Stuttgart, Staatstheater Stuttgart, Nixon in China – Oper von John Adams, IOCO Kritik, 16.04.2019

April 15, 2019  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Stuttgart

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Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Nixon in China  – Oper von John Adams

Darf man glauben? Wem kann man glauben?   –  Die Konstruktion und Dekonstruktion von Wirklichkeit

von Peter Schlang

Am Sonntag, dem 7. April 2019 erlebte an der Stuttgarter Staatsoper John Adams‘ im Jahr 1987 in Houston, Texas, uraufgeführte Oper Nixon in China ihre Stuttgarter Erstaufführung. Dies war zugleich deren erste deutsche Neu-Inszenierung seit vielen Jahren; nach der Uraufführung von Leo Dicks Antigone-Tribunal am 9. März und der Premiere von Hans Werner Henzes Der Prinz von Homburg am 17. März die dritte Neuproduktion im Rahmen des ersten Frühjahrsfestivals der Staatsoper Stuttgart mit dem Titel wirklich wirklich“. Alle drei Opern widmen sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise und in je eigenen Zusammenhängen der Frage nach der „Konstruktion und Dekonstruktion von Wirklichkeit“, setzen sich also mit der möglichen Beeinflussung und der unterschiedlichen Wahrnehmung der Realität auseinander.

Nixon in China  – Oper von John Adams
youtube Trailer der Staatsoper Stuttgart
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Mit der Neuproduktion von Adams‘ stark an der Minimal-Music orientierter Oper nahm die Staatsoper Stuttgart ihre Tradition der Minimal Music wieder auf, die in den 1980er-Jahren mit der gefeierten Philip-Glass-Trilogie (Einstein on the Beach, Satyagraha und Echnaton) begründet wurde und gleich einen Höhepunkt erlebte.

Das für John Adams von Alice Goodman verfasste Libretto thematisiert, recht frei und auf sehr poetische Weise, den seinerzeit stark beachteten Staatsbesuch von Richard Nixon im Februar 1972 in der Volksrepublik China, den ersten eines amerikanischen Präsidenten im Reich der Mitte. Nixon, von 1969 bis zu seinem erzwungenen Rücktritt im Jahr 1974 der 37. Präsident der Vereinigten Staaten, nutzte diese Visite im damals noch ziemlich unbekannten, kommunistischen China für eine groß angelegte mediale Kampagne. Der Besuch wurde nämlich zu weiten Teilen live im amerikanischen Fernsehen übertragen und war damit eines der ersten medial ausgeschlachteten politischen Geschehnisse der Nachkriegszeit.

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon - Oper von John Adams - hier : Michael Mayes als Richard Nixon und Ensemble © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon – Oper von John Adams – hier : Michael Mayes als Richard Nixon und Ensemble © Matthias Baus

Im Zentrum dieses höchst aktuellen Werkes und seiner Stuttgarter Umsetzung steht die im Zeitalter von Fake News und deren momentan wichtigsten politischen Vertreters, ebenfalls ein US-Präsident, die Frage, wem man glaubt oder – noch besser – überhaupt glauben kann. Und in Richard Adams erster und wohl bekanntester Oper wird diese bedeutsame Frage gleich auf mehrfache Weise behandelt.

 „wirklich, wirklich“ –  Frühjahrsfestival der Staatsoper Stuttgart
– Wahrheit, Wahrheiten oder Fake –

Da sind zum einen die zwei diametral entgegengesetzten Weltanschauungen der aufeinandertreffenden Staaten bzw. ihrer politischen Führer und deren unterschiedliche Methoden, sich der eigenen und der jeweils anderen Öffentlichkeit real zu präsentieren. Eine weitere Ebene widmet sich den methodischen und didaktischen Mitteln, mit denen die subjektiv wahrgenommenen Realitäten weiter transportiert und damit interpretiert werden. Schließlich zeigt die Oper auch die meist befremdliche, so nicht erwartete Reaktion der „anderen Seite“ auf die wahrgenommene, vom Gegenüber präsentierte „Wirklichkeit“.

In Marco Štormans quirliger, zugespitzter, sich aller theatralischer Mittel bedienender Inszenierung mischt sich dies alles zu einem äußerst dynamischen, höchst unterhaltsamen und nicht selten musicalhaften, revueartigen Kaleidoskop menschlicher Verhaltensmuster und politisch-gesellschaftlicher Methoden, ja Tricks. Die Bühnenbildnerin Frauke Löffel baute dazu einen durch metallene Module schnell veränderbaren Raum, der eingangs den Flughafen mit Nixons Ankunft und Empfang, dann die große Bühne für publikumswirksame Massenauftritte und Projektionsfläche für im Propagandastil gehaltene Gemälde oder Video-Einspielungen darstellt.

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon - Oper von John Adams - hier : Jarrett Ott als Chou En-lai und Ensemble © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon – Oper von John Adams – hier : Jarrett Ott als Chou En-lai und Ensemble © Matthias Baus

Und ganz am Ende, im nur mehr aus einem Bild bestehenden dritten Akt und bei geschlossenem Orchestergraben und der damit bis an die erste Zuschauerreihe vorgezogenen Bühne, bietet diese trotz ihrer scheinbaren Größe Raum für ein Kammerspiel. Dieses erinnert nicht nur thematisch-inhaltlich an Becketts Referenzstück Endspiel, sondern weist auch durch seine eigenartige Stimmung und Atmosphäre eine Parallele zu diesem und anderen Beckett-Stücken auf. Mit entscheidend dafür ist die zu sehende besondere Personen-Konstellation, die eine starke und nachhaltige Wirkung entfaltet: Am letzten Abend des Staatsbesuchs sehen wir die sechs Protagonisten, aus jedem Land drei, nach den vergangenen, sehr anstrengenden Tagen müde, ausgelaugt, leer. Einzeln oder als Paar sinnen sie dem Erlebten und ihrer eigenen Vergangenheit nach, beides ganz unterschiedlich reflektierend. Ihnen zur Seite, wie die Darsteller der sechs Hauptrollen eher freizeitmäßig gekleidet, sitzen die Souffleuse und der Dirigent, André de Ridder, der nur die Sängerinnen und Sänger dirigiert. Denn das Orchester wird – übrigens mit Hilfe einer hervorragenden Tonanlage – aus dem Off eingespielt, was die Anmutung dieser Schlussszene als Versuchsanordnung oder Probedurchlauf auf beeindruckende Weise unterstreicht.

Solche schicksalshaften, ganz unterschiedlichen Spiel-, Kommunikations- und teilweise auch Kampfmodelle stellt das einfallsreiche Regieteam, zu dem neben den bereits zwei Genannten auch die Kostümbildnerin Sara Schwartz, die Choreografin Alexandra Morales und die für die Licht- bzw. Videoregie verantwortlichen Reinhard Traub und Bert Zander gehören, im Verlauf dieser kurzweiligen 180 Minuten immer wieder gekonnt und höchst theaterwirksam zur Schau. Dabei meidet es allzu klischeehafte, übertriebene Anspielungen auf chinesische und amerikanische Stereotype und beschränkt sich auf eher dezente, zeitlose Hinweise auf die jeweiligen Charakteristika der aufeinandertreffenden Gesellschaften und Ideologien. Dazu gehören etwa die mit dem Flugzeug zu Boden sinkenden Ausgaben des Time Magazins mit dem Konterfei des Gastgebers Mao Tse-Tung und die im Gegenzug an die Gäste verteilten Mao-Bibeln.

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon - Oper von John Adams - hier : Michael Mayes als Richard Nixon und Ensemble © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon – Oper von John Adams – hier : Michael Mayes als Richard Nixon und Ensemble © Matthias Baus

Auch die Paraden der Revolutionsgarden und sonstigen Abordnungen der chinesischen Volksmassen, die meist in eher stilisierten, zeit- und sogar ideologie-übergreifender Kleidung auftreten, passen in diese Kategorie. So trägt der chinesische Ministerpräsident Chou en-Lai einen Overall, wie er auch einen Militärangehörigen aus Nixons Begleittross gut kleiden würde. Auch mittels solcher Kniffs liefert dieser Opernabend deutliche Hinweise auf sein Thema, die unterschiedliche Deutung und Wahrnehmung scheinbar gleicher Ereignisse, und vermag so das Stuttgarter Publikum hautnah an das Spiel mit Information und Desinformation, Hoffnungen und Versprechungen, Illusion und Desillusionierung heranzuführen.

Großen Anteil daran hat auch Adams‘ geniale Musik, die höchst artistisch mit den Phänomenen Rhythmus und Zeit spielt, welche ja einen wichtigen Aspekt der Wahrnehmung und Beurteilung von Erlebtem darstellen. Dabei setzt Adams nicht nur die bekannten Elemente der Minimal Music wie Patterns, Klang- und Melodie-Muster, Wiederholungen mit kleinsten Veränderungen von Tonfolgen und Harmonien sowie Rhythmusverschiebungen äußerst gekonnt ein. Er variiert diese Zutaten auch noch ständig und verwebt sie so kunstvoll miteinander, dass der Zuhörer jegliches Zeitgefühl verliert und sich immer wieder entrückt und wie in Trance fühlt.

Dazu tragen auch die musikalischen Quellen des 1947 geborenen Komponisten bei, der nie ein Geheimnis daraus macht, dass er in allen Epochen und Stilrichtungen zu Hause ist und nicht zufällig gern Werke älterer Komponisten neu arrangiert. So erlebt man in „Nixon in China“ einen mitreißenden Stilmix aus Barock, Romantik, Klassik und (klassischer) Moderne, ja Adams bedient sich sogar der Kirchenmusik. Schließlich zitiert er auch folkloristische Elemente aus ganz verschiedenen geografischen Ecken und scheut selbst vor der Übernahme süffiger, manchmal fast kitschiger Abfolgen aus der Popularmusik nicht zurück. All das wirkt zeit- und mühelos, auch weil der Komponist völlig spielerisch und häufig unbemerkt von einem Genre oder Rhythmus in ein anderes Feld wechselt. Sein Einfallsreichtum scheint dabei nahezu unerschöpflich, und die daraus resultierenden ständig changierenden, swingenden und groovenden Rhythmen wirken nie langweilig und ermüdend.

Der 1971 geborene deutsche, vorwiegend in England arbeitende Dirigent André de Ridder nimmt sich dieser Musik kongenial wie begeistert an und führt das hoch motivierte und äußerst konzentriert aufspielende Stuttgarter Staatsorchester wieder einmal zu einer bewunderten, nicht erst am Schluss bejubelten Höchstleistung. Der seit Beginn dieser Spielzeit unter neuer Leitung agierende Staatsopernchor – für diese Produktion hat sie der stellvertretende Chordirektor Bernhard Moncado inne – ist das zweite herausragende Kollektiv dieses Abends. Ohne Unterschied auf seine jeweilige Besetzung und die gerade zu verkörpernden Rollen präsentiert sich der Chor wieder einmal in Höchstform und zeigt sich nicht nur stimmlich total flexibel. Denn diese Beweglichkeit benötigen die Choristen auch in darstellerischer Hinsicht; das einige Male so ausufernd, dass sie den Zuschauerraum zur Bühne machen und  Agitationsgesänge von den Rängen des Opernhauses schmettern.

Nixon in China – Probeneinblicke mit Marco Storman
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An diese fabelhafte Leistung schließt sich die des neunköpfigen Solistenensembles ohne jeden Abstrich auf höchstem Niveau, an. An vorderster Stelle stehen dabei der stimmgewaltige und auch darstellerisch für diese Rolle wie geschaffene amerikanische Bass-Bariton Michael Mayes als Richard Nixon und der nicht minder phänomenale und großartige Sänger-Darsteller Matthias Klink als oft philosophisch-weltabgewandter Parteichef Mao Tse-Tung. Ihre Auftritte und erst recht Bühnen-Begegnungen ermöglichen im Sinne der mehrfach erwähnten Konstruktion und Wahrnehmung von Realitäten eindrucksvolle Studien und Erkenntnisse und bieten dazu hohen musikalischen Genuss.

Katherine Manley als Nixons Frau Pat und Gan-ya Ben-gur Akselrod als Mao Tse Tungs Gemahlin Chiang Ch’ing verkörpern äußerst differenziert und glaubhaft sowohl in sängerischer als auch in schauspielerischer Hinsicht die Arroganz und Widersprüchlichkeit ihrer Rolle als jeweilige First Lady. Im Zusammenspiel mit ihrer Gegenspielerin haben diese beiden Protagonistinnen zudem überragenden Anteil daran, dass das Thema der Oper und ihrer Stuttgarter Realisierung am Sonntagabend so glaubhaft, wirklichkeitsnah und ohne Bruch auf der Opernbühne zu erleben war.

Auch die politischen Begleiter der beiden Staatsoberhäupter bzw. ihre Darsteller tragen  ihren Teil zum großen Erfolg dieser außergewöhnlichen Opernproduktion bei. Auf „chinesischer Seite“ ist das der von Jarrett Ott äußerst facettenreich und systemgetreu gesungene Ministerpräsident Chou En-lai, der im lokal denkenden Betrachter große Freude aufkommen ließ, dass dieser begnadete Sänger zum festen Ensemble der Stuttgarter Oper gehört. Dies gilt auch für den schon lange in Stuttgart wirkenden Kammersänger Shigeo Ishino als Nixons Berater Henry Kissinger, dem späteren Außenminister der USA, dessen Rolle und Auftrittszahl allerdings bedeutend knapper ausfällt als die des übrigen bereits erwähnten Hauptpersonals. Dennoch haben beide Sänger wie ihre Verkörperungen hohen Anteil daran, dass nicht nur ihre jeweiligen Vorgesetzten und deren Gattinnen, sondern auch das Stuttgarter Premierenpublikum immer wieder erfolgreich in die jeweiligen Utopie-Biotope entrückt werden. Dafür sorgen „unter chinesischer Flagge“ schließlich auch die drei Sekretärinnen Maos, die von Ida Ränzlöv, Fiorella Hincapié und Luise von Garnier stimmsicher und ideologie-konform, stellen- und zeitweise aber recht folkloristisch auf die Bühne und unters nicht nur chinesische Volk gebracht werden.

Nach fast vier höchst abwechslungs- wie erkenntnisreichen Stunden erbebte die Stuttgarter Oper von einem ähnlichen Jubelsturm, wie er vor über dreißig Jahren dem eingangs erwähnten Glass-Zyklus entgegengebracht wurde. Er galt ausnahmslos allen Beteiligten auf, unter, vor und hinter der Bühne, hielt viele Minuten an und wurde nur beim Auftritt des Regie-Gespanns von ganz vereinzelten, dazu nur schüchternen und fast unhörbaren Buhs vergeblich zur stören versucht.

Nixon in China, Oper von John Adams, die weiteren Vorstellungen: 20. April, 03., 09. 11. Mai 2019

—| IOCO Kritik Oper Stuttgart |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Iphigénie en Tauride – Christoph W. Gluck, 28.04.2019

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Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

  Iphigénie en Tauride – Christoph Willibald Gluck

 Premiere Sonntag, 28. April 2019, 18 Uhr,  Weitere Vorstellungen 02. / 05. / 10. / 12. / 14. / 19. / 30. Mai 2019

Wem vergibst Du?    

Christoph Willibald Glucks Reformoper Iphigénie en Tauride feiert in Suttgart Premiere. 

Am Sonntag, 28. April 2019 18 Uhr feiert eine der wichtigsten Reformopern der Musikgeschichte Premiere im Stuttgarter Opernhaus: Christoph Willibald Glucks Iphigénie en Tauride in der Regie von Krzysztof Warlikowski und in der Ausstattung von Malgorzata Szczesniak. Die Produktion avancierte nach ihrer Premiere an der Opéra national de Paris im Jahr 2006 innerhalb kurzer Zeit zum Kult. Nun wird sie vom Regisseur und seinem künstlerischen Team an der Staatsoper Stuttgart neu einstudiert. Am Pult des Staatsorchesters dirigiert der Barockspezialist Stefano Montanari, der in der kommenden Saison an der Staatsoper Stuttgart die Neuproduktion von Antonio Vivaldis Oratorium Juditha triumphans musikalisch leiten wird.

Christoph Willibald Gluck © IOCO

Christoph Willibald Gluck © IOCO

Mord im Namen der Götter, Mord aus Rache, Rache für den Mord – diese Kette einander unaufhörlich zugefügter Gewalt scheint wie ein Naturgesetz: Die Familiengeschichte der Atriden ist über Generationen mit Blut geschrieben, ihr letztes Kapitel trägt den Namen Iphigénie. In ihrem Exil auf Tauris muss Iphigénie als Priesterin der Artemis alle Fremden opfern, die hier landen. Als ein traumatisierter Fremder auftaucht, der sie an ihren Bruder Oreste erinnert, stürzt sie das in Verzweiflung, schmerzhaftes Heimweh, Gewissensqualen. Gluck setzt diese innersten Konflikte überwältigend in Szene: als Unwetter, als Wüten der Erinnyen. In Krzysztof Warlikowskis Inszenierung liegen die traumatischen Ereignisse für Iphigénie in weiter Ferne. Der Vater, die Mutter, der geliebte Bruder, die eigene vom Krieg durchkreuzte Jugend – sie lösen sich immer wieder aus dem Nebel des Vergessens. Sie lassen nicht los, werden nicht losgelassen. Diese Iphigénie lebt Wand an Wand mit anderen Frauen, die ihre eigenen Geister mit sich herumtragen und sich in Gleichmut üben gegenüber allem, was in ihrem Leben leidvoll war – ein Chor der letzten Zeuginnen ihres eigenen Überdauerns wechselhafter und kriegerischer Zeiten.

Bei der Premiere von Iphigénie en Tauride gibt Amanda Majeski ihr Haus- und Rollendebüt. Sie gastiert regelmäßig an den großen Opernhäusern der Welt, unter anderem an der Metropolitan Opera New York und der Lyric Opera in Chicago. Die Ensemblemitglieder Elmar Gilbertsson (Pylade) und Jarrett Ott (Oreste) debütieren ebenfalls in ihren Partien. Sieben Statistinnen aus Stuttgart im Alter von 76 bis 96 Jahren verkörpern den stummen Chor der Priesterinnen. Dabei sind manche der Frauen schon jahrzehntelang Teil der Statisterie des Hauses, andere wirken erstmals bei einer Produktion der Staatsoper Stuttgart mit.

Iphigénie en Tauride an der Opéra national de Paris war Warlikowskis erste Operninszenierung außerhalb Polens und wurde bereits damals von Viktor Schoner und Dramaturg Miron Hakenbeck, der mittlerweile ebenfalls fest an der Staatsoper Stuttgart engagiert ist, künstlerisch betreut. Sein Deutschland-Debüt gab Warlikowski am Schauspiel Stuttgart Ende der 1990er Jahre mit zwei Shakespeare-Produktionen. In Iphigénie en Tauride wird erstmals eine Opernarbeit des Regisseurs in Stuttgart zu sehen sein.

Musikalische Leitung Stefano Montanari, Regie Krzysztof Warlikowskim, Bühne und Kostüme Malgorzata Szczesniak, Licht Felice Ross, Choreografie Claude Bardouil, Dramaturgie Miron Hakenbeck, Chor Bernhard Moncado

Mit:  Iphigénie Amanda Majeski, Oreste  Jarrett Ott, Pylade Elmar Gilbertsson, Thoas Gezim Myshketa, Diane Carina Schmieger*, Aufseher des Thoas / Skythe Elliott Carlton Hines*  Griechin / Priesterin Ida Ränzlöv*, Iphigénie (Schauspielerin) Renate Jett
*Mitglieder des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Stuttgart
Staatsopernchor Stuttgart
Staatsorchester Stuttgart


Begleitveranstaltungen


Öffentliche Probe

Am Samstag, 13. April 2019, lädt das künstlerische Leitungsteam der Produktion interessierte Opernbesucher*innen von 09.45 Uhr bis 11.30 Uhr zu einer öffentlichen Probe ins Opernhaus ein. Die Probe findet mit Klavierbegleitung statt. Um 11.30 Uhr ist der öffentliche Teil der Probe beendet.

Der Eintritt zur öffentlichen Probe ist frei. Kostenlose Platzkarten sind ab sofort an der Theaterkasse (Theaterpassage) oder unmittelbar vor der öffentlichen Probe an der Veranstaltungskasse im Opernhaus erhältlich.

Einführungsmatinee
Sonntag, 14. April 2019, 11 Uhr im Opernhaus, Foyer I. Rang
Das Produktionsteam gibt Einblicke in die Konzeption der Neuinszenierung.

Einführungen
Eine Einführung vor jeder Vorstellung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Opernhaus, Foyer I. Rang, statt.

—| Pressemeldung Oper Stuttgart |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Der Prinz von Homburg – Hans Werner Henze, IOCO Kritik, 22.03.2019

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Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Der Prinz von Homburg – Hans Werner Henze

– Träume und Visionen – Wirkmächtiger als reales Handeln ? –

von Peter Schlang

Am 17. März 2019 hob sich in der Stuttgarter Staatsoper der Vorhang für die fünfte Neuproduktion der ersten Spielzeit des neuen Leitungs-Duos Viktor Schoner und Cornelius Meister. Zu sehen war – und ist in weiteren Vorstellungen noch bis 4. Mai – als Stuttgarter Erstaufführung Hans Werner Henzes Der Prinz von Homburg, in dessen revidierter Fassung von 1991. Gleichzeitig wurde damit das erste Frühjahrsfestival der Stuttgarter Staatsoper eröffnet, das noch bis zum 15. April 2019 dauert und unter dem Motto „wirklich wirklich“ steht. Das Haus am Eckensee widmet sich dabei den Phänomenen von Wirklichkeitskonstruktionen und Realitätsverschiebungen sowie dem Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit. Wie im Weiteren zu zeigen sein wird, war Henzes Prinz von Homburg mit seinem verschiedenen (Traum-)Welten verhafteten Protagonisten der perfekte Auftakt für diese musikalische Versuchsanordnung, die am 13. April von einem „Wirklichkeitskongress“  theoretisch unterfüttert werden wird.

Der Prinz von Homburg  –  Hans Werner Henze
youtube Trailer der Staatsoper Stuttgart – Cornelius Meister und Probeneinblicke II
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Das Libretto zu Henzes Musik wurde 1958/59 von Ingeborg Bachmann geschrieben, die sich dazu zwar des gleichnamigen Schauspiels Heinrich von Kleists bediente, die berühmte Vorlage aber einer behutsamen bis deutlichen Bearbeitung unterzog. Diese umfasste nicht nur Kürzungen, eine Zusammenfassung von Details und die Hinzufügung weiteren, vor allem weiblichen Personals, sondern zeichnet sich auch durch die für Ingeborg Bachmann typische, sehr poetische Sprache aus. Diese bildet nicht nur eine ideale Ausgangsbasis für Henzes Musik, sondern ist dieser eine kongeniale wie hilfreiche Partnerin und Begleiterin.

Der aus Stuttgart stammende und durch mehrere Inszenierungen am hiesigen Schauspielhaus bestens eingeführte Regisseur Stephan Kimmig arbeitete mit dieser Henze-Oper erstmals für die Stuttgarter Staatsoper. Er legt von Anfang an Wert auf eine möglichst enge Heranführung des Traums an die Wirklichkeit, ja vermischt, wo es nötig und angebracht ist, sogar die beiden Sphären. Andererseits macht er aber durch zahlreiche Details und eine klare Personenzeichnung auch  deutlich, wo sich Traum und Realität ausschließen und entsprechende Handlungen ihre Grenzen haben. Dazu bedient er sich klarer, zum Teil sehr drastischer theatralischer Elemente und gibt seiner Personenführung etwas betont Statuarisches, ja manchmal zu Artifizielles, das den Betrachter immer wieder an die Personenregie in Inszenierungen Robert Wilsons denken lässt.

Staatsoper Stuttgart / Der Prinz von Homburg - hier : Robin Adams als Prinz von Homburg und Vera-Lotte Boecker als Prinzessin von Oranien © Wolf Silveri

Staatsoper Stuttgart / Der Prinz von Homburg – hier : Robin Adams als Prinz von Homburg und Vera-Lotte Boecker als Prinzessin von Oranien © Wolf Silveri

Katja Haß hat ihm dafür einen weißen Einheitsraum gebaut, der Anklänge an einen Laborraum aufweist, aber auch an eine in die Jahre gekommene Turnhalle erinnert und etwas Hermetisches verkörpert. Darin und an den an den Wänden angebrachten Ballett- oder Turnstangen absolvieren nicht wenige der Protagonisten ihre sie auf die bevorstehenden Kämpfe vorbereitenden Fitness-Übungen. Seine Schäbigkeit – die Farbe blättert ab, Rostspuren „zieren“ die Wände – mag auf die Zustände des historischen Fürstentums Brandenburg wie auf jene aktueller Systeme und Strukturen schließen lassen, ohne klar Position für die eine oder andere Wirklichkeit zu beziehen.

Dazu passen die von Anja Rabes geschaffenen Alltagskostüme, die irgendwo zwischen früher Nachkriegszeit und zeitgeistigem Retro- wie Freizeitlook anzusiedeln sind. Sie zeugen von überraschendem Wechsel, von einer Haltung des Noch-nicht- Bereitseins und auch davon, dass ihre Träger noch ganz andere Schlachten schlagen müssen als die auf dem Feld. Darauf mag auch der übermäßig häufige Einsatz von Unterwäsche bei Obrigkeit und Soldaten hinweisen. Er ist stellenweise sinnenhaft und wohl auch ironisch gemeint, ermüdet aber im Lauf der Zeit genauso wie die immer wieder über die Wände zuckenden Lichtreflexe oder die auf den Zwischenvorhang projizierten Video-Doppelungen. (Videos: Rebecca Riedel, Lichtregie: Reinhard Traub) Beides soll wohl die Traumseite unterstreichen, doch sind die in Handlung und Musik vorhandenen Hinweise darauf so klar und deutlich, dass diese optischen Verstärker eher eine mentale Unterforderung der Zuschauer bewirken. Dies alles sind aber eher Luxus- oder Randprobleme, die Kimmigs Regie nichts von ihrer großen Dichte und dramaturgischen Stringenz rauben.

Staatsoper Stuttgart / Der Prinz von Homburg - hier : Robin Adams als Prinz von Homburg und Erster, Zweiter, Dritter Offizier © Wolf Silveri

Staatsoper Stuttgart / Der Prinz von Homburg – hier : Robin Adams als Prinz von Homburg und Erster, Zweiter, Dritter Offizier © Wolf Silveri

Auch musikalisch bewegt sich die Stuttgarter Erstaufführung von Henzes wichtigem Werk der klassischen Moderne auf allerhöchstem Niveau. Dafür sorgt an erster Stelle Cornelius Meister, der nach Wagners Lohengrin zum Spielzeitbeginn mit dem Prinz von Homburg seine zweite Stuttgarter Premiere dirigierte und auch schon bei mehreren Repertoirevorstellungen und Sinfoniekonzerten seine überaus großen Kompetenzen als Musikgestalter und Leiter musikalischer Kollektive unter Beweis stellte. An diesem Abend ist er auch  der komplex-polyphonen Musik Henzes mit ihren so vielschichtigen epochalen, stilistischen und musik-ästhetischen Anspielungen ein leidenschaftlicher wie verlässlicher Sachwalter und steuert das unter seiner Leitung immer souveräner und mitreißender agierende Staatsorchester so hochkonzentriert wie gefühlsbetont durch die verflixt anspruchsvolle Partitur. Henzes höchst klangsinnliche Musik hat den nötigen Raum zu wirken und aufzublühen, gerade auch an den Vor- und Zwischenspielen, die bei geschlossenem Bühnenbild wie filmische Schnitte wirken und eine ganz eigene erzählende wie kommentierende Funktion besitzen.

Bei aller Hingabe an sein Orchester mangelt es Meister nicht an jenem sorgfältigen Blick auf und für die Sängerinnen und Sänger – dazu dirigiert er aus leicht erhöhter Position – die diesen eine sichere und  rollengerechte Bewältigung ihrer ja ebenfalls  höchst diffizilen Partien ermöglichen. Und so ist das Staatsorchester bis auf ganz wenige Stellen, an denen es vielleicht ein bisschen zu engagiert und damit zu laut tönt, ein wunderbarer und verlässlicher Begleiter und Unter- und Hintergrund-Geber.

Aus der vokalen Solistenriege jemanden hervorzuheben, ist nur wegen der Größe und des Schwierigkeitsgrads der Hauptrollen gerechtfertigt. Die fünf Sängerinnen und neun Sänger bilden nämlich ein Protagonistenteam, das den Abend ohne jegliche Trübung und Einschränkung bereichert und um welches die Stuttgarter Oper von nicht wenigen Opernhäusern und deren Publikum beneidet werden dürfte. Diese Leistung wirkt umso eindrucksvoller, wenn man berücksichtigt, dass die Sänger häufig musikalisch „nahezu nackt“ auftreten, also nur von wenigen Instrumenten „begleitet“ werden, die zudem wie spätestens seit Wagner üblich eine völlig andere, eigene Melodie zu spielen haben.

Der Prinz von Homburg – Hans Werner Henze
youtube Trailer der Staatsoper Stuttgart – Stephan Kimmig und Probeneinblicke I
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Von höchster stimmlicher wie darstellerischer Präsenz und Leidenschaft gestalten Vera-Lotte Böcker die Rolle der Prinzessin Natalie von Oranien und Robin Adams jene des Prinzen von Homburg, dabei wunderbar zwischen den verschiedenen Stimmungen wie Stimmlagen changierend und sehr glaubhaft ihren Emotionen Ausdruck verleihend. Diese inneren Zustände nach außen zu transportieren gelingt aber auch allen anderen Darstellerinnen und Darstellern, vor allem der wundervoll sich zurücknehmenden und fast devot wirkenden Helene Schneiderman als Kurfürstin. Stefan Margita singt deren Gemahl, den Kurfürsten von Brandenburg, mit tief gründendem, Respekt einflößendem und Distanz ausdrückendem Tenor, der aber auch Zerbrechlichkeit und eine gewisse Überforderung im Amt erkennen lässt.

Ein fabelhaftes Rollendebüt gelingt Moritz Kallenberg als Graf Hohenzollern, der nicht nur in der Interaktion mit seinem Freund und Vertrauten Friedrich Artur von Homburg seine große Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt. Mit geschmeidiger, flexibel geführter und in allen dynamischen Abstufungen bewegend eingesetzter Stimme macht er zu jeder Zeit vergessen, dass  er erst bzw. noch Mitglied des Opernstudios der Stuttgarter Oper ist und erst zur kommenden Spielzeit in das „große“ Opernensemble übernommen wird.

Weiteren großen Anteil an der überragenden  gesanglichen Ausstrahlung dieses Opernabends haben die Sängerinnen der drei Hofdamen Catriona Smith, Anna Wehrle und Stine Marie Fischer, die aber ebenso darstellerisch Großes leisten – auch wenn sie nicht stimmlich im Einsatz sind – wie ihre Kollegen Michael Ebbecke als Feldmarschall Dörfling, Friedemann Röhlig als Obrist Kottwitz und Johannes Kammler als Wachtmeister. Gleiches gilt ohne jede Einschränkung für Mingjie Lei, Pawel Konik und Michael Nagl als die drei Offiziere.

Im Schlussbild präsentieren sich alle auf der Bühne Mitwirkenden mit einer Mischung aus Fan-Schal und Demo-Transparent, auf denen für die Gesellschaft und deren Zukunft  wichtige Werte und Einstellungen zu lesen sind. Dies mag etwas plakativ wirken, erscheint aber angesichts der populistischen, ja  rechtsextremen Tendenzen in vielen Ländern Europas als ein zulässiges, ja notwendiges Instrument, um Einfluss auf die politische und gesellschaftliche Wirklichkeit und die dortige Willensbildung zu nehmen. Und auch Träume müssen ja befeuert und  ins Bewusstsein gerufen werden….

Am Ende gab es vom ausverkauften Haus begeisterten, ja für eine zeitgenössische Oper frenetischen Beifall, der alle Beteiligten einschloss und an keiner Stelle durch eine noch so kleine Missfallenskundgebung getrübt wurde.

Der Prinz von Homburg an der Staatsoper Stuttgart, weitere  Vorstellungen am 20., 22. 29. März, 6. April, 4. Mai 2019

—| IOCO Kritik Oper Stuttgart |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Demis Volpi – 2020 neuer Ballettdirektor, IOCO Aktuell, 19.03.2019

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Demis Volpi, 2020 – Direktor des Ballett am Rhein

  – Paukenschlag – oder – die Rückkehr des abendfüllenden Handlungsballetts –

von Viktor Jarosch

Der Aufsichtsrat der Deutschen Oper am Rhein bestellte am 15.3.2019 einstimmig den deutsch-argentinier Demis Volpi, 33, ab Herbst 2020 zum neuen Ballettdirektor und Chefchoreograph des Ballett am Rhein. Volpi wird Nachfolger von Martin Schläpfer, der 2020 als Ballettdirektor an die Staatsoper Wien wechselt. Der unterzeichnete Vertrag hat eine Laufzeit von vier Jahren. Mit Volpi kündigt sich ein Gezeitenwechsel an, welcher die Vielfältigkeit und Attraktivität des Ballett am Rhein und auch der Rheinoper nachhaltig steigern kann.   

Intendant Christoph Meyer stellte am 15.3.2019 in Anwesenheit der Kulturdezernenten von Düsseldorf und Duisburg, Demis Volpi, 33, als kommenden Direktor des Ballett am Rhein der Öffentlichkeit vor. Mit der Nominierung war Meyer ein überraschender wie überzeugender Coup gelungen, deutet diese Bestellung doch, über die Person Volpi hinausgehend, einen Gezeitenwechsel, eine Modernisierung der Ausrichtung des Ballett am Rhein und ein vielfältigeres Spielplanangebot der Rheinoper an.

Deutsche Oper am Rhein / Demis Volpi mit Thomas Kruetzberg,Kulturdezernent Duisburg, Hans-Georg Lohe, Kulturdezernent von Düsseldorf, Christoph Meyer, Intendant Rheinoper © Andreas Endermann

Deutsche Oper am Rhein / Demis Volpi mit Thomas Kruetzberg,Kulturdezernent Duisburg, Hans-Georg Lohe, Kulturdezernent von Düsseldorf, Christoph Meyer, Intendant Rheinoper © Andreas Endermann

In der folgenden Aussprache outete sich Volpi in undogmatisch frischer Offenheit zu allen Facetten seiner zukünftigen Tätigkeit an der Rheinoper, dass lange vermisstes Handlungsballett für ihn bedeutend ist, dass Kinderballett und Ballett-gestütze Opernproduktionen reale Optionen sind; Optionen, die den Spielplan der Rheinoper nachhaltig verändern, bereichern können. So erklärte Volpi seine Sicht zum Handlungsballett, von Vorgänger Martin Schläpfer über Jahre leider nachhaltig gemieden: „abendfüllendes Handlungsballett kann modern und …sein; dies möchte ich weiter entwickeln..“.

„Allem Anfang wohnt ein Zauber inne ….“

Demis Volpi war 2013 bis 2017 Hauschoreograph des Stuttgarter Ballett,  welches, auf John Cranko gründend, eines der renommiertesten Ballettensemble weltweit ist. Peter Schlang, seit Jahren IOCO-Korrespondent in Stuttgart, beschrieb 2017 das von Volpi in Stuttgart geschaffene und inzwischen mehrfach ausgezeichnete Handlungsballett Tod in Venedig von Benjamin Britten, IOCO – link HIER. Peter Schlang schätzt Demis Volpi über seine Tätigkeit in Stuttgart sehr und gratuliert Aufsichtsrat, Management der Rheinoper wie Düsseldorfer Theaterbesuchern zur Bestellung von Volpi, wie er auch dessen Weggang aus Stuttgart als herben Verlust sieht. Volpis choreographische Umsetzung von Otfried Preußlers Roman Krabat, in welchem sich der Junge Krabat, als Lehrling eines Zaubermeisters gegen seinen Ziehvater behaupten muss, ein abendfüllendes Handlungsballett, ist bis heute Publikumsschlager der Staatsoper Stuttgart.

Martin Schläpfer ist, nach bestehender Vertragslage, noch bis 2024 als Choreographer in Residence mit mindestens einer Choreographie pro Spielzeit an das Ballett am Rhein gebunden. Erinnerlich: 2016 distanzierte sich Martin Schläpfer in auffälliger Form von Düsseldorf und der Rheinoper, link HIER  („..Die Stadt schafft es nicht…, Ich brauche deutlich mehr Geld.., als Mensch hier nicht heimisch….ich habe kein Publikum, das nach Handlungs-balletten verlangt…). Es bleibt abzuwarten, ob Martin Schläpfer nach der Bestellung von Demis Volpi tatsächlich als Choreographer in Residence tätig werden wird.


Deutsche Oper am Rhein / Demis Volpi, kommender Ballettdirektor Ballett am Rhein © Andreas Endermann

Deutsche Oper am Rhein / Demis Volpi, kommender Ballettdirektor Ballett am Rhein © Andreas Endermann

In Deutschland hat Demis Volpi neben seiner Tätigkeit für das Stuttgarter Ballett als Choreograph u.a. für das Ballett Dortmund, das Ballett im Revier Gelsenkirchen und das Badische Staatsballett aber auch als Opernregisseur gewirkt: Am Saarländischen Staatstheater inszenierte Volpi Médée Medea Senecae als Verbindung von Oper, Schauspiel und Tanz, am Nationaltheater Weimar inszenierte Volpi Don Giovanni. Im Mexiko kreierte Volpi das Kinderballett Rey y Rey.

Trotz seiner Jugend wurde Volpi auf internationalem Parkett bereits mehrfach ausgezeichnet. So war er 2018 für die International Opera Awards (Kategorie „Beste Produktion“ Prix Benois de la Danse am Bolshoi Theater in Moskau (Beste Choreographie für Salome, Stuttgarter Ballett) nominiert. Er ist Träger des Deutschen Tanzpreises (2014, Kategorie Zukunft), wurde 2017 in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt zum Nachwuchskünstler des Jahres gewählt und erhielt den Chilenischen Kunstkritiker-Preis. Freiberuflich hat er für renommierte Compagnien kreiert, darunter die Compañía Nacional de Danz de México, das American Ballett Theater New York, das Ballet of Flanders, das Ballet de Santiago de Chile, DanceWorks Chicago, das Northern Ballet in Leeds und das Korean National Ballet. Zudem hat er für Tänzer*innen wie Alessandra Ferri, Herman Cornejo, Alicia Amatriain, Sue Jin Kang, Cory Stearns oder Luis Ortigoza choreographiert.

„Demis Volpi ist einer der spannendsten, kreativsten und vielversprechendsten Choreographen und Regisseure der jungen Generation“, so der Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, Prof. Christoph Meyer. „Er verfügt über wertvolle, langjährige Erfahrung in der Arbeit mit großen Ballettcompagnien, über profundes administratives Know-How sowie enormes künstlerisches Potenzial. Er hat uns insbesondere durch seine moderne, genreübergreifende Herangehensweise überzeugt, die den Tanz als interdisziplinäres Medium definiert.“ Mit seinen „innovativen Ideen und seiner beeindruckenden künstlerischen Vita“, so Christoph Meyer weiter, habe sich Demis Volpi inmitten eines hochqualifizierten internationalen Bewerberfeldes durchgesetzt. „Nach zehn wunderbaren Jahren der Zusammenarbeit mit Martin Schläpfer, der hier in Düsseldorf und Duisburg Außerordentliches geleistet und das Ballett am Rhein zu einer der wichtigsten Adressen für den europäischen Tanz gemacht hat, war uns klar: Einen ,Nachfolger“, der nahtlos an Martin Schläpfers Arbeit und Ästhetik anknüpft, kann es nicht geben – und soll es auch nicht geben. Bei einem solchen Wechsel braucht es Mut zur Veränderung. Daher freuen wir uns nun sehr auf einen jungen, äußerst begabten Kollegen, der seiner großen Herausforderung mit Respekt, aber gleichzeitig auch mit Innovationskraft und dem nötigen Selbstbewusstsein begegnen wird.“

Don Giovanni – Hier in der Regie des jungen Regisseur Demis Volpi, 
Youtube Trailer des DNT  Weimar
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Hans-Georg Lohe, Kulturdezernent der Stadt Düsseldorf: „Auch in Zukunft sehe ich das Ballett am Rhein als eine der führenden, internationalen Ballett-Compagnien, als wichtigen Botschafter für Düsseldorf und Duisburg. Mit Demis Volpi haben wir für diese Aufgabe einen herausragenden jungen Choreographen verpflichten können, der durch seine Begeisterung für den Tanz, seinen Ideenreichtum und seine kluge, intensive Auseinandersetzung mit klassischen wie auch zeitgenössischen Werken neue Sichtweisen ermöglicht und das Ballett weiter entwickeln wird.

Thomas Krützberg, Kulturdezernent der Stadt Duisburg, freut sich ebenfalls über die Verpflichtung Volpis: „Das Ballett am Rhein trägt entscheidend zum Erfolg der einzigarten Theaterehe bei, die seit mehr als 60 Jahren in Duisburg und Düsseldorf ein vielfältiges, künstlerisch hochklassiges Programm einem breiten Publikum zugänglich macht. Umso mehr freuen wir uns, dass es uns gelungen ist, mit Demis Volpi einen der derzeit interessantesten und auch begehrtesten Choreographen seiner Generation zu verpflichten, um das internationale Top-Niveau der Compagnie zu sichern und dem Ballett an Rhein und Ruhr zugleich neue Impulse zu verleihen.

Demis Volpi:Mit großer Freude sehe ich der Herausforderung entgegen, das Ballett am Rhein ab der Spielzeit 2020/21 zu leiten und bin dankbar für das in mich gesetzte Vertrauen. Ich sehe meine Aufgabe darin, auf dem aufzubauen, was die Compagnie in den vergangenen Jahren bis heute erreicht hat; es wird also um die Pflege des neoklassischen Repertoires, die Einbindung wichtiger zeitgenössischer Choreograph*innen und Künstler*innen sowie die Erweiterung des Freiraums für neue choreographische Sprachen gehen. Darüber hinaus freue ich mich aber selbstverständlich auch darauf, eigene Akzente zu setzen, u.a. durch die Kreation eigener abendfüllender Handlungsballette zur weiteren Entwicklung des Repertoires und des Profils des Balletts am Rhein.

Zunächst freue ich mich jedoch auf das Kennenlernen der Tänzer*innen und Mitarbeitenden in den kommenden Wochen, sowie auf die Zusammenarbeit mit Christoph Meyer. Ich bin zudem sehr gespannt auf das Duisburger und Düsseldorfer Publikum und hoffe darauf, dass es den zukünftigen künstlerischen Entwicklungen seines Balletts mit Neugier und Offenheit begegnen wird.“

—| IOCO Aktuell Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

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