Linz, Landestheater Linz, Musical Betty Blue Eyes – George Stiles, IOCO Kritik, 26.05.2018

Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

BETTY BLUE EYES – Das Musical mit dem Schwein – George Stiles

Von Marcus Haimerl

Im Jahr 1947 ist das Nachkriegs-England geprägt von Lebensmittelknappheit und Arbeitslosigkeit und die BBC verkündet nicht nur die bevorstehende Vermählung von Prinzessin Elizabeth und Philip Mountbatten, sondern auch eine weitere Verschärfung der Lebensmittelrationierungen.

Das Ernährungsministerium schickt Inspektor Wormold in das beschauliche Städtchen Shepardsford, um die Rationalisierungsmaßnahmen zu überprüfen. Der örtliche Fußpfleger Gilbert Chivers leidet nicht nur unter der Lebensmittelknappheit, sondern auch unter seiner Gattin, der nach Höherem strebenden Joyce und den Gemeinheiten seiner Schwiegermutter. Sein größter Wunsch – ein Laden am Platz – wird ihm von den drei Herren vom Stadtrat, dem Arzt Swaby, dem Steuerberater Allardyce und dem Anwalt Lockwood versagt. Kurzerhand beschließt das Ehepaar Chilvers das illegal gemästete Schwein der drei Herren, welches bei einem Bankett anlässlich der Vermählung von Prinzessin Elisabeth mit Philip Mountbatten verspeist werden sollte, zu entführen. Und hier beginnt der eigentliche Wahnsinn.

Landestheater Linz / Betty Blue Eyes -hier : Ensemble zur Hochzeit von Prinzessin Elizabeth und Lord Mountbatten © Reinhard Winkler

Landestheater Linz / Betty Blue Eyes -hier : Ensemble zur Hochzeit von Prinzessin Elizabeth und Lord Mountbatten © Reinhard Winkler

Das von Allardyce liebevoll nach der Thronfolgerin Betty getaufte Schwein ist nicht totzukriegen und die Klavierschülerin Veronica verrät dem Stadtrat das Versteck. Was Gilbert nicht gelang, soll Fleischhauer Nutall gleich im Haus erledigen und als beim lang ersehnten Bankett „Schwein royal en croute“ auf den Tisch kommt, taucht Insepektor Wormold auf und entlockt der Gesellschaft eine Menge Geständnisse…

Basierend auf dem Handmade-Film A Private Function („Magere Zeiten“) mit Maggie Smith und Michael Palin schufen George Stiles (Musik), Anthony Drewe (Gesangstexte), Ron Cowen und Daniel Lipman (Buch) ein Erfolgsmusical, welches im Februar im Linzer Musiktheater die deutsche Erstaufführung feierte. Der deutsche Regisseur Christian Brey setzte das Stück in Szene, Bühne und Kostüme lagen in Händen von Anette Hachmann, die für diese Produktion eine Drehbühne mit einer Collage aus Werbeplakaten schuf. Das 2011 in London uraufgeführte Musical besticht durch sehr eingängige Swing- und Ragtime-Melodien, welche von der Band Black Beauty and Friends unter der musikalischen Leitung von Tom Bitterlich schwungvoll dargebracht werden. Zu eben jenen Ohrwürmern zählen unter anderem „Zauberhände“, Betty Blue Eyes und bei „Schwein, kein Schwein“ kann vor allem April Hailer (Mutter) mit einer großen Portion Slapstick richtig punkten. Neben ihr gehen die meisten Lacher auch an Riccardo Greco als leicht verhaltensgestörter Fleischinspektor Wormold. Kristin Hölck (Joyce Chilvers) begeistert mit ausdrucksstarker Stimme ebenso wie der unter ihrem Pantoffel stehende Gatte Rob Pelzer (Gilbert Chilvers).

Landestheater Linz / Betty Blue Eyes - hier : Ensemble © Reinhard Winkler

Landestheater Linz / Betty Blue Eyes – hier : Ensemble © Reinhard Winkler

Großartige Leistung auch vom restlichen Ensemble, allen voran Jonathan Agar als Steuerberater Henry Allardyce und Peter Lewys Preston als Anwalt Francis Lockwood, sowie Christian Fröhlich als Fleischhauer Nuttall und Ariana Schirarsi-Fard (Mrs. Metcalf, Mrs. Tillbrook). Das entzückende, mit großen Augen klimpernde Schwein Betty (Puppe) wurde von der Schauspielerin Lynsey Thurgar gekonnt bedient.

Das Publikum zeigte sich begeistert und für Fans dieses schweinischen Musicals erschien gerade die CD dieser Produktion mit allen Hits. Es ist dies die dritte Produktion nach Tommy (von The Who) und Ghost – Nachricht von Sam.

Betty Blue Eyes am Landestheater Linz:  Weitere Vorstellungen  26.5.; 27.5.; 5.6.; 6.6.; 8.6.; 10.6.; 11.6.; 16.6.2018 und merh….

—| IOCO Kritik Landestheater Linz |—

Innsbruck, Tiroler Landestheater, RIENZI – Frühoper von Richard Wagner, IOCO Kritik, 26.5.2018

Tiroler Landestheater und Symphonieorcheter Innsbruck

Tiroler Landestheater Innsbruck © Landestheater

Tiroler Landestheater Innsbruck © Landestheater

RIENZI  –  Richard Wagner

– Tödliche Unentschiedenheit –

Von Hanns Butterhof

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

An Gefahr und höchster Not ist in Richard Wagners früher Oper Rienzi wahrhaft kein Mangel. Die mörderische Anarchie fürstlicher Geschlechter im Rom des 14. Jahrhunderts bringt als Retter den populistischen Tribunen Rienzi hervor. Ihm bringt in der Aufführung des Tiroler Landestheaters Innsbruck seine Unentschiedenheit zwischen persönlichen und politischen Motiven, zwischen republikanischen Idealismus und narzisstischer Machtgier den Tod. Tödlich ist die Unentschiedenheit auch für den adeligen Adriano, der zwischen der Liebe zu Rienzis Schwester Irene und der Loyalität seiner Familie gegenüber schwankt. Er ist die anrührendste Figur der Oper.

In Innsbruck spielt der sinnvoll auf dreieinviertel Stunden eingekürzte Rienzi in einer unbestimmten Gegenwart. Thomas Döfler hat dafür eine sehr bewegliche, rasche Umbauten erlaubende Bühne gebaut. Mit der Anlehnung an sich gegenüberstehende Burgen der Adelsfamilien drückt sie ebenso die Zerfallenheit Roms in Adel und Plebejer aus, wie sie mit Prunktreppe den Aufstieg zum römischen Kapitol und die Machtarchitektur des faschistischen Italien zitiert. In die Gegenwart weisen auch die abwechslungsreichen Kostüme Antje Adamsons, die das Volk mal in grauer Arbeitskluft, mal im Feststaat, die Adelsfamilien als Mafia-Clans im Maßanzug und Rienzi zunehmend prächtiger gekleidet zeichnet.

Tiroler Landestheater Innsbruck / Rienzi von Richard Wagne -  hier : Rienzi im Machtwahn, Marc Heller und Statisterie © Tiroler Landestheater Innsbruck

Tiroler Landestheater Innsbruck / Rienzi von Richard Wagne – hier : Rienzi im Machtwahn, Marc Heller und Statisterie © Tiroler Landestheater Innsbruck

Regisseur Lukas Beikircher hat nicht nur das Museale, sondern auch die Aktualisierung mit Warlords oder Populisten vermieden, zu naheliegend ist Rienzi eine politische Figur von heute. Er ist der starke Mann, der wieder Ordnung im Staat schafft und dem Gesetz wieder zu Geltung verhilft.

Dass ein solcher Mann notwendig ist, steht nach den ersten Szenen der Oper außer Frage. Die beiden herrschenden Adelsgeschlechter Roms, die Colonna und Orsini, machen, was sie wollen. Sie streiten darum, wer von ihnen Irene (Josefine Weber), die Schwester Rienzis, entführen und vergewaltigen darf. Erst der schon im Habit eines Revolutionärs mit umgehängten Patronengurten vom Volk erhobene Rienzi (Marc Heller) vermag sie von ihrem schändlichen Tun abzubringen. Dass die beiden Clans die Stadt verlassen, um ihre Streitigkeiten vor den Toren auszutragen, nützt Rienzi, gestützt auch vom päpstlichen Legaten (Unnsteinn Árnason), zum Aufstand.

Seinen Untergang bereitet er selber mit einem politischen Fehler vor. Er schließt Frieden mit den Adeligen, die aber nicht im Traum daran denken, sich der Republik zu ergeben. Vielmehr versuchen sie, Rienzi bei der Friedensfeier zu ermorden, und greifen, nachdem er sie gegen den Volkswillen begnadigt hat, Rom an. Für die großen Verluste der Verteidiger gibt das Volk Rienzi die Schuld. Die zusätzlich durch Verleumdung aufgewiegelten Massen, die verletzt und unzufrieden vor dem Kapitol lagern, setzen den Regierungssitz in Brand und steinigen den auch von der Kirche verlassenen Tribun. Im Sterben verflucht Rienzi nicht sein undankbares, wankelmütiges Volk, sondern kündigt prophetisch seine Wiederkehr an – wie hat er recht.

Tiroler Landestheater Innsbruck / Rienzi von Richard Wagner - hier : Rienzi und Irene, immer Seite an Seite, Marc Heller und Josefine Weber © Tiroler Landestheater Innsbruck

Tiroler Landestheater Innsbruck / Rienzi von Richard Wagner – hier : Rienzi und Irene, immer Seite an Seite, Marc Heller und Josefine Weber © Tiroler Landestheater Innsbruck

Doch Beikirchner will Rienzi deutlich nicht als Helden darstellen, dessen politische Wiedergänger gar erhofft wären. So zieht er schon zur Ouvertüre eine zweite, psychologische Ebene ein, die zum Einverständnis mit Rienzis Sturz führen soll. Eine stumme, von Wagner nicht vorgesehene Szene wirft ein trübes Licht auf seine Antriebe. Erstrebte er einmal die Macht, um seinen Bruder rächen zu können, der von einem Mitglied der Colonna-Sippe ermordet wurde, so hat dieser Mord nur die Schleusen seiner manifesten Machtgier geöffnet. Riesengroß wirft eine Projektion Napoleons im purpurnen Herrscher-Ornat mit dem goldenen Cäsaren-Lorbeer auf dem Haupt ihren Schatten auf Rienzi, und noch im Untergang rafft er Lorbeerkranz und Purpurmantel an sich. Die Inszenierung nimmt so die Perspektive der Verleumdung ein, die schließlich zu Rienzis Sturz führt.

Es braucht den ersten, überhaupt etwas sperrig die Situation eröffnenden Akt, bis der amerikanische Tenor Marc Heller mit festem, männlichen Heldentenor trotz seiner Anfechtungen durch die Machtgier von seinem republikanischem Idealismus überzeugt. Die anstrengende Partie gipfelt in seinem hymnischen, zu Herzen gehenden Gebet „Allmächt’ger Vater“  im letzten Akt.

Josefine Weber als Rienzis Schwester Irene steht mit jugendlich strahlendem Sopran allzeit fest an der Seite ihres Bruders und wird auch durch ihre Liebe zu dem jungen Colonna-Sprössling Adriano in ihrer Treue nicht schwankend. Am Ende teilt sie Rienzis schauriges Schicksal.

Tiroler Landestheater Innsbruck / Rienzi von Richard Wagner - hier : Rienzi, Marc Heller und Statisterie © Tiroler Landestheater Innsbruck

Tiroler Landestheater Innsbruck / Rienzi von Richard Wagner – hier : Rienzi, Marc Heller und Statisterie © Tiroler Landestheater Innsbruck

Adriano, den Jennifer Maines darstellerisch und gesanglich mit beweglichem Mezzo begeisternd gibt, ist die interessanteste Figur der Oper, der die Regie auch besondere Aufmerksamkeit widmet. Anfangs stellt sich Adriano nur als Liebender, wenn auch mit wenig Wirkung, schützend vor Irene, als sie von seinem Clan und den Orsinis entführt werden soll. Dann lässt er sich von Rienzi als Anhänger der Republik gewinnen, wodurch er in schroffen Gegensatz zu seiner Familie, besonders zu seinem Vater Steffano Colonna (Johannes Maria Wimmer), gerät. Diesen Loyalitätskonflikt hält er nicht aus und beklagt ihn in der ergreifendsten Arie der Oper „Gerechter Gott“. Seine ständigen Versuche, zwischen allen Parteien zu vermitteln, scheitern an der starren Arroganz des Adels, vor allem seines unversöhnlichen Vaters. Als dieser bei dem gescheiterten Angriff auf die Republik getötet wird, wechselt Adriano wieder die Seite. Er wiegelt das Volk mit der Verleumdung auf, Rienzi habe die Republik zur Sicherung der eigenen Macht an den Adel verraten. Als er am Ende doch aus Liebe wieder zu Irene zurückkehrt, stirbt er in den Flammen des Kapitols, das die empörten Massen in Brand gesetzt haben – ihm bringt seine Unentschiedenheit den Tod.

Zunehmend zieht die von der Regie differenziert gestaltete Geschichte um den letzten römischen Tribun und seinen Fall in ihren Bann, ihre dreieinviertel Stunden vergehen wie im Flug. Doch es ist, als wolle die Regie mit den Motiven Rienzis, die ihn zwar menschlicher, aber nicht sympathischer erscheinen lassen, auch sein politisches Anliegen diskreditieren. Das aber wird von Text und Musik der Oper nicht wirklich gestützt, die das verführbare, wankelmütige Volk, nicht ihren Tribunen kritisiert.

Im Rienzi zeigt sich Wagner schon weit auf dem Weg zur späteren Meisterschaft. Allenthalben sind Anklänge an den Holländer, an Lohengrin und Tannhäuser zu vernehmen. Seine musikalischen Techniken sind bereits hoch entwickelt, Chor, Extra- und Kinderchor des Landestheaters (Einstudierung: Michel Roberge) demonstrieren seine Fähigkeiten beim Umgang mit den Chören beeindruckend.

Lukas Beikircher dirigiert souverän das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, das allen melodischen Glanz Wagners entfaltet, die irisierenden Streicherpartien und die merkwürdig prä-wilhelminisch anmutenden Märsche, und nicht zuletzt mit dem donnernden Katastrophenfinale zu brennendem Kapitol überwältigt.

Stimmlich ist die Oper bis in die Nebenrollen ausgewogen gut besetzt, von Johannes Mario Wimmer als stolzem Steffano Colonna und Joachim Seipp als seinem aufbrausenden Standes- Pendant Paolo Orsini über Unnsteinn Árnason als päpstlichem Legat Raimondo bis zu Florian Stern und Alec Avedissian als den verführbaren römischen Bürgern Baroncelli und Cecco del Vecchio.

Der begeisterte Schlussapplaus des Premierenpublikums galt neben Marc Heller, Josefine Weber, Michel Roberge mit seinen Chören und Lukas Beikircher mit dem Tiroler Symphonieorchester Innsbruck vor allem Jennifer Maines für ihren bewegt bewegenden Adriano.

Rienzi am Tiroler Landestheater: Die nächsten Termine: 27.5., 3., 10. und 17.6. 2018, jeweils um 18.00 Uhr.

—| IOCO Kritik Tiroler Landestheater |—

Linz, Landestheater Linz, Premiere TOD IN VENEDIG – BENJAMIN BRITTEN, 19.05.2018

Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

DEATH IN VENICE  von  BENJAMIN BRITTEN

Text von Myfanwy Piper nach der gleichnamigen Novelle von Thomas Mann
In englischer Sprache mit Übertiteln
Koproduktion mit der Opéra Nice Côte d’Azur und dem Theater Bonn

Premiere Samstag, 19. Mai 2018, 19.30 Uhr, weiteren Vorstellungstermine: 22., 25. Mai; 1., 7., 19. Juni; 2., 6. Juli 2018


ZUM STÜCK


Thomas Manns Novelle Der Tod in Venedig aus dem Jahr 1911 gehört zweifelsohne zu den Höhepunkten der deutschen Literatur. Das Schicksal des alternden Dichters Gustav Aschenbach, der im von der Cholera heimgesuchten Venedig auf den schönen Knaben Tadzio trifft und sich in ihn verliebt, transportiert viel von Thomas Manns eigener Lebenssituation. Gleichzeitig lässt sich diese Geschichte aber auch als Abgesang auf die europäische Kultur am Vorabend des Ersten Weltkrieges lesen. Es ist diese spannende Mischung aus Realem und Fiktionalem, aus dunklem Triebhaften und klarer Rationalität, aus interpretatorischer Varianz und sprachlicher Eleganz, die an Manns Novelle immer wieder aufs Neue fesselt.

Benjamin Britten Denkmal  am Strand seiner Heimatstadt  Aldeburgh  © IOCO

Benjamin Britten Denkmal am Strand seiner Heimatstadt Aldeburgh © IOCO

Somit verwundert es nicht, dass es ausgerechnet der Komponist Benjamin Britten war, der aus diesem Stoff eine Oper machte. Denn auch Britten war Zeit seines Lebens nachgerade besessen von dem Gedanken an die Faszination und die Bedrohung kindlich-jugendlicher Unschuld. Und so schuf er mit seiner letzten Oper Death in Venice eines seiner dichtesten und dramaturgisch innovativsten Werke. Dabei fasst Britten die seelischen Verunsicherungen, die Aschenbach durch die Begegnung mit Tadzio erfährt, in eine Tonsprache, die ebenso konzentriert wie emotional bewegend ihre Wirkung nicht verfehlt. Tonsprache, die ebenso konzentriert wie emotional bewegend ihre Wirkung nicht verfehlt.

Unter dem Strich wirft Thomas Manns Erzählung Der Tod in Venedig mehr Fragen auf, als sie beantwortet, worin nicht zuletzt ihr Rang und ihr Reiz mitbegründet liegen. So mag man bei der Lektüre dieser Erzählung mutmaßen, ob der glückliche Ehemann und Respekt einflößende Familienvater Thomas Mann mit Der Tod in Venedig seine Homosexualität öffentlich gemacht hat.

War Thomas Mann also schwul? Darüber haben sich etliche Biografen und Exegeten den Kopf zerbrochen, ohne eine eindeutige Antwort zu erhalten. Eine mögliche These hierzu könnte lauten, dass Thomas Mann nicht homosexuell war, sondern sich nur von schönen jungen Knaben angezogen fühlte. Auch diese Aussage klingt platter und banaler, als sie in Wirklichkeit ist.

Von solch einer homoerotischen Sichtweise einmal abgesehen, kann man Thomas Manns Novelle Tod in Venedig, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs entstanden ist, aber auch als einen prophetisch anmutenden Abgesang auf die europäische Kultur lesen – eben sinnbildlich dargestellt am Leidensweg eines kultivierten Dichters, der sich selbst immer mehr den dunklen Mächten eines dionysischen Chaos überantwortet.

Oder man kann die Erzählung als allgemeingültige Parabel über das Hinterfragen oder gar Scheitern von selbst gewählten Lebensentwürfen verstehen. Denn Der Tod in Venedig ist auch die Geschichte eines Menschen, der gegen Ende seines Lebens bemerken muss, dass er vielleicht in den zurückliegenden Jahren manche Weiche in seiner Biografie falsch gestellt hat. Im Falle von Aschenbach besteht die Tragik darin, dass er dies eben zu spät erkennt. Somit kann man Thomas Manns Der Tod in Venedig auch als eine Aufforderung begreifen, sich selbst und seine Vorstellungen vom Leben immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, um dann gegebenenfalls eine neue Richtung einzuschlagen, bevor es zu spät ist. Insofern kommt Thomas Mann in seiner Novelle zu derselben Erkenntnis, wie sein Altersgenosse und Kollege Rainer Maria Rilke, der seine Reflexion über das Apollinische in dem Gedicht Archaïscher Torso Apolls mit der Aufforderung enden lässt: „Du musst dein Leben ändern.“


BIOGRAFIEN


ROLAND BÖER MUSIKALISCHE LEITUNG – Roland Böer war von 2002 bis 2008  Kapellmeister an der Oper Frankfurt. 2009 übernahm er die musikalische Leitung des Cantiere Internazionale d’Arte di Montepulciano und ist seit 2015 auch dessen künstlerischer Leiter.

Er gastierte am Teatro alla Scala in Mailand, dem Teatro dell’Opera di Roma, dem Royal Opera House und der English National Opera in London, am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, an der Deutschen Oper und der Komischen Oper Berlin, den Opernhäusern Stockholm und Kopenhagen, dem Teatro Petruzzelli di Bari, der Opéra National du Rhin in Straßburg, der Wiener Volksoper, dem Stadttheater Bern, der Polnischen Staatsoper Warschau und dem Tschechischen Nationaltheater Prag. Eine regelmäßige Zusammenarbeit verbindet ihn zurzeit mit der Oper Frankfurt, der Opéra de Nice und dem Teatro dell’Opera di Firenze.

Er leitete die Filarmonica della Scala und das Orchester der Accademia di Santa Cecilia, das Orchester des Maggio Musicale Fiorentino, das London Symphony Orchestra, das Oslo Philharmonic Orchestra, das Radiosinfonieorchester Frankfurt und das Rundfunkorchester des Bayerischen Rundfunks, die Bamberger Symphoniker, die Deutsche Radio Philharmonie sowie das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra und das Orchestre Philharmonique de Luxembourg. Er dirigierte außerdem das Ensemble Modern, Northern Sinfonia, das Scottish Chamber Orchestra und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen.

Aufnahmen erfolgten für EMI und Opera Rara (beide mit dem Philharmonia Orchestra London), für BBC Scotland (mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra) und den Bayerischen Rundfunk (Bamberger Symphoniker). Eine DVD mit Roland Böers Debüt am Teatro alla Scala mit Die Zauberflöte in der Produktion von William Kentridge ist bei OPUS ARTE erschienen.

Zukünftige Engagements umfassen Neuproduktionen von Elisir d’Amore an der Opéra de Nice und Enrico (Manfred Trojahn) an der Oper Frankfurt, Sinfoniekonzerte mit dem Orchestra di Padova e del Veneto und der Neuen Philharmonie Frankfurt, sowie eine Neuproduktion von Death in Venice am Landestheater Linz.


HERMANN SCHNEIDER INSZENIERUNG Hermann Schneider wurde 1962 in Köln geboren. Er studierte Germanistik, Philosophie, Musik- und Theaterwissenschaften in Tübingen und München und schloss diese Studien 1987 mit dem Magister Artium ab.
Bereits während seines Studiums assistierte Hermann Schneider sowohl im Schauspiel als auch im Musiktheater an verschiedenen deutschen Theatern. Von 1987 bis 1991 war er als Regieassistent und Spielleiter am Stadttheater Aachen engagiert und debütierte dort 1990 als Opernregisseur. Seither hat er über 60 Inszenierungen im Musiktheater und Schauspiel an zahlreichen deutschen Theatern sowie in Wien, Frankreich und London erarbeitet. Seine letzte Regie an der Opera Côte d’Azur in Nizza, Benjamin Brittens Death in Venice, wird 2018 am Landestheater Linz als Koproduktion zu sehen sein.

 Von 1993 bis 1995 war er Chefdramaturg, Regisseur und dann Intendant am Theater Eisenach, ab 1996 bis 2001 Leiter des Studios der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg. Von 2004 bis Dezember 2015 war Schneider Intendant des Mainfranken Theaters Würzburg.
Hermann Schneider fungiert in Gremien des Deutschen Bühnenvereins. Seit 2011 ist er Mitglied der Chambre professionelles des directions de l’opera (CPDO) in Paris, der französischen Intendantengruppe. Außerdem arbeitet er regelmäßig in Montréal in beratender Funktion mit internationalem Opernnachwuchs.
Von 1990 bis 2001 hatte Hermann Schneider Lehraufträge an den Musikhochschulen Köln/Aachen sowie Düsseldorf inne. 2001 wurde er als Professor und Leiter der Opernschule an die Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar berufen.

Neben der Theaterarbeit und dem Unterricht arbeitet Hermann Schneider als Autor, insbesondere von Libretti, und veröffentlicht mit namhaften Komponisten wie Jörg Herchet, Michael Obst, Anton Plate, Klaus Schulze und Gerhard Stäbler. Seit der Spielzeit 2016/2017 ist Hermann Schneider Intendant des Landestheaters Linz.


BERND FRANKE BÜHNE Der Bühnenbildner Bernd Franke studierte an den staatlichen Kunstakademien von Düsseldorf und Stuttgart bei Prof. Karl Kneidl und Prof. Jürgen Rose.
Neben Festengagements als Bühnen- und Kostümbildner am Stadttheater Gießen und am Stadttheater Würzburg arbeitete er als Gast u. a. an den Theatern von Lübeck, Oberhausen, Koblenz, Aachen, Darmstadt, Bern sowie an der Finnischen Nationaloper Helsinki und der Volksoper Wien.


IRINA BARTELS KOSTÜME Irina Bartels, in Wuppertal geboren, studierte Mode in Hamburg und assistierte zunächst frei an den Hamburger Kammerspielen, dem Thalia Theater und beim NDR.

Nach einer festen Assistenz am Schauspiel Frankfurt ist sie seit 2004 national wie international als freischaffende Kostümbildnerin für Schauspiel und Oper tätig. Sie war u. a. als Kostümbildnerin für die Inszenierungen Don Carlos am Schauspiel Essen, Besuch der alten Dame, sowie Wunschkinder am Schauspiel Bochum, Das siebte Kreuz am Schauspiel Frankfurt (R.: Anselm Weber) und Iphigenie /Occident Express (R.: Anna Badora) am Volkstheater Wien tätig.

Produktionen an Opernhäusern waren u. a. L’Heure Espagnole an der Oper Frankfurt (R.: David Hermann), Death in Venice an der Opéra Nice Côte d’Azur (R.: Hermann Schneider, Koproduktion mit dem Landestheater Linz), sowie diverse Produktionen in der Regie von Katharina Thoma. Dazu gehören La Finta Gardiniera sowie Martha an der Oper Frankfurt, L’Eliogabalo und Boris Godunov an der Oper Dortmund, Adriana Lecouvreur am Badischen Staatstheater Karlsruhe, Ariadne auf Naxos für das Glyndebourne Opera Festival, Hans och Greta (Oper Göteborg), Un Ballo in Maschera (Royal Opera House London) sowie La Clemenza di Tito an der Opéra National du Rhin in Strasbourg.


IVAN ALBORESI CHOREOGRAFIE Ivan Alboresi, seit der Spielzeit 2016/2017 Ballettdirektor des Theater Nordhausen, absolvierte nach seinem Abitur am Fremdsprachen-Gymnasium Cadorna in Turin eine Tanzausbildung an der Accademia del Teatro Nuovo di Torino und an der John Cranko Akademie in Stuttgart. Seine Engagements als Tänzer führten ihn u. a. an die Theater Wiesbaden, Ulm und St. Gallen. 2001–2014 war er festes Mitglied der Ballettcompagnie des Mainfranken Theaters Würzburg. Er arbeitete mit Choreographen wie Heinz Spoerli, Youri Vámos, Ben van Cauwenbergh, Anna Vita, Birgit Scherzer, Ralf Rossa und Roberto Scafati. In Würzburg begann Ivan Alboresi auch selbst choreographisch zu arbeiten. Er schuf eigene Ballette und choreographierte im Musiktheater, darunter für Die Fledermaus, Orfeo ed Euridice und Die Zauberflöte. Zu seinen Inszenierungen gehören u. a. Hello, Dolly!, Jekyll & Hyde, Sunset Boulevard, Kiss me, Kate, Dracula und Maske in Blau. Seine Arbeit als Choreograph und Regisseur, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde, führte ihn an die Opéra Nice Côte d‘Azur, das Theater Erfurt, das Mainfranken Theater Würzburg, das Theater Hof sowie die Theater Ulm und Freiberg/Döbeln.


Musikalische Leitung Roland Böer
Inszenierung Hermann Schneider
Bühne Bernd Franke
Kostüme Irina Bartels
Video Paulo Correia
Choreografie Ivan Alboresi
Dramaturgie Christoph Blit
Nachdirigat Takeshi Moriuchi
Choreinstudierung Csaba Grünfelder

Gustav von Aschenbach, Schriftsteller Hans Schöpflin
Der Reisende, auch
Der ältliche Geck, Der alte Gondoliere,
Der Hotelmanager, Fremdenführer in Venedig,
Der Coiffeur des Hauses,
Der Führer der Straßensänger,
Die Stimme des Dionysos Martin Achrainer
Die Stimme des Apollo James Laing

Deutsche Mutter, Bettlerin Vaida Raginskyt?
Glasbläser, Straßensänger Domen Fajfar
Deutscher Vater Jochen Bohnen
Englischer Angestellter im Reisebüro Ulf Bunde
Schiffssteward, Restaurantkellner Joschko Donchev
Zeitungsverkäuferin, Straßensängerin,
Erdbeerverkäuferin Theresa Grabner
Priester in San Marco Tomaz Kovacic
Dänische Frau Sarolta Kovacs-Führlinger
Russische Mutter Kateryna Lyashenko
Englische Frau Gabriele Salzbacher
Französisches Mädchen Kathleen Louisa Brandhofer
Spitzenverkäuferin Margaret Jung Kim
Französische Mutter Isabelle Wernicke-Brîncoveanu
Russischer Vater Boris Daskalov
Russisches Kindermädchen Joanna Müller
Hotelportier Mathias Frey
Zwei Amerikaner Bonifacio Galván, Jonathan Whiteley
Zwei Gondolieri Bonifacio Galván, Tomaz Kovacic
Lido Bootsmann, Hotelkellner Ville Lignell
Polnischer Vater Tomaz Kovacic
Gondoliere Jin Hun Lee
Die polnische Mutter Anna Hinterreiter-Lyubavina*** |
Hannelore Schiller***
Tadzio, ihr Sohn Jonatan Salgado Romero*
Ihre beiden Töchter Paula Kernreiter**, Paula Rosenauer** |
Malina Hönlinger***
Die Erzieherin Tatiana Pichler*** | Hannelore Schiller***
Jaschiu, Tadzios Freund Edward Nunes*
Tadzios Freunde Filip Löbl*, Urko Fernandez Marzana*,
Lorenzo Ruta*

Chor des Landestheaters Linz
* Mitglieder der Tanzkompanie TANZLIN.Z
** Mitglieder der OÖ. Tanzakademie
*** Statisterie des Landestheaters Linz

—| Pressemeldung Landestheater Linz |—

Wien, Theater an der Wien, A Midsummer Night’s Dream – Benjamin Britten, IOCO Kritik, 07.05.2018

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Theater an der Wien

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

 A Midsummer Night’s Dream –  Benjamin Britten

Puck – Der Außenseiter an der Schule – Er allein kann seine Gefährten sehen

Von Marcus Haimerl

 Benjamin Britten Denkmal am Strand von Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Denkmal am Strand von Aldeburgh © IOCO

Eine völlig neue Sichtweise auf Benjamin Brittens 1960 beim Aldeburgh Festival uraufgeführter Oper A Midsummer Night’s Dream zeigt Regisseur Damiano Michieletto im Theater an der Wien. Die zentrale Frage seiner Regiearbeit war der Grund für das Verhalten von Puck, warum dieser frech ist und stets auf neue Streiche sinnt.

Die Lösung führt Michieletto nicht nach Athen, sondern in ein Internat („Athen könnte der Name der Schule sein“, so der Regisseur) und statt des Waldes landen die jugendlichen Liebespaare im Turnsaal (Foto unten).

Puck ist Außenseiter an der Schule, hat aber Gefährten, die nur er sehen kann. In eben dieser Welt dient Puck dem Elfenkönig Oberon. Puck soll Zauberblumen besorgen, dessen Pollen in den Augen eines Schlafenden gestreut, diesen in die erste Person verliebt macht, die er erblickt. Damit soll Oberons Gattin Tytania ein Streich gespielt werden.

Theatr an der Wien / A Mid Summer Night´s Dream © Werner Kmetitisch

Theatr an der Wien / A Mid Summer Night´s Dream © Werner Kmetitisch

Lysander und Hermia sind ineinander verliebt und wollen die Nacht in der Schule verbringen, sie planen durchzubrennen. Aber auch Demetrius und Helena sind noch heimlich in der Schule geblieben. Und auch Demetrius ist in Hermia verliebt. Helene wiederum ist in Demetrius verliebt und verfolgt ihn, trotz Abweisung, mit ihrer Liebe. Oberon beobachtet die beiden und gibt Puck auch die Anweisung Demetrius zu suchen und diesen mit Pollenstaub zu bestreuen um ihn in Helena verliebt zu machen.

Doch auch andere Jugendliche verbringen die Nacht in der Schule: Quince, Flute, Starveling, Snout, Snug und Bottom. Diese proben für eine Theateraufführung, die antike Liebestragödie Pryamus und Thisbe.

Zwischenzeitlich findet Puck den schlafenden Lysander und hält diesen für den Gesuchten. Er bestreut ihn mit Blütenstaub und der erwachende Lysander verliebt sich in die vorbeikommende Helena. Währenddessen wurde auch Tytania von ihrem Elfenhofstaat in den Schlaf gesungen und Oberon verabreicht ihr ebenfalls den Zauberblumenstaub.

Theatr an der Wien / A Mid Summer Night´s Dream © Werner Kmetitisch

Theatr an der Wien / A Mid Summer Night´s Dream © Werner Kmetitisch

Die jungen Leute (Foto) proben mittlerweile lautstark das Stück und Puck ist verärgert darüber, dass Tytania erwachen könnte. Er verwandelt Bottom in einen riesigen Monsteresel, in den sich die erwachende Tytania verliebt. Das Chaos ist perfekt und die Problemlösung Pucks, er verpasst nun auch Demetrius den Zauberstaub, führt zu noch mehr Chaos.

Am Morgen lässt nun Oberon den Esel verschwinden und erlöst auch Tytania vom Zauber. Auch von den jungen Liebespaaren löst sich der Zauber, alle erinnern sich an die nächtlichen Liebeswechsel. Auch Bottom hat seltsame Erinnerung an amouröse Abenteuer im Eselsfell.

Auch vor den Lehrern Theseus und Hyppolyta ist das nächtliche Treiben nicht unentdeckt geblieben, dennoch fällt die Strafe milde aus und die Paare dürfen zusammenbleiben. Nun beginnt auch die Liebestragödie Pryamus und Thisbe der auch Puck zusieht. Beim Tod des Liebespaares erinnert sich Puck plötzlich an den Unfalltod seiner Eltern und erkennt, dass Oberon und Tytania nur Imaginationen seiner Eltern sind. Er begreift nun deren Tod und als er einschläft entlassen ihn Oberon und Tytania aus der Elfenwelt: er soll sich wieder dem Leben zuwenden.

 Das Trauma des jungen PuckMittelpunkt der Regie

Im Mittelpunk stellt Michieletto also dieses Trauma des jungen Pucks, der sich seine Elfenhaftigkeit selbst kreiert hat. Schrittweise führt der Regisseur das Publikum an die Lösung heran. Immer wieder werden kurze Filme eingespielt: die Familie beim Frühstück, bei der Autofahrt und schließlich die verunfallten Eltern, die Puck die Wahrheit vor Augen führen. Auch wird in diesen kurzen Filmen klar, wie Bottom zu eben jenem Esel wurde. Dieser Esel war ein Kuscheltier, welches die Eltern Puck geschenkt hatten.

Das Bühnenbild von Paolo Fantin zeigt eine Schulaula mit einer Theaterbühne, welche in den hinteren Bühnenraum geschoben den Turnsaal zeigt. Neonfarben bestimmen die Verwicklungen dieser Sommernacht, orange der Zauberstaub der Blumen, grün die Leuchtröhren die in den Turnsaal hängend, den Wald ersetzen und neonfarben auch die Masken, welche in der Elfenwelt getragen werden.

Intensiv ist die Personenführung des venezianischen Regisseurs, der die Teenager durch den Turnsaal jagen und lieben lässt und die „Schauspieler“ der Theateraufführung von Pryamus und Thisbe ordentlich herumalbern lässt.

Theatr an der Wien / A Mid Summer Night´s Dream © Werner Kmetitisch

Theatr an der Wien / A Mid Summer Night´s Dream © Werner Kmetitisch

Musikalisch lässt diese Produktion keinerlei Wünsche offen. Auf der irdischen Seite: Rupert Charlesworth (Lysander) und Tobias Greenhalgh (Demetrius) beweisen neben enormen Körpereinsatz einen ebensolchen stimmlichen Kraftakt bis zur Erschöpfung um die liebliche Mirella Hagen (Helena). Dieses Kleeblatt wird hervorragend durch Natalia Kawalek (Hermia) ergänzt. Eine stimmliche Urgewalt ist Tareq Nazmi (der in einen Esel verwandelte Nick Bottom), beeindruckend auch Lukas Jakobski (Peter Quince), Michael Laurenz (Francis Flute), Dumitru Madarašan (Snug), Andrew Owens (Tom Snout) und Kristján Jóhannesson (Robin Starveling). Auch die Feenwelt überzeugt: Countertenor Bejun Mehta als berührend lyrischer Oberon und Daniela Fally mit hellem, klarem Sopran als unglaublich intensive Tytania. Maresi Riegner ist ein eindringlicher, berührender, zwischen diesen beiden Welten gefangener Puck. Günes Gürle (Theseus) und Ann-Beth Solvang (Hyppolyta) fügen sich nahtlos in das exzellent besetzte Ensemble ein.

Dirigent Antonello Manocarda kostet mit den Wiener Symphonikern die gesamte Bandbreite von Brittens Partitur aus und verzaubert das Publikum mit zarten, dunklen Glissandi und ist dem gesamten Ensemble und den St. Florianer Sängerknaben ein hervorragender Partner. Eine Produktion die insgesamt große Freude bereitet und darauf hoffen lässt, dass Benjamin Britten wieder vermehrt den Weg in die großen Opernhäuser findet.

—| IOCO Kritik Theater an der Wien |—

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