Plauen, Vogtlandtheater, Ballett Happy Birthday von Annett Göhre, IOCO Kritik, 05.05.2017

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Theater Plauen Zwickau

Theater Plauen-Zwickau © Theaterfotograf Peter Awtukowitsch

Theater Plauen-Zwickau © Theaterfotograf Peter Awtukowitsch

Ballettpremiere Happy Birthday von Annett Göhre

„Wer möchte nicht im Leben bleiben“

Happy Birthday: Weitere Vorstellungen: 7.5.2017, 3.6.2017, 9.6.2017, 16.6.2017

Vorspann: Im Vogtlandtheater zu Plauen erlebten wir zu Spielzeitbeginn im Ballett die Premiere der Goldfisch-Variationen und nun, als zweites Tanztheaterstück Annett Göhre, die Uraufführung von Happy Birthday. Diesen Titel kann heute jeder trällern, doch heiter war es nur bedingt.

Von Lutz Behrens

Theater Plauen-Zwickau / Ballett Happy Birthday - Es wird gestorben © zenna.de

Theater Plauen-Zwickau / Ballett Happy Birthday – Es wird gestorben © zenna.de

Die Kleine Bühne schien wie geschaffen für die schlichte, schwarze Schwermut, deren trostlose Unausweichlichkeit selbst durch ein vehementes Anrennen gegen Wände nicht aufzubrechen war. An der Decke warteten Luftballons, die aber wohl nur der Dekoration dienten oder doch einem höheren Zweck?, dazwischen blitzten hin und wieder Lampen auf, auch um Rhythmus sichtbar werden zu lassen. Überhaupt gingen bei dieser Uraufführung drei Künste: Tanz, Musik und das gesprochene Wort eine Synthese ein, die Abwechslung und Bereicherung versprach und zudem die Möglichkeiten des Tanztheaters erfreulich erweiterte.

Zuerst jedoch wurde gestorben. Sieben Mal. Sieben Schwarzgekleidete reckten sich nacheinander an gleicher Stelle theatralisch empor, um dann zusammenzusinken. Still rollend querten sie die Bühne, um, im Jenseits?, aufzuerstehen und sich nach allen Regeln der Kunst durch reichlich Schminke in Clowns zu verwandeln. Auch die mit hellem Kleid bekleidete Frau (Maki Taketa) demonstrierte ihr Sterben. Damit waren die thematischen Grundzüge gesetzt: das Sterben; was erwartet uns nach dem Tod? und die Ambivalenz der Figur des Clowns.

Locker aus dem Publikum kommt der Mann (Michael Günther a.G.), mit beeindruckender Bühnenpräsenz und großartiger Stimme. Seine Texte: ein Ausschnitt aus Heiner Müllers Todesanzeige, vom Dramatiker geschrieben nach dem Selbstmord seiner ersten Frau Inge; ein Abschnitt aus Oliver Sacks Dankbarkeit, ein naturwissenschaftliches Phänomen thematisierend, und das Brecht-Gedicht „Als ich in weißem Krankenzimmer der Charité“, in dem der kranke Brecht über seine Todesfurcht nachdenkt. Zudem eine Menge Statistik über Selbstmorde, ohne das Wort auszusprechen, und mit der Erkenntnis, dass es die Männer sind, die dafür überdurchschnittliche Anfälligkeit zeigen. Schließlich Jorge Luís Borges: Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte. Dessen Quintessenz: im zweiten Leben mehr Fehler machen, sich um die wahren Probleme sorgen und öfters mal barfuß gehen, wenigstens im Sommer.

Theater Plauen-Zwickau / Ballett Happy Birthday - Es wird gestorben © zenna.de

Theater Plauen-Zwickau / Ballett Happy Birthday – Es wird gestorben © zenna.de

Musikalisches gab es auch handgemacht. Katharina S. Müller a.G. spielte Selbstkomponiertes auf ihrer Violine, sogar im Liegen. Köstlich die Einspielung der Arie Der Hölle Rache aus Mozarts Zauberflöte, mit Verve gekrächzt von Florence Forster Jenkins, „Königin der Dissonanzen“. Ergänzt durch das Zitat ihrer Grabsteininschrift: „Die Leute können vielleicht behaupten, dass ich nicht singen kann, aber niemand kann behaupten, dass ich nicht gesungen hätte.“

Das Tanzstück dauerte, wie angegeben, 70 Minuten. Nicht immer fesselte es uneingeschränkt. Doch ein sehr gut agierendes, wenn auch dezimiertes Ensemble (neun Clowns waren angegeben), vermochte es immer wieder, die Spannung wiederherzustellen und mit den geschickt eingesetzten Texten und der Musik auch aufrechtzuerhalten. Viel Applaus am Ende, auch begeistertes Füßetrappeln. Und obwohl der  variationsreiche Umgang mit den Themen Tod, Selbstmord, Jenseits eher zu finalem Schwermut Anlass gegeben hätte, vermochte es ein kleines Kinderlied, das hierzulande jeder etwas Ältere kennt und vielleicht sogar selbst gesungen hat, den Abend heiter zu beschließen: Wer möchte nicht im Leben bleiben…

Happy Birthday: Weitere Vorstellungen: 7.5.2017, 3.6.2017, 9.6.2017, 16.6.2017

—| IOCO Kritik Theater Plauen Zwickau |—

Plauen, Vogtlandtheater, Ballett der Feuervogel von Igor Strawinsky, IOCO Kritik, 09.07.2016

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Theater Plauen Zwickau

Theater Plauen-Zwickau © Theaterfotograf Peter Awtukowitsch

Theater Plauen-Zwickau © Theaterfotograf Peter Awtukowitsch

Ballett  Der Feuervogel von Igor Strawinsky

 San Michele / Das Grab von Igor Stravinsky © IOCO

San Michele / Das Grab von Igor Stravinsky © IOCO

Der Feuervogel, ein Ballettklassiker der Moderne mit Musik von Igor Strawinsky, feierte am Samstag in Plauen Premiere. Choreografin Annett Göhre inszenierte mit hohem Anspruch, dabei emotional und intellektuell überzeugend. Dieses Ballett wird Furore machen.  Von Lutz Behrens

Zwei Wege führen, wie so oft, zum Glück. Ich kann mich einmal dem Ballett Der Feuervogel frei von aller Vorbelastung hingeben und es genießen. Hinschauen, hinhören, mich emotional berühren lassen, mit allen Sinnen offen sein. Für eine auf der Bühne faszinierend demonstrierte und jedem Anspruch standhaltende Tanzkunst. Mich dabei immer wieder fragen, welch großartige Talente eine junge Frau oder ein Mann mitbringen muss, um bei immensem, nie nachlassendem Trainingsaufwand derartige körperliche Höchstleistungen an Kraft, Beweglichkeit und Grazie zeigen zu können. Ich kann hören, was da an Strawinskys kongenialer Musik auf mich einwirkt.  Synkopisch hart, in diatonischer Melodik oder dem musikalischen Impressionismus verpflichtet und chromatisch erweitert; hervorragend intoniert von den Damen und Herren des Philharmonischen Orchesters am Theater Plauen-Zwickau und dirigiert von Maxim Böckelmann. Diesem wiederum verdankt das Ballett die eigenständige Klangcollage „Spacevogel“, die die Eingangsszene erfüllt und in eine märchenhafte Welt hineinführt, über die noch zu reden sein wird.

Plauen / Theater_Der Feuervogel © Peter Awtukowitsch

Plauen / Theater_Der Feuervogel © Peter Awtukowitsch

Ich kann intuitiv und mit aller Kraft meiner Phantasie versuchen zu begreifen, was ich sehe. Ragt ein Thron im Zentrum des Bühnenbildes (Miriam Braunstein) auf? Oder ist das ein Baum? Von Gras umgeben und weißen Luftballons gekrönt. Wer aber wird sich auf die Schaukel schwingen, die lockend zwischen den Zweigen hängt? Eine herrisch auf hochhakigen Schuhen daherkommende Dame (Louisa Poletti) im schwarzen Mantel, dominiert den Auftakt. Dreimal umkreist sie den Baum. Aus dem Orchestergraben winden sich unwirkliche Gestalten. Ein junges Mädchen (Nicole Stroh) betritt die Szene, modern gekleidet, suchend. Dann, der Feuervogel (Federico Politano), in unterschiedlicher Verkleidung. Das Spiel kann beginnen. Es werden, auch wie so oft, die stets die Künstler inspirierenden, uralten Themen verhandelt: die Suche nach Liebe, der Kampf zwischen Gut und Böse, Tod und Erfüllung.

 Plauen / Theater_Der Feuervogel_Poletti und Politano © Peter Awtukowitsch

Plauen / Theater_Der Feuervogel_Poletti und Politano © Peter Awtukowitsch

Oder ich nähere mich zum anderen dem Gegenstand mit wissenschaftlicher Akribie. Erfahre, dass Der Feuervogel bereits seit über 100 Jahren Furore macht, Ballettgeschichte geschrieben hat. Dass Strawinsky mit seiner Feuervogel-Musik zum weltbekannten Komponisten avancierte. Dass sich die Handlung speist aus russischen Märchenmotiven; dem des Feuervogels und des Märchenhelden Iwan Zarewitsch und dem vom unsterblichen Zauberer Kaschtschej, was schon verwirrend genug ist. Lese dann im schönen Programmheft (Ulrike Cordula Berger) nach, dass Ballettdirektorin Göhre dieses Ballett sehr heutig begreift und sein Wesen darin erkennt, „dass ein junger Mensch erwachsen werden muss und … sich zwischen der Traumwelt und der Realität entscheidet.“ Dass sie zudem einen Geschlechterwechsel riskiert hat. So wird der Feuervogel von einem Mann getanzt, und selbst ein knallrotes Tutu tut dem keinen Abbruch. Iwan hat sich in Iwanka verwandelt, die schöne Zarewna in einen Zarewitsch (Keigo Nozaki), und der Zauberer Kaschtschej betört –  endlich des Lackledermantels ledig – als sehr erotische Dame im transparenten Ganzkörpergewand (Kostüme: Leah Lichtwitz). –

Einprägsame Bilder bestimmen die herausragende Inszenierung. Ein Glücksgefühl entsteht, wenn die Tänzerinnen und Tänzer, die mit eckigen Bewegungen als mechanisch reagierende Schaufensterpuppen zu Automaten mutiert sind, sich – nun auch bekleidet – in harmonische Menschen verwandeln und unbedingt genannt sein müssen: Maki Taketa, Ekaterina Tumanova, Elena Tumanova, Michele Ciacci, Sebastian Uske und Keigo Nozaki.  

Viele theatralischen Register werden gezogen: So blitzt und donnert es gewaltig, Lichteffekte (Beleuchtung Jan Parthey) tun ein Übriges, die Kunstwelt wird zum sehr wirklichen Ort. Da in den russischen Volksmärchen, die ursprünglich das Ballett inhaltlich strukturieren, das Ei eine wichtige Rolle spielt (als Sitz der unsterblichen Seele Kaschtschejs), ermöglichen die zahllosen eiförmigen und hellen Luftballons, die wirkungsvoll auf die Bühne fallen, entsprechende Assoziationen. Schließlich haucht die böse Zauberin ihre Seele aus und endet in Ketten geschlagen. Die Liebenden finden sich.

Nach gut einer Stunde geht das furiose Ballett mit versöhnenden Szenen voller Hoffnung zu Ende. Ob ich es mit heiterem, naivem Herzen genieße oder mich vor allem in kunsttheoretische Überlegungen vertiefe, immer bleibt mir ein Kunsterlebnis, das alle meine Sinne anspricht und auf meine Ratio nicht verzichtet. Sehr empfehlenswert. IOCO / Lutz Behrens / 07.07.2016

Der Feuervogel:  Weitere Vorstellungen in Plauen am 16.12.2016 und 26.3.2017;  in der Lukaskirche Zwickau am 17.3.2017, 18.3.2017, 19.3.2017, 22.3.2017.

—| IOCO Kritik Theater Plauen Zwickau |—

Plauen, Vogtlandtheater, Kiss me, Kate Musical von Cole Porter, IOCO Kritik, 12.05.2016

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Theater Plauen Zwickau

Theater Plauen-Zwickau © Theaterfotograf Peter Awtukowitsch

Theater Plauen-Zwickau © Theaterfotograf Peter Awtukowitsch

Kiss me, Kate  –  Musical von Cole Porter

Donald Trump schafft Sprung ins Vogtlandtheater

Großartige Bilder, mitreißende Musik, überraschende Choreografie, schöne, auch laute Stimmen bündelten sich zu einem heiteren, frischen Premierenabend von Kiss me, Kate. Den vielen, hoch motivieren Akteuren dankte das Publikum mit Bravo-Rufen, starkem Applaus und Blumen.   Von Lutz Behrens

Plauen / Theater Plauen - Kiss me Kate- Ensemble © Peter Awtukowitsch

Plauen / Theater Plauen – Kiss me Kate- Ensemble © Peter Awtukowitsch

Da bleibt zumindest die Hoffnung, dass Donald Trump nur den Sprung auf die Bühne des Vogtlandtheaters und nicht bis ins Weiße Haus schafft. Ein bis ins platte Blondhaar echter Trump-Verschnitt (Holger Rieck) langweilte mit rhetorischen Versatzstücken und eitlen Politikerposen. Darunter litt nicht nur seine Braut. Der Auftritt sorgte zur Musical-Premiere für amüsante Aktualisierung, die zudem bigotte Lebensart entlarvte. Einmal die ewigen Werte der Ehe preisen, um im gleichen Atemzug der Ex-Geliebten Lois Lane (Maria Mucha a.G.) Visitenkarte und Geld zuzustecken für ein Date „nach der Wahl“. Ansonsten blieben die Bemühungen, das Musical ins Heute zu hieven, erfreulich dezent; von Handys abgesehen und der einen oder anderen Anspielung setzte die Inszenierung auf den vorgegeben Rahmen.

Plauen / Theater Plauen - Kiss me Kate - Sonja Westermann als Lilli Vanessi © Peter Awtukowitsch

Plauen / Theater Plauen – Kiss me Kate – Sonja Westermann als Lilli Vanessi © Peter Awtukowitsch

Und der hatte es in sich. Drei, vier Ebenen, die sich auch optisch im Bühnenbild (Tilo Staudte) abgrenzten, mischten sich flott in turbulenter Handlung. Da wird einmal vor dem perfekt gestalteten Vorhang agiert. Hier haben die beiden Geld eintreibenden Ganoven, optisch als Blues-Broth er auftrumpfende Gangster (Marcus Sandmann und Georg Streuber, als Gäste), ihren schmierig-charmanten Auftritt. Zudem ohne Ende, um stets aufs Neue Szenenbeifall einzuheimsen. Ihr unverwüstliches „Schlag nach bei Shakespeare“ bewies mit frivolem Text den mannigfaltigen erotischen Mehrwert kultureller Bildung. Wir wussten längst, dass Lesen nicht nur schlau macht.

Da sehen wir zudem mitten hinein in das farbkräftige Bühnenbild von Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung. Präsentiert als Musical „Zähmung“ und im Musical Kiss me, Kate  durch die Figuren verknüpft mit der Rahmenhandlung. Deren Verwicklungen wiederum verfolgen wir in der intimen Atmosphäre zweier Künstlergarderoben oder im sachlich-dunklen Interieur einer Hinterbühne. Dort werden wir voyeuristischer Zeuge der erotisch aufgeladenen Atmosphäre einer Vorstellungspause mit schwitzenden, ermatteten Sängerinnen und Sängern, Ballettdamen oder Bühnenpersonal und einem auch sonst überzeugenden Shin Taniguchi als Interpreten von „`s ist viel zu heiß“. Das alles mag verwirrend klingen, ist es aber nicht.

Plauen / TheaterPlauen - Kiss me Kate - Ballett-Ensemble © Peter Awtukowitsch

Plauen / TheaterPlauen – Kiss me Kate – Ballett-Ensemble © Peter Awtukowitsch

Denn im Kern geht es, wie in aller Kunst, selbst der schillerndsten, immer um wenige, existentielle Themen. Zum Beispiel Liebe. In unserem Falle also um die Frage, ob Lilli Vanessi (Sonja Westermann) noch Gefühle hegt für ihren Ex-Ehemann Fred Graham (Hinrich Horn) und umgekehrt. Obwohl Lilli längst auf eine triste Ehe mit Mr. Howell zutreibt und Fred der Sängerin Lois Lane zweideutige Komplimente macht und Blumen nebst Kärtchen schickt. Und wie in „Zähmung“ Petruchio am Ende sehr drastisch Katharina bändigt, so lässt die Rückkehr Lillis auf die Bühne Fred aufs Happy End hoffen.

Damit ist es an der Zeit, Hinrich Horn zu würdigen, der mit großer Stimme und alles beherrschender physischer Präsenz dominiert. Ein Glücksfall, ihn mit dieser Rolle betrauen zu können. Ihm ist Sonja Westermann eine ebenbürtige Partnerin. Maria Mucha, John Pumphrey und Maximilian Nowka hingegen haben es nicht leicht, gegen so viel elementare Wucht anzukommen. Maria Mucha trumpft mit leichtbekleidetem Sexappeal auf. Dem in Plauen nicht vergessenen Maximilian Nowka gelingt dies auch durch choreografische Eleganz. Schön war es, wieder einmal Jens Herrmann (als Baptista) auf der Bühne zu sehen.

Choreografin Amy Share-Kisslov trägt immens zum Gelingen des Stücks bei. Sie verstand es, alle Akteure in ständiger Bewegung zu halten und in den komplizierten Massenszenen bis zur letzten Reihe ästhetisch gelungen agieren zu lassen. Großes Lob gebührt den Damen und Herren des Philharmonischen Orchesters unter Thomas Peuschel. Die musikalische Qualität war der intelligenten, mit überraschenden Einfällen, Spielwitz und stringenter Handlungsführung überzeugenden Inszenierung von Christian Poewe ebenbürtig.

So gelingt im Vogtlandtheater Plauen das seltene Kunststück, mit einem Publikumsrenner fast auf den Tag genau Shakespeares 400. Todestag zu würdigen, dies mit populärer Musik zu würzen und alles in einem Musical von Weltrang genussvoll zu verpacken. Chapeau!  IOCO /  Lutz Behrens / 12.06.2016

Kiss me, Kate:   Weitere Vorstellungen 15.5.2016; 22.5.2016; 07.6.2016,

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Markneukirchen, 51. Internationaler Instrumentalwettbewerb, IOCO Aktuell, 08.05.2016

Markneukirchen / Rieseninstrumente vor Musikinstrumentenmuseum © FFF

Markneukirchen / Rieseninstrumente vor Musikinstrumentenmuseum © FFF

51. Internationaler Instrumentalwettbewerb  für Horn und Tuba
 Markneukirchen – 19. bis 28. Mai 2016

Markneukirchen / Bettina Aust © Christine Schneider

Markneukirchen / Bettina Aust © Christine Schneider

Eröffnet wird der Wettbewerb mit einem Konzert des Sinfonieorchesters Markneukirchen am Freitag, den 20. Mai 2016. Solistin des Abends wird die 27-jährige Klarinettistin Bettina Aust sein. Sie begeisterte als 1. Preisträgerin des Internationalen Instrumentalwettbewerbes Markneukirchen 2014 und kehrt nun mit dem Klarinetten-konzert von Wolfgang Amadeus Mozart an den Ort ihres Erfolges zurück. Auf dem Programm des Abends stehen außerdem die Ouvertüre zur Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart sowie Dvoráks 8. Sinfonie.

Das Blasorchester Markneukirchen, ebenfalls ein Laienorchester mit zahlreichen Musikinstrumentenbauern in seinen Reihen, gibt am darauffolgenden Dienstag, den 24. Mai 2016, ein Konzert unter dem Motto „Vive la France“ mit Ausschnitten aus „Les Miserables“, dem „Gendarmen von San Tropez“ und einer Auswahl der schönsten Chansons in Originalsprache. Gesangssolistin ist Lilly Menzel aus Markneukirchen, die Moderation übernimmt Jörg Simmat aus Plauen.

Christian Thielemann ist Schirmherr des Instrumentalwettbewerb

Markneukirchen / Im Elstergebirge Sachsens © A. Wunderlich

Markneukirchen / Im Elstergebirge Sachsens © A. Wunderlich

Markneukirchen ist schön. Doch die musikalische Tradition des Ortes ist spektakulär: Reizvoll auf dem westlichen Elstergebirge Sachsens gelegen, im oberen Vogtland nahe Tschechien, besitzt der Ort eine ungewöhnliche Spezialität: Um 1200 gegründet wird der Ort nach seinem Gründer Albertus Nothaft de Wildestein Nothaft genannt. Stadtrechte erhielt das Örtchen Nothaft bereits 1360. 1405 erstmals als Markt Neukirchen amtlich erwähnt, besaß es als „Amtsstädtchen“ schon früh Sitz und Stimme im „kursächsischen Landtag“.

Horn und Tuba sind Mittelpunkt des 51. Internationalen Instrumentalwettbewerbes Markneukirchen. Vom 19. bis 28. Mai 2016 lädt die Musikstadt erneut junge Musiker aus aller Welt ein, über vier Wettbewerbsrunden ihr herausragendes Können zu zeigen und sich der Bewertung durch namhafte Juroren aus dem In- und Ausland zu stellen.

Markneukirchen / Geigenbauer Joerg Wunderlich © FFF

Markneukirchen / Geigenbauer Joerg Wunderlich schafft eine neues Instrument © FFF

Überregionale Bedeutung gewinnt das kleine Örtchen ab 1658, als protestantische Glaubensflüchtlinge den Geigenbau in die Stadt bringen. 12 Geigenbauer gründen 1677 die erste Geigenmacherinnung, 1750 beginnt der Bogenbau, 1777 gründen Saitenmacher die erste Saitenmacherinnung. 1797 schließen sich Waldhorn- und Pfeifenmacher zur „Musikalischen Blas,- Instrumentenmachergesellschaft“ zusammen. Um 1800 werden Gitarren gebaut; Zithern und Mandolinen folgen bald. 1834 wird in Markneukirchen die erste Musikschule Deutschlands gegründet. Auch die Martin-Trompete (Schalmei) wird 1905 in Markneukirchen entwickelt.

Markneukirchen / Philharmonisches Orchester Plauen-Zwickau © Theater Plauen Zwickau

Markneukirchen / Philharmonisches Orchester Plauen-Zwickau © Theater Plauen-Zwickau

Glanzvoller Höhepunkt und Abschluss des Wettbewerbes wird auch 2016 wieder das Preisträgerkonzert mit den Bestplatzierten des Wettbewerbes in den Fächern Horn und Tuba am Samstag, dem 28. Mai 2016, 19.00 Uhr in der Musikhalle Markneukirchen sein. Die beiden Bestplatzierten werden mit dem Hornkonzert von Jirí Pauer bzw. dem Tubakonzert von Alexander Arutiunian zu erleben sein. Beide Werke stehen auch in den Finalrunden am 26. Mai (Tuba) und am 27. Mai (Horn) auf dem Programm. Die Begleitung wird vom Philharmonischen Orchester Plauen-Zwickau unter der Leitung von GMD Lutz de Veer übernommen. Die weiteren Preisträger stellen im Preisträgerkonzert ihr Können noch einmal mit den herausragendsten Interpretationen aus ihrem Wettbewerbsprogramm unter Beweis.

Während der Wettbewerbstage wird es in den Instrumentenbau-Werkstätten, bei Ausstellungen und einem Fachgespräch auch wieder verschiedenste Möglichkeiten geben, sich dem Thema Instrumentenbau zu nähern. Dabei wird die rund 350-jährige Handwerkstradition, die erst im Dezember 2014 in die Liste des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen wurde, für jedermann greifbar.

Der zweifache Markneukirchener Preisträger im Fach Tuba, Roland Szentpali aus Ungarn wird am Montag, den 23. Mai, 18.00 Uhr in der Musikhalle Markneukirchen einen Vortrag zur Entwicklung vom Serpent zur modernen Tuba halten und dabei auch gleich passende Musikbespiele vortragen.

Den Saxophonen im deutschsprachigen Raum widmet sich eine Sonderausstellung des Musikinstrumenten-Museums Markneukirchen, die zur Museumsnacht am Samstag, den 21. Mai 2016, 19.00 Uhr eröffnet wird.

Allgemeines zum 51. Internationalen Instrumentalwettbewerb

Den Fachjuryvorsitz übernehmen Prof. Christian Lampert (Deutschland) für das Fach Horn, selbst Preisträger des Markneukirchener Wettbewerbes, sowie Markus Theinert (Deutschland) im Fach Tuba. Für beide Jurys konnten namhafte internationale Musikpädagogen bzw. Solisten gewonnen werden. Im Fach Horn sind dies: Prof. Mag. Johannes Hinterholzer (Österreich), Prof. Michael Höltzel (Deutschland), Prof. Herman Jeurissen (Niederlande), Prof. Erich Penzel (Deutschland), Prof. Frøydis Ree Wekre (Norwegen) und Prof. Vladimíra Klánská (Tschechische Republik), die kurzfristig für Prof. Ib Lanzky-Otto (Schweden) eingesprungen ist. Der Jury im Fach Tuba gehören an: Prof. Øystein Baadsvik (Norwegen), Prof. Gérard Buquet (Frankreich), Markus Hötzel (Deutschland, zweimaliger Preisträger des Markneukirchener Wettbewerbes), Prof. Eiichi Inagawa (Japan), Prof. Daniel Perantoni (USA), Prof. Josef Steinböck (Österreich), Stefan Tischler (Deutschland) und Prof. Jörg Wachsmuth (Deutschland, zweimaliger Preisträger des Wettbewerbes in Markneukirchen), der insbesondere als Solist mit der Markneukirchener Riesentuba eine enge Beziehung zur Musikstadt pflegt. Die künstlerische Leitung liegt in den Händen des Präsidenten für Blasinstrumente Professor Peter Damm. Die Schirmherrschaft haben der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden Christian Thielemann, die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Dr. Eva-Maria Stange sowie Professor Kurt Masur (†) übernommen.

Das Fach Tuba hat in Markneukirchen einen besonderen Stellenwert, wurde doch mit der Einführung dieses Faches im Jahr 1980 ein Instrument auf das internationale Podium geholt, das solistisch oft nur ein Schattendasein führt. Umso bemerkenswerter sind die Leistungen der Teilnehmer und ein Erfolg in Markneukirchen wird ein Meilenstein in ihrer künstlerischen Laufbahn sein.

IOCO / 08.05.2016

—| IOCO Aktuell Instrumentalwettbewerb Markneuenkirchen |—

 

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