das niederösterreichische Publikum. Sie berührt intensiv in den lyrischen Passagen der Partie, weiß aber auch in den dramatischen Ausbrüchen die innere Zerrissenheit der Figur musikalisch zu gestalten. Ihre leidenschaftliche Verkörperung dieser tragischen Frauengestalt hinterlässt beim Publikum tiefen Eindruck.

Als ihr leidenschaftlicher Liebhaber Alfredo Germont überzeugt der russische Tenor Pavel Kvashnin, der mit der intensiven Strahlkraft seines kräftigen Tenors das Dormitorium mühelos füllen konnte. Neben der Leichtigkeit, mit der der junge Künstler die Höhen seiner Partie meisterte, war auch die leidenschaftliche schauspielerische Leistung enorm. So konnte man Pavel Kvashnin die Tragik seiner Figur zum Teil schon im Gesicht ablesen.

Als sittenstrenger Vater Giorgio Germont erlebt man den österreichische Bassbariton Florian Pejrimovsky. Durch zahlreiche Auftritte als Scarpia (Puccini Tosca), Rigoletto (Verdi Rigoletto), Colline (Puccini La Bohème) oder als Gefängnisdirektor Frank (Strauss Die Fledermaus), ist er beim Publikum der Krypta in der Wiener Peterskirche ebenso bekannt wie beliebt. Auch in Lilienfeld ist er kein Unbekannter, ist er dort doch Chorleiter des Stiftschores. Florian Pejrimovsky versteht es, mit seinem großen, intensiven Bassbariton Eindruck zu hinterlassen und dominiert mit seiner Stimme ebenso problemlos den Saal. Aus den gemeinsamen Szenen zwischen Bassbariton und Tenor wird hier beinahe ein Kampf der Giganten. Aber auch die leisen Töne sind dem Ausnahmekünstler nicht fremd. Und gerade diese leisen Szenen sind es auch, die Florian Pejrimovsky unglaublich stark darzustellen vermag: Die Zerrissenheit zwischen der harten Schale und dem weichen Kern, zwischen gesellschaftlichen Konventionen und Verständnis für die über gesellschaftliche Zwänge hinausgehende, ehrliche Liebe.

Ebenso erstklassig – um nicht zu sagen luxuriös – sind die kleineren Partien besetzt:
Die französische Sopranistin Alexandra Matloka singt nicht nur die Rolle von Violettas Freundin Flora Bervoix, sondern ist auch jene der Vertrauten und Dienerin Annina. Beide Rollen werden von Alexandra Matloka mit ihrem schönen lyrischen Sopran und ihrer mitfühlenden Darstellung exzellent verkörpert.

Stift Lilienfeld / Traviata - hier : Ensemble, links Karen de Pastel_rechts Buergermeister Wolfgang Labenbacher © Marcus Haimerl

Stift Lilienfeld / Traviata – hier : Ensemble, links Karen de Pastel_rechts Buergermeister Wolfgang Labenbacher © Marcus Haimerl

Um einer kleinen Partie große Bedeutung zu verleihen, braucht man den österreichischen Tenor Calon Danner. Mit seinem schön geführten Tenor und seinem sympathischen, manchmal fast spitzbübischen Charme, lässt Calon Danner in der Partie des Gastone musikalisch und darstellerisch keinerlei Wünsche offen. Auf gleich hohem Niveau erlebt man den jungen mexikanischen Bariton Daniel Valero in der Rolle des Barone Douphol. Mit schönem, vollklingenden Bariton und intensivem Spiel konnte Daniel Valero das Publikum für sich einnehmen. Zum Chor, bestehend aus den beiden wohl disponierten Sopranistinnen Baharan Baniasadi und Natalia Leal, gesellten sich für den ersten Akt auch Statisten aus dem Publikum, die die Bühne als Gäste von Violetta Valérys Fest bereichern.

Die musikalische Leitung lag in den bewährten Händen der bereits zuvor erwähnten japanischen Pianistin Mami Tsukio. Mit ihrem leidenschaftlichen, sehr differenzierten Klavierspiel weiß sich die Künstlerin als hervorragende Begleiterin, die die Stimmen der Sänger mühelos trägt und kann außerdem auch in den Vorspielen zum ersten und dritten Akt ihre Qualitäten als Solistin unter Beweis stellen.

Unter den rund 200 Gästen in Lilienfeld befanden sich als Vertreter des Stiftes Frater, Dr. Michael Vurglics, der gastfreundliche, sympathische Vertreter der Stadt, Bürgermeister Wolfgang Labenbacher mit Gattin, und die Titular-Stiftsorganistin der Stiftsbasilika, Karen de Pastel. Erfreut bedachten sie alle die Künstler für die wirklich gelungene Vorstellung mit Standing Ovations und langanhaltendem Applaus. Dank des großen Erfolges dieses Gastspiels wird Oper in der Krypta im kommenden Jahr mit der Erfolgsproduktion Tosca von Giacomo Puccini ins Stift Lilienfeld zurückkehren.

Kulturbegeisterte müssen aber keineswegs solange warten: Der Traviata folgt bereits am 30. Juni 2019 das Eröffnungskonzert der 38. Sommerakademie Lilienfeld: Karen de Pastel, ihres Zeichens nicht nur Stiftsorganistin, sondern auch Präsidentin der Sommerakademie und Leiterin des Internationalen Kultursommers Lilienfeld wird Ein deutsches Requiem, op. 45, von Johannes Brahms, präsentieren. Das interessierte Publikum kommt also in jedem Fall in Lilienfeld, das unglaublich viele musikalische Höhepunkte präsentieren kann, niemals zu kurz.

—| IOCO Kritik Stift Lilienfeld |—

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