Stuttgart, MINISTERIUM FÜR WISSENSCHAFT, FORSCHUNG UND KUNST, Andreas Mölich-Zebhauser erhält Verdienstkreuz am Bande, 29.07.2019

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 Ministerium für Wissenschaft und Kunst Baden Württemberg

Ministerium für Wissenschaft Forschung & Kunst / Petra Olschowski hat Andreas Mölich-Zebhauser © MWK

Ministerium für Wissenschaft Forschung & Kunst / Petra Olschowski hat Andreas Mölich-Zebhauser © MWK

Andreas Mölich-Zebhauser mit Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt

Staatssekretärin Petra Olschowski: „Andreas Mölich-Zebhauser hat sich mit Leidenschaft für die Musik und Kultur eingesetzt und hat das Festpielhaus Baden-Baden zu einem Ort mit internationa-ler Strahlkraft gemacht“
Ehrung für den Intendanten und Geschäftsführer des Festspielhauses Baden-Baden

Staatssekretärin Petra Olschowski hat Andreas Mölich-Zebhauser das Verdienst-kreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland über-reicht und damit dessen jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement, seine wichtigen Impulse für die Musikwelt und seinen Einsatz für das Festspielhaus Ba-den-Baden gewürdigt, das internationale Anerkennung genießt.

„Andreas Mölich-Zebhauser hat mit mitreißender Energie, mit einem enormen Wissen, mit Kreativität und Können die Kulturlandschaft in Baden-Württemberg und darüber hinaus über Jahre hinweg geprägt“, sagte Olschowski am Montag (29. Juli) in Stuttgart. „Er hat Maßstäbe gesetzt und gezeigt, dass private Geldgeber und ein großes Publikum für klassische Musik, für Oper und Ballett zu gewinnen sind und dass sich große Ideen rechnen können“, so Olschowski weiter.

„Dank Andreas Mölich-Zebhausers Engagement ist das Festspielhaus Baden-Ba-den in der europäischen Hochkultur nicht mehr wegzudenken. Es ist ein Ort der Musik, der vom engen Vertrauensverhältnis zu den Künstlerinnen und Künstlern geprägt ist.“

Als neu ernannter Geschäftsführer und Intendant des 1998 in finanzieller Schief-lage geratenen Festspielhauses Baden-Baden hat er es geschafft, durch Überzeugungsarbeit und Gestaltungskraft den Konkurs abzuwenden. Durch die Grün-dung einer Stiftung, der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden, und durch private Sponsoren hat er dem größten Opernhaus in Deutschland einen Neustart ermöglicht. Er setzte als Intendant im Opern-, Konzert- und Ballettprogramm auf höchstes Niveau. Innerhalb kurzer Zeit gelang es ihm, bedeutende, internationale Orchester, Sängerinnen und Sänger, Solistinnen und Solisten und Dirigenten für besondere Festspielprogramme zu gewinnen. Mit der gemeinnützigen Sigmund Kiener Stiftung hat er die Kindermusikwelt „Toccarion“ ins Leben gerufen, bei der die musikalische Nachwuchs- und Talentförderung im Fokus steht.

Neben seinen beruflichen Funktionen als Musik- und Kulturmanager ist Andreas Mölich-Zebhauser in zahlreichen Ehrenämtern engagiert. Seit Gründung der „Ge-sellschaft der Freunde und Förderer“ der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main 2007 ist er deren ehrenamtliches Kuratoriumsmitglied. Zudem war er Präsident der Deutschen Ensemble Akademie e.V., Kuratoriumsmitglied der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen, Mitglied des Hochschulrats in der Hochschule für Musik Karlsruhe und Kuratoriumsmitglied des Kulturfonds Frankfurt Rhein Main gGmbH.

Weitere Informationen
Andreas Mölich-Zebhauser, geboren 1952 in Hamburg, studierte Geschichte und Germanistik an den Universitäten Hamburg und Bonn. Nach dem Staatsexamen begann er in einem Musikverlag zu arbeiten und studierte parallel BWL, Jura, Musikwissenschaften, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften an der Uni-versität München. 1991 übernahm Andreas Mölich-Zebhauser die Geschäftsführung der Deutschen Ensemble Akademie und des Frankfurter „Ensemble Modern“. Von 1998 bis 2019 war er Intendant und Geschäftsführer der Festspielhaus- und Festspiele Baden-Baden gGmbH.

—| Pressemeldung  Ministerium für Wissenschaft und Kunst Baden Württemberg  |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Norma – Vincenzo Bellini, 11.07.2019

Juli 11, 2019  
Veröffentlicht unter Oper, Pressemeldung, Staatsoper Stuttgart

Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

  Norma – Vincenzo Bellini

Aufwühlendes Doppelleben

Vincenzo Bellinis Norma – am 11. Juli 2019 – in neuer Besetzung 

Donnerstag, 11. Juli 2019, um 19 Uhr kehrt Vincenzo Bellinis Norma in der Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito auf den Spielplan der Staatsoper Stuttgart zurück. Es dirigiert Giacomo Sagripanti. Der junge italienische Dirigent gehört zu den gefragtesten Dirigenten seiner Generation und wurde im Jahr 2016 bei den International Opera Awards in der Kategorie „Young Conductor“ ausgezeichnet.

In der Titelpartie der Norma gibt die spanische Sopranistin Yolanda Auyanet ihr Hausdebüt. Ensemblemitglied Diana Haller singt erstmals in Stuttgart die Rolle der Adalgisa. Der italienische Tenor Massimo Giordano ist als Pollione erneut zu Gast an der Staatsoper Stuttgart. In dieser Spielzeit wurde er bereits an der Seite von Catherine Naglestad als Mario Cavaradossi in Puccinis Tosca vom Stuttgarter Publikum gefeiert. Kommende Saison ist er in der Titelpartie von Giuseppe Verdis Don Carlos zu erleben. Die weiteren Hauptpartien singen Ks. Liang Li (Oroveso) und Daniel Kluge (Flavio) aus dem Solistenensemble der Staatsoper Stuttgart.

Vincenzo Bellini - Père Lachaise - Paris © IOCO

Vincenzo Bellini – Père Lachaise – Paris © IOCO

In der Priesterin Norma, die ihren Göttern dient und dennoch nicht keusch leben will, zeichnet Vincenzo Bellini das aufwühlende Doppelleben einer bis ins Extrem liebesfähigen Frau: Als geistliche Autorität gibt Norma ihrem unterworfenen Volk Orientierung und hält zugleich an ihrer Liebe zu einem der Besatzer fest, selbst als dieser sie verlässt.

Vorstellungen:  11. / 14. / 17. Juli 2019, 21. / 24. September 2019, 03. Oktober 2019

Musikalische Leitung Giacomo Sagripanti, Regie und Dramaturgie Jossi Wieler, Sergio Morabito, Bühne und Kostüme Anna Viebrock, Chor Bernhard Moncado

Pollione, Massimo Giordano (Juli 2019) / Norman Reinhardt (Sept / Okt 2019),, Oroveso, Liang Li (Juli 2019) / David Steffens (Sept / Okt 2019), Norma Yolanda Auyanet, Adalgisa Diana Haller, Flavio Daniel Kluge (Juli 2019) / Moritz Kallenberg (Sept / Okt 2019), Staatsopernchor Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart

—| IOCO Kritik Staatsoper Stuttgart |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Mefistofele – Arrigo Boito, IOCO Kritik, 23.06.2019

Juni 23, 2019  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Stuttgart

Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Mefistofele – Arrigo Boito

– nach Labor und Disco – die Erlösung im Himmel  –

von Peter Schlang

Als achte und letzte Premiere in der ersten Spielzeit ihres neuen Intendanten Viktor Schoner kam der Stuttgarter Staatsoper am 16. Juni  Mefistofele auf die Bühne. Es ist die einzig vollendete Oper von Arrigo Boito, 1842 – 1918; Opernfreunden vor allem als Librettist des Spätwerks Giuseppe Verdis bekannt. Mit diesem Werk  wollte man in Stuttgart nicht nur die Auseinandersetzung mit verschiedenen Fassungen des Fauststoffes fortsetzen, sondern (vielleicht) auch den Beweis antreten, dass die sich hartnäckig haltende Meinung, Boitos Begabung läge mehr im literarischen als im musikalischen Bereich, ein Vorurteil ist. Um es vorweg zu nehmen: Dieses Ziel wurde nicht (ganz) erreicht, was auf gar keinen Fall den musikalisch Beteiligten angelastet werden darf, die allesamt am Premierenabend eine respektable bis vorzügliche Leistung boten.

Arrigo Boito, begeisterterer  Anhänger Richard Wagners, was in seiner Oper an vielen Stellen heraushört, versucht in Mefistofele, das Bewährte der Italienischen Belcanto-Oper mit dem (deutschen) Musikdrama zu einer neuen Form zu verschmelzen. Dazu verknüpft er klangmächtige Vor- und Zwischenspiele, zum Dahinschmelzen schöne Arioso, die den transparenten Parlando-Stil Puccinis genauso vorwegnehmen wie sie das Kraftvoll-Italienische seines großen Kollegen Verdi nachahmen, mit wirkmächtigen, groß besetzten Chorszenen. Außerdem zeigt Boito, dass er als Komponist um die musikalischen Wurzeln und Ursprünge weiß, denn sein Mefistofele offenbart zahlreiche Anleihen aus früheren musikalischen Epochen.

Mefistofele – Arrigo Boito
youtube Trailer Staatsoper Stuttgart
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All dies ist handwerklich gut gemacht, anfangs recht unterhaltsam und leicht und angenehm zu hören, auf Dauer aber häufig schnell durchschaubar und lässt die musikalisch-dramatische Zuspitzung und Abwechslung vermissen.

Daniele Callegari, für diese Neu- Produktion aus Mailand nach Stuttgart geholter Spezialist für das italienische Ouevre, versucht alles, um aus Boitos Musik einen fesselnden, Opernabend zu machen und animiert das Staatsorchester Stuttgart zum veritablen Klangsurfen auf Boitos Klangwellen, wobei er deren Wucht bei den eher seltenen Stellen intimen Innehaltens nicht immer entschieden  zu drosseln vermag. Für den ebenfalls kraftvoll auftrumpfenden Staatsopernchor sind Callegari und sein Orchester ein sicherer, kongenialer Begleiter, die mit dazu beitragen, das von Manuel Pujol wieder hervorragend präparierte (erwachsene) Gesangskollektiv wie so häufig in Stuttgart zu einem Star des Abends werden zu lassen. Dass einem in Stuttgart auch um den Chornachwuchs nicht Angst werden muss, bewies der Kinderchor, den Bernhard Moncado  stimmlich wie darstellerisch bestens auf seine frischen, nicht selten wirbelnden Einsätze vorbereitet hatte.

Staatsoper Stuttgart / Mefistofele - hier :  Mika Kares als Mefistofele © Thomas Aurin

Staatsoper Stuttgart / Mefistofele – hier : Mika Kares als Mefistofele © Thomas Aurin

Als weiterer stimmlicher Leuchtturm des Abends entpuppte sich der finnische Bass Mika Kares, welcher für die Titelfigur nicht nur stimmlich das Dämonisch-Abgründige mitbringt und seinen tief grundierten Bass wunderbar durch die zweieinhalbstündige Aufführung gleiten lässt, sondern auch darstellerisch alles an Dämonischem und Teuflischem bereithält, das man von seiner Rolle nun einmal erwarten darf. Dennoch sind dem Mefistofele Kares‘ auch menschliche Züge nicht fremd, etwa wenn er mit Verzweiflung  und Abscheu und Stöhnen und Jammern auf die sphärischen Klänge der himmlischen Heerscharen reagiert und sich ostentativ die Ohren zuhält.

Gegen diese Vollblut-Theaterfigur hat es der Faust Antonello Palombis, der mitten in den Proben für den erkrankten, ursprünglich vorgesehenen Gianluca Terranova einsprang, naturgemäß schwer. Der Sänger gibt jedoch sein Bestes und überwindet im Verlauf des Abends anfängliche leichte Unsicherheiten und Schärfen in den Höhen. Ansonsten wird er im Gegensatz zu seinem teuflischen Widerpart von der Regie ziemlich allein gelassen, worüber noch zu schreiben sein wird.

In der Doppelrolle Margheritas und Elenas liefert die junge, zu Beginn der Spielzeit ans Haus gekommene Sopranistin Olga Busuioc (Foto) ein begeisterndes, zu größten Belcanto-Hoffnungen  berechtigendes Rollendebüt und meistert klangschön und scheinbar federleicht alle stimmlichen Herausforderungen, auch ihre teilweise gewagten Koloraturen.

Staatsoper Stuttgart / Mefistofele - hier :  Olga Busuioc als Margherita © Thomas Aurin

Staatsoper Stuttgart / Mefistofele – hier : Olga Busuioc als Margherita © Thomas Aurin

Ebenfalls ohne Einschränkung überzeugten die beiden übrigen, (noch)  zum Internationalen Opernstudio der Stuttgarter Oper gehörenden Protagonisten, die aus Kolumbien stammende Mezzo-Sopranistin Fiorella Hincapié in der Doppelrolle der Marta und der Pantalis sowie der junge amerikanische Tenor Christopher Sokolowski als Wagner bzw. Nerèo. Dieses Solisten-Quintett beweist auch, solistisch wie in den zahlreichen, unterschiedlich besetzten Ensemble-Szenen, die Richtigkeit des nach wie vor in Stuttgart praktizierten Ansatzes, so häufig wie möglich auf hauseigene Kräfte statt auf große Namen zu setzen und dabei auch dem Sängernachwuchs so früh wie möglich seine Chancen zu geben.

Bleibt zum nicht ganz so guten Schluss dieser letzten Stuttgarter IOCO – Premieren-Besprechung dieser Spielzeit ein Blick auf die Arbeit des Regieteams. Als dieses hatte man den Regisseur Àlex Ollé vom so hoch gepriesenen katalanischen Theater-Kollektiv La Fura dels Baus, den  Bühnenbildner Alfons Flores und den Kostümbildner Lluc Castells verpflichtet. Das war sicherlich nicht nur ein bemerkenswerter Marketing-Coup, sondern sorgt in der Aufführung – vor allem anfänglich – für manches Staunen und einige äußerst spektakuläre und  theaterwirksame Momente.

Diese waren aber in erster Linie das Verdienst der beiden Ausstatter, bei denen Lluc Castells mit seinen aufwändigen, äußerst abwechslungsreichen und sehr auffallenden  Kostümen zumindest optisch die Nase vorne hatte. Dafür, dass sich diese und ihre Träger wirkmächtig in Szene setzen konnten, sorgte – technisch und theater-architektonisch eine Meisterleistung –  Alfons Flores mit einer in allen Richtungen verschiebbaren Gerüst-Konstruktion. Mit ihren unterschiedlich zu bespielenden drei Ebenen verkörperte sie, völlig naturfern und etwas zu zeitgeistig, die Unterwelt wie den Himmel und bot auch den von diesen umschlossenen verschiedenen irdischen Spielstätten eine regie-freundliche, äußerst theaterwirksame Basis, die durch zwei seitliche Treppen ein weiteres dramaturgisch äußerst wirkungsvolles Element erhielt, das für imposante Auf- und Abtritte genutzt wird. Anfänglich ist sie ein steriler Laborraum, an dem in einer Art  Versuchsanordnung 36 in aseptisches Weiß gekleidete und mit Forschungs-, genauer Sezier-, vielleicht auch Manipulationsarbeiten beschäftige Wissenschaftler (siehe youtube Trailer) zu sehen sind. Deren Arbeit wird durch Mefistofeles beendet, der anschließend alle Laborplätze, auch Fausts erst sehr spät geräumten, desinfiziert. Später ist die Bühnenkonstruktion abwechselnd mal Diskothek, mal Schauplatz der Walpurgisnacht, dann Kerker und Hinrichtungsort Margaretes und schließlich wieder der Himmel, in den der hilflose, sich verladen vor-kommende Mefisto seine sicher geglaubte Beute Faust entschwinden lassen muss.

Staatsoper Stuttgart / Mefistofele - hier :  Olga Busuioc als Margherita, Mika Kares als Mefistofele, Antonello Palombi als Faust © Thomas Aurin

Staatsoper Stuttgart / Mefistofele – hier : Olga Busuioc als Margherita, Mika Kares als Mefistofele, Antonello Palombi als Faust © Thomas Aurin

Die meisten dieser Szenen entfachen – zumindest zunächst – einiges an   theatralischem Aufsehen und besitzen durchaus dramaturgische Sogkraft, reichen aber nicht aus, um daraus einen dramaturgisch dichten und ideenhaft nachhaltig wirkenden Theaterabend zu machen und eine über optische Reize hinausgehende Wirkung zu erzielen.

Zum offensichtlichen Manko dieser Neuinszenierung, die als Ko-Produktion  mit der Opéra de Lyon dort schon am 11. Oktober des vergangenen Jahres Premiere gefeiert hatte,  trägt nicht nur bei, dass die Möglichkeiten der geschilderten Theaterlandschaft begrenzt und nach nicht allzu vielen Bildern ausgereizt sind. Als Hauptverantwortlichen dafür, dass die eigentliche Botschaft des Stücks eher diffus bleibt und nur in Ansätzen wahrnehmbar wird, muss der kritische Betrachter den  Regisseur Àlex Ollé und seine in Stuttgart mit der szenischen Einstudierung betrauten Kolleginnen bzw. Assistentinnen Susana Gómez und Tine Buyse ansehen und benennen. Sie schaffen es nicht, eine schlüssige, den Kern treffende Personen-führung und –zeichnung einzubringen; belassen es bei allgemeingültigen, sich häufig wiederholenden, schnell abnützenden Bewegungsabläufen und Anordnungen – gerade auch in den großen Ensembleszenen. So stellt sich vor dem Auge des Betrachters und in dessen Denk- und Fühlzentrum spätestens nach dem zweiten Akt eine gewisse dramaturgisch-optische Langeweile ein, die vor allem wegen der ausführlich gelobten musikalischen Ebene nicht dazu führt, dass man ein baldiges, vorgezogenes Ende dieses Opernabends herbeisehnt.

Da hat man in Stuttgart schon häufig – und das auch und gerade in dieser ersten Saison unter der neuen Leitung – besseres, aufregenderes und unterhaltsameres Opern-Regie-Theater erlebt. So gesehen wurden die so hochgesteckten und  durch entsprechend medienwirksamen Einsatz geweckten Erwartungen, die mit dem Namen  La Fura dels Baus verbunden sind, doch erheblich enttäuscht. Ein gewichtiger Grund, sich diese Opernausgrabung nicht anzusehen und anzuhören, ist dies allerdings dann doch nicht.

Ob der Verfasser dieser Zeilen mit seinen Beobachtungen allein war oder ob andere Premierengäste es ähnlich empfanden, ließ sich am Ende des Abends nicht eindeutig feststellen. Das  Regieteam befand sich nämlich am Premierentag, wie es im Besetzungszettel entschuldigend zu lesen war, bereits zur Vorbereitung einer Neu-Inszenierung in Tokio und fehlte daher beim Schluss-Applaus. So gab es einmütigen, lang anhaltenden Beifall für die musikalische Seite dieses Stuttgarter Mefistofele, der berechtigterweise gleichermaßen den Solistinnen und Solisten wie den drei Kollektiven  galt.

Medistofele an der Staatsoper Stuttgart; die weiteren Vorstellungen 22., 24., 29. Juni sowie 04., 07., 12. Juli  2019

—| IOCO Kritik Staatsoper Stuttgart |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Der fliegende Holländer – Richard Wagner, 20.06.2019

Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Der fliegende Holländer – Richard Wagner

„Treu Dir bis zum Tod!“

Vorstellungen 20. / 23. / 30. (nm) Juni 2019,  03. Juli 2019

Neu besetzt: Richard Wagners Der fliegende Holländer kehrt am 20. Juni 2019 auf die Stuttgarter Opernbühne zurück; David Afkham dirigiert

Ab Donnerstag, 20. Juni 2019, um 19 Uhr ist Richard Wagners Der fliegende Holländer in der Inszenierung von Calixto Bieito wieder auf der Stuttgarter Opernbühne zu erleben. Es dirigiert der aus Freiburg stammende David Afkham, der seit 2014 Chefdirigent des Spanischen Nationalorchesters in Madrid ist.

In der Titelpartie gibt John Lundgren sein Hausdebüt. Der schwedische Bariton sang diese Partie bereits bei den Bayreuther Festspielen. Weitere wichtige Engagements führten ihn zuletzt als Wotan im Ring des Nibelungen an das Royal Opera House Covent Garden und an die Hamburgische Staatsoper, als Jack Rance in Puccinis La Fanciulla del West an die Bayerische Staatsoper sowie als Graf Tomsky in Tschaikowskis Pique Dame an das Royal Opera House Covent Garden. Die ebenfalls aus Schweden stammende Sopranistin Elisabet Strid ist eine gefragte Interpretin der großen Strauss- und Wagner-Partien ihres Fachs. In Stuttgart gibt sie als Senta ihr Hausdebüt. Auch die weiteren Hauptpartien sind mit Ks. Liang Li (Donald), Ks. Matthias Klink (Georg) und Daniel Kluge (Steuermann) aus dem Solistenensemble der Staatsoper Stuttgart sowie Fiorella Hincapié (Mary) aus dem Internationalen Opernstudio der Staatsoper Stuttgart hochkarätig besetzt.

Gespielt wird die Pariser Urfassung aus dem Jahr 1841. In Wagners früher Oper wurde der Holländer von Satan selbst dazu verdammt, ruhelos auf den Weltmeeren zu kreuzen. Alle sieben Jahre darf er an Land, um eine Frau zu freien, die ihm Treue hält bis in den Tod. Calixto Bieito führt den Holländer aus der Hölle der ewigen Wiederkehr in die eiskalten Wasser egoistischer Berechnung. In der hyper-kapitalistischen Gesellschaft der Inszenierung gilt der Mensch nur so viel, wie er einbringt.

Vorstellungen 20. / 23. / 30. (nm) Juni 2019,  03. Juli 2019

Musikalische Leitung David Afkham, Regie Calixto Bieito, Choreographische Mitarbeit Lydia Steier, Bühne Susanne Gschwender, Rebecca Ringst, Kostüme Anna Eiermann
Licht Reinhard Traub, Dramaturgie Xavier Zuber,  Chor Manuel Pujol

Mit:  Donald Liang Li, Senta Elisabet Strid, Georg Matthias Klink, Mary Fiorella Hincapié, Der Steuermann Daniel Kluge, Der Holländer John Lundgren, Dämon Manni Laudenbach, Staatsopernchor Stuttgart, Zusatzchor der Oper Stuttgart (Geisterchor)
Staatsorchester Stuttgart

—| Pressemeldung Staatsoper Stuttgart |—

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